Reiterliche Weiterbildung: Warum sie so immens wichtig ist

Besser reiten: Warum es so wichtig ist, der beste Reiter für sein Pferd zu werden

Reiterliche Weiterbildung: Ein Muss für jeden guten Reiter!

Reiten ist für manche ein Hobby, eine Lebenseinstellung, ein Beruf, eine Kunst oder einfach Zeitvertreib. Wer aber der beste Reiter für sein Pferd sein will, der muss an sich arbeiten, sich ständig entwickeln und reiterlich weiterbilden!

Nur gute Reiter können ihr Pferd auf Dauer gesunderhaltend reiten, es korrekt gymnastizieren und zur gemeinsamen Harmonie gelangen.

Wer Reiten ernsthaft betreibt, der muss gewillt sein, an seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu arbeiten. Genauso wie sich Angestellte und Arbeiter im Laufe ihrer Karriere weiterbilden, so muss auch reiterliche Weiterbildung betrachet werden.

So unangenehm und fordernd das klingen mag: Reiten ist eine Betätigung in einem hochkomplexen Gebiet: Zwei sich unabhängig voneinander sich bewegende Lebewesen müssen eins werden. Dies gelingt nur, wenn der Reiter gewillt ist, tief in die Materie einzutauchen. Denn das Pferd wird von sich aus nicht die menschliche Sprache pauken und uns irgendwann einfach fragen, was wir denn jetzt mit dieser oder jener Hilfe gemeint haben. Das Erlangen von perfekter Kommunikation und das Verständnis für die Sprache des Gegenübers obliegt dem Menschen. Und darin müssen wir Meister werden – zum Wohle des Pferdes. Hier wiederhole ich mich gerne. Denn es scheint vielen Reiter oft nicht bewusst zu sein, welche Wissenslücken sie haben und wie sie durch ihr mangelndes Wissen dem Pferd schaden. Das klingt hart, aber der Spruch „Korrektes Reiten ist gelebter Tierschutz“ hat zu 100 Prozent Gültigkeit!

Besser reiten durch reiterliche Weiterbildung in der Reitkunst

Reitkunst ist heutzutage fast schon zu einem verschrobenen, alten Begriff geworden. Dabei bedeutet Reitkunst „reiterliche Präsentation eines Pferdes in dessen individueller Vollkommenheit geistiger und körperlicher Anmut“ (Wikipedia).

Es sollte das Ziel aller Reiter sein, dass das Pferd auch unter dem Reiter all seine Schönheit und Anmut zeigen kann. Leider sehen wir heutzutage – vor allem unter dem neueren, moderneren Begriff „Reitsport“ getarnt – immer mehr Pferde, die unter dem Sattel alles andere als anmutig wirken: dumpfe, kleine Augen, angespannte Nüstern, Taktfehler, Lustlosigkeit bis hin zur Depressivität, schlurfender Gang – das krasse Gegenteil von natürlicher Schönheit und Eleganz.

Richtig verstandene Reitkunst bringt das individuelle größtmögliche Potenzial des Pferdes zum Vorschein – immer unter Berücksichtigung der körperlichen und seelisch-geistigen Gesundheit!

Ich plädiere für diese korrekt verstandene Reitkunst – für unsere Pferde. Wir Reiter müssen bewusster und achtsamer in dieser „Reitkunst“ werden. Nur durch entsprechendes Wissen, vor allem durch die theoretische Grundlage der Ausbildung des Pferdes, kommt ein Denkprozess, ein Um-Denkprozess in Gang. Damit schützen wir die Pferde vor den Folgen von schlechtem Reiten.

Wir Reiter kommen also nicht umhin, ständig an uns, unserem Wissen über die Reitkunst (in Theorie und Praxis) zu arbeiten, um der beste Reiter zu werden. Ohne uns mit der Theorie der Reitkunst und der Bewegungslehre dahinter auseinanderzusetzen, wird es nur schwer möglich, ein Pferd länger gesunderhaltend zu reiten. Ausnahmen wie geborene reiterliche Talente bestätigen auch hier die Regel 😉

Der "Denkende Reiter" als Lösung

Kurt Albrecht brachte es in seiner schörkellosen Sprache auf den Punkt:

Erst entsprechendes Wissen über die Reitkunst setzt einen Denkprozess in Bewegung und schafft Voraussetzungen für das Reiten in höherem Sinn: der „denkende Reiter“ (vgl. Kurt Albrecht, Ausbildungshilfen für Pferd und Hilfen, S. 7)

Für gesunderhaltendes, richtiges Reiten, das Freude und Erfüllung für Mensch und Pferd bringt, ist selbstständiges und folgerichtiges Denken wichtig. Das heißt im Klartext: Ohne Theorie und Verstand funktioniert auch in der Reitkunst nichts!  Wer sich nicht mit der Theorie hinter der Reitkunst auseinandersetzt, wird laut Albrecht (was ich zu 100 Prozent unterschreibe!) im Mittelmaß hängenbleiben, keine Fortschritte erzielen und nur halbe Sachen machen. Leidtragender ist und bleibt dabei das Pferd!

Aber es darf nicht beim stumpfen Pauken von Ausbildungsratgebern in Form von Büchern und DVDs bleiben: Das beste theoretische Wissen nützt nichts, wenn man das Gelernte nicht anwendet. Theorie und Praxis müssen sich die Waage halten. Hier hakt es aber leider oft: Viele Reiter reiten und reiten und reiten und rennen von Unterricht zu Unterricht und von Lehrgang zu Lehrgang, ohne jemals die fundamentalen Basics der Biomechanik des Pferdes verstanden zu haben … Und so treten sie auf der Stelle und kommen nicht weiter …

Wie nun aber der beste Reiter für sein Pferd werden?

Reiten als Lebensschule

Reiten als stetige persönliche Weiterentwicklung

Für mich ist Reiten und Reitenlernen Lebensschule. Mit und von den Pferden können wir so viel für uns selbst lernen. Wir lernen uns selbst besser kennen und spüren, wie wir nach außen wirken. Nicht umsonst werden Pferde so erfolgreich in der Therapie oder Persönlichkeitsentwicklung eingesetzt.

Ein guter Reiter muss herausfinden und sich merken, welchen Einfluss er auf das Pferd hat, welche Veränderungen er im Pferd bewirkt. Dies können natürlich auch negative Effekte sein. Hier benötigt es schonungslose Ehrlichkeit und Selbstkritik sich selbst gegenüber. Nicht immer ist alles, was wir mit und auf dem Pferd tun, holde Reitkunst, sonst sehr oft auch schnödes, simples Ausprobieren und langweiliges Üben und Wiederholen.

Nur wer sich ohne Eitelkeit selbst beobachtet und aus Fehlern entsprechende Schlussfolgerungen zieht, wird sich weiterentwickeln auf dem Weg zum besten Reiter für sein Pferd!

Es liegt in der Verantwortung eines jeden Reiters, jederzeit die Übung/Lektion, seine Einstellung oder seine Hilfen zu verändern, um das Ergebnis zum Positiven verändern zu können. Wichtig dabei: Es geht nicht um Schuldzuweisung! Es muss egal sein, ob die „Schuld“ an der verpatzten Übung beim Reiter selbst oder beim Pferd liegt! Das Ziel ist der positive Abschluss!

Auch Thomas Ritter von Artistic Dressage stellt den „Denkenden Reiter“ in den Mittelpunkt:

Ein guter Reiter muss denken, analysieren und diagnostizieren können. Ganz simpel ausgedrückt: Reiten mit Köpfchen!

„Nur ein denkender Reiter ist in der Lage, Körper und Geist seines Pferdes bis zu dessen höchstem Potenzial zu entwickeln, ohne ihm psychisch oder physisch Schaden zuzufügen.“ (Thomas Ritter, Klassisches Reiten auf Grundlage der Biomechanik, S. 154).

Wichtige Fragen, die man sich nach jedem Ritt stellen sollte

  1. Was habe ich an meinem Pferd heute beobachtet? (BEOBACHTUNG)
  2. Welche Schlüsse kann ich daraus ziehen? (ANALYSE)
  3. Welches Urteil fälle ich daraus folgend? (DIAGNOSE)
  4. Welche Lösung/Übung kann ich zur Lösung des Problems anwenden? (AUSFÜHRUNG)
  5. Wie sieht das Ergebnis aus? (BEOBACHTUNG DES ERGEBNISSES

Die  über allem stehende Frage, die sich jeder gute Reiter stellen muss, lautet:

Was kann ich tun, um meinem Pferd die Arbeit zu erleichtern, damit es ohne Schaden zu nehmen, voller Energie und Motivation sein Bestes geben kann?

Das heißt, es geht zuvorderst darum, dass der Mensch an sich arbeitet, um dem Pferd bestmöglich helfen zu können. Denn wir Menschen sind die bewusst denkenden, reflektierenden und analysierenden Lebewesen im Team Pferd-Reiter! Diese Arbeit können wir nicht dem Pferd überlassen!

Das beginnt damit, dass der beste Reiter für sein Pferd der ist, der emotional ausgeglichen ist.

Denn nur ein emotional ausgeglichener Reiter schafft es, seine Bewegungen so dem Pferd anzupassen, dass ein harmonisches Bild entsteht. Und so sind wir wieder bei meinem Spruch „Reiten ist Lebensschule“. Durch das Reiten und den Umgang mit dem Pferd lernen wir, mit unseren Emotionen besser umzugehen. Dadurch verbessern wir unser Einfühlungsvermögen in die Pferde und lernen „Bewegungsgefühl“, die Basis für gutes Reiten. Wir müssen lernen, uns körperlich den Bewegungen unseres Pferdes anzupassen, aber eben auch unsere Emotionen und Gefühle im Griff zu haben. So können Pferd und Reiter zur viel gewünschten, aber selten erreichten Harmonie gelangen! Eine gute Möglichkeit, mehr Bewegungsgefühl und Geschmeidigkeit in den Reitersitz sowie eine ausgeglichene Geisteshaltung zu bringen, bietet Yoga. Lies dazu auch hier meinen Beitrag mit 9 Yoga-Übungen für einen besseren Reitersitz.

Wie dir Ghostreiter dabei helfen kann

Das Ghostreiter-Jahr 2020 habe ich unter folgendes Motto gesetzt:

Sei der beste Reiter für dein Pferd

Deshalb werde ich regelmäßig Blogbeiträge zu folgenden Themen veröffentlichen:

  • Reiterliche Weiterbildung in der Theorie: Grundlagen zu Biomechanik, Hilfengebung etc.
  • Reiterliche Weiterbildung in der Praxis: Wie schule ich meinen Sitz?
  • Ideen für Ausgleichssport zum Reiten
  • Interviews mit Experten zu Feldenkrais, Yoga und Alexander-Technik und zur Integration dieser Methoden in das Reiten
  • und vieles mehr

Außerdem wird es heuer zum ersten Mal Workshops und Seminare direkt bei mir im Stall in Vorarlberg geben. Ich bin gerade mitten in der Jahresplanung dafür. Die ersten Termine werde ich hier auf Ghostreiter, im Newsletter sowie auf Facebook und Instagram veröffentlichen.

So viel sei verraten: Es wird Tellington-Kurse speziell für Reitpferde geben, aufgesplittet auf spezielle Übungen für die Vorhand und spezielle Übungen für die Hinterhand. Das Format wird ein kompakter Kurzworkshop an  Nachmittagen am Wochenende sein, sodass auch die Pferdefreunde, die wenig Zeit und Geld haben, sich entsprechend ihren Wünschen und Problemstellungen weiterbilden können.

Fazit

Arbeite stetig an dir und deiner persönlichen "Reitkunst" in Theorie und Praxis und werde so zum besten Reiter für dein Pferd!

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