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Achtsamkeit im Umgang

  • Warum du unbedingt Pferdetagebuch führen solltest

    Tagebuchschreiben ist verrufen als fad, altbacken und Kinderkram. Aber ganz zu unrecht! Wer sich regelmäßig Zeit nimmt, um Pferdetagebuch zu schreiben, geht in die Stille und reflektiert sich und sein Handeln. Wer Pferdetagebuch schreibt, kommt wieder mehr in die Ruhe – eine ganz wichtige Voraussetzung, um sich im trubeligen Alltag zu erden und ein Ruhepol und sanfter Führer für sein Pferd zu werden!

    Warum du unbedingt ein Pferdetagebuch führen solltest und warum uns das Schreiben mit Stift und Papier so guttut, habe ich Vanessa Beyer, Schreibmentorin und Texterin aus Leipzig und begeisterte Reiterin, gefragt.

    Liebe Vanessa, wir haben uns ja zufällig übers Internet „kennengelernt“ und dann entdeckt, dass wir beide Pferde und das Reiten lieben und sogar Hunde derselben Rasse haben …

    Wie bist du zu den Pferden gekommen? Was fasziniert dich so an diesen Tieren?

    Oh, daran kann ich mich noch gut erinnern: Als ich noch klein war, haben meine Eltern mit mir Urlaub auf einem Bauernhof gemacht und bei einem Ausritt sind die Pferde durchgegangen. Zum Glück ist nichts passiert. Danach meinte ich, dass ich gerne Reiten lernen möchte. Zurück zuhause hatte ich meine erste Reitstunde, die allerdings nicht lang ging, weil ich so viel Angst hatte. Meine Reitlehrerin meinte damals, dass sie aus mir eine Reitmaus macht – und nun sitze ich schon seit über 20 Jahren im Sattel.

    Zu meinem 12. Geburtstag stand dann mit einer großen roten Schleife um den Hals mein Pferd Cody in der Box. Cody war damals 6 Jahre alt und wenn ich nach rechts gehen wollte, ist er prinzipiell nach links gelaufen. Bei unserem ersten Turnier wurden wir in allen Prüfungen disqualifiziert, aber wir haben uns zusammengerauft und erritten uns u. a. fünf Europameistertitel. Heute genießen wir zusammen Codys Rentnerleben, und ich bin sehr dankbar, dass er mit seinen 24 Jahren noch so fit ist. 

    Cody lehrte mir in all der Zeit – und das finde ich an diesen Tieren so faszinierend – was Geduld, Ehrgeiz und Vertrauen wirklich bedeuten. 

    Vanessa und Cody waren sehr erfolgreich im Westernreitsport unterwegs. Sie gewannen u. a. fünf Europameistertitel!

    Magst du meinen Leserinnen und Lesern kurz erzählen, was du neben Reiten und Gassigehen mit dem Hund sonst noch machst?

    Ich verbringe gerne Zeit mit meinen Herzensmenschen, interessiere mich für mentale und emotionale Gesundheit und mache regelmäßig Sport. Außerdem ist meine Arbeit ein wichtiger und schöner Bestandteil meines Alltags. 

    Du bist Schreibmentorin. Was kann man sich darunter vorstellen? Wobei hilfst du Menschen?

    Als Schreibmentorin begleite ich Menschen dabei, ihre Gedanken, Gefühle und Geschichten in Worte zu fassen. 

    Zum einen im beruflichen Kontext, indem wir zusammen Konzepte und Texte für die Brand Story, Websites, Blogs, Kurse oder Bücher kreieren. 

    Und zum anderen auch für das Persönliche, denn wenn wir regelmäßig für uns selbst schreiben und dabei unsere innere Stimme wahrnehmen, können wir uns mehr Klarheit, Struktur, Selbstbewusstsein, Vertrauen, Leichtigkeit und Freude im Alltag und im Leben schenken.

    Gab es auch schon Kundinnen oder Kunden von dir, die dich gebeten haben, ihnen mit ihren Texten zu einem speziellen Thema im Pferdesport zu helfen?

    Nein, das gab es bisher leider noch nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Spontan finde ich zum Beispiel die Idee prima, ein Journal für Pferdebesitzer zu kreieren, in dem es darum geht, sich selbst als Reiter und die Verbindung zum Pferd mental und emotional zu stärken.

    Tagebuch bzw. Pferdetagebuch zu schreiben hilft beim Lernen

    In meinem Online-Kurs Relax and Ride bitte ich meine Teilnehmerinnen darum, zu jedem Modul ein Erfolgstagebuch bzw. Pferdetagebuch zu schreiben. Was sind die Vorteile, wenn man Erlebtes und zu Lernendes aufschreibt?

    Beim Schreiben bringen wir unsere Gedanken, Gefühle und Geschichten aufs Papier. Sie verfliegen dann nicht so schnell wie das gesprochene Wort und stehen Schwarz auf Weiß vor uns. Journaling hilft uns, bestimmte Muster zu erkennen, beispielsweise in unseren Gedanken, Entscheidungen und Handlungen. Im Alltag verlaufen diese Prozesse ja meistens automatisch, also ohne, dass wir viel darüber nachdenken, und so können wir wieder mehr Bewusstsein in unser Leben bringen. 

    Als Pferdebesitzer können wir uns zum Beispiel mal fragen:

    • Wie möchte ich als Pferdebesitzer eigentlich sein? Worauf lege ich persönlich Wert und wie kann ich meinem Pferd ein wundervolles Leben ermöglichen?
    • In welchen Situationen kommen wir immer wieder ins Hadern? Woran könnte das liegen? Wie kann ich mein Pferd und mich in diesen Situationen mit mehr Leichtigkeit unterstützen?
    • Wobei könnte es beim Training Schwierigkeiten geben und wie geht die bewusste, geduldige und liebevollste Version von mir damit um?
    • Was habe ich heute über mich gelernt? Was habe ich heute über mein Pferd gelernt? Welche Erkenntnisse nehme ich mir davon mit?

    Statt also oft einfach nur zu reagieren, hilft uns das regelmäßige Schreiben dabei, unsere Mensch-Pferd-Beziehung klarer, fokussierter, einfühlsamer und vertrauensvoller zu gestalten.

    Wenn du dich für meinen Online-Kurs Relax and Ride interessierst, melde dich für meine E-Mail-Liste an. So bist du immer top informiert, wann der Kurs wieder gebucht werden kann. Zudem erhältst regelmäßig Inspirationen, Tipps und Praxisvideos!

    Vanessa Beyer Journaling
    Durch das führen eines Pferdetagebuchs können wir das hektische Außen mal leiser drehen und im Innen wieder Ruhe finden, was uns auch im Umgang mit dem Pferd entspannter macht.

    Was früher Tagebuchschreiben war, heißt jetzt Journaling

    Ein Pferdetagebuch zu führen bekommt rasch das Etikett „altmodisch und kindisch“. Warum empfiehlst du, es dennoch zu tun?

    Gerade als Erwachsene haben wir einen recht schnellen und getakteten Alltag mit Terminen, Verpflichtungen und Erwartungen. Beim Schreiben können wir das Außen mit all dem Trubel mal wieder leiser drehen und unsere innere Stimme wahrnehmen. Wir können mit uns selbst ins Gespräch gehen und wieder bewusster mit unseren Wünschen und Bedürfnissen verbinden. 

    Das Schreiben mit der Hand ist außerdem wissenschaftlich nachgewiesen ein wundervolles Tool, um unsere Gedanken zu entschleunigen. Wenn wir zur Ruhe kommen, entspannen sich auch unsere Muskeln, der Blutdruck senkt sich und der Herzschlag wird reguliert. Wenn wir regelmäßig schreiben, kann das einen positiven Effekt bei Stress, innerer Anspannung und Unruhe, Schlafproblemen, Ängsten, bei bei der Stärkung des Immunsystems, Konzentration und Erinnerungsvermögen sein.

    So wie wir im Stall einfach mal abschalten können und danach alle Probleme plötzlich kleiner sind, ist auch das Journaling eine wohltuende Möglichkeit, wieder mehr bei uns selbst anzukommen.

    Pferdetagebuch in Kombination mit einer Achtsamkeitspraxis

    Eine schöne Art, „Journaling“ zu betreiben, ist das Reflektieren über den Tag und eine Art Achtsamkeits- oder Dankbarkeitspraxis einzuführen.

    Welche Tipps kannst du meinen Leserinnen geben, wenn sie darüber nachdenken, mit dem Pferdetagebuchschreiben oder dem Journaling anzufangen?

    Häufig hören wir, dass wir unbedingt täglich schreiben müssten, dass morgens der perfekte Zeitpunkt ist und dass wir mindestens fünf Dinge aufs Papier bringen müssten, wofür wir dankbar sind. 

    Ich finde, das Journaling sollte immer zur aktuellen Lebensphase passen. Frag dich daher am besten: Was brauchst du gerade? Was wünschst du dir von deiner Journaling Routine? Was ist wirklich realistisch? Und wie kannst du dich selbst dabei unterstützen, wirklich regelmäßig zu schreiben? 

    Fang zum Beispiel ganz entspannt damit an, dass du dir ein Wort, einen Satz bzw. eine Frage notierst, die dich durch den Tag begleitet und dass du sie näher beschreibst. Oder frage dich, wie du dich gerade fühlst, wie du dich fühlen möchtest und was du dafür tun kannst, um diese Gefühle in deinen Tag zu bringen.

    Je mehr du schreibst, desto mehr verbindest du dich mit deiner inneren Stimme und nimmst bewusster wahr, was du brauchst und was dir guttut.

     

    Vanessa Beyer Pferdetagebuch

    Wer ist Vanessa Beyer?

    Vanessa Beyer ist selbstständige Schreib-Mentorin und Texterin. Sie begleitet Menschen dabei, ihre Gedanken, Gefühle und Geschichten in Worte zu fassen. In ihrem Newsletter Liebe Seele… berichtet sie jeden Sonntag von ihren eigenen Erfahrungen, Emotionen und Erkenntnissen. Im Liebe Seele…-Club lädt sie außerdem mit gezielten Vorlagen und live Journaling Sessions Menschen dazu ein, selbst regelmäßig den Stift und somit ihr Leben in die Hand zu nehmen. Ihre Feel Good-Manager sind dabei ihr 24-jähriger Paint Horse Cody und ihr
    11-jähriger Australian Cattle Dog Paul.

    https://liebeseele-impulse.de 

    https://liebeseele-impulse.de/newsletter/ 

    https://liebeseele-impulse.de/club

    https://www.instagram.com/vanessa_liebeseele/

  • Wie du die Macht deiner Weiblichkeit im Pferdetraining nutzen kannst

    Wer von uns Pferdefrauen kennt es nicht? In den Tagen vor den Tagen sollte dich keiner in der Stallgasse schief ansehen, es könnte ein Wutausbruch folgen. Während den Tagen reagierst du rasch emotional und fühlst dich ziemlich neben der Spur (von möglichen Regelschmerzen mal ganz abgesehen). Und dann sind da noch die Tage nach den Tagen, wo wieder alles Friede, Freude, Eierkuchen ist und du am liebsten die ganze Welt umarmen möchtest.

    Der weibliche Zyklus und das damit einhergehende Hormonchaos mit all seinen Ups and Downs hält uns Pferdefrauen ganz schön auf Trab.

    In diesem Blogbeitrag möchte ich darauf eingehen, wie du dieses Chaos in deinen Emotionen, deiner Gefühlswelt und deinem Körper durch Achtsamkeit wieder in den Griff bekommst und wie du die Macht der Weiblichkeit im Pferdetraining nutzen kannst.

    Frauen und „ihre Tage“ - unnötig aufgebauschtes Thema?

    Manche denken sich jetzt vielleicht: „Wieso bauscht Melanie denn dieses Thema so unnötig auf? Ich nehme die Pille … und die monatliche Blutung? Ein paar Tage bluten – na und?“

    Dazu kann ich dir sagen: Auch diese „Wurschtigkeit“ gegenüber den Tagen und dem weiblichen Zyklus kenne ich. Lange genug habe ich die Pille genommen und die paar Tage im Monate Bluten haben mich genau null und gar nicht aus der (Reit-)Bahn geworfen. Ich habe sie körperlich nicht mal gespürt. Kein Ziepen, kein Zerren im Unterleib gar nix.

    Was ich aber sehr wohl gespürt habe, war, dass ich an ein paar Tagen im Monat leicht reizbar war – und mich auch dementsprechend vermehrt mit Schokolade oder sonstigem Essen selbst besänftigen musste ;). In dieser Zeit konnte es passieren, dass mein Pferd schon mal einen unsanften Klaps bekommen hat, wenn es mir mal unsanft zu nahe kam, mich anrempelte oder sonst in meinen Augen „unachtsam“ war.

    Tabuthema Weiblichkeit: „Ist die wieder zickig - die hat sicher ihre Tage ...“

    Kennst du diese Tage? Wo dir gefühlt ständig eine Laus über die Leber läuft und dir sowieso jeder Mensch massiv auf den Wecker geht?

    Ich kenne diese Tage zuhauf. Als junges, ehrgeiziges Pferdemädchen musste an solchen Tagen mein Pferd meine Launen meist ausbaden. Da wurde härter trainiert, die eine Lektion vier bis fünf Mal öfter geritten, bis sie auch wirklich saß (obwohl sie das nie tat, weil meine Konzentration und Kraft und auch die meines Pferdes dahingeschmolzen war). Und da war man auch mal wenig zimperlich mit seinem Pferd: „Das muss er halt aushalten.“

    Ja, da war ich noch jung.

    Solche Tage gibt’s aber leider immer noch. Nur bin ich jetzt älter und (ein klein wenig) schlauer 😉

    An solchen Tagen gehe ich meinen Mitmenschen, wenn möglich, bewusst aus dem Weg. Und bin da dann lieber allein im Stall, sage Verabredungen zu Ausritten ab und – das habe ich über die Jahre gelernt! – bin nachsichtig mit mir und meinem Pferd.

    Opfer der weiblichen Hormone?

    Wenn der weibliche Zyklus uns Frauen „in seinen Klauen“ hält, um es mal ganz dramatisch auszusprechen, dann ist unser Organismus grad mit etwas sehr wichtigem Organischem in unserem Inneren beschäftigt.

    Wer die Pille abgesetzt hat (oder sie erst gar nie genommen hat), wird bemerkt haben, dass nach einer Phase des Chaos im Körper sich der Organismus einen schönen, fast auf den Tag genauen Rhythmus angewöhnt hat. Das macht es uns Frauen leicht, dementsprechend die Tage „rund um die Tage“ besser zu planen.

    So kannst du deine Pläne mit deinem Pferd auch entsprechend anpassen. So würde ich zum Beispiel meinem Pferd keine neuen Lektionen lernen oder anspruchsvolle Ausflüge (längere Ausritte, Auswärtstraining) zumuten, wenn ich merke, dass sich meine Tage ankündigen: Da bin ich psychisch immer sehr angeschlagen: Die kleinste Unregelmäßigkeit in meinem Alltag bringt mich aus dem Tritt, ich explodiere schnell und beschuldige meine Mitmenschen der Unachtsamkeit in läppisch sinnlosen Dingen. Und das sind dann genau diese Tage, wo ich mir oft im Nachhinein denke: Was bist du doch für ein unsensibler Trampel, warum bist du auch immer so grantig und zickig? Dieses Feedback bekomme ich dann auch oft von meinem Vater oder meinem Freund 😉

    Während der Menstruation, wo es mir während der ersten ein – bis manchmal sogar drei (!) – Tage wirklich schlecht geht, weiß ich, dass ich mit meinem Pferden nichts Großes anzustellen brauche. Da lass ich meine Pferde Pferde sein und gönne ihnen lieber eine Stunde länger Weide oder gehe mit ihnen nur spazieren. Ich bin da so mit mir selbst beschäftigt und muss mich um meinen Körper kümmern, dass ich keine Energie mehr habe, mich um meine Pferde in der Art und Weise zu kümmern, die mir sonst wichtig ist.

    Vielen denken sich jetzt vielleicht: Aber du hast doch Verantwortung für deine Pferde übernommen, bei gutem Wetter, bei schlechtem Wetter und auch wenn du krank bist oder es dir schlecht geht. Natürlich tue ich das. Ich tue für meine Pferde, meinen Stall und überhaupt für all meine Tiere alles. Aber es steht auch in meiner Verantwortung, dass ich mich um deren Seelenwohl kümmere und dazu gehört auch, dass ich mich dafür um MEIN Seelenwohl kümmere und ihnen eben NICHT meine schlechte Laune aufbürde und sie MICH aushalten müssen. Das würde auf Dauer unsere Beziehung negativ beeinflussen.

    Wie kannst du jetzt aber deine Weiblichkeit im Pferdetraining zur Macht werden lassen und sie nutzen?

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    Die eigene Weiblichkeit durch mehr Achtsamkeit zur Macht werden lassen

    1. Akzeptiere deine Weiblichkeit, nimm sie an, wie sie ist

    Klingt nach einer furchtbaren Floskel, aber: Du kannst es eh nicht ändern! Erst wenn du akzeptierst, dass das zur Natur von uns Frauen gehört, kannst du dich darauf einstellen, dich annehmen, wie du eben bist, wenn du in der Phase vor, während und nach den Tagen bist. Auch wenn dann dazugehört, dass du halt mal mies drauf bist, wegen nichts einen Heulkrampf bekommst oder die ganze Welt wegen nichts vor lauter Liebe umarmen könntest.

    2. Entschuldige dich nicht dafür, dass du „deine Tage“ hast und mal wieder „zickig“ bist. So kannst du bei dir bleiben statt dich von außen beeinflussen zu lassen

    Versuche trotzdem ein wenig Nachsicht zu haben mit deinem Umfeld: Deine Mitmenschen sollten dich schon noch aushalten können  Wenn jemand nachfragt, warum du denn „schon wieder so zickig“ bist, dann versuchs mal mit der Wahrheit: „Ich habe gerade meine Tage und fühle mich nicht wohl. Ich bitte um dein Verständnis, dass ich aktuell gerade nicht so belastbar und emotional durch den Wind bin.“ Ich bin mir sicher, dass du nur Verständnis von deinem Gegenüber bekommen wirst.

    3. Sei gütig mit den Stuten dieser Welt

    Immer dann, wenn du das Gefühl hast, deine Stute arbeitet heute mal wieder nur gegen dich: Vielleicht hat sie auch nur „ihre Tage“ und fühlt sich partout nicht wohl in ihrem Körper. Wie ein schief hängender Hormonhaushalt Stuten aus dem Konzept bringen kann, verrät dir Google: Einfach mal nach „Dauerrosse bei Stuten“ oder „Gebärmutterzysten bei Stuten“ suchen! Meine Menstruation ist mittlerweile (ich bin ja auch nicht mehr die Jüngste) in den ersten ein, zwei (manchmal sogar drei) Tagen derart schlimm, dass ich ohne Schmerztablette nicht durch den Tag komme und mich mehrmals am Tag vor lauter Bauchkrämpfen ins Bett legen muss und mich mit Jin Shin Jyutsu und Wärmflasche grad und grad durch den Tag kämpfe …). Wenn meine zwei Stuten nur annähernd solche Schmerzen haben wie ich, wenn sie rossig sind, wundert es mich nicht, wenn sie an manchen Tagen im Jahr keine Leistung bringen, schlecht gelaunt sind und „neben der Spur sind“.

    4. Wenn du gerade in dieser Phase deiner Weiblichkeit bist, in der du dich klein, ungesehen und depressiv-melancholisch fühlst, plane keine Bäume auszureißen oder besondere Projekte anzugehen.

    Tritt kürzer, achte gut auf dich und berücksichtige, dass du während deiner Tage weniger belastbar bist als sonst. So beugst du sinnlosen Wutausbrüchen, emotionalen Streitereien und hilflosen Heulkrämpfen vor, die nachhaltig die Beziehung nicht nur zu deinem Pferd, sondern auch zu deinen Mitmenschen beeinträchtigen.

    Probiere mal aus, ob du an diesen besonderen Tagen im Monat mit deinem Pferd auch einfach mal nur NICHTS tun kannst: nur spazieren gehen, nur grasen, nur Wellness unterm Solarium, nur ein paar TTouches, nur Mash füttern und nur liebhaben. Und lass dir eins von mir versichern: Du bist deshalb keine schlechte Pferdebesitzerin! Du musst nämlich gar nichts, außer sein: Und nachdem du das mit dem „Frau sein“ gut über die Bühne gebracht hast, kannst du wieder die verantwortungsvollste, kompetenteste, beste Pferdebesitzerin der Welt sein

    5. Nutz deine Weiblichkeit dazu, auch die weiblichen Seiten im Pferdetraining hervorzuheben und zu pflegen

    Damit meine ich, deine Sanftheit, deine Fürsorglichkeit und deine Liebe auch zu zelebrieren. Also die speziell weiblichen Anteile am Pferdetraining. Was meine ich damit konkret?

    Probier zum Beispiel einmal aus, mit welch sanften Gesten du dein Pferd bewegen kannst (im Sattel und am Boden). Kannst du deine Hilfen derart verfeinern, dass du das Gefühl hast, dass du nur daran gedacht hast?

    Ein paar Ideen zum Thema Sanftheit findest du auch in meiner aktuellen „Inspiration für die neue Woche“:

    Hier lang zur Inspiration für die neue Woche zum Thema „Sanftheit“

    Wenn du noch mehr kurze, knackige Anregungen für die Beziehung und für einen entspannten, liebevollen Umgang mit deinem Pferd haben möchtest, dann melde dich zu meiner E-Mail-Liste an:

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    Die Macht der Weiblichkeit durch Achtsamkeit nutzen

    In den Tagen im Monat, in denen du dich unsterblich, kraftvoll und kompetent fühlst: Geh schwierige Themen mit deinem Pferd an. Übe zum Beispiel einen ruhigen Spaziergang, wenn du ein eher hektisch-nervöses Pferd hast und übe dich im Managen von stressigen Situationen. Übe schwierige Lektionen im Sattel, probiere eine neue Lektion aus usw.

    Hingegen tritt kürzer und leiser, wenn du dich in dieser Phase deiner Weiblichkeit befindest, wo du dich lieber in dein Schneckenhaus zurückziehen möchtest: Umsorge dein Pferd dann liebevoll, aber hör auch auf dich. Tu das, was sich gut für DICH anfühlt, nicht was dir irgendjemand im Stall einreden möchte, was jetzt gut für dein Pferd wäre. Alles, was du mit deinem Pferd machst, ist immer nur so gut, wie du dich selbst dabei fühlst!

    Lebe deine fürsorgliche Ader und deine überbordende Liebe während des weiblichen Zyklus zu 100 Prozent aus: Lobe dein Pferd überschwänglich, übertreib ruhig mal, verwöhne dein Pferd nach Strich und Faden. Stell dir die Beziehung zu deinem Pferd wie ein Konto vor: Je mehr du an solchen Tagen auf euer gemeinsames Beziehungskonto einzahlst, also dein HABEN füllst, desto weniger schwer fällt es ins Gewicht, wenn du an den anderen Tagen in deinem weiblichen Zyklus mal schlecht darauf bist und du auch mal etwas vom Konto abhebst, dir also mal etwas nicht gelingt oder du emotional unsensibel mit deinem Pferd umgehst.

     

    Ich hoffe, diese Tipps können dir helfen, die Macht deiner Weiblichkeit im Umgang mit deinem Pferd kraftvoll zu nutzen – und so auch die Beziehung zu deinem Pferd auf ein neues Level zu heben. Nämlich das der Intuition, des Zuhörens, der Sanftheit und der Liebe – alles Kompetenzen, die der weiblichen Seite in uns Menschen zugeschrieben werden 😉

  • Warum gutes Reiten biomechanisches Reiten sein sollte

    Sein Pferd bereits vor dem Reiten am Putzplatz auf seinen Job vorzubereiten und danach im Sattel biomechanisch korrekt zu reiten, macht aus den folgenden drei wichtigsten Gründen Sinn:

    • Das Nervensystem, die Muskulatur, sprich der gesamte Körper wird auf die kommende Bewegung vorbereitet. Das Putzen „wärmt“ den Pferdekörper sozusagen auf.
    • Beim genauen Beobachten des Pferdes werden mögliche Verspannungen, Verletzungen oder Unregelmäßigkeiten am Fell oder an den Gliedmaßen erkannt.
    • Kann das Pferd bereits am Putzplatz entspannen, ist dies ein guter Start für das gemeinsame Reiten im Anschluss.
    Wer als Reiter ein besseres Verständnis für die Zusammenhänge und Abläufe im Pferdekörper hat, wird auch besser verstehen lernen, wenn sein Pferd „seltsam“ reagiert oder nicht das tut, was man sich von ihm wünscht.
    Denn leider sind immer noch sehr, sehr oft versteckte Verspannungen, körperliche Defizite oder anatomische Auffälligkeiten die Gründe, warum viele Pferde sich beim Reiten verweigern und nicht so mitarbeiten, wie sie gerne würden.
    Deshalb ist es aus meiner Sicht wichtig, dass wir Reiter uns ein grundlegendes Wissen über die Anatomie des Pferdekörpers und die biomechanischen Abläufe in der Bewegung ohne und mit Reiter verschaffen. Antworten auf die Frage, wie sich Pferde denn ohne und mit Reitergewicht bewegen, liefern die Fachgebiete der Anatomie, der Biomechanik, der Biochemie und auch der Psychologie – vereint im biomechanischen Reiten.
    Über die Biomechanik des Pferdes unter dem Reiter wird immer mehr nicht nur in Fachkreisen gesprochen. Anatomisch korrektes, biomechanisch sinnvolles Reiten schont das Pferd und bringt es dazu, sich in schönster Manier unter dem Reiter zu zeigen – und das ist gut so. Die Lehre von der Bewegung von Mensch und Tier erforscht die Bewegung aus der Sicht der funktionellen Anatomie und der Funktionsweise der Muskulatur. Knochen, Gelenke, Sehnen, Muskeln, Faszien und viele weitere Strukturen müssen im Lebewesen Pferd korrekt zusammenarbeiten, damit sie unter dem Reiter ihr volles Potenzial und die gewünschte Leichtigkeit und Eleganz hervorbringen können.
     
    Je besser wir verstehen, was im Pferdekörper wann abläuft und warum es so abläuft, hilft uns, mit mehr Achtsamkeit, Liebe und Fürsorge auf so manches Problem im Sattel zu blicken – und vor allem bevor wir uns in den Sattel schwingen: Weil gutes Reiten eben am Putzplatz beginnt!
     
    Warum es wichtig ist, sein Pferd aus biomechanischer Sicht bereits am Putzplatz auf seinen Job als Reitpferd sinnvoll vorzubereiten, hat mir Biomechanik-Expertin und Tellington-Instruktorin Lily Merklin aus der Schweiz im folgenden Interview erklärt.
     

    7 Fragen an die Biomechanik-Expertin, Psychotherapeutin und Tellington-Instruktorin Lily Merklin

    Liebe Lily, magst du dich kurz vorstellen? Wer bist du, was machst du?

    Ich bin Psychotherapeutin, Körpertherapeutin und Tellington-Instruktorin für Pferde. Das klingt vielleicht nach einer etwas abenteuerlichen Mischung, aber ich habe einfach immer das gemacht, was mich am meisten interessiert hat. Dabei ist sicher von Vorteil, dass ich es liebe zu lernen.

    Lily Merklin Biomechanik
    Foto: Stefan Hiermaier

    Dein Spezial-/Lieblingsgebiet ist die Biomechanik der Pferde. Was fasziniert dich daran so?

    Der Körper ist für mich ein absolutes Wunderwerk. Vielleicht kennst du den Designleitsatz „Die Form folgt der Funktion“. Dieses Prinzip ist der Natur entlehnt, und unser Körper (und mit uns meine ich Menschen und Tiere gleichermaßen) beweist dies mit allen Strukturen. Wie Muskeln, Sehnen und Knochen zusammenarbeiten, damit Bewegung entstehen kann, ist einfach unglaublich. Ganz zu schweigen davon, dass wir irgendwie aus einem Ei und einer Samenzelle entstanden sind. Außerdem liebe ich es, mich zu bewegen, und bin fasziniert von der Schönheit, mit der viele Tiere und manche Menschen sich bewegen.

    Warum ist es so wichtig, sich als Reiter mit der Biomechanik von Pferden näher auseinanderzusetzen?

    Pferde sind ja aus anatomischer Sicht absolut nicht zum Reiten gemacht. Aber sie können uns trotzdem tragen, wenn wir anatomische und biomechanische Grundlagen beachten. Deswegen halte ich es für essenziell, dass alle Reiter sich damit beschäftigen.

    Der Begriff „Biomechanik“ schreckt viele Pferdeleute ab. Wie schaffst du es in deinen Kursen, diese trockene Theorie spannend in die Praxis zu übertragen?

    Unterrichten bedeutet für mich nicht, einen leeren Eimer zu füllen, sondern eine Flamme zu entfachen. Ich will Biomechanik spür- und erlebbar machen. Mir ist es nicht wichtig, dass die Teilnehmer danach die Namen von Muskeln oder Knochen können, sondern sie sollen ein paar grundlegende Prinzipien verstanden und ein Gespür für Anatomie und Biomechanik entwickelt haben. Wenn es mir gelingt, sie mit meiner Begeisterung anzustecken und neugierig zu machen, kommt der Rest von selbst.

    Welche biomechanischen Prinzipien sind aus deiner Sicht für gesundes Reiten am wichtigsten?

    Das wichtigste Prinzip ist vermutlich, dass alles mit allem verbunden ist. Und das gilt bekanntlich nicht nur für die Biomechanik. Beim Reiten kommt noch hinzu, dass Pferd und Mensch sich gegenseitig beeinflussen. Besonders offensichtlich wird das im Bezug aufs Gleichgewicht, wie jeder Reiter weiß. Womit wir schon beim zweiten Prinzip wären: Balance ist die Grundlage von Bewegung. Ein besonderer Verdienst von Linda Tellington-Jones [der Begründerin der Tellington-TTouch-Methode] ist sicher, dass sie der Pferdewelt den Zusammenhang zwischen körperlichem, geistigem und emotionalem Gleichgewicht nähergebracht hat. Wenn wir einem Pferd helfen, körperlich besser ins Gleichgewicht zu kommen, verbessert sich auch seine emotionale Ausgeglichenheit.

    Biomechanik des Pferdes
    Lily erklärt die Theorie zur Biomechanik des Pferdes spannend und informativ. Foto: privat.
    Biomechanik Pferd
    Biomechanik bedeutet Verständnis für die Wirkungszusammenhänge im Pferdekörper. Foto: Melanie Wimmer

    Was können Pferdeleute, egal ob Reiter oder nicht, tun, um ihr Pferd auf Dauer aus biomechanischer Sicht gesund zu erhalten?

    Das fängt sicher bei der Haltung an. Pferde sind Bewegungstiere und sollten neben Licht, Luft, gutem Futter und Freunden ausreichend Gelegenheit zur freien Bewegung haben. In der Ausbildung ist es wichtig, zu berücksichtigen, dass Faszien deutlich mehr Zeit zum Reifen brauchen als Muskeln. Wir müssen Pferde also sehr langsam auf ihre Arbeit, egal welcher Art, vorbereiten. Das gilt für ein erstes Anreiten oder Einfahren wie für spätere Neubeginne zum Beispiel nach einer Verletzung oder sonstigen Pause. Des Weiteren müssen wir dem Pferd immer helfen, seinen Körper für die von uns verlangte Arbeit optimal zu nutzen. Beim Reiten sei hier besonders das Zusammenspiel von Unter- und Oberlinie genannt. Und je schlechter wir reiten, desto mehr müssen wir für einen gesunden Ausgleich zum Beispiel in Form von Bodenarbeit sorgen.

    Mein Motto lautet „Weil gesundes Reiten am Putzplatz beginnt“: Wie würdest du aus biomechanischer Sicht das Pferd bereits am Putzplatz optimal aufs Reiten vorbereiten?

    Am wichtigsten scheint mir vom ersten Kontakt an das genaue Hinschauen und -hören zu sein: Wie geht es meinem Pferd heute? Wie bewegt es sich? Gibt es Auffälligkeiten? Und vielleicht auch: Wie geht es mir heute? Wie bewege ich mich? etc.
    Ich empfehle, das Putzen mit einem Erkunden des Körpers (in der Tellington-Methode „Body Exploration“ genannt) zu verbinden, das Pferd also bewusst abzustreichen, um Verspannungen, warme/kalte Stellen, Empfindlichkeiten und sonstige Auffälligkeiten zu erspüren.
    Und dann kann ich natürlich noch ein paar TTouches einfließen lassen, um das Pferd individuell vorzubereiten. Hier bieten sich aus biomechanischer Sicht vor allem das Beinkreisen und der Schweif-TTouch an, um das Gleichgewicht zu verbessern und die Wirbelsäule beweglicher zu machen. Individuell kann man dann zusätzlich auf die Bereiche eingehen, die mehr Aufmerksamkeit brauchen. Beim einen Pferd mögen das die Schultern sein, beim anderen der Hals oder die Hinterhand. Als zusätzlicher Bonus haben die TTouches auch noch eine positive Wirkung auf die Beziehung zwischen Tier und Mensch.

    Mehr zu Lily Merklin und ihrer Arbeit kannst du hier nachlesen: www.lilymerklin.de

    Die Übung Körper erkunden (auch Noahs Marsch oder Body Exploration genannt)

    Putzen ist für viele Pferde allerdings kein liebgewonnenes Ritual, bei dem sie sich entspannen, sondern genau das Gegenteil: Die Hälfte aller Pferde hasst es geputzt zu werden und zeigt deutliche Abwehrsignale, wie eine Studie herausgefunden hat.
    Eine schöne Möglichkeit, mit dem Pferd Kontakt aufzunehmen und eine Grundlage für angenehmes Putzen zu legen, ist die Übung „Körper erkunden“ oder Body Exploration, wie Lily es im Interview genannt hat.
     
    Lily erklärt das Körper erkunden (auch Body Exploration oder Noahs Marsch) wie folgt:
    Körper erkunden

    In der Tellington-Methode beginnen wir die Körperarbeit, nachdem wir ein Pferd begrüßt haben, in der Regel mit Noahs Marsch. Dabei handelt es sich um ein achtsames, bewusstes Abstreichen, das eine sehr „zuhörende Qualität“ hat. Meist benutzen wir dafür die flache Hand und können so Unterschiede in der Felltextur, Temperatur, Lebendigkeit des Gewebes, Muskelspannung etc. wahrnehmen.

    Vor allem aber achten wir darauf, wie das Pferd auf unsere Berührung reagiert. Verändern sich Atmung oder Körperhaltung? Entspannt sich das Pferd? Gibt es Stellen, wo es mit Abwehr reagiert? Dabei geht es wirklich schon um kleinste Anzeichen – eine Änderung der Ohrenstellung, des Blicks, der Kopfhaltung, einen tieferen oder flacheren Atemzug.

    Differenziert wahrnehmen und zuordnen können wir diese Subtilitäten nur, wenn wir langsam und achtsam über den Körper streichen. Wir achten dabei auf lange Linien, also zum Beispiel vom Genick über den Hals und die Schulter die Vorderbeine hinunter. Oder weiter von der Schulter über den Widerrist und Rücken bis zur Hinterhand. In der Regel streichen wir mit der Fellrichtung und nicht dagegen. Der Druck ist dabei eher leicht, aber deutlich.

    Versuche verschiedene Druckstärken und achte auf die Rückmeldung des Pferdes. Wenn du diese Übung zum täglichen Ritual machst, wirst du nicht nur dein Pferd besser kennenlernen, sondern kannst auch schnell reagieren, wenn sich etwas anders anfühlt als sonst.

  • Stillgestanden: Wenn das Pferd nicht stillstehen kann

    Pferde stehen von Natur aus eher weniger gern still. Stillstehen tut ein Pferd in der Natur nur dann, wenn es döst. Das dann aber immer mit aktiven Sinnen: Es muss ja jederzeit entdecken können, wenn sich ein Raubtier anschleicht, sodass es sofort flüchten kann.

    Diese natürlichen Instinkte haben unsere domestizierten Pferde nie verloren. Sie haben nur über die Zeit gelernt, damit umzugehen – mal mehr, mal weniger gut.

    Dennoch muss ein domestiziertes Pferd in unserem Stallalltag ruhig stehenbleiben können. Wie lernt jetzt aber dein Pferd, dass es am Putz- oder Anbindeplatz ruhig stehenbleiben kann?

    Finde heraus, warum dein Pferd nicht stillstehen kann

    Oft konzentrieren wir uns zu sehr darauf, was nicht funktioniert anstatt darauf, warum etwas nicht funktioniert. Oft ist es gerade beim ruhig Stehenbleiben auch so: Das Pferd wird gerügt, wenn es herumzappelt und seine vier Beine nicht stillhalten kann. Dabei wird oft der Grund übersehen: Vielleicht hat das Pferd schlicht und einfach Hunger oder Durst oder muss aufs Klo (hat Harndrang). Es kann also aktuell ganz dringende Grundbedürfnisse nicht erfüllen.

    Es können allerdings auch ganz andere Gründe sein: Das Pferd kann nervös sein, weil es am Putzplatz seine Herdenkollegen nicht sehen kann. Das allein kann zu einer Stresssituation führen und Pferde unruhig werden lassen.

    Vielleicht ist auch viel zu viel Trubel am Putzplatz: Wenn ständig Kinder herumrennen, Menschen hin- und herhuschen und womöglich noch irgendwo ein Traktor herumfährt, können sensible Pferde einfach nicht abschalten und entspannen …

    Nimm dir die Zeit, die es braucht

    Stress, Hektik, Zeitmangel sind in unserem Alltagsleben fast schon alltägliche Dinge. Im Leben unserer Pferde gibt es das aber nicht: Pferde leben im Hier und Jetzt. Sie denken nicht Tage voraus und erschrecken dann, was sie nicht noch alles erledigen müssen. Deshalb üben Pferde auch so eine starke Anziehung auf uns Menschen aus: Wir können von ihnen lernen, im Hier und Jetzt zu sein, den Moment zu genießen und mal alles Alltägliche von uns fallen zu lassen. Das fällt uns natürlich schwer – nicht immer können wir allen Stress von uns streifen wie einen lästigen Mantel und im Stall ganz entspannt und ruhig sein.

    Pferde haben sehr sensible Antennen für genau diese Stimmungen in uns: Deshalb müssen wir uns nicht wundern, wenn auch Pferde immer öfter nervös und unruhig sind- weil wir es ja manchmal unbewusst auch ständig sind.

     

    Wichtig ist: Nimm dir Zeit für dein Pferd. Versuche dich mit all deinen Sinnen auf es zu konzentrieren: Sei bei ihm, wenn du es putzt. Quatsche nicht ständig mit einer Stallkollegin oder telefoniere nebenher noch. Das ist unhöflich – kein Wunder, wenn dein Pferd sich dann deine Aufmerksamkeit zurückholen will und beginnt zu tänzeln oder zu scharren: Es will nur deine Aufmerksamkeit!

    Diese Art der Aufmerksamkeit, dieses voll und ganz im Hier und Jetzt zu sein, nennt man auch Achtsamkeit. Dazu habe ich ein inspirierendes Interview mit der lieben Bibi Degn, einer Tellington-Instruktorin, geführt, das du hier nachlesen kannst: Das Geheimrezept für eine innigere Beziehung zu deinem Pferd

    Verändere die Körperhaltung deines Pferdes, damit es stillstehen KANN

    Pferde, die nicht ruhig stehenbleiben können, haben eine andere Körperhaltung als entspannte Pferde:

    • Zappelphilipp-Pferde sind meist sehr vorhandlastig und stehen nicht ausbalanciert auf allen vier Beinen.
    • Ihre Kopfhaltung ist sehr hoch, um ihre Umgebung ständig abzuchecken.
    • Ihre Muskeln sind angespannt.
    Ist der Kopf deines Pferdes ständig in der Höhe, lerne ihm das „Kopfsenken“. Dazu habe ich ein schönes You-Tuve-Video gedreht, das du hier findest. You-Tube-Video zum „Kopfsenken“
    Ist der Kopf tiefer als Widerristhöhe, löst das im Nervensystem des Pferdes die Hormone von Entspannung und Ruhe aus – der Kopf ist nämlich immer dann tief, wenn es frisst oder döst.
     
    Neigt dein Pferd zu einem hohen Muskeltonus, hilf ihm mit verschiedenen Körperarbeitstechniken, zum Beispiel dem „Lecken der Kuhzunge“ aus der Tellington-Arbeit“, einer Massagedecke oder einem Solarium, seine Muskeln zu entspannen. Ein angespanntes und verspanntes Pferd fühlt sich ständig unwohl in seiner Haut. Es fühlt sich ständig so, als müsste es „aus der Haut fahren“. Dir geht es wahrscheinlich nicht besser: Fühlst du dich unwohl und hast gar Schmerzen, ist ruhiges Liegen auf der Couch nicht immer das angenehmste …
     

    Verbessere die Balance deines Pferdes

    Schlecht ausbalancierte, sehr vorhandlastige Pferde tun sich prinzipiell schwer, ruhig stehenzubleiben. Sie kämpfen ständig mit dem Drang, sich neu ausbalancieren zu müssen. Beobachte mal, wie dein Pferd dasteht:

    • Sind beide Vorderbeine auf einer Linie oder steht ein Bein immer weiter vorne?
    • Wie steht es auf seinen Hinterbeinen?
    • Stellt es ein Bein immer weit nach hinten hinaus oder zieht es eines immer auffällig unter seinen Körper?

    Ein ausbalanciertes Pferd sollte in Ruhe auf allen vier Beinen parallel zueinander stehen können.

    Um einem Pferd das Stillstehen zu erleichtern, versuch mal deinem Pferd beizubringen, beim Stehen sein Gewicht zwischen Vorhand und Hinterhand zu verschieben. Tippe es dazu vorne an der Brust an, um es anzuregen sein Gewicht nach hinten zu verlagern.

    Dein Pferd kann auch lernen, sein Gewicht von einer Seite auf die andere zu verlagern, also von einem Bein auf das andere. Schaukle dazu ganz leicht die Hüften und den Widerrist deines Pferdes hin und
    her: So lernt es, sich besser auszubalancieren und auf allen vier Beinen gleichzeitig zu stehen.

    Du kannst auch sogenannte Balance-Pads verwenden, um den Gleichtgewichtssinn deines Pferdes zu verbessern. Meine Tellington-Kollegin Anke Recktenwald gibt dazu spezielle Kurse: Balance-Pads für Pferde

    Kontrolliere die Anbindemöglichkeit

    Es müssen nicht immer die großen Veränderungen sein, auch kleine Details können einen großen Unterschied machen. Achte beim Anbinden am Putzplatz darauf, dass du dein Pferd nicht zu kurz und auch nicht zu lang anbindest: Zu kurz angebunden, beengst du dein Pferd in seiner natürlichen Kopfhaltung. Nur wenn es seinen Kopf ausbalanciert frei tragen kann, kann es auch bequem und ruhig stehen.

    Ist ein Pferd zu lang angebunden, hat es natürlich auch alle Möglichkeiten, sich Ablenkung zu suchen 😉 Mal ein Heukrümel da am Boden, mal dort an der Holzwand ein wenig knabbern.

    Prüfe auch, ob der Putzplatz auch wirklich gut geeignet ist:

    Ist er eben und rutschfest, ist er nicht zu dunkel?

    Versuche es deinem Pferd da, wo es ruhig stehenbleiben soll, so angenehm wie möglich zu machen. Und das ist auch der nächste wichtige Punkt:

    Schaffe eine Wohlfühlatmosphäre für entspanntes Stillstehen deines Pferdes

    Je wohler sich ein Pferd da fühlt, wo es angebunden ist, desto schneller kann es auch entspannen und somit stillstehen. Schaffe am Anbindeplatz eine Wohlfühlatmosphäre:

    • Gib deinem Pferd immer am Putzplatz sein Kraftfutter. So verbindet es mit der Zeit diesen Platz mit dem Angenehmen des Fressens.
    • Ein sehr nervöses Pferd profitiert enorm von einem kleinen Haufen Heu: Daran kann es länger knabbern – und fressen beruhigt die Nerven. Zudem muss durch das Fressen am Boden das Pferd den Kopf senken, was wiederum Wohlfühlhormone ausschüttet.
    • Probier mal aus, ob dein Pferd Massagedecken gut findet. An Massagedecken wie z. B. von Bemer oder Accuhorsemat müssen sich Pferde zwar zuerst gewöhnen. Nach einer meist kurzen Gewöhnungsphase genießen es die Pferde sehr und kommen in eine Art Dämmerzustand. Teurere Massagedecken kann man heutzutage auch tageweise kostengünstig ausleihen.
    • Wenn du ein Solarium hast, ist das gerade im Winter natürlich goldwert: Deinem Pferd werden mittels Infrarotstrahlen die Muskeln sanft aufgewärmt und du selbst kühlst beim Putzen nicht aus 😉

     

    Es ist keine Hexerei, einem Pferd das ruhige Stehenbleiben am Anbinde-/Putzplatz beizubringen. Meist müssen nur ein paar kleine Details verändert werden. Beobachte dein Pferd immer genau, damit du sofort eine Veränderung seines Stresslevels wahrnimmst. Sobald dein Pferd nur ganz kurz einmal ruhig stillsteht, lobe es so ausgiebig wie möglich: Belohne immer das, was du von ihm möchtest. Ignoriere das, was du nicht haben möchtest. Pferde lernen viel besser und schneller durch Erfolg und Lob als durch ständige Ermahnung und Strafe.

  • 3 völlig unterschätzte Stressanzeichen bei Pferden

    Pfuh, da wird einem ganz hübsch warm in der Stalljacke, wenn plötzlich dieses 650 Kilo schwere Centolino-Pferdchen neben mir hektisch wird: Mit seinen eh schon 1,70 Meter Stockmaß verliere ich da schnell mal die Kontrolle, wenn er seinen wuchtigen Kopf – trotz seines kurzen Halses – bis in den Himmel reckt. Da hänge ich am Strick wie eine kleine Fliege …

    Kennst du dieses Gefühl? Vielen Pferdemenschen kommen diese Gefühle von Unsicherheit, Angst und Hilflosigkeit sehr bekannt vor.

    Wie kann ich in dieser unübersichtlichen Situation jetzt aber rasch wieder die Kontrolle übernehmen, damit die Situation nicht eskaliert und irgendetwas passiert – weder mir noch dem Pferd?

    Agieren ist besser als reagieren, so meine ich. Dieser Stress bei Pferden ist nämlich vermeidbar! Zuallererst durch pferdegerechte Haltung, Fütterung und Bewegung. Stimmen diese Komponenten ist schon mal ein großer Anteil an möglichen Stressauslösern ausgemerzt. Aber das setze ich als selbstverständlich voraus. Auch meine Pferde haben hin und wieder Stress, obwohl sie die bestmögliche Haltung und Fütterung bekommen.

    Dass Stress bei Pferden eskaliert, ist vermeidbar, wenn wir lernen, bereits auf klitzekleine, subtile Anzeichen von Stress korrekt zu reagieren. Nämlich bereits dann, wenn das Pferd nur als Erstes alarmiert und unsicher ist. Erst wenn dieser Alarmzustand weiter ignoriert wird und nicht adäquat reagiert wird, schaukelt sich im Pferd die Unsicherheit auf und kann bis zu – im schlimmsten Fall – Panik und kopflosem Verhalten führen.

    Typische, bekannte Stressanzeichen bei Pferden

    Sind diese Stressanzeichen bei Pferden sichtbar, ist der Stresslevel bereit sehr hoch: Innerlich hat das Pferd bereits seinen gesamten Körper auf den Flucht- oder Kampfmodus umgestellt: Der Körper ist voll mit Adrenalin, das Herz pumpt vermehrt Blut, die Muskeln sind angespannt, alle Sinne sind hochaufmerksam auf die Umgebung gerichtet (Augen aufgerissen, Nüstern gebläht etc.).

    Bevor es zu diesen ganz offensichtlichen Stressanzeichen bei Pferden kommt, zeigt ein Pferd bereits mit ganz subtilen und kaum sichtbaren Anzeichen, dass es sich gerade nicht wohl- und vor allem nicht sicher fühlt.

    Natürlich muss nicht immer jedes kleinste Wimpernzucken eines Pferdes im Anschluss eine hysterisch überbordene Reaktion zur Folge haben. Aber übersehen wir immer öfter solche dezenten Hinweise auf Stress, wird sich das Pferd immer öfter in hektische und nervöse Reaktionen retten – da es gelernt hat, dass es nur so eine Reaktion des Menschen hervorrufen kann.

    Deshalb ist es so wichtig, die Körpersprache der Pferde sehr genau zu lernen und sich viele verschiedene Pferde anzusehen und mit ihnen zu arbeiten – und sei es nur ein gemeinsamer Spaziergang. Über die unterschiedlichen Reaktionen von unterschiedlichen Pferden auf die gleichen Angstauslöser können wir sehr viel lernen.

    Während das eine Pferd beim Auffliegen eines Plastiksackerls im Wind hysterisch zur Seite springt und am liebsten umdreht und weggaloppiert, bleibt das eine stocksteif stehen und rührt sich keinen Millimeter mehr – mit weit aufgerissenen Augen und steinharter Muskulatur. Alles bis zur Explosion angespannt.

    3 subtile und völlig unterschätzte Stressanzeichen bei Pferden geben aber schon recht früh Aufschluss darüber, dass etwas nicht stimmt. Auf diese sollte man unbedingt reagieren bzw. zumindest seine Aufmerksamkeit auf mögliche auslösende Stressfaktoren ausrichten.

    Die 3 am häufigsten unterschätzten, subtilen Stressanzeichen von Pferden sind folgende:

     

    1. unterschätztes Stressanzeichen: "Totenstarre"

    Stressanzeichen Totenstarre

    Stehen bedeutet nicht gleich Stehen. Steht ein Pferd zum Beispiel vor einem Hänger wie angewurzelt und lässt sich nicht mehr vor- oder zurückbewegen, wird es schnell als „sturer Bock, der keine Lust auf Hängerfahren hat“, abgestempelt.

    Stehen bleiben und wie in „Totenstarre“ völlig unbeweglich zu bleiben, ist je nach Pferdetyp ein sehr individueller Ausdruck von Stress. Viele Pferdemenschen verbinden mit einem gestressten, hektisch-nervösen Pferd immer ein Pferd mit fliegenden Hufen, das hysterisch herumrennt und -schreit. Je nach Pferdetyp (vor allem die introvertrierten, schüchternen) kann aber auch genau das Gegenteil ein Ausdruck von Stress und höchster Anspannung sein.

    Diese Pferde ziehen sich in ihr Schneckenhaus zurück, machen „die Schotten dicht“ und kapseln sich völlig von den Außenreizen ab, um irgendwie den für sie viel zu hohen Druck und Stress noch aushalten zu können.

    Meist sind solche Pferde nicht, wie man denken könnte, in diesem Stehen und Abschalten entspannt. Ganz im Gegenteil: Sie sind höchst gestresst, können die vielen Stressreize nicht mehr verarbeiten und schalten deshalb ihr körperliches System ab, um sich psychisch zurückziehen zu können.

    Da diese Pferde in dieser Situation nicht mehr ansprechbar sind, macht es keinen Sinn, mit ihnen in diesem Zustand weiterzuarbeiten. Es braucht ein wenig Übung und Erfahrung, diesen Zustand der „Totenstarre“ von „normalem“ Stehenbleiben zu unterscheiden. Am meisten geraten meiner Erfahrung nach Pferde in diesen Zustand der Totenstarre, wenn sie vor dem Hänger oder anderen Engpässen stehen (dunkle, enge Stallgasse, Untersuchungsstand in Klinken etc.).

    2. unterschätztes Stressanzeichen: angespanntes Kinn

    Stressanzeichen Kinn

    Dieses unterschätzte, sehr subtile Stressanzeichen bei Pferden sieht man am meisten am Putzplatz. Viele Pferde wissen, dass sie am Putzplatz stillzustehen und das Putzen über sich ergehen zu lassen haben.

    Wusstest du übrigens, dass die Hälfte aller Pferde es hasst, geputzt zu werden? Lies dazu mehr in meinem Blogbeitrag: Schockierende Studie: Die Hälfte aller Pferde hasst Putzen

    So traurig das klingt. Ein klares Signal wie ein Ohrenanlegen oder mal ein vorsichtiges Schütteln des Kopfes oder gar ein Schnappen, wenn die harte Bürste am Bauch doch mal wehtut, ist nicht erwünscht. Viele Pferde halten das Putzen deshalb aus und hoffen, dass es rasch vorbeigeht. Was man dann aber dennoch sieht, ist ein enges, kleines Auge – und das angespannte Kinn. Meist ist das Kinn derart angespannt, dass sich die Unterlippe klar absetzt. Das Kinn ist steinhart angespannt, und es bilden sich zahlreiche Falten.

    Bereits auf dieses subtile, feine Stressanzeichen zu reagieren, lässt viele Pferde tief seufzen und freundlicher blicken.

    Ich putze meine Pferde manchmal gar nicht, wenn ich merke, dass sie wirklich schlecht drauf sind und herumgifteln. Ich MUSS mit meinen Pferden gar nichts, ich möchte, dass sie Spaß an der Zeit und Arbeit mit mir haben. Merke ich bereits beim Putzen, dass der Haussegen schiefhängt, das Kinn bretthart angespannt ist und sogar die Ohren angelegt werden, sobald ich mit der Bürste putzen will, höre ich ganz genau hin …

    Wenn es ganz schlimm ist (und das ist grad bei meinen sehr rückenempfindlichen Stuten jetzt im Winter bei nasskaltem Wetter öfter so), dann höre ich auf zu putzen und mache ein Alternativprogramm. Also spazierengehen oder longieren statt reiten, das geht auch ohne Putzen 😉

    Übergehe ich diese Anzeichen, provoziere ich in Folge eine steinharte Muskulatur, was für das Reiten im Anschluss höchst gefährlich ist, weil dadurch auf Dauer auch vermehrt die Gelenke verschleißen (und Arthrose droht). Ganz zu schweigen von den psychischen Auswirkungen, wenn ich andauernd über die Stressanzeichen und Wünsche des Pferdes hinweggehe …

    Wichtig ist auch, auf solche subtilen Signale bei Pferden zu achten, die Probleme beim Gurten und Satteln haben. Mehr zum Thema Gurtzwang kannst du hier nachlesen: Pferde mit Gurtzwang: 5 Tipps, um Gurtzwang zu beheben

    3. unterschätztes Stressanzeichen: Schnappen

    Wenn Pferde beginnen, nach dem Menschen zu schnappen, hört der Spaß auf. Denn keiner will die Zähne des Pferdes spüren, wenn sie zubeißen. Deshalb gibts bei vorsichtigem Schnappen mit den Lippen meist schon gleich eine klare Ansage, um jedes weitere Schnappen oder gar Beißen im Keim zu ersticken.

    Schnappt ein Pferd allerdings nach mir, weiß ich zu 100 Prozent, dass ich vorangegangene „leisere“ Hinweise auf Stress, Unbehagen und Schmerzen übergangen habe. Deshalb versuche ich auf Schnappen meist gar nicht zu reagieren, sondern mein Verhalten vor dem Schnappen nochmal zu reflektieren und zu analysieren. Meist komme ich dann recht schnell zum Schluss, dass ich andere drohende Signale übersehen habe 🙁

    Schnappt das Pferd allerdings wiederholt, muss man genauer hinhören und hinschauen: Pferde, die immer wieder mal schnappen und dabei vielleicht nur die Kleidung des Menschen erwischen, also nicht bewusst mit den Zähnen zubeißen, wollen sich meist ausdrücken und ihr Befinden kommunizieren.

    Genauso wie Pferde höchst individuell auf Stress mit Totenstarre reagieren, gibt es Pferde, die bei Stress sich mit dem Maul ausdrücken, d. h. etwas mit ihrem Maul machen müssen. Das kann – harmlos – das Zähneschleifen an den Gitterstäben am Putzplatz sein oder das Kauen auf dem Anbindestrick. Beim Führen fehlen aber diese „Blitzableiter“ und das Pferd beginnt zu schnappen. Es weiß sich in seinem Stress nur zu helfen, indem es sein Maul verwendet – und das ist dann eben das Schnappen.

    Meine vier Pferde zeigen höchst individuelles Stressverhalten:

    Cento ist mit seinem großen, fleischigen Maul sehr oral fixiert. In Stresssituationen beginnt er zu schnappen. Bei einem Tellington-Kurs auf meinem Hof brachte ihn nur allein die Anwesenheit der ihm unbekannten Teilnehmerinnen derart in Stress, dass er beim Führen auf unserem Sandplatz ständig nach mir schnappte – das hatte er so gut wie nie mehr gemacht! Im ersten Moment war mir das sehr unangenehm vor den Kursteilnehmern. Im Nachgang des Kurses habe ich seine Reaktion nochmals reflektiert und habe erkannt, dass das sein Ausdruck von höchstem Stress war!

    Mein Senior Ronnie war früher im Gelände ein derartiges Nervenbündel, dass er heimwärts nur mehr piaffieren oder im passartigen Laufschritt nach Hause gerannt ist. Galopp in Richtung Stall war immer gestreckter Renngalopp. Was anderes kannte er nicht. Seine Art, auf Stress zu reagieren, war der Fluchtmodus.

    Iman ist zwar ein sehr menschenbezogenes, höchst liebevolles Pferd, in Stresssituationen neigt sie aber zu Totenstarre. Vor dem Hänger blieb sie lange Zeit stocksteif stehen. Wir hatten dann auf einem Tellington-Kurs alles ausprobiert, um sie wieder in ihren Körper zurückzuholen. Nur so konnten wir sie auf den Hänger verladen. Sie war in einer völlig anderen Welt. Mittlerweile weiß ich, wie ich sie rechtzeitig aus ihrer Totenstarre herausbekomme, sodass sie gar nicht erst in diesen tiefen Zustand der größten Hilflosigkeit kommt.

    Indira reagiert bei Stress mit massivem Muskelzittern (am Hänger) oder mit Strickknabbern (am Putzplatz).

    So individuell jedes Pferd ist, so unterschiedlich sind auch die Stressanzeichen bei Pferden. Diese 3 genannten  Stressanzeichen sind die am meisten unterschätzten und werden oft als Boshaftigkeit oder Sturheit ausgelegt oder meist gar nicht erst wahrgenommen.

  • Darüber spricht kein Pferdemensch gern

    Wir Pferdemenschen sprechen über eine Sache im Umgang mit unseren Pferden sehr ungern, weil sie sehr persönlich und intim ist: Unsicherheit im Umgang mit dem Pferd. Es ist die Unsicherheit, das unterschwellig ungute Gefühl in gewissen Situationen, denen wir uns nicht gewachsen fühlen. Dieses Gefühl der Unsicherheit ist oft nicht klar mit Worten zu fassen, sondern ist einfach so ein unklares Gefühl, das sich eher in unserem Verhalten, unserem Körper verorten lässt. Wenn wir dieses Gefühl der Unsicherheit aber über längere Dauer übergehen, es überhören, passiert es nicht allzu selten, dass wir sagen: „Mist, hätte ich doch auf meine Gefühl gehört …“
    Ich kenne dieses Gefühl. Früher, als ich noch jung war, spürte ich das kaum. Ich war jung, unkaputtbar und mutiger. Mit dem Alter (ja, die Jüngste bin ich auch nicht mehr … haha!) meldet sich dieses Gefühl der Unsicherheit öfter – und vor allem lauter!
    Ja, das passiert auch mir als Reit- und Pferdetrainerin, die anderen vermitteln möchte, wie man mit nervösen, gestressten, schwierigen Pferden auf und neben dem Sattel umgeht. Ich habe verstanden, dass ich deswegen keine schlechtere Trainerin und Reitlehrerin bin. Ganz im Gegenteil, dadurch dass ich genau weiß, wie sich viele Schülerinnen von mir fühlen, kann ich viel besser auf sie eingehen und ihre Wünsche, aber vor allem auch Ängste und Sorgen in etwas Positives umdrehen.
    In diesem Blogbeitrag möchte ich dir ein paar Strategien an die Hand geben, wenn du ab und zu – so wie wahrscheinlich jeder Pferdemensch in seinem Leben – mit Ängsten und Unsicherheit im Umgang mit diesen so sanften, aber manchmal eben auch unberechenbaren Tieren zu tun hast.

    Unsicherheit im Umgang mit Pferden

    Das Gefühl der Unsicherheit ist zuallererst einmal eines: beunruhigend. Man liebt doch sein Pferd, man liebt den Umgang mit ihm. Und doch ist da ab und zu dieses Gefühl, dass man dieser einen Situation nicht ganz gewachsen ist.

    Zum Beispiel beim Ausritt die eine Situation mit den herumbuckelnden Kälbern oder die Situation beim Spaziergang, wenn sich das Pferd erschreckt und man merkt, dass man die Situation nicht mehr im Griff hat und sich das Pferd gleich losreißt. Oder am Reitplatz, wenn sich das Pferd wegen der einen Gruselecke immer heftiger aufschaukelt und man gefühlt auf einem Feuerstuhl sitzt …

    Diese Situationen gibt es zuhauf. Und ja, sie sind unangenehm, lassen einen heftigen Schub Adrenalin in uns hochsteigen, man beginnt zu schwitzen, schneller zu atmen.

    Am unangenehmsten aber ist das Gefühl der Hilflosigkeit: Ach du grüne Neune, was soll ich denn jetzt nur machen? Wie komme ich aus dieser Situation heil heraus? Was soll ich jetzt tun, damit sich mein Pferd verletzt?

    Die Verantwortung für so ein großes Tier wie ein Pferd ist in solchen Situationen oft überwältigend: Hilflosigkeit, die Unfähigkeit zu wohlüberlegt und angemessen zu handeln, Unsicherheit, die Angst, die falsche Entscheidung zu treffen, Angst vor den Konsequenzen, wenn die Situation nicht zu eskalieren droht.

    Das sind sehr unangenehme Gefühle und Emotionen, wenn es zu einer solchen Situation kommt.

    Jeder geht anders mit solchen Situationen um, ich kann dir hier keine allgemeingültige Formel nennen. Ich kann dir aber ein paar Anregungen an die Hand geben, die dir helfen können, ruhig und besonnen zu bleiben – wenn du bereit bist, dich in ein paar ruhigen Minuten mit dir selbst und deinen Gefühlen auseinanderzusetzen 😉 Achtung: Emotionsalarm! 😉

    In diesem Zusammenhang möchte ich dir auch meinenBlogbeitrag zum Thema Achtsamkeit ans Herz legen: Das Geheimrezept für eine intensivere Beziehung zu deinem Pferd

    "Ist das, was ich tue, gut genug?"

    Wir Reiterinnen vergleichen uns sehr gerne mit anderen: über Instagram und seinen Influencerinnen, über Facebook und Co, über Pferdezeitschriften und -magazine, über Bücher, beim Blick über die Reitplatzabsperrung zu den anderen Reiterinnen und Reiter.
    Wenn du dich ständig im Außen befindest und ich ständig mit anderen vergleichst, bleibt dein Inneres auf der Strecke. Du wirst dich immer mehr ungenügend, schwach und verbesserungswürdig fühlen. Denn die anderen können ja alles viel besser: Die eine kann besser reiten, die andere kann mit ihrem Pferd bereits an der Hand piaffieren, die andere geht schon aufs Turnier etc.
    Und schon fragst du dich: „Ist das, was ich tue, gut genug?“ Reicht es aus, wenn ich mit meinem Pferd „erst“ nur vom Boden aus arbeite, weil ich mich noch nicht sicher genug im Sattel fühle? Reicht es aus, dass ich mein Pferd aktuell nur im Schritt und Trab arbeite, weil ich das Gefühl habe, dass es im Galopp noch zu wenig ausbalanciert ist? Reicht es aus, dass … (und hier kannst du mal deine ehrlichen Gedanken einfügen …)?
     
    Die Orientierung an der Außenwelt bringt uns immer ins Vergleichen und Bewerten. Alles Dinge, die dich in deiner Unsicherheit nicht weiterbringen. Du wirst dich immer noch kleiner und unsicherer fühlen.
    Versuche stattdessen, bei dir zu bleiben. Dich auf deine Gefühle zu konzentrieren, mal den Blick nicht ständig auf die anderen am Reitplatz schweifen zu lassen. Stell dich dir und dein Pferd in einer großen Blase oder Bubbel vor. An der Außenhülle dieser Blase prallen alle Ablenkungen von außen ab.
    Ich habe mir das schon sehr früh angewöhnt. Deshalb reite ich am liebsten völlig alleine (wenn es denn möglich ist). Ich kann mich so zu 1.000 Prozent auf mein Pferd und mich konzentrieren, richtig ins Fühlen kommen – ohne mich auf ablenkende Fragen oder Kommentare konzentrieren zu müssen. Ich rede beim Reiten prinzipiell nicht. Ein paar leise Worte mit meinem Pferd, ansonsten aber bin ich ganz in meiner Blase. Im Gelände kann es dann ruhig mal gesprächiger zugehen. Da liebe ich es, mich mit Freundinnen auszutauschen.
    Versuche hier ein gutes Gleichgewicht zu finden: Wo möchtest du deine Ruhe haben, wo möchtest du für dich allein sein. Und wo können Austausch und Gespräche stattfinden. Versuche das klar zu trennen.
     
    Unsicherheit im Umgang mit dem Pferd

    Wie reagiere ich richtig in Situationen, die mich überfordern?

    Wenn überfordernde Situationen passieren, ist man schnell unsicher und tausend Fragen schwirren unbewusst im Kopf herum: Was mache ich jetzt? Was könnte passieren, wenn ich das und das tue? Was würde jetzt mein Reittrainer sagen? Wie komme ich heil aus dieser Situation?

    Die Antwort lautet: Zuallererst: Bleib ruhig – und vor allem atme!

    In hektischen, unübersichtlichen Situationen schaltet unser Organismus sehr rasch und ohne dass es uns bewusst wird, in den Notfallmodus: Wir atmen schneller, der Puls steigt, die Herzfrequenz steigt, die Blutgefäße weiten sich, wir beginnen zu schwitzen. Das alles läuft völlig automatisch ab, da kannst du gar nicht viel dagegen tun.

    Was du aber tun kannst, ist deine Atmung zu kontrolllieren und zu steuern. Bevor du unüberlegt reagierst, versuche tief ein- und auszuatmen. Es reichen vier- bis fünfmal, dann solltest du schon merken, wie wieder mehr Sauerstoff in dein Gehirn kommt und du wieder klarer denken kannst.

    Natürlich ist das in Situationen, in denen das Pferd in Sekundenschnelle sich erschrickt, nicht möglich. Aber auch NACH solchen Situationen, sobald der erste Schock vorbei ist, hilft es enorm, sich wieder auf seine Atmung zu konzentieren: Pferde spüren die abflauende Erregung durch dein tieferes Atmen und können so auch schneller aus dem Fluchtmodus kommen. Hier hilft tiefes Ausatmen, ein tiefer Seufzer aus dem Mund mit entsprechendem Geräusch dazu. Pferde orientieren sich stark daran.

    Meine Reitschülerinnen können davon ein Liedchen singen 😉 Wie oft sind ihre Pferde ohne ihr Zutun durchpariert, nur weil ich ihnen in der Mitte des Reitplatzes vorgemacht habe, wie sie ausatmen sollen …

    Unsicherheit im Umgang mit Pferden: Blick zu den Pferdeprofis

    Auch wenn uns der Blick nach außen auf andere auf Dauer unsicher und ungenügend fühlen lässt, so hilfreich ist es dennoch, sich mal bei den Profis umzuschauen: Welche Eigenschaften und Gewohnheiten legen Profis an den Tag, dass bei ihnen alles so easy und unkompliziert abläuft? Was zeichnet Pferdeprofis aus? Was machen sie anders?

    Der Blick zu den Pferdeprofis dieser Welt kann dir helfen, an deinem „Mindset“, an deiner Einstellung zu Unsicherheit im Umgang mit Pferden zu arbeiten.

    Schön zu beobachten und nachahmenswert finde ich persönlich den Umgang von Ingrid Klimke und Jessica Bredow-Werndl mit ihren Pferden. Von ihrer Einstellung und ihrer Ruhe, die sie beide ausstrahlen, kann man sich noch so einige Scheibchen abschneiden.

    Ausdauer und Beständigkeit

    Pferdeprofis haben vor allem eines: einen langen Atem. Sie wissen, dass ihre Methoden zum Ziel führen. Nur weil das nicht innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen der Fall ist, lassen sie nicht gleich ihr gesamten Trainingskonzept fallen und holen sich den nächst besten Trainer in den Stall. Viele Pferdemenschen aus dem Hobby- und Amateurbereich sind zu schnell enttäuscht, wenn etwas nicht klappt. Dann muss der nächste Reitlehrer her, weil beim anderen wurde nach drei Reitstunden das Angaloppieren nicht besser. Bei einer Übung in der Bodenarbeit hat das Pferd nicht wie erhofft reagiert – dann wird sofort die gesamte Methode über Bord geworfen.
    Pferdeprofis haben aus langjähriger Erfahrung gelernt, dass Beständigkeit und Ausdauer im Training zum Ziel führen – und nicht das Hinterherjagen von kurzfristigen Zielen!
    Mein allerwichtigster Erfolgsgrundsatz im Training mit Pferden lautet: Jeder noch so kleinste Schritt führt immer zum Erfolg!
    Wenn du dich für eine Trainingsmethode entschieden hast, dann bleib dabei! Vertraue auf den Prozess und lass die Dinge arbeiten! Gut Ding braucht Weile!

    Verlässlichkeit

    Pferdeprofis sind für ihre Pferde ein Fels in der Brandung: Da wird täglich trainiert, der Tag läuft immer gleich ab. Das bringt Ruhe und Verlässlichkeit. In unserer heutigen stressigen und aktuell sehr chaotischen Welt ist es umso wichtiger, dass Pferde konstant, ruhig und gleichbleibend trainiert und bewegt werden. Das bringt Sicherheit. Je chaotischer, ungeplanter und zielloser wir trainieren, desto länger dauert es, bis wir unser Ziel erreichen werden. Verlässlichkeit bringt immer auch Sicherheit mit sich – und das ist bei Unsicherheit im Umgang mit Pferden das A und O! Je verlässlicher und durchschaubarer wir für unsere Pferde werden, desto mehr werden sie uns vertrauen und entspannen.

    Geduld

    Ungeduld war wie Angst noch nie ein guter Berater. Gerade wenn es hektisch, stressig und unübersichtlich zugeht, neigen wir Menschen dazu schnell ungeduldig zu werden. Zeit ist ja schließlich goldwert, und man hat sie nicht unendlich zur Verfügung. Da will die Zeit im Stall ja auch voll ausgekostet werden. Und dann macht das Pferd nicht mit: Lässt sich nicht von der Koppel holen und rennt lieber davon als uns hinterher zum Stall, ist unleidig beim Putzen – da macht der entspannte Sonntag beim Pferd gleich gar keinen Spaß mehr.
    Ungeduld bringt dann oft die unschönen Seiten in uns Menschen hervor, wir werden rüpelig, grob und manchmal sogar aggressiv. Das passiert aus einem Effekt heraus, meist gar nicht bewusst. Allerdings schadet das auf Dauer der Beziehung zu unseren Pferden. Ein kleiner Rüpel, wenn zum 10. Mal beim Hufeauskratzen der Huf weggezogen wird, zerstört garantiert keine gute und beständige Pferd-Mensch-Beziehung. Aber wie heißt es so schön: Steter Tropfen hölt den Stein. Und je öfter wir grob mit dem Pferd sind, desto häufiger wird sich das Pferd missverstanden fühlen und irgendwann sich in sein Schneckenhaus zurückfühlen. Erlernte Hilflosigkeit (nach Seligmann) nennt man das dann in der Psychologie.
    Geduld ist eine Tugend. Den einen liegt sie mehr, den anderen weniger.
    Auch ich war früher ein sehr, sehr ungeduldiger Mensch und mein Turnierpferd Ronnie musste mit mir sicherlich einiges erleiden, was ich heute nie, nie wieder so tun würde. Aber das ist das schöne am Erwachsen- und Älterwerden 😉 Wir lernen nie aus und können uns jederzeit dazu entschließen, ein besserer Mensch für unser Pferd (und auch für unsere Mitmenschen!) zu werden 😉
    Wie du weiter an deiner Unsicherheit im Umgang mit deinem Pferd arbeiten kannst, lernst du in der kostenlosen Relaxed Horse Challenge von 14. bis 18. Dezember. Die fünftägige Challenge findet online statt. Alles, was du dazu brauchst, ist eine E-Mail-Adresse, in deren Postfach du täglich schaust, und jeden Tag zwischen 10 und 20 Minuten Zeit.
    Die Anmeldung läuft noch – ich freue mich, wenn du dabei bist. Das wird toll – wir rocken das gemeinsam! Die Anmeldung zur Challenge findest du mit dem Klick unten auf den Button!
  • Kopfscheues Pferd: Was tun? 5-Schritte-Anleitung

    Kopfscheues Pferd: eine sensible Angelegenheit

    Kopfscheues Pferd: Was tun?
    Ein kopfscheues Pferd, das sich partout nicht am Kopf angreifen lassen will, macht es uns Reitern verdammt schwer: Aufhalftern, auftrensen, putzen, einflechten, alles wird zur nervenaufreibenden, stressigen Tortur.
    Allerdings reagiert nicht jedes kopfscheue Pferd mit derart heftigem Vermeidungsverhalten wie Kopfschlagen,  Weggehen/Wegrennen, Ohrenanlegen, Drohen etc.
    Allein wenn das Zäumen jedes Mal mühsam wird, weil das Pferd zwar ruhig stehenbleibt, aber den Kopf weit nach oben nimmt oder auch sein Maul nicht für die Trense öffnet, ist das bereits ein kleiner Hinweis, dass da was am Kopf nicht stimmt. Zumindest aber ist dem Pferd das Prozedere des Aufhalfterns und Zäumens unangenehm bzw. auch zuwider.
    Die Bezeichnung „kopfscheu“ bezieht sich dabei meist auf die Reaktion des Pferdes, wenn man es an den Ohren angreifen möchte. Am Kopf, z. B. an der Stirn oder am Schopf, lassen sich  manche „kopfscheuen“ Pferde noch relativ entspannt angreifen, an den Ohren herrscht dann aber Sendepause: Kopf hoch! Viele Pferde sind also eher „ohrenscheu“ …
     
    Kopfscheue Pferde: Was nun also tun?
    Dem Ganzen aus dem Weg gehen und so gut es geht Alternativstrategien entwickeln? Zaumzeug jedes Mal aufschnallen und Halfter kaufen, die am Genickstück zu öffnen sind? Jedes Mal kämpfen und am Ende mit Müh und Not, müden Armen und entnervt doch noch das Zaumzeug irgendwie auf den Kopf des Pferdes bekommen?
     
    Ganz und gar nicht!
     
    Ein kopfscheues Pferd hat meist klare Gründe, warum es sich derart verweigert. Die Ursachen müssen gefunden und abgestellt werden – was nicht so einfach ist.
    Kopfsenken
    Damit sich stark kopfscheue Pferde so unbeeindruckt an den Ohren berühren lassen, braucht es viel achtsames Training.

    Mögliche Ursachen für ein kopfscheues Pferd

    Mögliche Ursachen für ein kopfscheues Pferd können sein:

    • Verletzungen an den Ohren oder am Genick
    • Verspannungen am Genick oder am Kiefergelenk/Zungenbein
    • Entzündungen in den Ohren (Insektenstiche, Milbenbefall etc.)
    • Lichtempfindlichkeit (vor allem bei Pferden, die auch an Headshaking leiden)
    • Überempfindlichkeit gegen Insekten
    Sind die obigen physiologischen Gründe für die Kopfscheuheit abgeklärt und es kann definitiv ausgeschlossen werden, dass das Pferd ein körperliches Problem am Kopf oder in Kopfnähe hat, kann es auch damit zusammenhängen, dass Pferde eine unsachgemäße frühere Behandlung beim Aufhalftern/Aufzäumen erlitten haben.
    Gerade wenn mit der Arbeit mit Jungpferden und Fohlen begonnen wird, wird das Aufhalftern als das normalste der Welt angesehen: Man kann dabei aber schon bei den ersten Schritten richtig viel falsch machen und dem Pferd das Tragen eines Halfters oder Zaumzeugs vermiesen!
     
    Weitere Ursachen für ein kopfscheues Pferd können sein:
    • Unsachgemäße frühere Behandlung beim Aufhalftern/Aufzäumen
    • Unpassendes Halfter: zu eng, zu weit
    • Unfall beim Anbinden: Pferd hängt sich im Strick „auf“: Folge können irreparable Schädigungen am Genick sein
    • Unpassendes Zaumzeug: zu eng geschnallte Backenriemen, zu enges, unpassendes Genickstück, drückender Stirnriemen etc.
    • Unachtsames Aufzäumen, bei dem das Trensenstück dem Pferd unangenehm gegen die Zähne schlägt
    Es ist wichtig, all diese Gründe in Ruhe und für sich genau durchzugehen und zu überlegen: Lief irgendwann mal etwas schief? Ob bewusst oder unbewusst ist jetzt mal egal. Wann und in welchen Situationen zeigt das Pferd heftige Reaktionen?Bereits beim Anblick des Zaumzeugs oder Halfters oder erst, wenn es wirklich darum geht, das Halfter oder Zaumzeug über die Ohren zu streifen?
     
    Das Finden der Ursachen hilft enorm weiter, dem Problem eines kopfscheuen Pferdes Herr bzw. Frau zu werden!

    Wichtige Details: Ausrüstung für kopfscheue Pferde

    Das Halfter

    Halfter kopfscheue Pferde

    Das Halfter für kopfscheue Pferde hat am besten eine Schnalle am Genickstück, an der es geöffnet werden kann. So kann vermieden werden, dass das Halfter dem Pferd über die Ohren gezogen werden muss (vgl. Abbildung links).

    Das Zaumzeug

    Da das Zaumzeug am senibelsten Körperteil des Pferdes angelegt wird, sind eine absolut passgenaue Form, hochwertiges Material und gute Verarbeitung ein Muss.

    Das alte Zaumzeug vom ersten Pferd für das nächste zu verwenden, ist nicht unbedingt zielführend. Die Anatomie eines Pferdekopfes ist sehr individuell. So sollte auch das Zaumzeug individuell angepasst sein. Das anatomisch geschnittene Genickstück kann dem einen Pferd perfekt passen, dem anderen aber an der Ohrmuschel drücken. Der Nasenriemen liegt bei einem Pferd perfekt, dem anderen drückt er aufs Jochbein.

    Ich bin mittlerweile Fan von barocken Trensen: Hier ist ohne viel Schnickschnack alles an seiner Stelle. Der Vorteil von barocken Trensen: Es gibt kein extra Lederstück für die Verschnallung des Nasenriemens. Der wird nämlich durch zwei Schlaufen oberhalb des Trensenrings eingefädelt und kann links und rechts verschnallt werden. So ist weniger Leder am Pferdekopf, was sensible Pferde sehr gerne mögen.

    Ob die neuen Zäume ohne Kehlriemen, die jetzt am Markt sind, hilfreich sind und auch beim kopfscheuen, kopfschüttelnden Pferden am Kopf bleiben, weiß ich leider nicht 😉

    Ganz wichtig und wird oft vergessen: Der Stirnriemen!

    Der sitzt nämlich meist viel zu eng und drückt dem Pferd seitlich auf den Knochen oberhalb des Auges, was sehr unangenehm sein kann! Bitte den Stirnriemen immer kontrollieren, ob er gerade am Pferdekopf liegt, genauso wie der Nasenriemen, der zwei Fingerbreit!!! (nicht 2 Finger nebeneinander!) locker verschnallt sein sollte.

    Weitere Details, auf die du beim Zäumen, aber auch Satteln und Anbinden achten solltest, kannst du hier nachlesen: 5 Tipps: Pferde achtsam zäumen und satteln

    Reiten als Lebensschule

    Das Gebiss

    Kopfscheue Pferde: Gebiss prüfen!

    Die Passform des Gebisses prüft am besten ein Pferdezahnarzt/Dentist. Er kann genau überprüfen, ob das Gebiss von Form und Breite her in das entsprechende Pferdemaul passt. Viel zu oft haben Pferde viel zu dicke Trensen im Maul, die im zarten Mäulchen gar keinen Platz haben! Oft sind Gebisse auch viel zu lang, sodass unnötig viel Druck auf die Maulspalte ausgeübt wird.

    Wenn ein kopfscheues Pferd bereits beim Anblick des Zaumzeugs samt Gebiss die Flucht ergreift und den Kopf hochreißt, sollte unbedingt die Passform des Gebisses und auch in Folge die Zähne selbst kontrolliert werden!

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    Kopfscheues Pferd

    Hilfe bei einem kopfscheuen Pferd

    Wenn mögliche Ursachen für das kopfscheue Verhalten des Pferdes ausgeschlossen bzw. behoben wurden, geht es darum,  die Berührung am Kopf wieder positiv zu verknüpfen. Lange genug hat das Pferd mit Berührung am Kopf Unangenehmes oder gar Schmerzen verknüpft, sodass es jetzt erst wieder Vertrauen schöpfen muss.
    Wenn du wie hier vorgegeben achtsam und bewusst Schritt für Schritt vorgehst, wird dein Pferd in nur wenigen Tagen wieder vertrauensvoll Berührungen am Kopf und an den Ohren zu lassen …

    1. Schritt: Kopf senken

    Da kopfscheue Pferde den Kopf hochnehmen oder Kopfschlagen, um sich der Berührung am Kopf und vor allem an den Ohren zu entziehen, ist es wichtig, dass das Pferd lernt, seinen Kopf zu senken.
    So kann man im Anschluss leichter die folgenden Übungen durchführen.
     
    Für das Kopfsenken schnallt man am besten einen Strick oder eine Kette seitlich ein, sodass man seitlich neben dem Pferd stehend durch leichten Zug nach unten dem Pferd den Weg in die Tiefe weisen kann.
     
    Stehe bei dieser Übung bitte nie direkt vor deinem Pferd: Damit provozierst du einen ordentlichen Nasenstüber, wenn dein Pferd auf den Zug am Halfter und den Druck im Genick den Kopf hochreißen sollte.
     
    Damit es erst gar nicht soweit kommt, dass dein Pferd seinen Kopf erschreckt hochreißt, locke es mit der geöffneten Hand, als hättest du ein Leckerli in der Hand, nach unten. Notfalls verwende gerne auch ein Leckerli oder biete ihm in einem Kübel Futter oder Heu an. Wichtig ist, dass du dabei ein klares Signal am Halfter gibst und gerne auch ein Stimmsignal, das später dein Pferd korrekt verknüpfen kann.
     
    Sobald dein Pferd seinen Kopf auf Widerristhöhe hält, lob es ausgiebig. Gibt es dem Druck nur widerwillig und nur wenige Millimeter nach: Egal! Jeder Schritt in die richtige Richtung, in diesem Fall nach unten, wird belohnt. In nur wenigen Tagen Wiederholung versteht das Pferd die Übung!
     
    Aber Achtung vor allzu überbordenden Bewegungen: Ein kopfscheues Pferd ist auch meist sehr schreckhaft und reagiert hysterisch auf zu schnelle und hektische Bewegungen. Deshalb alles immer sehr langsam und vorsichtig machen und sanft und achtsam loben!
     
    Auch Pferde, die ansonsten nicht kopfscheu sind, aber gerade beim Zäumen den Kopf hochnehmen, profitieren von dieser Übung: Alle meine Pferde können diese Übung. Meist reicht auch nur das Präsentieren des Gebisses samt Leckerli und sie nehmen problemlos ihren Kopf herunter und nehmen das Gebiss freudig in Empfang 😉

    2. Schritt: Abstreichen des Halses in kreisenden Bewegungen

    Ja, du hast richtig gehört! Wenn dein Pferd den Kopf weiter unten trägt und ruhig steht, gehst du als erstes NICHT an den Kopf des Pferdes, sondern an den Hals!

    Warum?

    Dein Pferd soll das Kopfsenken mit etwas Angenehmen verbinden und das ist zum aktuellen Zeitpunkt, als es noch kopfscheu ist, definitiv NICHT die Berührung am Kopf!

    Streiche für diesen Schritt in kreisenden Bewegungen den Hals deines Pferdes entlang. Beginne an der Schulter und führe deine Hände mit leicht gespreizten und sanft aufgestellten Finger in großen Kreisen immer weiter Richtung Genick. Sobald dein Pferd negativ reagiert und den Kopf wieder hochnimmt, lässt du es den Kopf erneut senken und beginnst mit deinen Kreisen wieder hinten an der Schulter. So arbeitest du dich vor, bis du mit deinen Kreisen am Genick angekommen bist, ohne dass dein Pferd den Kopf hochgenommen hat.

    3. Schritt: Abstreichen des Kopfes mit dem Handrücken

    Bis das Pferd die Berührungen bis zum Genick problemlos akzeptiert, können je nach Schwere der Kopfscheuheit mehrere Tage vergehen.
    Erst wenn das Pferd diese Kreise mit den Fingern von den Schultern über den Hals bis zum Genick als angenehm empfindet, kannst du mit dem Handrücken beginnen, sanft den Kopf abzustreichen. Gerne auch wieder in kleinen, kreisenden Bewegungen.
    Das Berühren mit dem Handrücken empfinden Pferde deutlich angenehmer als mit der geöffneten Handfläche. Das hat wohl mit dem Urinstinkt zu tun: Unsere Hände erinnern im weitesten Sinn an eine Pranke eines Raubtiers, vor allem wenn die Hände direkt auf sensible Körperstelle gerichtet werden. Die Handfläche löst weniger solche Emotionen aus und wird von vielen sensiblen, kopfscheuen Pferden rasch akzeptiert.

    Diese und die weiteren Übungen stammen teilweise aus der Tellington-TTouch-Methode von Linda Tellington-Jones. Hilfreiche Lehrvideos von Linda findest du auch auf der wehorse-Lernplattform.

    Mit dem Code Ghostreiter bekommst du das Monatsabo bei wehorse 5 Euro billiger!

    4. Schritt: Schopfhaare gleiten

    Pferde empfinden das Haaregleiten an der Mähne mindestens ebenso angenehm wie am Schopf!

    Sobald das Pferd Berührungen mit dem Handrücken akzeptiert, kannst du die Schopfhaare fassen.

    Das Schopfhaare-Gleiten finden Pferde genauso angenehm wie auch das Mähnenhaare-Gleiten. Du kannst es dir vorstellen wie eine angenehme Kopfmassage bei deinem Lieblingsfriseur – aaaaaah! 😉

    Nimm dazu den Schopf nah am Ansatz und lass die Haare langsam an der Stirn entlang nach unten durch deine Finger gleiten. Du kannst auch den gesamten Schopf nah am Ansatz nehmen und ihn sanft kreisen. Das stellt zudem eine angenehme Verbindung zum Genick und dem Rest der Wirbelsäule her. Eine meiner Lieblingskörperübungen vor dem Reiten am Putzplatz! #weilgutesreitenamputzplatzbeginnt

    Pferde lieben diese besänftigende Übung für mehr Körperbewusstsein. Die meisten Pferde lassen nach wenigen Wiederholungen entspannt den Kopf fallen und schließen die Augen …

    Weitere angenehme Übungen für ein entspanntes Pferd vor dem Reiten findest du in diesem Blogbeitrag: Gesunde Pferde durch Tellington TTouch

    5. Schritt: Ohren ausstreichen

    Wenn dein Pferd bei Schritt 4 entspannen kann, bist du bereit für Schritt 5 und somit den letzten Schritt, den du machen kannst, um deinem kopfscheuen Pferd zu helfen: das Ohrenausstreichen!

    Wenn Pferde positive Erfahrungen mit uns Menschen gemacht haben, genießen sie meist nach kürzester Zeit das Ausstreichen der Ohren. Manche mögen es lieber zart und vorsichtig, andere wiederum lieben es, wenn man ihnen die Ohren langzieht – im wahrsten Sinne des Wortes 😉

    Zuerst beginnst du nun die Ohrmuschel deines Pferdes wieder mit dem Handrücken vorsichtig vom Ohransatz bis zur Ohrspitze zu streichen. Am Anfang ist es für das Pferd am ehesten zu akzeptieren, wenn du die Ohren zurück an das Genick Richtung Hals streichst. Das ist eine natürliche Bewegung (beim Anlegen der Ohren) und erzeugt weniger Gegenwehr, als wenn du die Ohren so wie unten auf dem Foto gleich seitlich ausstreichst.

    Akzeptiert dein Pferd das Ausstreichen mit der Handrückseite, kannst du langsam dazu übergehen, die Ohren vom Ohransatz bis zur Ohrspitze auszustreichen. Vermeide am Anfang noch, deine Finger dabei in die Ohrmuschel hineingleiten zu lassen. Das ist für viele Pferde noch zu befremdlich.

    Wenn sie das Ohrenausstreichen aber mal gewohnt sind und ihre Kopfscheue abgelegt haben, genießen fast alle Pferde das Ohrenausstreichen. Zuallerletzt kannst du das Ohrenausstreichen mit dem Berühren der Ohrinnenseite und auch dem seitlichen Ausstreichen bis in die waagerechte Position des Ohres zum Boden kombinieren (vgl. Bild unten). Ich benutze dafür immer meinen Daumen, der beim Ausstreichen bis zur Ohrspitze die innere Ohrmuschel entlanggleitet.

    Am Ohr sitzen enorm viele Akupunkturpunkte (u. a. der Dreifacherwärmer und der Schockpunkt an der Ohrspitze), sodass du deinem Pferd mit dem Ohrausstreichen auch in körperlicher Hinsicht auf jeden Fall etwas Gutes tust!

    Ein schönes Video, in dem ich das Ohrenausstreichen genauer zeige, findest du hier: Ohren TTouch bei Pferden

    Tellington TTouch im Alltag: Ohrenarbeit
    Auch ein früher kopfscheues Pferd lernt schnell, wie angenehm das Berühren und Ausstreichen der Ohren sein kann!

    Das Wichtigste überhaupt

    Das Wichtigste im Training mit einem kopfscheuen Pferd ist - und das sollte eigentlich nicht extra erwähnt werden müssen - Geduld, viel Liebe und Achtsamkeit. Wenn Pferde bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben, sind Ungeduld sowie hektische und grobe Bewegungen und Berührungen fehl am Platz und verschlimmern die Reaktionen des Pferdes nur noch mehr. Auch wenn es schwer ist und man schnell mal die Geduld verliert: Dann lieber das Pferd in Ruhe lassen und am nächsten Tag mit doppelt so viel Geduld die fünf Schritte oben nochmals durcharbeiten 😉

  • Worauf es bei der Eingewöhnung eines Pferdes beim Stallwechsel ankommt

    So leicht es uns fällt, den Stall zu wechseln, so schwer fällt es dem Pferd.

    Die Eingewöhnung an eine neue Umgebung nach einem Stallwechsel kann für manche Pferde rasch ablaufen, die meisten Pferde haben damit aber mehr oder weniger größere Probleme.

    Pferde sind Gewohnheitstiere – täglich gleiche Abläufe geben Sicherheit, Situationssicherheit. Da Pferde in der Natur Beutetiere sind, das heißt von Raubtieren gefressen werden können, sind sie auf ein Maximum an Sicherheit gebunden, um ihr Überleben zu sichern.

    Diese einfachen Strukturen in der Natur muss ein Mensch immer im Hinterkopf behalten, sobald er mit dem Lebewesen Pferd zu tun hat. Egal in welchen Situationen – es hilft ungemein, sich der Natur des Pferdes (ein Herden-, Flucht- und Beutetier) immer wieder bewusst zu werden. Dies hilft, schwerwiegende Missverständnisse in der Kommunikation zu verhindern.

    Das Gewohnheitstier Pferd in einer neuen Umgebung

    In jeder neuen Umgebung oder Situation in freier Wildbahn muss der Pferd in Sekundenschnelle abchecken, ob Gefahren lauern: Könnte sich hinter dem Busch ein Raubtier verstecken? Ist das Wasserloch da vorne frei von Krokodilen? Ist es seicht genug, um darin zu stehen oder ist der Untergrund gefährlich und Fohlen könnten steckenbleiben? Ist die Rundumsicht gewahrt, sodass herannahende Raubtiere früh genug erkannt werden können? Und so weiter …
    Pferde in freier Wildbahn können ihr Überleben nur sichern, indem sie ständig ihre Umgebung scannen. Das Übersehen eines kleinen Signals (das Rascheln in einem Busch) kann verheerend sein: Der Tiger wird zu spät erkannt und kann sich im nächsten Moment das wehrlose Fohlen schnappen.
     
    Auch wenn wir Menschen Pferde über Tausende von Jahren domestiziert haben, seine Instinkte aus ihm herauszuzüchten ist bislang (noch) nicht gelungen. Wir Menschen müssen lernen, mit dem Urinstinkt der Pferde nach Sicherheit umzugehen. Der Instinkt nach der Gewährleistung von Sicherheit steht in der Bedürfnispyramide von Pferden sogar an höchster Stelle – noch vor Futter und Wasser!
    Sicherheit bietet auch die Herde: Eine intakte Herdenstruktur mit einem Leithengst und einer Leitstute gibt genauso Sicherheit für die niederrangigen Herdenmitglieder – an ihnen können sie sich orientieren, die anderen Herdenmitglieder bilden im Falle der Flucht vor einer Gefahr einen Schutzschild. Erst wenn ein Pferd vom Raubtier von der Herde separiert werden kann, ist es mehr oder weniger dem Tod geweiht. In der Herde ist jedes Pferd deutlich sicherer.
    Wissenschaftlich geprüfte Informationen sowie sogar einen Online-Kurs zum Thema Herdenverbände, ihre Strukturen und Instinkte von Pferden bietet der bekannte Tierfilmer Marc Lubetzki an: https://marc-lubetzki.de/Masterclass
     
    Diese Aspekte – Gewohnheitstier, Fluchttier und Herdentier – können unsere Pferde vor allem beim Verlassen von gewohnter Umgebung ganz schön stressen. Die Aufgabe von uns Menschen ist es, den Stress des Pferdes zu lindern, wenn es die gewohnte Umgebung (den Stall, den Reitplatz etc.) verlassen muss und in eine neue Umgebung kommt. Dabei fehlt dem Pferd die Absicherung durch gewohnte Herdenmitglieder und die sichere Umgebung, die bereits auf mögliche Gefahrenquelle gescannt wurde.
    Die neue Umgebung muss also nun nach neuen Gefahren und möglichen neuen Herdenmitgliedern, die Schutz suchen, geprüft werden.

    Hier kann der Mensch eingreifen und dem Pferd die Umgebungsänderung, wie es zum Beispiel bei einem Stallwechsel der Fall ist, erleichtern.

    Aus meiner Sicht sind bei einem Stallwechsel eines Pferdes für eine frustrationsfreie Eingewöhnung (auf beiden Seiten!) folgende Phasen wichtig:

    • Phase 1: Vorbereitungsphase: Die Zeit vor dem Stallwechsel
    • Phase 2: Akutphase: Ein Tag vor dem Stallwechsel und der Stallwechsel selbst
    • Phase 3: Eingewöhnungsphase: Die Zeit nach dem Stallwechsel

    In den jeweiligen Phasen kann der Mensch regulierend, vorbereitend, deeskalierend und richtungsweisend vorgehen, sodass das Pferd sich optimal in den neuen Stall und die neue Herde integrieren kann. Je umsichtiger, geduldiger, wohlwollender und verständnisvoller ein Mensch in diesen drei Phasen reagiert, umso entspannter verläuft die Eingewöhnung eines Pferdes bei einem Stallwechsel.

     

    Pferd Eingewöhnung Herde
    Bis ein neues Herdenmitglied so zufrieden und entspannt neben den anderen Pferden liegen kann, kann es Monate dauern.

    Phase 1: Die Vorbereitungsphase
    Die Zeit vor dem Stallwechsel

    Aus meiner Sicht ist die Zeit vor dem Stallwechsel – egal ob aufgrund einer Teilnahme an einem mehrtägigen Lehrgang oder Turnier, einem Wanderausritt oder einem tatsächlichen Stallwechsel – die wichtigste.

    Bereite ich das Pferd intensiv und umfangreich bereits auf den Umzug vor, erspare ich mir später viel Mühsal, wie ein unnötig gestresstes und damit krankheitsanfälliges Pferd sowie viele graue Haare und Nerven 😉

    Wie kannst du nun aber dein Pferd optimal auf den Stallwechsel und die Eingewöhnung vor Ort vorbereiten?

    1. Vorbereitendes Hängertraining

    Meiner jahrelangen Erfahrung nach entsteht der größte Stress bei einem Stallwechsel bereits bei der Hängerfahrt in den neuen Stall. Kennt ein Pferd das Hängerfahren nur wenig oder gar nicht, ist natürlich schon allein das Verladenwerden und die Fahrt in eine neue Umgebung Stress pur. Wird das Pferd im schlimmsten Fall immer nur dann verladen, wenn es in eine neue fremde Umgebung kommt, sollte wohl völlig klar sein, dass das Pferd nur ungern einsteigt! Diesem Stress kann man ganz einfach vorbeugen: Verlade- und Hängertraining. Das heißt, steht ein Stallwechsel früh genug bereits fest, kümmere dich rechtzeitig erstens um ein entsprechendes Zugfahrzeug samt Fahrer mit den entsprechenden Fahrberechtigungen (E zu B oder C bzw. CE) und um einen der Größe deines Pferdes entsprechenden Hänger. Ich persönlich bevorzuge immer Doppelhänger, auch wenn ich meist immer nur ein Pferd verlade. Mein Pferd in einem schmalen Einpferdehänger umgekippt auf der Seite liegen zu sehen, war bei mir kein schlechter Alptraum!

    Bist du dir bezüglich Hängertraining selbst noch sehr unsicher, dann hol dir lieber einen guten Trainer an deiner Seite, der deinem Pferd die Angst vor dem Hänger mit Geduld und genügend Sachverstand nehmen kann.

    Erst kurz vor knapp Hängertraining zu machen oder gar erst zum Tag des Stallwechsels ein Pferd ohne Hängererfahrung zu verladen, kann nur in einem Desaster enden, weil man vom alten Stall weg MUSS. Das erzeugt unnötig Druck, der zu 100 Prozent vom Pferd übernommen wird und zurecht dann das Einsteigen in den Hänger verweigert!

    2. Gewöhnung an unbekannte Reize

    Die Gewöhnung eines Pferdes an für es unbekannte und fremde Reize sollte eigentlich in der soliden Grundausbildung eines Pferdes selbstverständlich sein. In Bezug auf die Vorbereitung eines Stallwechsels kann man aber gezielt Elemente in die Bodenarbeit und das Vertrauenstraining einfließen lassen, die da wären:

    • Bei Ausritten immer wieder mal unbekannte Wege entlang reiten – schon allein das Betreten eines Weges aus der anderen Richtung kann für viele Pferde bereits Alarmglocken läuten lassen …
    • Auf fremden Reitplätzen (z. B. in der Nachbarschaft oder im Zuge von Lehrgängen oder Turnieren) reiten.
    • Zu fremden Ställen in der Nähe spazieren, das Pferd dort in der Umgebung ein wenig umschauen lassen und vielleicht sogar grasen lassen. So verbindet es ungewohnte Umgebungen mit etwas Angenehmem.
    • Zuhause immer mal wieder vorsichtig von typischen Routinen und Mustern abweichen: Das Pferd bewusst mal an anderen Putzplätzen anbinden und satteln, mal für eine Nacht in einen andere Box stellen etc.

    3. Vorbereitende Fütterung

    Pferde, von denen man weiß, dass sie zu heftigen Stressreaktionen neigen, wie z.B. hoch im Blut stehende Pferde oder durch traumatische Erfahrungen geprägte, profitieren enorm von einer gezielten Fütterung von Kräutern und Zusätzen, die nachweislich einen entspannenden Effekt haben.
    Hier seien nur als Anregung ein paar Heilkräuter genannt. Mit bewährten Kräutermischungen aus guten Versandhäusern macht man nie einen Fehler. Ganz sicher geht man aber immer, wenn man den Tierarzt oder einen Naturheilpraktiker nach Empfehlungen fragt, bevor man auf gut Glück Heilkräuter und Zusätze füttert.
    Ich habe sehr gute Erfahrungen mit folgenden Heilkräutern und Zusätzen bei zu Stress neigenden Pferde gemacht. Optimal beginnst du mit der Fütterung bereits 3 bis 4 Wochen vor dem geplanten Umzug:
    • Magnesium von Dr. Weyrauch: Magnesiummangel bei Pferden führt nachweislich zu Unruhe- und Angstzuständen. Vor allem Pferde, die viel geritten und trainiert werden, sollten regelmäßig auf ihren Magnesiumspiegel (Blutbild!) geprüft werden. Verspannungen und Muskelverhärtungen können Folgen von Magnesiummangel sein.
    • „Stresskräuter“ oder „Entspannungskräuter“ von z.B. pernaturam, Makana oder Krauterie. Hier werden vor allem Heilkräuter wie Baldrian, Hopfen, Melisse sowie Kamille verwendet.
    • In Absprache mit einem guten Homöopathen oder Tierheilpraktiker können auch auf das Pferd abgestimmte Globuli oder Schüsslersalze helfen.
    • Futterzusätze für stressgeplagte Pferde, die dopingfrei sind, gibt es auch bei deinem Tierarzt nach Wahl.

    4. Vermehrter Fokus auf Beziehungsarbeit

    Ein Stallwechsel kann auch als Chance gesehen werden: Durch den Umgebungswechsel und den damit verbundenen Stress sowie den möglichen Verlust von pferdigen Kumpels sucht das Pferd vermehrt die Nähe zum einzig gleichbleibenden Bezugspartner: Das bist du! Nutze diese Chance bewusst, um bereits im Vorfeld deinem Pferd dich als Sicherheitsanker und Ruhepol anzubieten:

    Vertrauensfördernde Bodenarbeitsübungen wie Gehen über Planen oder über Brücken hinweg (auch perfekt als vorbereitende Übungen fürs Hängertraining!) fördern das Vertrauen zwischen dir und deinem Pferd. Körperarbeit wie zum Beispiel aus der Tellington-TTouch-Methode, fördern Wohlbefinden und Stressresistenz deines Pferdes und bringen es in einen wohligen Allgemeinzustand, in dem es sich sicher fühlt. Außerdem findest du über Körperarbeit oder intensive Putzsessions heraus, was dein Pferd sehr gerne mag (z.B. Kraulen am Widerrist oder Ausstreichen der Ohren). Dieses Wissen kannst du dann in der stressigen Situation kurz vor dem Stallwechsel oder während der ersten paar Tage im neuen Stall direkt anwenden. Dein Pferd wird sich an diese wohligen Behandlungen erinnern und schneller wieder in einen ruhigen Zustand kommen.

    Phase 2: Die Akutphase

    Ein Tag vor dem Stallwechsel

    Einen oder zwei Tage vor dem Stallwechsel solltest du alles für Tag X vorbereiten.
    • Hängergespann ist vorbereitet (Fahrer, Gefährt etc.)
    • Umzugskartons sind gepackt: Alle sieben Sachen sind gepackt bzw. hast du schon vor Tag X übersiedelt. So ersparst du dir zusätzlich Stress und hast am Tag des Stallwechsels genügend Zeit, dich um dein Pferd zu kümmern.
    • Auf sich selbst achten: Tu dir selbst etwas Gutes und gönn dir was: Je ruhiger du an Tag X bist, desto mehr kann sich dein Pferd auf dich verlassen!
    • Dein Pferd körperlich auslasten: Boxenkoller am Tag des Stallwechsels ist ein absolutes No-go. Mach also mit deinem Pferd noch ein ergiebiges Training, einen langen Ausritt oder eine Ausdauereinheit an der Longe. Hauptsache, dein Pferd ist entspannt, weil es körperlich ausgelastet ist, und hat nicht noch zusätzlich am Tag des Stallwechsels Hummeln im Hintern!
    • Vermeide unnötige Änderungen kurz vor dem Stallwechsel: Also bitte nicht kurz vor dem Stallwechsel dein Pferd noch in eine neue Box mit neuem Boxennachbarn übersiedeln, anderes Futter füttern oder andere aufreibende, aufregende Sachen machen. Je entspannter dein Pferd in den nächsten Tag startet, desto besser!
     

    Tag X: Der Stallwechsel

    Und dann ist der da: Der Tag des langersehnten Stallwechsels!

    Vorab: Es ist wichtig, dass auch du so viel Ruhe und Gelassenheit an den Tag legst, wie du sie dir von deinem Pferd für diesen spannenden Moment wünscht. Es hilft also weder dir noch deinem Pferd oder allen anderen Beteiligten, wenn du hysterisch in Schnappatmung herumrennst und all nervös machst.
    Wenn du eher der nervöse Typ ist, versuche am Tag des Stallwechsels noch etwas zu tun, was dir guttut: Yoga, eine kleine Wanderung mit dem Hund, ein ausgiebiges Frühstück etc. Wichtig ist: Du solltest Ruhe ausstrahlen. Ansonsten riecht dein Pferd den Braten, bevor es überhaupt ans Verladen geht!
     
    Am Tag des Stallwechsel selbst, lege ich dir ans Herz, alles so zu planen, dass das ganze Prozedere erst am Nachmittag stattfindet – vorausgesetzt es besteht die Möglichkeit dazu.
    So hast du noch genügend Zeit dein Pferd vorher zu bewegen. Und damit meine ich nicht einen gemütlichen Spaziergang an der Hand rund um den alten Stall, sondern ruhig ein ausgiebiges Training.
    Je müder und ausgelasteter dein Pferd ist, desto weniger musst du dich in dieser eh schon stressigen Situation noch mit einem vor Boxenkoller herumhüpfenden Pferd herumärgern. Ist das Pferd körperlich gut ausgelastet, wird es sich weniger rasch von einem etwas nervöser als sonst wirkenden Besitzer verunsichern lassen noch vor der bevorstehenden Hängerfahrt und der Ankunft im neuen Stall.
     
    Optimalerweise kennt dein Pferd jetzt bereits das Verladen und geht brav in den Hänger. Eine ruhige Hängerfahrt ohne abrupte Brems- und Lenkmanöver setze ich jetzt mal voraus, damit dein Pferd nicht unnötig zusätzlich gestresst am Zielort ankommt.
    Vor Ort steigst zuerst du aus, nicht dein Pferd 😉 Damit meine ich, dass es besser ist, wenn du dich vor Ort erkundigst, ob die für dich reservierte Box (oder die Notbox in einem Offenstall) bereits vorbereitet ist. Optimalerweise bekommt dein Pferd am Abend im neuen Stall noch eine riesige Portion Heu mit Sichtkontakt zu den neuen Kollegen, sodass es bis spät in die Nacht mit Fressen beschäftigt ist und nicht später aus Hunger unruhig wird.
     
    Spätestens jetzt solltest du abgeklärt haben, wie alles im neuen Stall abläuft:
    • Wann wird gefüttert? Was wird gefüttert?
    • Wie wird die Eingliederung in die neue Herde vorgenommen?
    • Wie lange muss dein Pferd in der Eingliederungs-/Notbox bleiben, bevor es in den Offenstall kommt?
    • Kann dein Pferd bereits am nächsten Tag auf ein Paddock mit Kontakt zu anderen Pferden?
    Stelle sicher, dass dein Pferd zumindest eine Woche lang das gewohnte Futter vom alten Stall bekommt, um nicht noch Magen- oder Darmprobleme heraufzubeschwören. Am besten fütterst du ihm nach den Strapazen der Fahrt und des Stallwechsels jetzt eine angemessene Portion Mash, um Magen und Darm zu beruhigen.
     
    Füttere die Kräuterzusätze ruhig noch ein bis zwei Wochen nach dem Umzug weiter. Besonders in der Phase nach dem Stallwechsel ist noch lange Zeit alles für dein Pferd ungewohnt. Eine zusätzliche Unterstützung seines Nervenkostüms durch Kräuter oder andere Zusätze schadet in diesem Fall nicht.
     
    Vermeide es, nach der Ankunft deinem Pferd – vermutlich aus deiner  Vorfreude heraus – gleich alles zeigen zu wollen. Dafür hast du noch genügend Zeit in den nächsten Tagen und Wochen. Am Tag des Umzugs ist für dein Pferd jetzt erstmal wichtig, sein neues Zuhause – vorerst mal nur seine Box, seinen neuen Stall und gegebenenfalls ein paar Kumpels – kennenzulernen. Alles andere ist jetzt mal zweitrangig.
    Bitte beachte, dass ich hier die Eingewöhnung bei Stallwechsel für Pferde beschreibe, die selten auf fremden Terrain unterwegs sind wie z.B. Lehrgängen, Turnieren etc. Diese Pferde sind meist überaus gestresst und nervös bei allen Veränderungen. Routinierte Turnierpferde oder andere Pferde, die mehrmals im Jahr auf Ausflügen mit dem Hänger unterwegs sind, akklimatisieren sich vor Ort sehr schnell und sind rasch zufrieden, wenn es im neuen Stall eine weiche Einstreu, was zum Fressen und Trinken sowie pferdige Kollegen gibt … Nichtsdestotrotz profitieren auch solche Pferde von einer sorgfältigen Planung von Stallwechseln und einer möglichst sensibel gestalteten Eingewöhnungsphase.
     
    Pferd Stallwechsel Lehrgang
    Durch regelmäßiges Teilnehmen an Lehrgängen kann man das Pferd an den Umgang mit ungewohnten Situationen und Umgebungen gewöhnen.

    3. Phase: Die Eingewöhnungsphase

    Die ersten Tage und Wochen im neuen Zuhause sind für das Pferd anstrengend und sehr aufregend: Täglich gibt es Neues kennenzulernen und zu entdecken. Allein ein anderer Fütterungsablauf bedeutet schon Unruhe: Womöglich wird früher oder später gefüttert als im alten Stall, das Heu schmeckt anders, das Wasser auch. Es gibt Stroh- statt Späneeinstreu etc. Was für uns so banal klingt, sind für Pferde schwerwiegende Dinge, an die es sich zuerst wieder gewöhnen muss.

    Nochmals: Je dicker das Band zwischen dir und deinem Pferd ist und je sicherer und souveräner du es in der Vergangenheit durch ungewohnte und fremde Situationen gelotst hast, desto einfacher und unkomplizierter wird der Stallwechsel (und sei es nur für einen mehrtägigen Lehrgang). Übung macht in allem den Meister! Je öfter du in der Vergangenheit mit deinem Pferd in fremden Umgebungen warst, desto souveräner werdet ihr gemeinsam die spannende und aufregende Zeit der Eingewöhnungsphase meistern.

    Wichtig ist in der Zeit nach dem Stallwechsel vor allem eines: Geduld, Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen

    Ja, ich weiß. Ich wiederhole mich!

    Lass dir in den ersten Tagen und Wochen nach dem Stallwechsel Zeit. Zeig deinem Pferd nicht gleich alles an einem Tag, sondern gewöhne es langsam an seine neue Umgebung. Zeig ihm an einem Tag zuerst den Putzplatz, gönne ihm eine ausgiebige Putz- und Krauleinheit und dann lass es wieder zu seinen Kumpels. Das Training (außer es ist ein routiniertes Turnierpferd) würde ich in den ersten ein, zwei Wochen mal hintanstellen. Ist dein Pferd noch zu wenig gesettelt in der fremden Umgebung, wird sich euer Training sowieso zuerst mal nur wieder auf entspanntes Bodenarbeitstraining, ein wenig Longenarbeit oder Spaziergänge zum Erkunden der neuen Umgebung beschränken.

    Hast du das Gefühl dein Pferd fühlt sich ein wenig wohler, kannst du ihm mal die neue Reithalle oder den Reitplatz zeigen. Sei aber auch da immer einfühlsam und geduldig: Jede Ecke ist jetzt potenziell wieder ein neuer Ort für Raubtiere. Werde nicht ungeduldig mit deinem Pferd, wenn es in der Eingewöhnungsphase, die mehrere Monate, sogar bis zu einem halben bis ein Jahr dauern kann, vor bereits bekannten Dingen erschrickt: Es muss zuerst sondieren, ob Gefahr droht, deshalb ist dein Pferd in der ersten Zeit lieber übervorsichtig anstatt sich unnötig der Gefahr eines Raubtierangriffs aus der neuen, unbekannten Ecke der Stalleinfahrt auszuliefern (und das ist in jeder fremden Umgebung aus der Sicht eines Pferdes möglich!).

    Wie lange dauert es, bis sich ein Pferd in einem neuen Stall eingewöhnt hat?

    Diese Frage erreicht mich immer wieder.
    Leider haben nur wenige Menschen ein Gefühl dafür, was es aus Sicht eines Pferdes bedeutet, aus einer intakten Herde (und sei es nur aus der intakten Konstellation zweier freundlicher Boxennachbarn und Paddockkumpels) gerissen zu werden.
     
    Der Verlust der Herde (und für viele Pferde bedeutet „Herde“ leider nur das Vorhandensein von 1 oder 2 Boxennachbarn) kommt dem Pferd einer Todesszenerie näher: Ohne den sicheren Herdenverband ist es in der freien Natur Raubtieren ungeschützt ausgeliefert. Es ist auf sich allein gestellt und kann sich im Notfall nur selbst mit allen 4 Hufen gegen Raubtiere schützen. Es sind keine weiteren Augenpaare da, die die Umgebung nach Fressfeinden abscannen.
    Ganz wichtig: Ein Pferd weiß nicht, dass es im neuen Stall auch eine neue Herde geben wird.  Es kann nicht in die Zukunft sehen. Es lebt im Hier und Jetzt und weiß aktuell nur eines: Es wird von seiner Herde getrennt! Und das bedeutet Angst, Stress – manchmal sogar Todesangst.
    Das erklärt wohl auch, warum viele Pferde, die nicht mit genügend Verständnis an das Verladen und Verlassen des Stalles bei Ausritten herangeführt wurden, derart panisch werden und hysterisch wiehern oder sich losreißen und zurück zum Stall rennen.
     
    Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: Die Eingewöhnungsphase nach einem Stallwechsel kann je nach Temperament und Charakter eines Pferdes mehrere Monate, wenn nicht sogar ein ganzes Jahr dauern!
     
    Mein Sensibelchen Cento hat lange Zeit nach seinem Umzug in unseren eigenen Stall mit Unsicherheit und teils panisch reagiert. Bereits das Anbinden an einem anderen Putzplatz brachte ihn aus dem Konzept, das Weggehen von der Herde war ein heilloses Losreißen und Zurückrennen und wenn seine Iman wegwar, wurde er sowieso kopflos.
    Mit viel Geduld und Rücksichtnahme kann ich jetzt nach 1,5 Jahren sagen, dass er endlich angekommen ist und er sich pudelwohl fühlt.
     
    Auch Indira, die bereits als junges Pferd zum Anreiten und später zum Beritt und für Turniere viel rumgekommen ist, hat sich in unserem Stall besonders schwer mit der Eingewöhnung getan: Sie kam von Boxenhaltung mit Weide in einen Offenstall mit Herde. Lange Zeit konnte sie sich nicht hinlegen und schlafen, was zusätzlich Stress bedeutete. Erst jetzt nach einem Dreivierteljahr haben wir das Gefühl, dass sie vollkommen in der Herde integriert ist, ruhig schläft und ihren Platz in der Herde und bei uns im Stall gefunden hat.
     
    Gib deinem Pferd die Chance, in aller Ruhe die neue Umgebung, neue Menschen und Situationen kennenzulernen. Als Gewohnheitstiere steht für Pferde Sicherheit an oberster Stelle: Misstrauisch wie sie als Fluchttiere nun mal sind, kann es schon seine Zeit dauern, bis es sich vollkommen an neue Situationen und Umgebungen gewöhnt hat.
     
    Das Wichtigste ist in der Eingewöhnungsphase, dass du als Bezugsperson deinem Pferd Stabilität, Vertrauen und „Anlehnung“ bietest. So ein Stallwechsel kann Potenzial für etwas Neues und Tolles in eurer Beziehung bedeuten.
    Nur weil dein Pferd in den ersten Monaten komische Dinge macht, dir „komisch“ vorkommt, bedeutet das nicht, dass eure Beziehung kaputtgegangen ist. Sie ist durch den Stallwechsel aktuell nur auf dem Prüfstand – und das lässt sich mit viel Geduld, Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen gekonnt und leicht meistern!
     

    Wie hast du deinem Pferd einen Stallwechsel erleichtert?

    Kommentiere diesen Beitrag und teile mit uns deine Tipps für einen stressfreien Stallwechsel und eine ruhige Eingewöhnung! Ich bin gespannt zu hören, was euch geholfen hat! Hilf mit deinem Kommentar mit, dass noch viele andere Pferdebesitzer entspannte Stallwechsel erleben können!

  • 5 Tipps: Pferde achtsam zäumen und satteln. Plus: Sicherheitstipps beim Anbinden

    Pferd zäumen und satteln: Oft gemacht, selten darüber nachgedacht

    Für einen Reitanfänger ist bereits alles, was vor dem Reiten passiert, unglaublich spannend: Pferd führen, putzen und dann das Pferd noch zäumen und satteln. Für den Rest, der schon länger mit Pferden zu tun hat und schon unzählige Male im Sattel gesessen ist, gehen die notwendigen Griffe vor dem Reiten blind von der Hand. Über kaum einen Vorgang muss länger als eine Sekunde nachgedacht werden, die Handgriffe sitzen, alles läuft automatisch ab. Routine und Automatismen sind bequem. Leider führen sie aber auch zu Unachtsamkeit, Unaufmerksamkeit und schludrigem Verhalten. Gewohnheiten und Muster schleichen sich ein, die nur schwer wieder zu „verlernen“ sind.

    Gerade beim Zäumen und Satteln eines Pferdes kann so viel falsch gemacht werden. Falsch nicht unbedingt gleich im Sinne von schmerzhaft und gefährlich für das Pferd zu verstehen, aber auf jeden Fall unnötig.

    Denn wenn ich ein Pferd zäumen und satteln muss, bevor ich es reite, kann ich bereits den Grundstein legen für das weitere Reitgefühl im Sattel.

    Überleg mal, wie du zäumst und sattelst – und sei ehrlich zu dir selbst!

    • Wie legst du deinem Pferd das Halfter an, wenn du es aus der Box oder von der Weide holst?
    • Wie bindest du es an? Worauf achtest du? Wo bindest du es an?
    • Wie schiebst du deinem Pferd die Trense ins Maul und dann das Zaumzeug über die Ohren?
    • Wie legst du den Sattel auf und verschnallst den Gurt?

    Allein sich kurz Zeit zu nehmen und sich diese Fragen kurz selbst zu beantworten, bringt Bewusstsein in diese Abläufe, die meist gewohnheitsmäßig und in immer gleichen Mustern ablaufen.

    Gewohnheiten und wiederkehrende Abläufe sind für Pferde an sich etwas Gutes, sie bringen Sicherheit und Beruhigung. Wenn diese täglichen Abläufe von Zäumen und Satteln aber immer gleich falsch, unaufmerksam und unhöflich ablaufen, fördert das nicht unbedingt die gewünschte spätere Harmonie im Sattel …

    Reiten beginnt schon vor dem Aufsitzen: So achtsam und feinfühlig du dein Pferd zäumst und sattelst, so aufmerksam und weich wirst du dann im Sattel  auf es einwirken.

    Ich habe dir 7 Tipps mitgebracht, die dir auf ganz einfache Art und Weise helfen, mehr Achtsamkeit in den gewohnheitsmäßigen Ablauf von Zäumen und Satteln zu bringen.

    Zudem bringst du so auch noch Sicherheit in dein Tun mit dem Pferd!

     

    1. Aufhalftern

    Ein winziges, aber in meinen Augen doch wichtiges Detail ist das Aufhalftern.

    Oft wird dem Pferd das Halfter lieblos über den Kopf gezogen, die seitlichen Backenstücke werden unsanft über die Augen, das Genickstück ruppig und hart über die Ohren gezogen.

    Ist das ein liebevoller Umgang mit dem Lebewesen, von dem man nachher erwartet, dass es auf feinste Hilfen im Sattel reagiert und nur ja nicht „so zickig und bockig“ sein soll?

    Zieh deinem Pferd das Halfter so achtsam, freundlich und liebevoll über den Kopf, wie du gerne angezogen werden würdest. Stülpe das Halfter vorsichtig über die Nase und zieh dann ein Ohr nach dem anderen vorsichtig durch das Genickstück.

    Ein weiteres Detail: Schließ die Schnalle des Halfters  so, dass der Dorn nach außen schaut (siehe Foto). Ansonsten drückt der Dorn unangenehm in die Ganaschen!

    Zusatztipp: Biete deinem Pferd jedes Mal, wenn du es aufhalfterst, ein Leckerli an. So verbindet es das (womöglich bereits verhasste) Halfter mit etwas Positivem!

    2. Achsames Satteln: Korrekter Sitz der Sattelunterlage

    Achte beim Satteln peinlich genau darauf, dass die Sattelunterlage (Satteldecke, Schabracke, Pad …) faltenfrei liegt. Jede Falte in der Sattelunterlage kann zu schmerzhaftem Satteldruck und so in Folge zu Unreitbarkeit des Pferdes führen.
    Achte darauf, dass du die Satteldecke/Schabracke vorne am Widerrist „einkammerst“, das heißt, sie nach oben in die Kammer des Sattels ziehst, sodass kein Druck auf dem Widerrist lastet. Der Widerrist ist an der Wirbelsäule des Pferdes ein sehr empfindlicher Teil. Hier stehen die empfindlichen Dornfortsätze extrem weit von den Wirbelkörpern ab.
    Kontrolliere, ob alle Laschen der Sattelunterlage an den Gurtstupfen befestigt sind und die Gurtstrupfen selbst durch die exta dafür vorgesehenen Schlaufen links und rechts eingefädelt sind. So ist sichergestellt, dass die Sattelunterlage nicht verrutschen kann!

    3. Die korrekte Länge des Sattelgurts

    Die Länge des Sattelgurts ist ein wichtiges Detail. Nur mit dem korrekt verschnallten und passenden Sattelgurt kann dein Pferd sich frei aus der Schulter heraus bewegen. Zudem sollte der Gurt so geschnitten und verschnallt sein, dass das Pferd nicht ständig mit dem Ellbogen am Gurt anstößt. Viele Pferde tragen viel zu kurze Gurte. Nur weil es „Kurz“gurt heißt, muss er nicht so kurz sein, dass die Schnallen unterhalb der Ellbogen liegen!

    Bei Langgurten in anatomischer Form ist darauf zu achten, dass die Aussparungen genau an den Ellbogen zu liegen kommen. So kann das Pferd seine Vorderbeine frei nach vorne und zurückbewegen, ohne lästig an den (meist harten) Kanten des Sattelgurts anzustoßen.

    Ein Kurzgurt ist optimalerweise so lange, dass die Schnallen auf der Höhe des Buggelenks zu liegen kommen. Das ist bei den meisten Sätteln direkt unter der Schabracke. Ist viel überständiges Material am Gurt nach oben hin vorhanden, achte darauf, dass der Gurt unter der Sattelunterlage zum liegen kommt (siehe Bild). Dann scheuert nicht der Gurt an der Kante der Sattelunterlage und begünstigt Scheuerstellen!

    Ein nicht passender Sattelgurt kann unter anderem der Grund für Gurtzwang sein. Zum Thema Gurt- und Sattelzwang gibt es hier ein paar hilfreiche Tipps samt Video:

    Pferd mit Gurtzwang: 5 Tipps, um Gurtzwang zu beheben

     

    4. Sicherheit geht vor: Steigbügelriemen hochschlagen

    Egal, wohin du dein Pferd führst: Die Steigbügel sind immer korrekt bis zum Sattelschloss hochgezogen und die Steigbügelriemen gut verstaut. Falls du – so wie ich – sehr lange Steigbügelriemen hast, wickle sie ein weiteres Mal um den Steigbügel. So hängt die Schlaufe des Steigbügelriemens nicht so weit nach unten.

    Du kannst dir nicht vorstellen, an welch doofen Orten so ein Steigbügelriemen hängenbleiben kann!

    Panik aufgrund von Platzangst beim Pferd ist vorprogrammiert, wenn es plötzlich Widerstand spürt, weil der Steigbügel oder der Steigbügelriemen an einer Türschnalle, einem Torgriff oder ähnlichem hängengeblieben ist.

    Solche Unfälle lassen sich ganz easy vermeiden, wenn man auf dieses Detail achtet.

    5. Freundliches Zäumen

    Welch schaurige Szenen beim Zäumen habe ich schon gesehen. Kein Wunder, dass die Pferde dabei die Köpfe hochreißen und nach hinten wegrennen.

    Damit das nicht passiert, sei liebevoll und geduldig mit deinem Pferd. Übe das Angreifen an und hinter den Ohren, BEVOR du es aufhalfterst oder zäumst. Übe das vorsichtige Aufnehmen des Gebisses, BEVOR du ihm das gesamte Zaumzeug anlegst.

    Alle meine Pferde bekommen immer ein Leckerli zusammen mit dem Gebiss. So mache ich ihnen 1. das Gebiss schmackhaft. Sie nehmen von alleine das Gebiss ins Maul, ohne dass ich sie zwingen muss, das Maul aufzusperren.
    2. verhindere ich so, dass das Metallteil schmerzhaft gegen die Zähne schlägt, wenn ich es ihnen ins Maul schiebe. 3. Rennt so keines meiner Pferde rückwärts davon, wenn es mich mit dem Zaumzeug ankommen sieht 😉

    Je nach Pferd muss ich nur die Art der Leckerlis anpassen 😉

    Vorschläge für gesunde und natürliche Leckerlis gibts hier: Natürliche Pferdeleckerlis. Pferde gesund füttern

    Kopfscheue Pferde: Gebiss prüfen!

    Zusatztipp 1: Ordnung ist die halbe Miete

    Bevor es jetzt endlich zum Reiten losgeht, wirf noch einen letzten Blick auf den Putzplatz:

    Sind alle Utensilien verräumt, der Putzplatz sauber? So freut sich auch der, der nach dir sein Pferd putzen will, über einen sauberen Putzplatz!

    Ganz wichtig: Schleudere das Halfter nach dem Zäumen nicht einfach auf den Boden, am schlimmsten noch samt eingehängtem Strick: Ein anderes Pferd könnte sich darin verheddern und stürzen.

    Alles schon gesehen, alles nicht schön – und doch so einfach zu vermeiden!

    Hänge deshalb das Halfter ordentlich auf. So hast du es nach dem Ritt sofort zur Hand und andere Pferde oder Menschen sind nicht gefährdet, sich darin zu verheddern oder darüberzustolpern!

     

    Zusatztipp 2: Eine Selbstverständlichkeit: Sicherheitsknoten

    Immer wieder sehe ich Pferde, die schlampig angebunden sind.
    Schlampige Knoten, gefährliche Anbindestellen, nervöse Pferde, die hin und her wuseln – und nicht selten Pferde, die sich in den Strick hängen und sich nach hinten überschlagen …
     
    Deshalb hier ein paar Tipps für das korrekte Anbinden:
    1. Stell sicher, dass dein Pferd ruhig stehen kann. Notfalls gib ihm ein wenig Heu zum Fressen, sodass es den Putzplatz als einen angenehmen Ort empfindet.
    2. Der Putzplatz an sich sollte eben sein. Das Pferd sollte vor dem Reiten schon ausbalanciert stehen können. Wenn es bereits beim Putzen schief und krumm stehen muss, wird es sich beim Reiten auch schwer tun, ausbalanciert und gerade zu gehen …
    3. Wähle den Anbindepunkt genau aus: Binde dein Pferd nie an losen Gattern, Brettern oder Stangen oder gar Türen an. Ein Pferd, das wegen was auch immer in Panik gerät, kann Türen aushängen, Bretter ausreißen und damit dann durch die Gegend rennen. Keine schöne Vorstellung!
    4. Verwende IMMER einen Sicherheitsknoten. Dafür gibt es mehrere Varianten. Er sollte immer mit nur einem leichten Zug vollständig zu öffnen sein.
    5. Wenn du ein unsicheres Pferd hast, das zu Platzangst neigt, binde es nicht an, sondern leg den Strick nur durch den Anbindehaken, die Anbindeöse. Du kannst auch einen Bindfaden zwischen Halfter und Strick platzieren, der im Panikfall sofort reißt. Denn auch Panikhaken lösen sich nicht von alleine! Damit ein Panikhaken sich öffnet, muss der Mensch hingreifen und das Aufschnappen des Panikhakens manuell auslösen!

    Deine Meinung und Erfahrung ist gefragt!

    Verrate mir:

    Wie handhabst du das Zäumen und Satteln? Kanntest du meine Hinweise für achtsamen Umgang mit dem Pferd beim Zäumen und Satteln?

    Und wenn du die Tipps umgesetzt hast: Wie erging es dir dabei? Was hat dein Pferd gemacht?

    Hat sich vielleicht im Anschluss was beim Reiten verändert?

    Schreib mir einen Kommentar – ich freue mich auf regen Austausch!