Browsing Category:

Beziehungsarbeit

  • Von Pferden lernen: Was ich von meinen Pferden gelernt habe

    Von Pferden lernen

    Mit Pferden zusammenleben bedeutet für mich lebenslanges Lernen. Denn von Pferden lernen bedeutet ein lebenslanges Vergnügen. Jeden Tag zeigen sie uns mit ihrer sanften Art und ihrer subtilen Körpersprache, dass wir noch genauer hinhören und präziser in unserer eigenen „Sprache“ sein sollten. Man kan nie genug Achtsamkeit und Bewusstheit in sein Leben bringen.

    Von Pferden lernen ist Persönlichkeitsentwicklung. Schon Kinder profitieren vom Umgang mit Pferden, und immer mehr Seminare sprießen aus dem Boden, in denen Manager von Pferden Führungsqualitäten lernen sollen.

    Meine pferdige „Lerngeschichte“ ist nicht anders: Schon früh als Kind kam ich mit Ponys in Berührung, und bis heute begleiten mich Pferde durch mein Leben. Was ich von ihnen bislang gelernt habe und wie sich mich mit ihren ganz eigenen speziellen Charakteren zu dem Menschen gemacht haben, der ich jetzt bin, möchte ich in diesem Blogbeitrag skizzieren.

    Von Pferden lernen: Ein Porträt meiner Pferde

    Momo, meine Lehrerin in Sachen Durchhaltevermögen

    Mit sechs Jahren konnte ich das erste Mal die Gefühle erleben, die mich jedes Mal auf dem Rücken der Pferde überkommen: das Gefühl der Sicherheit, egal auf welchem Pferd, und das Gefühl des Vertrauens. Auf der schwarzen Stute Ester meines Onkels schauten mein Beinchen kaum über das Sattelblatt hinaus, aber es war herrlich!

    Mit acht Jahren bekam meine Cousine ihr erstes eigenes Pony. Mit Blacky, geführt von meinem Vater, lernte ich traben und galoppieren – alles ohne Sattel. Später dann ritten meine Cousine und ich alleine aus und wagten auch schon die ersten Sprüng mit Blacky.

    Reitunterricht in der Reitschule bekam ich erst später, die grundlegenden Kenntnisse hatte ich mir durch meine täglichen Besuche bei Blacky und meinem Lesewahnsinn mit allem, was Pferde anbelangt, zugeleg und vor allem durch eines: Ausprobieren!

    Mit zwölf ging dann mein größter Traum in Erfüllung: Mein Vater ging mit mir auf die Suche nach einem eigenen Pony, nicht wie ich vorerst dachte, auf die Suche nach einem Pflegepferd.

    Durch Zufall kam ich dann zu meinem ersten Pony, von dem ich vor allem eines lernte: Durchhaltevermögen.

    Momo war der Hauptgewinn in einer Tombola bei einem großen Springturnier. Wir waren dort, weil als Zuschauerattraktion auch ein Galopprennen rund um den riesigen Springplatz stattfand – und Blacky, der schwarze Blitz, so schnell war 😉

    Gewonnen hatten wir damals bei diesem Galopprennen nichts, aber ich bekam mein erstes Pony: Nachdem mein Onkel meinem Vater erklärte, dass dieses Pony genau DAS perfekte Pony für mich wäre, ging mein Vater einfach zum Gewinner und kaufte ihm Momo vom Fleck weg ab. So schnell ging das damals 😉

    So rosig die anfängliche Geschichte mit Momo klingt, für mich war Momo zu Beginn unserer Beziehung alles andere als perfekt! Momo war eine Ponystute mit Charakter, was sie nicht wollte, tat sie nicht. Wenn sie unterm Apfelbaum Äpfel fressen wollte, dann tat sie das. Egal, ob wir Kinder wie die Rumpelstilzchen um sie herumhüpften oder Theater auf ihrem Rücken veranstalteten.

    Da kullerten bei mir die Tränen und ich wollte Momo wieder abgeben: Sie war ganz und gar nicht mein Traumpony, von dem ich immer geträumt hatte. Sie war in meinen Augen ein stures, freches Vieh, das uns Kinder schlicht und einfach veräppelte. Geholfen hat uns damals dann mein Papa, er konnte Momo endlich davon überzeugen, dass der Job eines Ponys auch abseits des Apfelbaumes stattfinden müsse 😉

    Eines lernte ich von Momo auf jeden Fall: Aufgeben gilt nicht, durchbeißen, durchhalten, Tränen wegwischen, weitermachen. Und das brachte mich mit Momo weiter. Wenn was nicht klappte, versuchte ich es auf andere Art und Weise erneut. So wurde ich kreativ im Finden von Lösungen, was mich mit Momo immer mehr zu einem Team werden ließ.

    Schlussendlich gewannen wir Geschicklichkeitsturniere in ganz Voralberg, sprangen bis zu ein Meter hohe Hindernisse, ließ mich von ihr mit Rollschuhen im Sommer oder mit dem Rodel im Winter ziehen, trat bei Pferdemessen auf, kletterte mit ihr als Packpferd steile Wege zu Jägerhütten hoch – für mein Durchhaltemögen wurde ich doppelt und dreifach belohnt: Meine Momo ging mit mir durch dick und dünn!

    Momo war fast 30 Jahre bei mir. Bis zum Schluss war Fressen ihre liebste Beschäftigung – typisch Pony eben! 😉

     

    Lorenz, mein Lehrmeister

    Bald aber wollte ich die Herausforderung des Reitens eines Großpferdes auf mich nehmen. Und wie das Schicksal oft so spielt, wurde ich zufällig in einem Supermarkt einem Mann vorgestellt, der mich mit Lorenz bekannt machen sollte.

    Lorenz war kein Reitersmann, sondern ein 15-jähriges holländisches Warmblut, Springpferd bis Klasse M und der beste Lehrmeister, den man sich als junges 15-jähriges Mädchen nur vorstellen kann.

    Er ist der Grund, warum ich immer wieder für Folgendes plädiere – wie schon damals die alten Reitmeister, und das ich bis heute zu jedem sage, der sich überlegt, ein junges Pferd anzuschaffen:

    Junger Reiter – altes, erfahrenes Pferd, junges Pferd – alter, erfahrener Reiter!

    Mit Lorenz war der Weg in den Turniersport quasi vorgegeben. Da ich in einem Turnierstall trainieren konnte, war ich rasch mit dem „Turnierfieber“ infiziert. Mit Lorenz erlangte ich den Reiterpass und rasch darauf auch die Lizenz, nahm an Springprüfungen und Dressurprüfungen teil.

    Leider konnte Lorenz nicht bis zuletzt bei mir bleiben, er war mir nur zur Verfügung gestellt worden. Was das Schicksal für ihn nach uns vorgesehen hatte, weiß ich leider bis heute nicht …

     

    Ronnie, mein Allroundtalent

    Da Lorenz mit 20 dann doch endlich seine Pension genießen sollte, kam Ronnie zu uns. Mit ausgezeichnetem Spring-Pedigree ausgestattet startete ich Ronnie in Springen bis Klasse LM auf nationalen Turnieren in Vorarlberg. Aufgrund seiner guten Grundgangarten wechselten wir bald ins Dressurlager. Ich konnte Ronnie bis zur Dressur Klasse M ausbilden, bei den Galopppirouetten und Einerwechseln ließen wir es dann sein. Seine Lieblingslektion waren Serienwechsel 😉 Mein größter Erfolg mit Ronnie war der 3. Rang bei den Landesmeisterschaften in der Allgemeinen Klasse.

    Nach meinem Umzug mit ihm nach Innsbruck ließen wir den Turniersport hinter uns. Auf Ronnie lernten noch viele Reitanfänger das Reiten, darunter auch mehrere 8- bis 12-jährige Mädchen. Er war mit seinem unvergleichlichen Charakter und seiner Geduld perfekt dafür.

    Ronnie lebt noch immer bei mir. Mittlerweile ist er 29 Jahre alt und noch ganz gut in Schuss für sein Alter. Eines war für mich von vornherein klar: Schon damals schwor ich Momo, dass sie bei mir bleiben darf bis zum Schluss. Und auch bei Ronnie wird es so sein. Ich bin davon überzeugt, dass er mir sagen wird, wenn es soweit ist.
     
    Ronnie brachte mir bei, an seinen Träumen festzuhalten und dafür hart zu kämpfen. Aus heutiger Sicht war ich damals mit Ronnie vielleicht zu ehrgeizig, trainierte zu hart, hörte zu wenig auf ihn … Aber als junges Mädchen hatte man eben Träume vom großen Sieg am Turnier, einer Schleife, einer Platzierung – und dafür nahm ich in Kauf, dass ich neben meinem Studium jede Woche zwischen Vorarlberg und Tirol hin- und herpendelte, um Freitag bis Sonntag zu trainieren. Und Trainieren bedeutete für mich damals: Pferd aufladen, 10 Minuten Hängerfahrt, um in der Reithalle meines Vereins trainieren zu können.
    Die größte Unterstützung bekam ich damals von meinem Vater. Wenn ich unter der Woche wegwar, fuhr er mit Ronnie zweimal in der Woche (einmal fürs Dressur- und einmal fürs Springtraining) in den Reitverein, wo eine Freundin Ronnie für mich ritt – so konnte ich am Wochenende auf einem gut trainierten Pferd aufs Turnier gehen.
     
    Mit Ronnie zusammen habe ich die gesamte Turnierszene kennengelernt. Ich lebte damals für diese Turniere: Es gab einen großen Zusammenhalt auf den Turnieren, man kannte jeden, hier ein Gespräch, da eine Empfehlung. Wir waren eine riesengroße Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft auf den Turnieren und zuhause im Reitverein gab mir Stabilität und Halt während meiner Jugendjahre.
     
    Das Team von Ghostreiter: Ronnie

    Iman, meine bislang größte Herausforderung

    Nachdem Ronnie in Pension war, kam bei mir bald der Wunsch nach einem jungen Pferd auf. Vom aktiven Turniersport habe ich mich 2007 zurückgezogen, um mich allumfassend und alternativ in Bezug auf den Umgang mit dem Pferd weiterzubilden und anderen Menschen die „Reitkunst“ und die Faszination des Lebewesens Pferd zu vermitteln.

    Weniger um weiter Turniere zu reiten, ging es mir mehr um eine neue Herausforderung und das gemeinsame Lernen mit einem jungen Pferd. Im September 2009 erfüllte ich mir den Traum eines jungen Pferdes, das ich von Beginn an ausbildete. Es war eine sehr anstrengende, aber auch sehr erfüllende Aufgabe, einem jungen Pferd wie Iman die Grundlagen im Umgang mit dem Menschen beizubringen – und mit Iman war es eine gleich noch viel größere Herausforderung!

    Iman ist eine mittlerweile 13-jährige Trakehnerstute. Ich hatte, als ich Iman 2,5-jährig damals kaufte, keine Ahnung von der Rasse Trakehner. Erst später, als sich die Probleme mit Iman häuften, hörte ich immer öfter: „Ah, ein Trakehner, ja kein Wunder, das ist eine spezielle Rasse, sehr eigenwillig!“ und im Nachklang: „Oje, eine Stute auch noch!“

    Iman ist ein sehr intelligentes, cleveres Pferd, das schon „als Fohlen lesen und schreiben konnte“, wie ihre Züchterin immer erzählt. Das ist Fluch und Segen zugleich, wie ich bitter lernen musste.

    Seit ich Iman habe, weiß ich eines sicher: Nie mehr möchte ich ein junges Pferd selbst ausbilden – zumindest nicht, wenn ich einen sehr guten Trainer in der Nähe habe und ich mir 2 bis 3 Mal die Woche Unterricht leisten kann.

    Ich bildete mir damals ein, dass ich das Anreiten alleine hinkriege. Iman lernte schnell, das Aufsitzen und Losreiten war nie ein Problem, das war für sie alles okay. Aber sie wollte klare Ansagen. Wenn sie etwas nicht verstand, wurde sie rasch ungehalten und zeigte seeeehr deutlich, wenn ihr was nicht passte.

    Wie oft sass ich zuhause im Bett, heulte wie ein Schlosshund und wusste nicht mehr weiter …

    Es gab hunderte von Situationen, in denen ich nicht mehr weiterwusste. Vielleicht weil ich es mir nicht eingestehen wollte, wurschelte ich alleine immer weiter … ohne mir wirklich professionelle Hilfe zu holen. Und so probierte ich mich durch alle möglichen Ausbildungsmethoden (Parelli, Join-up etc.). Immer wieder stieß ich an einen Punkt, an dem Iman mir klar und überdeutlich sagte: „Das ist doof, ich will das nicht!“ Und Iman ist eine Persönlichkeit, bei der sich so mancher Trainer oder Reiter die Zähne ausgebissen hätte: Denn mit Kraft oder roher Gewalt, zu der man mir damals ab und an riet („Die verarscht dich doch, setz dich mal durch!“), hätte man bei Iman schlechte Karten: Vorher hätte sie dich ernsthaft verletzt, bevor sie etwas getan hätte, das sie nicht wollte oder konnte!

    Irgendwann kam der Punkt, an dem ich zugeben musste, dass ich hilflos war, nicht weiterwusste, professionelle Hilfe brauchte. Das war schwierig für mich, da ich ja auch nicht wusste, an wen ich mich wenden sollte. Ich bekam tausende Empfehlungen, jeder wusste es besser, mach das, probier das. Ich war heillos überfordert.

    In einer Kurzschlussreaktion rief ich eine Bereiterin an: Iman ging 4 Monate in professionellen Beritt zu einer sehr einfühlsamen, tollen Bereiterin. Es war schwer für mich, damals zuzugeben, dass ich gescheitert war, dass ich viele Fehler gemacht hatte. Jetzt im Nachhinein betrachtet, war es das Beste was passieren konnte. Ich konnte endlich Verantwortung abgeben und musste mir nicht mehr täglich Gedanken machen, was heute im Stall wieder alles schieflaufen könnte.

    Gerade, wenn man im Pferdesport tätig ist und dann auch noch selbst als Ausbilderin und Reitlehrerin, ist es doppelt schwer, so etwas zuzugeben: „Eine Reitlehrerin und Pferdetrainerin, die ihr eigenes Pferd nicht in den Griff kriegt???“ Ja, das gibt es! Und ich bin deshalb keine schlechtere Trainerin! Denn das Wichtigste, was ich von Iman lernen durfte, war: Hol dir Hilfe, frag um Hilfe und vor allem: Akzeptiere, dass du nicht alles weißt und kannst!

    Von Iman habe ich außerdem gelernt zu akzeptieren, dass Pferde nicht für alles geeignet sind, was sich der Mensch einbildet! Von Anfang an hasst es Iman, in diesen engen Reitplätzen (auch 20 x 60 Meter großen Reithallen) geritten zu werden. Sie blockierte, ging ungern vorwärts, verhielt sich komplett. Jahrelang versuchte ich alles, sie fand es einfach nur doof.

    Bis ich im Rahmen der Tellington-Reittrainer-Ausbildung eine Woche Kurs bei Peggy Cummings (Connected Riding) hatte. Ihr Rat: Ich sollte Iman mal mehrere Monate bis zu einem halben Jahr nur im Gelände reiten, denn da ging sie von Anfang an frisch vorwärts, ohne sich zu verhalten.

    Das tat ich! Heute ist Iman mein bestes Pferd im Gelände: Sie geht überall hin, ins Wasser, durch den Wald, ist immer kontrollierbar, ganz und gar nicht schreckhaft, das perfekte Ausreitpferd.

    Und das darf so bleiben: Seit Iman bei mir im Stall zuhause ist (Dezember 2019), lief sie nicht ein einziges Mal mehr in einem Reitplatz, alle Seitengänge, Übergänge, Lektionen reiten wir im Gelände …

    Iman ist mein #Herzenspferd, mein #Seelenpferd!

    Reiten nach Tellington

    Cento, mein sanfter Riese

    Wenn ich es in einem Satz zusammenfassen müsste, was ich von Cento lernen durfte, dann ist es das:

    Lass dich nicht vom Äußeren täuschen und verurteile und bewerte nie vorschnell!

    Cento ist ein wahrer Riese, aber ein sanfter! Mit seinen 650 Kilogramm und seiner wuchtigen Statur ist er wahrlich kein Pferd, das man übersieht. Eher ist er ein Elefant im Porzellanladen. Oftmals weiß er nämlich selbst nicht, dass er so schwer, groß und breit ist, und kann schon mal dahingehen oder dorthin klettern, wo er eigentlich nicht durchpasst 😉

    Cento ist ein sanfter Riese, dem der Schalk im Nacken sitzt. Oft meint man, man hat es mit einem 4-Jährigen zu tun, so verspielt ist er ab und zu.

    Allerdings wird Cento aufgrund seiner Masse oft falsch eingeschätzt: Entgegen seiner Statur und seines Auftretens ist er einfach nur ein riesengroßes Baby: Er ist zum Beispiel auf Kriegsfuß mit Tierärzten. Seit er mal länger in der Klinik bleiben musste, sind ihm Tierärzte mit Spritzen ein Graus. Er wird dann panisch, reißt sich los und ist auf Nimmerwiedersehen am Ende des Paddocktrails wiederzufinden!

    Wenn er vor etwas Angst hat und man ihm Druck macht, wird er völlig kopflos. Cento braucht viel Zuspruch und Vertrauen in „seinen“ Menschen, sobald er misstrauisch oder ängstlich wird.

    Niemand traut ihm diese sensible Seite zu, aber da ist er das völlige Gegenteil zu Iman: Sie schmal und schmächtig, aber vollends die taffe Frau, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt, und dann der riesige Koloss mit seiner sanften und übersensiblen Art, der ziemlich ängstlich ist …

    Iman und Cento sind übrigens ein Herz und eine Seele. Die beiden machen alles zusammen, wie Bruder und Schwester!

    Cento ist mit super Springpapieren ausgestattet und war auch schon erfolgreich in L-Springen am Turnier, bevor ich ihn 6-jährig gekauft habe. Mein Vater liebt es, mit ihm ausreiten zu gehen: „Er ist halt ein Männerpferd!“

    So sensibel Cento vom Boden aus ist: Kaum sitzt man auf ihm drauf, kann eine Bombe neben ihm am Reitplatz einschlagen, auf ihm fühlt man sich absolut sicher. Er hat unter dem Reiter noch keinen einzigen Buckler oder Steiger gemacht, da ist absolut Verlass auf ihn!

    Reiten als Lebensschule
    Cento mein sanfter Riese

    Indira, die taffe Kämpferin

    Indira ist die Halbschwester zu Iman und kommt von derselben Züchterin. Indira kam zu mir, ohne dass ich konkret auf der Suche nach einem neuen Pferd gewesen wäre. Warum auch? Ich hatte ja schon drei!

    Aber wie das so ist mit einem eigenen Stall: The sky’s the limit … oder so ähnlich 😉

    Indira hat mit ihren jungen 9 Jahren bereits eine krasse Krankengeschichte hinter sich, alle in Zusammenhang mit ihren zwei Trächtigkeiten.

    Bevor sie in die Zucht kam, war sie erfolgreich in Deutschland in Dressurpferdeprüfungen der Klasse A und L. Sie wäre eine fantastische Tänzerin durchs große Dressurviereck geworden, wenn nicht ihre Züchterin die Reißleine gezogen hätte und sie aus dem Sport herausgenommen hätte: Sie wollte nicht, dass sie unter derart viel Druck laufen muss.

    Imans Züchterin rief mich eines Tages an und fragte mich, ob ich auf der Suche nach einem Pferd sei. „Natürlich nein“, war meine Antwort. Doch ich fuhr trotzdem hin und ritt Indira Probe.

    Womit es endete, weiß man ja: Indira steht seit September 2019 in meinem Stall – und was soll ich sagen? Sie ist ein Traum von Pferd. Schon beim ersten Reiten wusste ich: Mit viel Geduld kommt sie mal ganz weit! Ihre Grundgangarten sind fantastisch, sie will einem immer alles recht machen, reagiert auf kleinste Hilfen, will immer mitarbeiten, denkt schon drei Schritte voraus, während ich noch überlege, wie ich die Hilfe korrekt einsetze … Einfach ein Traum!

    Von Indira lerne ich jeden Tag: Sei der beste Reiter für dein Pferd!

    Indira ist ein derart sensibles Pferd unter dem Sattel, dass ich beispielsweise nur an eine winzige Drehung meiner äußeren Schulter denken muss und schon sind wir im Schulterherein. Das ist ein Traum zum Reiten, aber ebenso auch enorm schwierig, denn man muss seinen Körper zu 100 Prozent unter Kontrolle haben. Steife Hüftgelenke vom vielen Sitzen am Computer rächt sich dann innerhalb von wenigen Sekunden.

    Seit ich Indira habe, arbeite ich (wenn möglich) täglich an mir selbst: Yoga, Feldenkrais, Alexandertechnik, Seminare und Fachliteratur zum Reitersitz, Kraftübungen, Ausdauertraining. Ich tue alles, um ihr die beste Reiterin zu sein! #seiderbestereiterfürdeinpferd

     

    Indira

    Was kannst du bei Ghostreiter by Melanie lernen?

    Ich versuche in meinen Workshops und Reitstunden die Grundlagen des Reitens und den Umgang mit dem Pferd von Beginn an auf Achtsamkeit und Bewusstheit basierend zu vermitteln. Es ist mir ein großes Anliegen, den Menschen, die bei mir Unterricht nehmen oder zu meinen Workshops kommen, die Art des Pferdes, seine Stärken und Schwächen, die physiologischen Grundlagen der Bewegungen nach den Prinzipien der klassischen Reitlehre und das zugrundeliegende Verhalten des Pferdes genau zu erklären.

    Bei mir gibt es keine sturen Kommandos wie „Ferse runter, Kopf hoch“ hören, sondern man wird von Grund auf verstehen, wieso wir uns genauso wie das Pferd im Gleichgewicht befinden müssen und durch Balance in der Bewegung reiten sollten. Durch die Reitlehren und Übungen von Peggy Cummings mit ihrem Connected Riding sowie von Sally Swift mit ihrem Centered Riding kommen wir zu dem Reitersitz, der uns geschmeidig und einfühlsam auf dem Pferd sitzen lässt. So können wir das Pferd bestmöglich unterstützen, anstatt es zu behindern, und können so die überall gewünschte, aber selten erreichte Harmonie zwischen Pferd und Reiter schaffen.

    Neben dem Reiten steht für mich vor allem auch die Vorbereitung des Pferdes vom Boden aus im Vordergrund. Hier ist für mich die Tellington-Methode mit ihren TTouches in der Körperarbeit und dem Lernparcours in der Bodenarbeit essenziell. Nur ein Pferd, das ohne das Gewicht des Reiters gelernt hat, sich im Gleichgewicht und koordiniert zu bewegen, kann dies unter dem Reiter in seiner natürlichen Anmut, und ohne Schaden zu nehmen, tun.

    Wenn du Interesse an Seminaren und Workshops zur Tellington-Methode oder Sitzschulungen in Theorie und Praxis hast, kontaktiere mich gerne für alle Möglichkeiten, bei dir am Stall einen Workshop abzuhalten:

    Mail mir an melanie@ghostreiter.at oder fülle das Kontaktformular aus:

    Abonniere meine wöchentlichen Inspirationen für eine innigere Beziehung zu deinem Pferd, und ich schenke dir meinen kostenlosen Ratgeber „5 ungewöhnliche Tipps, wie du die Beziehung zu deinem Pferd verbesserst“.

  • Pferd mit Gurtzwang: 5 Tipps, um Gurtzwang zu beheben

    Gurtzwang beim Pferd: Was kann ich tun?

    Gurtzwang ist nicht nur für das Pferd sehr unangenehm, sondern auch für den Reiter auf Dauer eine Belastung. Er muss sich beim Satteln und Gurten ständig vor seinem Pferd in Acht nehmen, das im schlimmsten Fall beißt und schlägt. Das Pferd verknüpft Satteln und Gurten und in Folge das Reiten als etwas Unangenehmes.
     
    Doch das muss nicht sein!
     
    In diesem Blogbeitrag zeige ich dir 5 effektive Tipps, was du konkret bei Gurtzwang tun kannst.

    Unterschied zwischen Gurtzwang und Sattelzwang

    Gurtzwang bedeutet, dass das Pferd starke Ablehnung gegen das Gurten zeigt. Das heißt, es reagiert mehr oder weniger abweisend, wenn der Reiter den Sattelgurt um den Bauch des Pferdes schließen möchte.

    Sattelzwang wird oft synonym für Gurtzwang verwendet. Ich persönlich halte aber beide Begriffe klar auseinander. Beim Sattelzwang reagiert das Pferd bereits negativ, wenn sich der Reiter mit dem Sattel nähert und ihn auf den Rücken des Pferdes legt.

    Es gibt Pferde mit Gurtzwang, die noch kein Problem damit haben, dass der Sattel auf den Rücken gelegt wird. Erst das Durchgreifen unter dem Bauch zum Gurt und das Anziehen des Gurts löst Stress aus.

    Deshalb ist es mir wichtig, diese zwei Verhaltensauffälligkeiten klar voneinander zu trennen.

    In diesem Blogbeitrag geht es jetzt aber nur um den Gurtzwang.

    Wie zeigt sich Gurtzwang: Symptome von Gurtzwang

    Jedes Pferd ist individuell und reagiert anders. So können die Symptome für Gurtzwang von kaum sichtbar bis zu richtig heftig variieren. Erst wenn das Pferd wiederkehrend negativ auf das Gurten reagiert, kann man von Gurtzwang sprechen. Das heißt, es hat sich schon ein negatives Verhaltensmuster etabliert. Wenn ein Pferd einmalig auf das Gurten reagiert, muss das noch kein Gurtzwang sein. Es kann auch situationsabhängig gerade im Moment des Gurtens nach vorne mit dem Hinterhuf ausgeschlagen haben: eine Fliege, ein lästiger Boxennachbarn in der Stallgasse. Es heißt also – wie eigentlich immer – sehr achtsam zu sein und das Pferd genau zu beobachten.

    Bei den folgenden öfter auftretenden Symptomen deines Pferdes solltest du aufhorchen, wenn du nach dem Gurt greifst, ihn schließst oder nachgurtest:

    • Verspanntes Maul, hochgezogene Nüstern
    • Atmung verändert sich: Pferd hält Luft an oder atmet schneller
    • Angelegte Ohren
    • Schlagen mit dem Kopf
    • Deutliches Drohen mit Drehen des Kopfes nach hinten zu dir/zum Sattel
    • Im Moment des Gurtens: Schnappen in die Luft oder nach dem Strick, an Metall schlecken, an Holz knabbern
    • Drohen mit dem Hinterbein
    • Mit dem Hinterbein nach vorne treten
    • Dich abdrängen, auf deine Seite springen
    • Nach dir gezielt schnappen und beißen

    Symptome von Gurtzwang beim Reiten

    Ähnlich zeigen sich die Symptome von Gurtzwang auch beim Reiten:

    • Pferd läuft stark verspannt, hält sich fest, braucht sehr lange, bis es losgelassen geht
    • Pferd geht kaum vorwärts
    • Tritt, schnappt oder beißt nach dir, wenn du nachgurten willst
    • Im schlimmsten Fall kann das Pferd auch unkontrolliert losbuckeln oder steigen, um den unangenehmen Druck loszuwerden
    • Pferd wirft sich samt Sattel hin (dann ist aber wirklich Feuer am Dach!)

    Ursachen für Gurtzwang

    Die Ursachen für Gurtzwang sind so vielfältig, wie es Pferde gibt. Jedes Pferd ist anders und verknüpft Erfahrungen mit dem Sattelgurt anders.

    Häufig sind folgende Ursachen für Gurtzwang zu finden:
     
    • Hastiges und achtloses erstes Satteln/Gurten beim jungen, rohen Pferd
    • Unpassende Ausrüstung: Der Sattel kneift, die Schabracke scheuert etc.
    • Der Gurt passt nicht: Gerade anatomisch geschnittene Gurte müssen genau passen, sonst zwicken sie die Haut am Ellbogen ein. Gurt ist zu schmal/zu breit, ungepflegtes Material, kaputtes Leder etc.
    • Zu oft die höflichen Hinweise des Pferdes beim Gurten übergangen: Wenn die Hinweise eines Pferdes (Ohren anlegen, Kopf schlagen) auf falsches Gurten mehrmals ins Leere laufen, wird es immer mehr Abneigung gegen den Gurt aufbauen. Obwohl zum Beispiel vielleicht nur zwei oder drei Mal ein anderer Gurt ausgeliehen wurde, der nicht wirklich gepasst hat …
    • Das Pferd wird nicht auf das Satteln/Gurten vorbereitet: Drüberbürsten, Sattel draufklatschen, gurten und ab ins Viereck … Genau wie achtsames Putzen ist gute Vorbereitung beim Satteln und Gurten schon die halbe Miete beim Reiten.
    • Zu enges Gurten: Sehr oft sehe ich, dass der Sattelgurt zu schnell zu eng verschnallt wird. Stell dir vor, du musst einen Gürtel anziehen: Ohne Vorankündigung schnallt dir deine Freundin, die dir dabi hilft, den Gürtel knalleng zu, sodass dir fast die Luft wegbleibt. Kannst du dann einen Dauerlauf machen?
    • Magen-/Darmprobleme: Pferde mit Magen- und/oder Darmproblemen sind am Bauch sehr empfindlich. Klar, sie haben ja auch Bauchweh! Plötzlich auftretender Gurtzwang kann auch ein Symptom für Magenprobleme oder Darmprobleme sein.
    • Muskelverspannungen/Blockaden im Bereich der Rippen/Brustbein: Hier kann dir dein Tierarzt oder Physiotherapeut/Osteopath deines Vertrauens weiterhelfen.
     
     
    Gurtzwang was tun
    Pferde mit Gurtzwang müssen zuerst die negative, schmerzhafte Erfahrung des Gurtens löschen und eine neue positive Verknüpfung im Gehirn erstellen.

    Pferd mit Gurtzwang: Was kannst du konkret tun?

    Was kannst du jetzt konkret tun, um den Gurtzwang deines Pferdes zu beheben?
     
    Folgende drei Grundsätze gehen allen Übungen, die ich dir gleich zeigen werde, voraus:
     
    1. Analysiere genau, wie schlimm der Gurtzwang ausgeprägt ist.
    Reagiert dein Pferd verspannt, hält es die Luft an und bläßt sich stark auf? Oder tritt es gleich gezielt nach dir und du musst dich regelmäßig vor einem schnappenden Krokodil in Sicherheit bringen?
     
    2.  Kläre gesundheitliche Probleme vorher ab.
    Du kannst noch so oft die von mir unten angeführten Übungen machen – ohne Erfolg, wenn dein Pferd ein organisches Problem hat. Hast du den Verdacht, dass dein Pferd Schmerzen organischen Ursprungs hat (z. B. Kotwasser, wiederkehrende Koliken, Magengeschwüre oder Zysten und Rosseprobleme bei Stuten), kläre dies unbedingt vorher mit deinem Tierarzt ab!
     
    3. Bestrafe dein Pferd nie für Schnappen, Beißen oder Treten beim Gurten!
    Klar, ein Pferd sollte im Umgang mit dem Menschen nicht treten, beißen oder schnappen. Denk aber anders: Warum muss das Pferd das überhaupt tun? Was habe ich überhört/übersehen, dass das Pferd so deutliche Signale setzt? Außerdem lernt das Pferd bei Strafe nur, dass es nicht erwünscht ist, Schmerzen zu zeigen. Es driftet dann in eine erlernte Hilflosigkeit ab und kann sogar depressiv werden, also psychisch krank. Es wird dann zwar nicht mehr beißen oder schnappen, aber das löst nicht das Problem, dass das Pferd etwas Negatives/Schmerzhaftes mit dem Gurten verbindet. Eure Beziehung wird nachhaltig massiv gestört.

    5 Tipps und Übungen: So kannst du Gurtzwang beheben

    1. "Lecken der Kuhzunge"

    Der Tellington TTouch „Lecken der Kuhzunge“ ist meine absolute Lieblingsübung. Ich mache diesen TTouch bei allen Pferden und in fast allen Sitatuionen. Er ist einfach genial!
     

    2. "Pythonheber" mit dem Sattelgurt

    Der „Pythonheber“ ist ebenfalls ein Tellington TTouch. Hier verwende ich den Sattelgurt, um die „Pythonheber“ durchzuführen. Beim „Pythonheber“ hebe ich die Haut langsam an und lasse sie noch langsam wieder los. So kann sich das Nervensystem auf die Berührungen einstellen, die Berührung mit dem Sattelgurt wird als angenehm abgespeichert und das Pferd verliert seine Aggression gegen das Gurten.

    Abonniere meine wöchentlichen Inspirationen für eine innigere Beziehung zu deinem Pferd, und ich schenke dir mein kostenloses E-Book „5 ungewöhnliche Tipps, wie du die Beziehung zu deinem Pferd verbesserst“.

    3. Die Ausrüstung prüfen und optimieren

    Wenn die Ausrüstung, also Sattel, Satteldecke/Schabracke und Sattelgurt nicht optimal passen, kann dein Pferd das Satteln/Gurten mit der Zeit als unangenehm empfinden und sogar mit Schmerzen verbinden.
     
    Hat das Pferd bereits Gurtzwang, ist es enorm wichtig, die Ausrüstung auf ihre Passform zu prüfen:
     
    1. Der Sattel: Wenn schon der Sattel nicht passt, dann nützt auch der beste Gurt, der den Sattel an Ort und Stelle hält, nichts mehr. Bitte löse das Problem eines nicht passenden Sattels nie damit, dass du den Gurt einfach fester zuziehst. Wie oft habe ich zugeschnürte Pferde in der Reitstunde. Auf die Frage, warum der Sattelgurt so eng ist, höre ich sehr oft: „Sonst rutscht der Sattel nach vorn (oder zurück oder nach links/rechts …).“
    Ein Sattel ist wie ein Schuh: Passt der Schuh nicht (ist zu eng/zu groß), kann ich damit auch nicht auf einen Berg steigen oder einen Marathon rennen. Ich werde furchtbare Schmerzen haben. Und das Pferd muss bei mangelnder Passform nicht nur den Sattel ertragen, sondern auch noch das Reitergewicht tragen!
    Deshalb bitte: Prüfe deinen Sattel auf korrekte Passform. Ein guter Sattel liegt auch mit einem angenehm verschnallten Gurt noch richtig und rutscht nicht! Rutscht ein Sattel, passt er nicht!
     
     
    2. Satteldecke/Schabracke: Achte sehr genau darauf, wie die Schabracke/die Satteldecke unter dem Sattel zum Liegen kommt. Es dürfen sich keine Falten oder Knubbel bilden. Schmerzhafter Satteldruck droht! Und egal, was mal wehgetan hat: Dein Pferd merkt sich: „Schabracke scheuert, das tut weh. Sattel liegt genau da, wos wehtut. Gurt fixiert den schmerzhaften Sattel an Ort und Stelle. Also ist auch der Gurt doof!“
    Deshalb bitte: Schabracken regelmäßig waschen, die Fixierklettriemen an der Satteldecke/Schabracke auch verwenden, um ein Verrutschen zu vermeiden und „einkammern“, d. h. die Decke vorne nach oben ziehen, damit die Decke nicht am Widerrist aufliegt und scheuert.
    Bei Pferden mit empfindlicher Haut eventuell Lammfell- oder Kunstfellsatteldecken verwenden, um Scheuerstellen und abgebrochene Haare in der Sattellage zu vermeiden.
     

    3. Gurt: Die Passform des Gurts ist das Um und Auf! Je breiter der Gurt, desto besser verteilt er den Druck. Allerdings kann ich für ein eher schmales, rippiges Pferd keinen breiten Gurt verwenden. Anatomisch geformte Gurte müssen die richtige Länge und Form haben, sonst droht eingezwickte Haut hinter dem Ellbogen und Scheuerstellen oder gar offene Wunden. Auch das Material spielt eine wichtige Rolle: Pferde, die sehr sensibel sind, profitieren von einem Kunstfell-/Lammfellgurt. Ledergurte sind im Sommer angenehmer, weil sie einfacher zu putzen sind. Auch die Hygiene spielt eine Rolle: Ledergurte regelmäßig nach dem Reiten von Schmutz und Schweiß befreien, Fellgurte müssen öfter gewaschen oder zumindest mit Wasser abgespritzt werden.

    Gurtzwang beim Pferd: Was tun?
    Mit der Wahl des passenden Gurts ist ein erster Schritt in der Therapie von Gurtzwang getan.

    4. Korrekt gurten bei Pferden mit Gurtzwang

    Vorab: Korrekt gurten kannst du nur, wenn der Sattel passt.

    Der Gurt liegt korrekt, wenn im Stand noch ca. eine Handbreit zwischen Ellbogen und vorderster Gurtkante Platz hat. So kann das Pferd sein Bein frei bewegen, ohne ständig mit dem Ellbogen am Gurt anzustoßen.

    Hast du dein Pferd mit „Lecken der Kuhzunge“ und „Pythonheber“ auf das Gurten vorbereitet, ziehst du den Gurt nur so fest zu, dass der Sattel nicht verrutscht, wenn sich das Pferd bewegt. So kann sich das Pferd langsam an den Druck des Gurtes gewöhnen und fühlt sich nicht sofort wie eingeschnürt.

    Vor dem Aufsteigen führst du dein Pferd ein oder zwei Runden (am besten sogar einen ganzen Spaziergang lang oder zumindest einen Teil der Schrittphase). Das Pferd lässt dann  Luft aus dem Bauchraum, und du kannst entspannt nachgurten.

    Manchmal hilft es, dem Pferd eine Karotte oder ein Leckerli zu füttern, um es im Moment des (sanften!) ersten Angurtens ein wenig abzulenken.

    Nach dem Aufsteigen ist der Gurt korrekt verschnallt, wenn du ohne Probleme noch deine flache Hand zwischen Gurt und Bauch schieben kannst.

    5. Überprüfe die Haltung und Fütterung deines Pferdes

    Manche Pferde wirken grundsätzlich unzufrieden. „Der ist immer so“, „Der hat halt keinen Bock“, „Die ist einfach zickig“ hört man dann oft.
    Neben Gurtzwang zeigen solche Pferde auch noch andere Verhaltensauffälligkeiten: aggressiv dem Boxennachbarn gegenüber, futterneidig, extrem schreckhaft, sehen überall Gespenster etc.
     
    Hast du grundsätzlich das Gefühl, dass dein Pferd unzufrieden, schlecht gelaunt wirkt?
     
    Dann versuche, die Haltung und Fütterung deines Pferdes so weit wie möglich zu optimieren:
    Jederzeit Zugang zu Raufutter, Herdenhaltung, täglicher Auslauf (am besten in Gruppen sowie Tag und Nacht) sind für das Herden- und Lauftier Pferd nötig, um zufrieden und vor allem gesund zu bleiben.
     
    Ich habe sehr oft erlebt, dass Pferde, die von Boxenhaltung in einen Offenstall oder Paddocktrail mit Herdenhaltung gewechselt sind, sich völlig verändert haben.
    Und Verhaltensauffälligkeiten wie Gurtzwang, Aggression, Schreckhaftigkeit etc. lösten sich nach ein paar Monaten in Luft auf.
     
    Manchmal lohnt es sich, über den Tellerrand hinauszuschauen. Es ist mit den Pferden wie mit der Schulmedizin: Symptome allein zu behandeln, hilft nicht immer!
     
    Hat dein Pferd Gurtzwang? Was machst du, um deinem Pferd das Gurten angenehmer zu machen? Hast du noch weitere Tipps? Schreib mir gerne in die Kommentare.
  • Das Geheimrezept für eine intensivere Beziehung zu deinem Pferd

    Interview mit Bibi Degn, Tellington-TTouch®-Instruktorin für Pferde

    Geheimrezepte klingen immer so schreierisch, so übertrieben. Ja, da hast du Recht.  Mit dieser Überschrift wollte ich deine Aufmerksamkeit erregen. Denn das Thema, worum es in diesem Interview geht, ist mir sehr, sehr wichtig und ich will all deine Aufmerksamkeit 😉 Denn dieses Geheimrezept entscheidet meiner Meinung nach darüber, wie intensiv deine Beziehung zu deinem Pferd ist und wie du sie verbessern kannst!

    Bist du bereit, etwas zu investieren, um die Beziehung zu deinem Pferd zu verbessern, sie auf ein neues Level zu heben? Dann ist das folgende Interview über dieses Geheimrezept genau das Richtige für dich. Ich hoffe, es regt dich zum Nachdenken an – und führt dich in Folge zu einer intensiveren, freudvolleren Beziehung zu deinem Pferd!

    Doch wie lautet nun das Geheimrezept?

    Achtsamkeit: Das Geheimrezept für eine intensivere Beziehung zu deinem Pferd

    Das Geheimrezept lautet Achtsamkeit. Du hast dieses Wort sicher schon öfter gehört.

    Jeden Tag erinnere ich mich daran, Dinge mit mehr Ruhe anzugehen, bewusster zu agieren, die Reaktionen meines Pferdes nicht zu sehr auf die Waagschale zu legen. Mich nicht in meiner Person angegriffen zu fühlen, wenn etwas nicht klappt. Genau hinzuspüren, was mein Pferd mir sagen will, mit mehr Liebe bei der Sache zu sein … für mich bedeutet all das und noch viel mehr der Begriff der Achtsamkeit. Und das beginnt zum Beispiel schon beim Putzen.

    Achtsamkeit hilft dir, die Beziehung zu deinem Pferd zu intensivieren. Weil du bewusster hinschaust, bewusster hinfühlst und dein Pferd noch mehr zu verstehen im Stande bist.

    Und weil die Tellington-TTouch-Methode das perfekte Tool für Achtsamkeit ist, ja vielleicht sogar die „angewandte Achtsamkeitsschule“ ist (vgl. Interview), habe ich Bibi Degn zum Interview gebeten.

    Bibi ist eine der weltweit wenigen Tellington-TTouch-Instruktorinnen, die von Linda Tellington-Jones persönlich anerkannt und zertifiziert sind. Bibi ist somit befugt, nicht nur die Methode anzuwenden und zu unterrichten, sondern auch Tellington-TTouch-Lehrer/-innen auszubilden.

    Ihr Fundus zur Tellington-Methode ist unendlich. Sie ist durch und durch Pädagogin in ihrem Beruf als Tellington-Instruktorin und lebt für und mit den Tieren. Ihre gesamte Arbeit und ihre Herangehensweise an „Problempferde“, Pferde mit Verhaltensauffälligkeiten, an problematische Pferd-Mensch-Beziehung ist von unglaublich viel Liebe zu allen Lebewesen, von hoher Achtsamkeit und Lebensfreude geprägt.

    Im Interview mit mir erklärt sie, was das Konstrukt „Achtsamkeit“ für sie bedeutet, wie es sich konkret  anwenden lässt und wie du mit mehr Achtsamkeit die Beziehung zu deinem Pferd verbessern kannst.

    Die Beziehung zum Pferd verbessern mit ...

    Ghostreiter by Melanie: Achtsamkeit ist heutzutage ja fast schon ein Modewort. Was bedeutet für dich Achtsamkeit – wie definierst du sie für dich selbst?

    Bibi Degn: Achtsamkeit bedeutet für mich, das, was ich tue, mit Liebe zu tun. 

    Wie integrierst du Achtsamkeit in dein tägliches Leben? Haben Tiere da einen großen Anteil?

    Die Tiere sind die großen Lehrmeister für meine Achtsamkeit, denn nichts, was ich an, für und mit meinen Tieren mache, hat, ohne achtsam zu sein, viel Wert. In dem Moment, in dem ich meine Tiere sehe, ihre Seele schaue, stellt sich Achtsamkeit wie von selbst ein. Wir alle – vermute ich – haben Tiere, weil wir unsere Liebe zu ihnen spüren wollen. Ich bemühe mich, dies zu leben, wenn ich mit ihnen in Interaktion bin.

    Dies führt zu einem „angewandten Achtsamkeitstraining“ im Alltag, ein großer Vorteil, den wir „Tiere-Menschen“ haben können. Denn wir lernen Achtsamkeit nicht nur bei Stille im Meditationstempel, sondern in der oft sogar lärmenden Welt, im Handeln mit schreckhaften Pferden, bellenden Hunden und eigenwilligen Katzen.

    Dieses Training, Achtsamkeit im Handeln anzuwenden, führt zu einer Haltung, zu Übung, zu einer Gewohnheit. Kürzlich sagte ein Freund zu mir, ich würde den Blumenkohl mit zärtlichen Händen zerteilen. Das war mir nicht bewusst – danke euch, ihr Tiere, für eure anhaltende Achtsamkeitsschulung!

    Der Kontakt wird tiefer, das Zusammensein wird freudvoller

    Wie kann höhere Achtsamkeit unser Zusammenleben mit Tieren beeinflussen?

    Ich habe erwähnt, dass ich einen Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und dem Sehen der Seele der Tiere sehe. Wer, ob Tier oder Mensch, blüht nicht auf, wenn sein Gegenüber „seine Seele schaut“? Und wer von uns blüht nicht auf, wenn uns das Gegenüber einen Blick auf seine Seele erlaubt? Der Kontakt wird tiefer, das Zusammensein wird freudvoller, das Training wird spielerischer, es geht nicht mehr um Machtpositionen – und die Sucht, mit den Tieren zu sein, wird gewaltig werden 🙂

    Wie hat dich der achtsamere Umgang mit Tieren durch deine Arbeit als Tellington TTouch® Instruktorin als Mensch verändert?

    Wenn ich oben das angewandte Achtsamkeitstraining erwähnt habe, so möchte ich die Tellington TTouch® Methode als die angewandte Achtsamkeitsschule bezeichnen. Eine bodenständige und zielführende Trainingsmethode, die so viele Elemente der Achtsamkeitsschule in sich trägt, macht, dass es einfach passiert, ohne drüber groß zu reden oder sich diesbezüglich zu disziplinieren.

    Achtsamkeit hat ja auch immer mit Bewusstsein zu tun: Ich muss mir bewusst sein, dass mein Handeln, mein Verhalten Auswirkungen auf Mitmenschen, auf andere Lebewesen, auf meine Umwelt hat. Wie kann ich aus deiner Sicht Bewusstsein und Achtsamkeit fördern?

    Die Antwort ist vielleicht überraschend – das kann ich, indem ich gut und ganz bei mir selbst bin, mich selbst wahrnehme, in Kontakt mit meinem Wesen trete und meine Liebe, die ja immer da ist, in mir finde.

    Denkst du, dass mehr Achtsamkeit und Bewusstsein in der heutigen Zeit uns helfen würde, unsere Welt zu einem schöneren Ort für uns und unsere Tiere zu machen?

    Ich glaube, es gibt keinen anderen, keinen besseren Weg und Schlüssel dahin.

    Achtsamkeit in der Ausbildung von jungen Pferden

    Lernen in Abwesenheit von negativem Stress

    Bibi, du bist seit vielen Jahren Instruktorin für Tellington TTouch ® Training für Pferde. Du hast bei Linda Tellington-Jones gelernt, lernst immer noch regelmäßig bei ihr und wurdest von ihr persönlich 2002 zur Instruktorin ernannt. Kannst du uns kurz erklären, was die Tellington TTouch® Methode ist und welchen Bezug Tellington TTouch zur Achtsamkeit hat?

    Für mich ist die Tellington-Methode Trainingsmethode für Tiere, eine Methode, die Beziehung schafft, Verbindung zwischen Mensch und Tier auf einer Ebene, die einen Tick tiefer ist als unser Alltagsbewusstsein. Diese Ebene hat etwas mit „Erkenntnis“ zu tun.
    Daraus ergibt sich all das andere: Lernen kann man nun mal am besten in der Abwesenheit von negativem Stress, Kooperation ergibt sich aus Freundschaft wie von selbst, und der Körper erblüht, sobald Liebe im Spiel ist. So ist all das „esoterische Zeugs“ kein Widerspruch zu einer bodenständig funktionierenden Trainingsmethode, die jeder anwenden kann, sondern der Nährboden für funktionale Beziehungen zwischen Mensch und Tier.

    Tiere als Lehrer für uns

    Linda Tellington-Jones gilt ja als Wegbereiterin für eine der achtsamsten Methoden in der Ausbildung von Tieren. Wie hat Linda das Thema der Achtsamkeit in ihre Philosophie eingebunden?

    Die Philosophie der Tellington-Methode sagt Folgendes: Arbeit mit dieser Methode lässt erfahren, wie wichtig die Tiere in unserem Leben sind, und verwirklicht, dass Tiere Lehrer für uns sind.

    Sie trägt bei zu Freundschaft und Liebe zwischen Mensch und Tier sowie zu Frieden, Freundschaft und achtsamem Umgang von Menschen.

    Es kommt zum Ausdruck, dass jedes einzelne Tier (und jeder Mensch) besonders ist und etwas anderes braucht, um glücklich zu sein, und dass jedes Tier und jeder Mensch auf seine eigene Weise lernt.

    Tiere werden mit Verständnis behandelt, statt über sie zu bestimmen, sie einzuschüchtern oder ihnen körperlich oder seelisch weh zu tun.

    Der Tellington TTouch dient als Sprache, die zwischen Mensch und Tier genutzt werden kann.

    Vielen Dank, Bibi, für dieses Interview!

    Mehr zu Bibi findest auf ihrer Homepage: www.tiereakademie.de

    Abonniere meine wöchentlichen Inspirationen für eine innigere Beziehung zu deinem Pferd, und ich schenke dir mein kostenloses E-Book „5 ungewöhnliche Tipps, wie du die Beziehung zu deinem Pferd verbesserst“.

>

5 ungewöhnliche Tipps, wie du die Beziehung zu deinem Pferd verbesserst

Hol dir den kostenlosen Guide: Trag dich in meine E-Mail-Liste ein und profitiere von weiteren exklusiven Inhalten und wöchentlichen Inspirationen!

Secured By miniOrange