Darüber spricht kein Pferdemensch gern

Unsicherheit im Umgang mit Pferden
Wir Pferdemenschen sprechen über eine Sache im Umgang mit unseren Pferden sehr ungern, weil sie sehr persönlich und intim ist: Unsicherheit im Umgang mit dem Pferd. Es ist die Unsicherheit, das unterschwellig ungute Gefühl in gewissen Situationen, denen wir uns nicht gewachsen fühlen. Dieses Gefühl der Unsicherheit ist oft nicht klar mit Worten zu fassen, sondern ist einfach so ein unklares Gefühl, das sich eher in unserem Verhalten, unserem Körper verorten lässt. Wenn wir dieses Gefühl der Unsicherheit aber über längere Dauer übergehen, es überhören, passiert es nicht allzu selten, dass wir sagen: „Mist, hätte ich doch auf meine Gefühl gehört …“
Ich kenne dieses Gefühl. Früher, als ich noch jung war, spürte ich das kaum. Ich war jung, unkaputtbar und mutiger. Mit dem Alter (ja, die Jüngste bin ich auch nicht mehr … haha!) meldet sich dieses Gefühl der Unsicherheit öfter – und vor allem lauter!
Ja, das passiert auch mir als Reit- und Pferdetrainerin, die anderen vermitteln möchte, wie man mit nervösen, gestressten, schwierigen Pferden auf und neben dem Sattel umgeht. Ich habe verstanden, dass ich deswegen keine schlechtere Trainerin und Reitlehrerin bin. Ganz im Gegenteil, dadurch dass ich genau weiß, wie sich viele Schülerinnen von mir fühlen, kann ich viel besser auf sie eingehen und ihre Wünsche, aber vor allem auch Ängste und Sorgen in etwas Positives umdrehen.
In diesem Blogbeitrag möchte ich dir ein paar Strategien an die Hand geben, wenn du ab und zu – so wie wahrscheinlich jeder Pferdemensch in seinem Leben – mit Ängsten und Unsicherheit im Umgang mit diesen so sanften, aber manchmal eben auch unberechenbaren Tieren zu tun hast.

Unsicherheit im Umgang mit Pferden

Das Gefühl der Unsicherheit ist zuallererst einmal eines: beunruhigend. Man liebt doch sein Pferd, man liebt den Umgang mit ihm. Und doch ist da ab und zu dieses Gefühl, dass man dieser einen Situation nicht ganz gewachsen ist.

Zum Beispiel beim Ausritt die eine Situation mit den herumbuckelnden Kälbern oder die Situation beim Spaziergang, wenn sich das Pferd erschreckt und man merkt, dass man die Situation nicht mehr im Griff hat und sich das Pferd gleich losreißt. Oder am Reitplatz, wenn sich das Pferd wegen der einen Gruselecke immer heftiger aufschaukelt und man gefühlt auf einem Feuerstuhl sitzt …

Diese Situationen gibt es zuhauf. Und ja, sie sind unangenehm, lassen einen heftigen Schub Adrenalin in uns hochsteigen, man beginnt zu schwitzen, schneller zu atmen.

Am unangenehmsten aber ist das Gefühl der Hilflosigkeit: Ach du grüne Neune, was soll ich denn jetzt nur machen? Wie komme ich aus dieser Situation heil heraus? Was soll ich jetzt tun, damit sich mein Pferd verletzt?

Die Verantwortung für so ein großes Tier wie ein Pferd ist in solchen Situationen oft überwältigend: Hilflosigkeit, die Unfähigkeit zu wohlüberlegt und angemessen zu handeln, Unsicherheit, die Angst, die falsche Entscheidung zu treffen, Angst vor den Konsequenzen, wenn die Situation nicht zu eskalieren droht.

Das sind sehr unangenehme Gefühle und Emotionen, wenn es zu einer solchen Situation kommt.

Jeder geht anders mit solchen Situationen um, ich kann dir hier keine allgemeingültige Formel nennen. Ich kann dir aber ein paar Anregungen an die Hand geben, die dir helfen können, ruhig und besonnen zu bleiben – wenn du bereit bist, dich in ein paar ruhigen Minuten mit dir selbst und deinen Gefühlen auseinanderzusetzen 😉 Achtung: Emotionsalarm! 😉

In diesem Zusammenhang möchte ich dir auch meinenBlogbeitrag zum Thema Achtsamkeit ans Herz legen: Das Geheimrezept für eine intensivere Beziehung zu deinem Pferd

"Ist das, was ich tue, gut genug?"

Wir Reiterinnen vergleichen uns sehr gerne mit anderen: über Instagram und seinen Influencerinnen, über Facebook und Co, über Pferdezeitschriften und -magazine, über Bücher, beim Blick über die Reitplatzabsperrung zu den anderen Reiterinnen und Reiter.
Wenn du dich ständig im Außen befindest und ich ständig mit anderen vergleichst, bleibt dein Inneres auf der Strecke. Du wirst dich immer mehr ungenügend, schwach und verbesserungswürdig fühlen. Denn die anderen können ja alles viel besser: Die eine kann besser reiten, die andere kann mit ihrem Pferd bereits an der Hand piaffieren, die andere geht schon aufs Turnier etc.
Und schon fragst du dich: „Ist das, was ich tue, gut genug?“ Reicht es aus, wenn ich mit meinem Pferd „erst“ nur vom Boden aus arbeite, weil ich mich noch nicht sicher genug im Sattel fühle? Reicht es aus, dass ich mein Pferd aktuell nur im Schritt und Trab arbeite, weil ich das Gefühl habe, dass es im Galopp noch zu wenig ausbalanciert ist? Reicht es aus, dass … (und hier kannst du mal deine ehrlichen Gedanken einfügen …)?
 
Die Orientierung an der Außenwelt bringt uns immer ins Vergleichen und Bewerten. Alles Dinge, die dich in deiner Unsicherheit nicht weiterbringen. Du wirst dich immer noch kleiner und unsicherer fühlen.
Versuche stattdessen, bei dir zu bleiben. Dich auf deine Gefühle zu konzentrieren, mal den Blick nicht ständig auf die anderen am Reitplatz schweifen zu lassen. Stell dich dir und dein Pferd in einer großen Blase oder Bubbel vor. An der Außenhülle dieser Blase prallen alle Ablenkungen von außen ab.
Ich habe mir das schon sehr früh angewöhnt. Deshalb reite ich am liebsten völlig alleine (wenn es denn möglich ist). Ich kann mich so zu 1.000 Prozent auf mein Pferd und mich konzentrieren, richtig ins Fühlen kommen – ohne mich auf ablenkende Fragen oder Kommentare konzentrieren zu müssen. Ich rede beim Reiten prinzipiell nicht. Ein paar leise Worte mit meinem Pferd, ansonsten aber bin ich ganz in meiner Blase. Im Gelände kann es dann ruhig mal gesprächiger zugehen. Da liebe ich es, mich mit Freundinnen auszutauschen.
Versuche hier ein gutes Gleichgewicht zu finden: Wo möchtest du deine Ruhe haben, wo möchtest du für dich allein sein. Und wo können Austausch und Gespräche stattfinden. Versuche das klar zu trennen.
 
Unsicherheit im Umgang mit dem Pferd

Wie reagiere ich richtig in Situationen, die mich überfordern?

Wenn überfordernde Situationen passieren, ist man schnell unsicher und tausend Fragen schwirren unbewusst im Kopf herum: Was mache ich jetzt? Was könnte passieren, wenn ich das und das tue? Was würde jetzt mein Reittrainer sagen? Wie komme ich heil aus dieser Situation?

Die Antwort lautet: Zuallererst: Bleib ruhig – und vor allem atme!

In hektischen, unübersichtlichen Situationen schaltet unser Organismus sehr rasch und ohne dass es uns bewusst wird, in den Notfallmodus: Wir atmen schneller, der Puls steigt, die Herzfrequenz steigt, die Blutgefäße weiten sich, wir beginnen zu schwitzen. Das alles läuft völlig automatisch ab, da kannst du gar nicht viel dagegen tun.

Was du aber tun kannst, ist deine Atmung zu kontrolllieren und zu steuern. Bevor du unüberlegt reagierst, versuche tief ein- und auszuatmen. Es reichen vier- bis fünfmal, dann solltest du schon merken, wie wieder mehr Sauerstoff in dein Gehirn kommt und du wieder klarer denken kannst.

Natürlich ist das in Situationen, in denen das Pferd in Sekundenschnelle sich erschrickt, nicht möglich. Aber auch NACH solchen Situationen, sobald der erste Schock vorbei ist, hilft es enorm, sich wieder auf seine Atmung zu konzentieren: Pferde spüren die abflauende Erregung durch dein tieferes Atmen und können so auch schneller aus dem Fluchtmodus kommen. Hier hilft tiefes Ausatmen, ein tiefer Seufzer aus dem Mund mit entsprechendem Geräusch dazu. Pferde orientieren sich stark daran.

Meine Reitschülerinnen können davon ein Liedchen singen 😉 Wie oft sind ihre Pferde ohne ihr Zutun durchpariert, nur weil ich ihnen in der Mitte des Reitplatzes vorgemacht habe, wie sie ausatmen sollen …

Unsicherheit im Umgang mit Pferden: Blick zu den Pferdeprofis

Auch wenn uns der Blick nach außen auf andere auf Dauer unsicher und ungenügend fühlen lässt, so hilfreich ist es dennoch, sich mal bei den Profis umzuschauen: Welche Eigenschaften und Gewohnheiten legen Profis an den Tag, dass bei ihnen alles so easy und unkompliziert abläuft? Was zeichnet Pferdeprofis aus? Was machen sie anders?

Der Blick zu den Pferdeprofis dieser Welt kann dir helfen, an deinem „Mindset“, an deiner Einstellung zu Unsicherheit im Umgang mit Pferden zu arbeiten.

Schön zu beobachten und nachahmenswert finde ich persönlich den Umgang von Ingrid Klimke und Jessica Bredow-Werndl mit ihren Pferden. Von ihrer Einstellung und ihrer Ruhe, die sie beide ausstrahlen, kann man sich noch so einige Scheibchen abschneiden.

Ausdauer und Beständigkeit

Pferdeprofis haben vor allem eines: einen langen Atem. Sie wissen, dass ihre Methoden zum Ziel führen. Nur weil das nicht innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen der Fall ist, lassen sie nicht gleich ihr gesamten Trainingskonzept fallen und holen sich den nächst besten Trainer in den Stall. Viele Pferdemenschen aus dem Hobby- und Amateurbereich sind zu schnell enttäuscht, wenn etwas nicht klappt. Dann muss der nächste Reitlehrer her, weil beim anderen wurde nach drei Reitstunden das Angaloppieren nicht besser. Bei einer Übung in der Bodenarbeit hat das Pferd nicht wie erhofft reagiert – dann wird sofort die gesamte Methode über Bord geworfen.
Pferdeprofis haben aus langjähriger Erfahrung gelernt, dass Beständigkeit und Ausdauer im Training zum Ziel führen – und nicht das Hinterherjagen von kurzfristigen Zielen!
Mein allerwichtigster Erfolgsgrundsatz im Training mit Pferden lautet: Jeder noch so kleinste Schritt führt immer zum Erfolg!
Wenn du dich für eine Trainingsmethode entschieden hast, dann bleib dabei! Vertraue auf den Prozess und lass die Dinge arbeiten! Gut Ding braucht Weile!

Verlässlichkeit

Pferdeprofis sind für ihre Pferde ein Fels in der Brandung: Da wird täglich trainiert, der Tag läuft immer gleich ab. Das bringt Ruhe und Verlässlichkeit. In unserer heutigen stressigen und aktuell sehr chaotischen Welt ist es umso wichtiger, dass Pferde konstant, ruhig und gleichbleibend trainiert und bewegt werden. Das bringt Sicherheit. Je chaotischer, ungeplanter und zielloser wir trainieren, desto länger dauert es, bis wir unser Ziel erreichen werden. Verlässlichkeit bringt immer auch Sicherheit mit sich – und das ist bei Unsicherheit im Umgang mit Pferden das A und O! Je verlässlicher und durchschaubarer wir für unsere Pferde werden, desto mehr werden sie uns vertrauen und entspannen.

Geduld

Ungeduld war wie Angst noch nie ein guter Berater. Gerade wenn es hektisch, stressig und unübersichtlich zugeht, neigen wir Menschen dazu schnell ungeduldig zu werden. Zeit ist ja schließlich goldwert, und man hat sie nicht unendlich zur Verfügung. Da will die Zeit im Stall ja auch voll ausgekostet werden. Und dann macht das Pferd nicht mit: Lässt sich nicht von der Koppel holen und rennt lieber davon als uns hinterher zum Stall, ist unleidig beim Putzen – da macht der entspannte Sonntag beim Pferd gleich gar keinen Spaß mehr.
Ungeduld bringt dann oft die unschönen Seiten in uns Menschen hervor, wir werden rüpelig, grob und manchmal sogar aggressiv. Das passiert aus einem Effekt heraus, meist gar nicht bewusst. Allerdings schadet das auf Dauer der Beziehung zu unseren Pferden. Ein kleiner Rüpel, wenn zum 10. Mal beim Hufeauskratzen der Huf weggezogen wird, zerstört garantiert keine gute und beständige Pferd-Mensch-Beziehung. Aber wie heißt es so schön: Steter Tropfen hölt den Stein. Und je öfter wir grob mit dem Pferd sind, desto häufiger wird sich das Pferd missverstanden fühlen und irgendwann sich in sein Schneckenhaus zurückfühlen. Erlernte Hilflosigkeit (nach Seligmann) nennt man das dann in der Psychologie.
Geduld ist eine Tugend. Den einen liegt sie mehr, den anderen weniger.
Auch ich war früher ein sehr, sehr ungeduldiger Mensch und mein Turnierpferd Ronnie musste mit mir sicherlich einiges erleiden, was ich heute nie, nie wieder so tun würde. Aber das ist das schöne am Erwachsen- und Älterwerden 😉 Wir lernen nie aus und können uns jederzeit dazu entschließen, ein besserer Mensch für unser Pferd (und auch für unsere Mitmenschen!) zu werden 😉
Wie du weiter an deiner Unsicherheit im Umgang mit deinem Pferd arbeiten kannst, lernst du in der kostenlosen Relaxed Horse Challenge von 14. bis 18. Dezember. Die fünftägige Challenge findet online statt. Alles, was du dazu brauchst, ist eine E-Mail-Adresse, in deren Postfach du täglich schaust, und jeden Tag zwischen 10 und 20 Minuten Zeit.
Die Anmeldung läuft noch – ich freue mich, wenn du dabei bist. Das wird toll – wir rocken das gemeinsam! Die Anmeldung zur Challenge findest du mit dem Klick unten auf den Button!

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