Schockierende Studie: Die Hälfte aller Pferde hasst Putzen – Pferde richtig putzen

Pferde richtig putzen: 6 Übungen für achtsames Putzen

So sehr hassen Pferde das Putzen ...

Die Studienergebnisse der französischen Wissenschaftlerin Léa Lansade sind erschreckend. Pferde richtig zu putzen ist gar nicht so einfach! Sie beobachtete 69 Pferdebesitzer und ihre Pferde während ihrer Putzroutine. Das alarmierende Ergebnis:

Fast die Hälfte der Pferde verhielt sich aggressiv oder zeigte Anzeichen von Schmerzen. Außerdem brachten sich 100 Prozent aller Pferdebesitzer mindestens einmal in eine gefährliche Situation. Nur bei 5 Prozent der Pferde sahen die Wissenschaftler positives Verhalten wie versuchte Fellpflege des Besitzers oder engeren Kontakt.

Wir putzen unsere Pferde ganz oft mit dem Gedanken, sie zu verwöhnen und ihnen Ersatz für die Fellpflege unter Artgenossen zu bieten. Leider weit gefehlt, wie diese alarmierende Studie bestätigt: Oft putzen wir achtlos, unreflektiert und ohne auf die Bedürfnisse des Pferdes zu achten. Natürlich, ein Pferd gehört nun mal geputzt, wenn man es reiten will. Satteldruck, Gurtdruck, verstopfte Talgdrüsen in der Sattellage, unentdeckte Verletzungen – Ergebnisse von mangelnder Putzhygiene. Putzen ist nun mal nötig.

Pferde putzen und dann ein lockeres Pferd beim Reiten: NOT!

Meist wollen wir das Pferd nach dem Putzen reiten. Beim Reiten wünschen wir uns dann ein locker schwingendes, losgelassenes, zufriedenes Pferd, das motiviert mitarbeitet. Berücksichtigt man nun die Studienergebnisse von Dr. Lansade, dann sind die wenigstens Pferde, schon bevor wir sie reiten, weder losgelassen noch zufrieden, sondern verspannt und verärgert. Keine guten Voraussetzungen fürs Reiten, oder?

Es ist also von immenser Wichtigkeit, dem Putzen einen viel höheren Stellenwert beizumessen als schnell schnell wischiwaschi mal drüberzubürsten. Achtsamkeit beim Putzen muss oberste Priorität haben, wollen wir ein freudig mitarbeitendes Pferd unter dem Sattel.

Doch wie putze ich ein Pferd nun richtig? Wie geht achtsames Putzen? Ohne mich selbst beim Putzen in Gefahr zu bringen und ohne mein Pferd zusätzlich zu verärgern und zu verspannen?

Pferde richtig putzen: 6 Übungen für ein glückliches Pferd

1. Achte genau auf Mimik und Ausdruck deines Pferdes.

Schlägt es immer wieder mal mit dem Schweif, wenn du den Bauch putzt? Das könnte ein Anzeichen sein, dass es sich dabei unwohl fühlt. Es zieht die Nüstern auf einer Seite hoch und es bilden sich kleine Fältchen um die Augen? Es legt kurz die Ohren an und wendet den Kopf zu dir um? Alles weitere subtile Zeichen für Unwohlsein, manchmal sogar für Schmerzen. Schule deinen Blick für solche Ausdrucksformen für Unwohlsein oder Schmerzen deines Pferdes. Willst du die Signale der Pferdesprache genauer studieren, empfehle ich dir dieses Buch: „Sprachkurs Pferd“ von Sharon Wilsie. Nach über 30 Jahren mit Pferden hatte ich bei der Lektüre noch so einige Aha-Erlebnisse.

2. Probiere aus, wann dein Pferd Putzen am besten akzeptiert.

 Stand es vorher in der Box oder am Paddock und konnte sich nicht allzu viel bewegen, ist es wahrscheinlich schon von Beginn an verspannt und steif. Putzen kann dann unangenehm sein, wenn wir mit dem Striegel auf kalten, verspannten Muskeln herumschubbern. Probier mal aus, ob dein Pferd entspannter beim Putzen ist, wenn du vorher einen kleinen Spaziergang machst. Wenn du dein Pferd vor dem Reiten eh ablongierst, versuche es mal nur am Kappzaum ohne vorheriges Putzen. Und schau danach, ob es positiver beim Putzen reagiert.

3. Fang mit einem Putzhandschuh oder einem Handtuch an.

Wenn das Pferd nicht gerade vor Schmutz steht, reicht auch Drüberwischen mit einem weichen Putzhandschuh aus Stoff oder Lammfell oder ein feuchtes Handtuch. Beginne vorsichtig, das Fell abzustreichen. Beginne am Kopf und arbeite dich langsam auf jeder Seite von ganz vorne bis nach hinten zur Schweifrübe und bis zu jedem Bein bzw. Huf. So kannst du genau lokalisieren, wo dein Pferd empfindlich ist. Beim Putzen mit Kardätsche und Striegel kannst du dann an diesen Stellen extra vorsichtig sein und sie falls nötig auch aussparen.

4. Probier viele verschiedene Bürsten und Striegel aus.

Ich habe für meine drei Pferde drei eigene Putzkisten. In jeder Kiste sind andere Bürsten, weil jedes Pferd individuell ist und unterschiedliche Härtegrade von Bürsten und Striegeln mag. Hast du ein sehr sensibles Pferd, rate ich dir zu sehr weichen Naturhaarbürsten und Putzhandschuhen. Lieber mal ein wenig staubigeres Pferd als ein übel gelauntes, verspanntes Pferd unter dem Sattel. Denn so ein Pferd ist auch immer ein Sicherheitsrisiko für den Reiter!

5. Sei geduldig mit dir selbst und atme immer wieder tief aus.

 Vorallem dann, wenn dein Pferd unleidig reagiert und gar schnappt oder mit dem Bein droht. Dasselbe gilt für das Schließen des Sattelgurts und das Satteln selbst. Mehr zum Thema „Achtsames Satteln und Gurten“ findest du in einem meiner nächsten Blogartikel. Kein Pferd ist unerzogen, außer es wurde von uns dazu gemacht. Meist sind „unerzogene“ Pferde sehr sensible Kandidaten, die sehr deutlich sagen, was für sie unangenehm oder sogar schmerzhaft ist.
Meine Stute war lange Zeit auf der linken Schulter extrem empfindlich, an manchen Tagen durfte ich sie hier partout nicht putzen. Ich akzeptierte das. Mir war klar, dass ihr diese Schulter wehtat. Warum habe ich erst lange Zeit später erfahren: Ihre große Schwachstelle ist das rechte Hinterbein (durch ein immer wieder blockiertes und schiefes Iliosakralgelenk). Um dieses zu entlasten, muss sie diagonal vorne links mehr abstützen. Die verspannte linke Schulter wurde also durch ihren kaum sichtbaren Schongang hinten rechts ausgelöst. Nicht immer liegt die Lösung an der Stelle, wo das Pferd empfindlich ist. Behalte das immer im Hinterkopf! Pferde dafür zu bestrafen, dass sie nur ausdrücken, was fein ist und was nicht, ist eine Form von Gewalt. Punkt.

6. Lass dein Pferd während des Putzens an etwas Heu knabbern.

Nirgendwo gibt es eine Vorschrift, dass ein Pferd während der Putzroutine nicht etwas fressen darf. Fressen beruhigt und fördert eine positive Atmosphäre. Oder biete ihm immer wieder mal ein Leckerli an, wenn es besonders ruhig dasteht. Vorschläge für gesunde Leckerlis findest du in diesem Blogbeitrag: Gesunde Pferdeleckerlis. Du kannst es auch an einem Ast oder gesunden Kräutern knabbern lassen (lies mehr dazu hier nach: Pferde mit Kräutern gesund füttern). Meist sind die Pferde dann gleich schon viel entspannter beim Putzen. Warum nicht alles dafür tun, dass ich ein gut gelauntes Pferd unter dem Sattel habe, das willig mitarbeitet und locker über das Viereck oder die Wiesen schwebt?

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