Wie du die Macht deiner Weiblichkeit im Pferdetraining nutzen kannst

Weiblichkeit Pferdetraining

Wer von uns Pferdefrauen kennt es nicht? In den Tagen vor den Tagen sollte dich keiner in der Stallgasse schief ansehen, es könnte ein Wutausbruch folgen. Während den Tagen reagierst du rasch emotional und fühlst dich ziemlich neben der Spur (von möglichen Regelschmerzen mal ganz abgesehen). Und dann sind da noch die Tage nach den Tagen, wo wieder alles Friede, Freude, Eierkuchen ist und du am liebsten die ganze Welt umarmen möchtest.

Der weibliche Zyklus und das damit einhergehende Hormonchaos mit all seinen Ups and Downs hält uns Pferdefrauen ganz schön auf Trab.

In diesem Blogbeitrag möchte ich darauf eingehen, wie du dieses Chaos in deinen Emotionen, deiner Gefühlswelt und deinem Körper durch Achtsamkeit wieder in den Griff bekommst und wie du die Macht der Weiblichkeit im Pferdetraining nutzen kannst.

Frauen und „ihre Tage“ - unnötig aufgebauschtes Thema?

Manche denken sich jetzt vielleicht: „Wieso bauscht Melanie denn dieses Thema so unnötig auf? Ich nehme die Pille … und die monatliche Blutung? Ein paar Tage bluten – na und?“

Dazu kann ich dir sagen: Auch diese „Wurschtigkeit“ gegenüber den Tagen und dem weiblichen Zyklus kenne ich. Lange genug habe ich die Pille genommen und die paar Tage im Monate Bluten haben mich genau null und gar nicht aus der (Reit-)Bahn geworfen. Ich habe sie körperlich nicht mal gespürt. Kein Ziepen, kein Zerren im Unterleib gar nix.

Was ich aber sehr wohl gespürt habe, war, dass ich an ein paar Tagen im Monat leicht reizbar war – und mich auch dementsprechend vermehrt mit Schokolade oder sonstigem Essen selbst besänftigen musste ;). In dieser Zeit konnte es passieren, dass mein Pferd schon mal einen unsanften Klaps bekommen hat, wenn es mir mal unsanft zu nahe kam, mich anrempelte oder sonst in meinen Augen „unachtsam“ war.

Tabuthema Weiblichkeit: „Ist die wieder zickig - die hat sicher ihre Tage ...“

Kennst du diese Tage? Wo dir gefühlt ständig eine Laus über die Leber läuft und dir sowieso jeder Mensch massiv auf den Wecker geht?

Ich kenne diese Tage zuhauf. Als junges, ehrgeiziges Pferdemädchen musste an solchen Tagen mein Pferd meine Launen meist ausbaden. Da wurde härter trainiert, die eine Lektion vier bis fünf Mal öfter geritten, bis sie auch wirklich saß (obwohl sie das nie tat, weil meine Konzentration und Kraft und auch die meines Pferdes dahingeschmolzen war). Und da war man auch mal wenig zimperlich mit seinem Pferd: „Das muss er halt aushalten.“

Ja, da war ich noch jung.

Solche Tage gibt’s aber leider immer noch. Nur bin ich jetzt älter und (ein klein wenig) schlauer 😉

An solchen Tagen gehe ich meinen Mitmenschen, wenn möglich, bewusst aus dem Weg. Und bin da dann lieber allein im Stall, sage Verabredungen zu Ausritten ab und – das habe ich über die Jahre gelernt! – bin nachsichtig mit mir und meinem Pferd.

Opfer der weiblichen Hormone?

Wenn der weibliche Zyklus uns Frauen „in seinen Klauen“ hält, um es mal ganz dramatisch auszusprechen, dann ist unser Organismus grad mit etwas sehr wichtigem Organischem in unserem Inneren beschäftigt.

Wer die Pille abgesetzt hat (oder sie erst gar nie genommen hat), wird bemerkt haben, dass nach einer Phase des Chaos im Körper sich der Organismus einen schönen, fast auf den Tag genauen Rhythmus angewöhnt hat. Das macht es uns Frauen leicht, dementsprechend die Tage „rund um die Tage“ besser zu planen.

So kannst du deine Pläne mit deinem Pferd auch entsprechend anpassen. So würde ich zum Beispiel meinem Pferd keine neuen Lektionen lernen oder anspruchsvolle Ausflüge (längere Ausritte, Auswärtstraining) zumuten, wenn ich merke, dass sich meine Tage ankündigen: Da bin ich psychisch immer sehr angeschlagen: Die kleinste Unregelmäßigkeit in meinem Alltag bringt mich aus dem Tritt, ich explodiere schnell und beschuldige meine Mitmenschen der Unachtsamkeit in läppisch sinnlosen Dingen. Und das sind dann genau diese Tage, wo ich mir oft im Nachhinein denke: Was bist du doch für ein unsensibler Trampel, warum bist du auch immer so grantig und zickig? Dieses Feedback bekomme ich dann auch oft von meinem Vater oder meinem Freund 😉

Während der Menstruation, wo es mir während der ersten ein – bis manchmal sogar drei (!) – Tage wirklich schlecht geht, weiß ich, dass ich mit meinem Pferden nichts Großes anzustellen brauche. Da lass ich meine Pferde Pferde sein und gönne ihnen lieber eine Stunde länger Weide oder gehe mit ihnen nur spazieren. Ich bin da so mit mir selbst beschäftigt und muss mich um meinen Körper kümmern, dass ich keine Energie mehr habe, mich um meine Pferde in der Art und Weise zu kümmern, die mir sonst wichtig ist.

Vielen denken sich jetzt vielleicht: Aber du hast doch Verantwortung für deine Pferde übernommen, bei gutem Wetter, bei schlechtem Wetter und auch wenn du krank bist oder es dir schlecht geht. Natürlich tue ich das. Ich tue für meine Pferde, meinen Stall und überhaupt für all meine Tiere alles. Aber es steht auch in meiner Verantwortung, dass ich mich um deren Seelenwohl kümmere und dazu gehört auch, dass ich mich dafür um MEIN Seelenwohl kümmere und ihnen eben NICHT meine schlechte Laune aufbürde und sie MICH aushalten müssen. Das würde auf Dauer unsere Beziehung negativ beeinflussen.

Wie kannst du jetzt aber deine Weiblichkeit im Pferdetraining zur Macht werden lassen und sie nutzen?

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Die eigene Weiblichkeit durch mehr Achtsamkeit zur Macht werden lassen

1. Akzeptiere deine Weiblichkeit, nimm sie an, wie sie ist

Klingt nach einer furchtbaren Floskel, aber: Du kannst es eh nicht ändern! Erst wenn du akzeptierst, dass das zur Natur von uns Frauen gehört, kannst du dich darauf einstellen, dich annehmen, wie du eben bist, wenn du in der Phase vor, während und nach den Tagen bist. Auch wenn dann dazugehört, dass du halt mal mies drauf bist, wegen nichts einen Heulkrampf bekommst oder die ganze Welt wegen nichts vor lauter Liebe umarmen könntest.

2. Entschuldige dich nicht dafür, dass du „deine Tage“ hast und mal wieder „zickig“ bist. So kannst du bei dir bleiben statt dich von außen beeinflussen zu lassen

Versuche trotzdem ein wenig Nachsicht zu haben mit deinem Umfeld: Deine Mitmenschen sollten dich schon noch aushalten können  Wenn jemand nachfragt, warum du denn „schon wieder so zickig“ bist, dann versuchs mal mit der Wahrheit: „Ich habe gerade meine Tage und fühle mich nicht wohl. Ich bitte um dein Verständnis, dass ich aktuell gerade nicht so belastbar und emotional durch den Wind bin.“ Ich bin mir sicher, dass du nur Verständnis von deinem Gegenüber bekommen wirst.

3. Sei gütig mit den Stuten dieser Welt

Immer dann, wenn du das Gefühl hast, deine Stute arbeitet heute mal wieder nur gegen dich: Vielleicht hat sie auch nur „ihre Tage“ und fühlt sich partout nicht wohl in ihrem Körper. Wie ein schief hängender Hormonhaushalt Stuten aus dem Konzept bringen kann, verrät dir Google: Einfach mal nach „Dauerrosse bei Stuten“ oder „Gebärmutterzysten bei Stuten“ suchen! Meine Menstruation ist mittlerweile (ich bin ja auch nicht mehr die Jüngste) in den ersten ein, zwei (manchmal sogar drei) Tagen derart schlimm, dass ich ohne Schmerztablette nicht durch den Tag komme und mich mehrmals am Tag vor lauter Bauchkrämpfen ins Bett legen muss und mich mit Jin Shin Jyutsu und Wärmflasche grad und grad durch den Tag kämpfe …). Wenn meine zwei Stuten nur annähernd solche Schmerzen haben wie ich, wenn sie rossig sind, wundert es mich nicht, wenn sie an manchen Tagen im Jahr keine Leistung bringen, schlecht gelaunt sind und „neben der Spur sind“.

4. Wenn du gerade in dieser Phase deiner Weiblichkeit bist, in der du dich klein, ungesehen und depressiv-melancholisch fühlst, plane keine Bäume auszureißen oder besondere Projekte anzugehen.

Tritt kürzer, achte gut auf dich und berücksichtige, dass du während deiner Tage weniger belastbar bist als sonst. So beugst du sinnlosen Wutausbrüchen, emotionalen Streitereien und hilflosen Heulkrämpfen vor, die nachhaltig die Beziehung nicht nur zu deinem Pferd, sondern auch zu deinen Mitmenschen beeinträchtigen.

Probiere mal aus, ob du an diesen besonderen Tagen im Monat mit deinem Pferd auch einfach mal nur NICHTS tun kannst: nur spazieren gehen, nur grasen, nur Wellness unterm Solarium, nur ein paar TTouches, nur Mash füttern und nur liebhaben. Und lass dir eins von mir versichern: Du bist deshalb keine schlechte Pferdebesitzerin! Du musst nämlich gar nichts, außer sein: Und nachdem du das mit dem „Frau sein“ gut über die Bühne gebracht hast, kannst du wieder die verantwortungsvollste, kompetenteste, beste Pferdebesitzerin der Welt sein

5. Nutz deine Weiblichkeit dazu, auch die weiblichen Seiten im Pferdetraining hervorzuheben und zu pflegen

Damit meine ich, deine Sanftheit, deine Fürsorglichkeit und deine Liebe auch zu zelebrieren. Also die speziell weiblichen Anteile am Pferdetraining. Was meine ich damit konkret?

Probier zum Beispiel einmal aus, mit welch sanften Gesten du dein Pferd bewegen kannst (im Sattel und am Boden). Kannst du deine Hilfen derart verfeinern, dass du das Gefühl hast, dass du nur daran gedacht hast?

Ein paar Ideen zum Thema Sanftheit findest du auch in meiner aktuellen „Inspiration für die neue Woche“:

Hier lang zur Inspiration für die neue Woche zum Thema “Sanftheit”

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Die Macht der Weiblichkeit durch Achtsamkeit nutzen

In den Tagen im Monat, in denen du dich unsterblich, kraftvoll und kompetent fühlst: Geh schwierige Themen mit deinem Pferd an. Übe zum Beispiel einen ruhigen Spaziergang, wenn du ein eher hektisch-nervöses Pferd hast und übe dich im Managen von stressigen Situationen. Übe schwierige Lektionen im Sattel, probiere eine neue Lektion aus usw.

Hingegen tritt kürzer und leiser, wenn du dich in dieser Phase deiner Weiblichkeit befindest, wo du dich lieber in dein Schneckenhaus zurückziehen möchtest: Umsorge dein Pferd dann liebevoll, aber hör auch auf dich. Tu das, was sich gut für DICH anfühlt, nicht was dir irgendjemand im Stall einreden möchte, was jetzt gut für dein Pferd wäre. Alles, was du mit deinem Pferd machst, ist immer nur so gut, wie du dich selbst dabei fühlst!

Lebe deine fürsorgliche Ader und deine überbordende Liebe während des weiblichen Zyklus zu 100 Prozent aus: Lobe dein Pferd überschwänglich, übertreib ruhig mal, verwöhne dein Pferd nach Strich und Faden. Stell dir die Beziehung zu deinem Pferd wie ein Konto vor: Je mehr du an solchen Tagen auf euer gemeinsames Beziehungskonto einzahlst, also dein HABEN füllst, desto weniger schwer fällt es ins Gewicht, wenn du an den anderen Tagen in deinem weiblichen Zyklus mal schlecht darauf bist und du auch mal etwas vom Konto abhebst, dir also mal etwas nicht gelingt oder du emotional unsensibel mit deinem Pferd umgehst.

 

Ich hoffe, diese Tipps können dir helfen, die Macht deiner Weiblichkeit im Umgang mit deinem Pferd kraftvoll zu nutzen – und so auch die Beziehung zu deinem Pferd auf ein neues Level zu heben. Nämlich das der Intuition, des Zuhörens, der Sanftheit und der Liebe – alles Kompetenzen, die der weiblichen Seite in uns Menschen zugeschrieben werden 😉

Was sind deine Erfahrungen?

Welche Erfahrungen hast du im Umgang mit deinem Pferd gemacht, wenn du deine Tage hast? Wie nutzt du die besonderen Tage, in denen du deine Weiblichkeit ganz besonders spürst? Schreib mir gerne deine Erfahrungen in die Kommentare. Ich freue mich auf jeden einzelnen!
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2 Comments

  • Ingrid

    Hallo Melanie!
    Hmmm ein sehr interessanter Beitrag.
    Ganz ehrlich ich hab mir bis dato noch nicht so viele Gedanken darüber gemacht.
    Natürlich geht es mir auch gerade in den ersten Tagen meiner Tage auch nicht so gut und ohne schmerztablette geht da gar nix. Aber irgendwie glaubt man immer gerade als Mutter man muss funktionieren.
    In Sachen Pferd hab ich ja den Vorteil das wir ja eine ganze Familie sind die das 🐎 betreuen und da kann man sich auch mal zurück nehmen. Das geht leichter wie zu Hause wo alle immer vollen Einsatz erwarten.
    Den Vergleich mit der stute find ich super. Denn wenn es den stutis auch so geht wie uns Menschen dann darf man sich manchmal nicht wundern.
    Trotz allem wie immer ein super Beitrag der echt dazu anregt mal darüber nachzudenken.
    LG und danke für deine tollen Beiträge und Anregungen
    Ingrid

    22. Januar 2021 at 20:18 Reply
    • Melanie

      Hallo Ingrid, es sind genau diese Glaubenssätze “Man muss …”, die uns an so einigem hindern. Vor allem auf uns zu hören und auch mal kürzer treten zu können und auch zu dürfen. Schön, dass dir das mit Hilfe deiner Familie möglich ist! Hast du denn eine Stute oder einen Wallach? Bin nur grad neugierig 😉

      22. Januar 2021 at 21:05 Reply

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