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  • Körper, Geist und Seele fit halten mit Yoga für Reiterinnen

    Yoga für Reiterinnen ist enorm beliebt. Aber warum ist Yoga bei Reiterinnen so gut für Körper, Geist und Seele und warum profitieren gerade wir Reiterinnen so enorm davon?
     
    Ich habe mit Melanie Wimmer, Reit- und Yogalehrerin darüber gesprochen. Sie verrät im Interview, warum sie Yoga für sich entdeckt hat, warum sie es so effektiv für Reiterinnen findet und wie sie für sich die Verbindung von Yoga in Körper, Geist und Seele im Alltag schafft.
     
     

    Hi Melanie, du führst am schönen Ibmersee in Oberösterreich
    zusammen mit deiner Familie einen Pferdeeinstellbetrieb und Bio-Landwirtschaft.
    Kennengelernt haben wir uns auf einem Lehrgang mit Linda Tellington-Jones in
    der Schweiz und gleich mal festgestellt, dass wir ähnlich ticken, was die
    Ausbildung und das Training von Pferden anbelangt. Wie würdest du deine
    Philosophie in Bezug auf die Ausbildung von Pferden erklären?

    Individuell 😉

    Denn ich habe im Laufe der Jahre gelernt, dass sich kein Pferd in ein Schema pressen lassen möchte und nicht zwingend jedes Aussildungssystem für jedes Pferd passt. Darum frage ich
    mich immer wieder: Wie kann ich genau DIESES Pferd motivieren? Was greift?

    „Liebevolle Beharrlichkeit“ ist ebenfalls ein Begriff der sicher gut zu meiner Art der Ausbildung passt. Wenn es mal an einem Tag nicht so klappt, dann versuche ich es abzuhaken und am nächsten Tag wieder ohne Erwartungen an die Sache ran zu gehen.

    Und immer wieder hilft es mir, die Sache aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und nichts für selbstverständlich zu nehmen.

     

    Neben der Jungpferdeausbildung mit Elementen der Tellington-TTouch-Methode und Equikinetic bildest du dich aktuell zur Yoga-Lehrerin fort. Was macht für dich die Kombination von Yoga und Reiten so spannend?

    Als Reiterin stelle ich mir natürlich immer wieder die Frage: Wie kann ich mein Pferd  bestmöglich unterstützen, damit es sein Potenzial enfalten und volle Leistung bringen kann? Und ganz oben auf der Liste stehe eben ich selbst als Reiterin.

    Beim Yoga spreche ich alle Bereiche an, die auch fürs Reiten wichtig sind: Koordination, Balance, Ruhe und Gelassenheit sowie Kraft und Flexibilität.

     

    Welchen Stellenwert hat Yoga für dich?

    Durch Yoga habe ich begonnen mich wesentlich mehr mit mir selbst zu beschäftigen und gelernt, wie wichtig es ist Körper und Geist in Balance zu bringen. Das hat mir mit den Pferden und auch im Leben extrem geholfen.

    Man kann sich sicher auch mit anderen Methoden selbst neu kennen lernen, wertschätzen und daraus weiterentwickeln. Bei mir war es eben Yoga – und darum hat es einen hohen Stellenwert für mich.

    Yoga für Reiterinnen

     

    Merkst du in deiner Reiterei Unterschiede, wenn du Yoga machst und wenn du mal längere Zeit kein Yoga machst? (Falls das überhaupt vorkommt 😉)

    Nach ein paar Tagen ohne Yoga ist bei mir nicht gleich die Balance im Leben dahin und es gibt auch unterschiedliche Phasen im Jahr, wo ich Unterschiedliches brauche. Da ich Yoga inzwischen aber immer mehr und mehr LEBE und nicht nur MACHE gibt es im Grunde keinen Tag mehr ohne Yoga auch wenn ich mal nicht auf der Matte bin 😉

     

    Warum ist Yoga speziell für Reiterinnen und Reiter deiner Meinung nach so unglaublich effektiv?

    Wir Reiter haben den Vorteil, dass wir immer direkt gespiegelt werden – durch unsere Pferde. Sobald ich erkenne, wie sich etwas auswirkt, verstärkt sich der Effekt und ich werde dadurch motiviert. Ein Reiter bemerkt nochmal wesentlich früher seinen Erfolg, denn Pferde sind schnell in ihrer Antwort und dabei ehrlich. Darum ist es bei Reitern besonders effektiv – weil wir unseren persönlichen Motivator an der Seite haben.

     

    Wie verbindest du die sportlich-körperlichen Effekte von Yoga mit den spirituellen Aspekten, auf die Yoga gerne reduziert wird?

    Ich sehe den Körper sozusagen als Tor oder als Zugang. Den eigenen Körper kann man sehen und anfassen, mit ihm können die meisten Menschen etwas anfangen. Dass sich die Arbeit mit und am Körper sehr schnell positiv auf unseren Geist und unsere mentalen Fähigkeiten auswirkt, bemerken die meisten sehr bald. Wenn das klar ist, kommt der nächste Schritt hin zu Spiritualität meist ganz von alleine. Ich bevorzuge meine Schüler in diese Richtung hin nicht zu sehr zu drängen oder zu beeinflussen.

     

    Fitter Körper und fitter Geist vereint in Yoga für Reiterinnen

    Würdest du Yoga als eine Art Lebenseinstellung bezeichnen?

    Einfach ja.

     

    Wie integrierst du Yoga in deinen Full-Time-Job auf dem Hof als Reitlehrerin, Pferdetrainerin und Mama?

    Da Yoga nicht auf der Matte endet natürlich eigentlich überall. Wertschätzung, Dankbarkeit und Leidenschaft sind mir in allen Bereichen besonders wichtig.

    Praktisch gesehen habe ich mir die Zeit und den Raum für Yoga einfach fix genommen, denn Zeit haben würd ich nie 😉

     

    Wie schafft man es, kontinuierlich dranzubleiben, um langfristig positive Effekte für die Beweglichkeit, Stabilität und Körperspannung beim Reiten zu bemerken?

    Bei mir war es leicht, als ich Yoga einmal für mich entdeckte, konnte ich gleich nicht mehr ohne.

    Das Schwierigste ist wohl, den passenden Yogalehrer und die passende Routine zu finden. In Zeiten wie diesen, wo online Unterricht nicht mehr wegzudenken ist, hat man jedoch viele Möglichkeiten.

    Ich bevorzuge es, wenn mir eine Probeeinheit gefällt, mir gleich mal einen gesamten Kurs/Kursblock zu kaufen- denn alles was ich gekauft habe „MUSS“ ich dann auch mal machen 😉

     

    Magst du eine deiner Lieblingsübungen verraten, von der speziell Reiterinnen und Reiter profitieren?

    Ich persönlich liebe alle Balanceübungen. Sie machen spaß und stolz und spiegeln meine innere Balance wieder. Meine zweite Lieblingsübung ist der Krieger 2 – er steht für Kraft, Stärke und vor allem Fokus.

    Yoga für Reiter Melanie Wimmer

    Yoga für Reiter mit Melanie Wimmer

    Melanie Wimmer ist mit Leib und Seele Lehrerin für Mensch und Pferd und arbeitet bereits seit elf Jahren als selbstständige Trainerin. Weiterbildung und Weiterentwicklung sind ihr besonders wichtig. Darum bildet sie sich nach ihrer abgeschlossenen Yogatrainer-Ausbildung aktuell zur Yogalehrerin fort. Denn neben ihren vielen Ausbildungen für Pferde rückte für sie der Mensch immer mehr und mehr in den Vordergrund.

    Aktuell arbeitet sie mit einer Freundin an einem 30 Tage Yoga-Online-Programm speziell für Reiter, welches im Mai gelauncht wird.

    Ihr findet Melanie auf Instagram als melaniewimmer_pferdeausbildung und auf Facebook sowie auf ihrer Homepage: www.melanie-wimmer.at

     

    Wenn du Yoga für Reiterinnen einmal ausprobieren willst, schau dir unbedingt auch meine weiteren Blogbeiträge zu Yoga für Reiter an:
     
     

     

  • Wenn die Angst nach einem Sturz mitreitet

    „Was tue ich, wenn nicht nur mein Pferd in bestimmten Situationen unsicher und ängstlich reagiert, sondern auch ich? Und wie kann ich damit umgehen?“ Das Thema Angst beim Reiten und insbesondere Angst beim Reiten nach einem Sturz kommt mir immer wieder unter. Angst ist vor allem eines: ein sehr komplexes und persönliches, emotionales Thema.

    Die obige Frage hat mir Ivonne gestellt. Ivonne nahm an der ersten kostenlosen Relaxed Horse Challenge teil und buchte im Anschluss meinen Online-Kurs für ein entspanntes, relaxtes Pferd Relax and Ride. Mittlerweile geht Ivonne entspannt mit ihrem coolen Timmy ausreiten, sie hat gelernt, mir ihrer Angst umzugehen und souverän zu werden.

    Für jeden, der Angst beim Reiten (insbesondere nach einem Sturz) empfindet, ist es nicht einfach, über diese Angst und Unsicherheit zu sprechen und sich zu offenbaren.

    Aber sei dir sicher: Angst betrifft jeden. Auch ich bin nicht davor gefeit!

    Als studierte Diplompsychologin habe ich mich während meines Studiums und auch später in meiner Arbeit als Reittherapeutin viel mit Angst, Merkmalen von Angst und mit Angstbewältigung beschäftigt.

    Vorab möchte ich dir etwas ganz Wichtiges sagen: Angst – sowohl beim Menschen als auch beim Pferd – ist zuallererst eine gesunde Reaktion!

    Angst schützt uns vor Verletzungen (psychisch und physisch) und vor anderen bedrohlichen Situationen und Gefahren. Angst ist ein biologisches Warnsystem, das bei Gefahr aktiviert wird. Eine solche Bedrohung oder Gefahr kann eine gefährliche Situation sein, kann aber auch fehlende Unterstützung oder etwas Unbekanntes sein. Normale Angst bereitet uns darauf vor, uns zu schützen. So verhindert die Angst zuallererst einmal Schmerz. Und das ist auch gut so!

    Angst ist also auf keinen Fall eine verwerfliche oder lächerliche Emotion!

    Angst ist eine komplexe Erfahrung, die sich auf verschiedenen Ebenen ausdrückt: auf der Ebene des Körpers, auf der Ebene unserer Gedanken und auf der Ebene unseres Verhaltens.

    Wie zeigt sich Angst auf der körperlichen Ebene?

    Angst zeigt sich auf der körperlichen Ebene in einer Kampf-Flucht-Reaktion (kennen wir vom Pferd). Diese Kampf-Flucht-Reaktion bereitet unseren Organismus auf eine Handlung vor. Unser körperliches System, unser Organismus wird aktiviert und handlungsbereit gemacht:

    Das zeigt sich in folgenden Symptomen:

    • Erhöhte Herzfrequenz
    • Beschleunigte Atmung und damit mehr Sauerstoff im Gehirn (das spürt man vielleicht als Atemnot, Schmerzen in der Brust usw.)
    • Verstärktes Schwitzen
    • Geweitete Pupillen
    • Verdauungssystem wird heruntergefahren: Übelkeit, Magenkrämpfe
    • Muskeln spannen sich an: Zittern oder gar Schmerzen

    Wie zeigt sich Angst auf der Ebene der Gedanken, der kognitiven Ebene?

    Angst und Unsicherheit spielt sich besonders intensiv und ausdauernd in unserem Kopf ab. Jeder kennt das Horrorszenario, das unser Kopf automatisch abspielt: Kopfkino vom Feinsten.

    Angst zeigt sich kognitiv, auf der Ebene der Gedanken besonders in:
     
    • Unsicherheit, wie man in der aktuellen Situation reagieren soll, aber auch wie man in Zukunft reagieren soll
    • Sorgen/Besorgnis
    • Erwartung einer Katastrophe (Kopfkino spielt ein Horrorszenario ab)

    Angst beim Reiten führt auf der Ebene des Verhaltens zu:

    • Zum Wunsch, der Situation zu entfliehen. Das kann sich in den unterschiedlichsten Reaktionen zeigen und ist individuell verschieden. Die Spannbreite reicht von sich hinzusetzen bis zu einer waschechten Panikattacke.
    • Aggression (jemand, der helfen will, wird aggressiv abgewiesen; wir reagieren viel zu heftig und übertrieben auf das Pferd usw.)
    • Vermeidungsverhalten

    Wie reagierst du am besten auf Gefühle von Angst und Unsicherheit beim Reiten nach einem Sturz?

    Vorab: Das Thema Angst ist sehr komplex. Bei langanhalten, heftigen und dich stark einschränkenden Angstreaktionen oder gar Panikattacken solltest du dich an deinen Hausarzt oder am besten an einen Psychologen/Psychiater wenden.

    Anders als das Pferd können wir unsere Angst mit menschlicher Vernunft erklären und in vielen Fällen so auch abbauen. Beachte: Dein Pferd kann das nicht!!!

    Wie reagierst du nun, wenn Gefühle von Angst aufkommen?

    Es ist sehr wichtig, dass du dir zuallererst eingestehst, dass du Angst hast. Dass du sie nicht vor deinen Freunden (z. B. beim Ausritt etc.) versteckst, sondern dass du sie annimmst, wie sie ist.

    Dann solltest du über die Ursachen deiner Angst nachdenken. So kannst du Schritt für Schritt lernen, mit deiner Angst umzugehen. Auch wenn es sein kann, dass du sie nie ganz los wirst. Aber wie gesagt, Angst ist in einem gewissen Ausmaß auch sehr hilfreich und sinnvoll!

     

    Was sind meine Tipps bei Angst/Unsicherheit im Umgang mit dem Pferd oder bei Angst beim Reiten nach einem Sturz?

    1. Lass dich nie auf irgendwelche Mutproben ein. Wenn dir jemand einreden will, dass diese Situation eh „nur halb so wild“ ist, dann lass dich um Gotteswillen nicht breitschlagen und geh über deine Komfortzone hinaus. Aus der eigenen Komfortzone herausgehen ist gut für die persönliche Weiterentwicklung, aber nicht in einer unsicheren, angstbehafteten Situation. Mit seiner Angst umzugehen lernt man nur in einem sicheren Rahmen und kann dann Schritt für Schritt sein Selbstbewusstsein und seine Selbstsicherheit aufbauen und sich so langsam der angsteinflößenden Situation nähern.
    2. Hör auf deinen Bauch! Wenn du ein komisches Gefühl im Bauch hast, dann hör auch bitte darauf. Nichts ist schlimmer als im Nachhinein sagen zu müssen: „Ich habs gewusst! Hätte ich doch nur …!“ Deshalb: Trau dich, ehrlich zu dir und deinen Gefühlen zu stehen! Wie oft ist es schon passiert, dass man aus einer Situation herausgegangen ist und man dann später von anderen gehört hat: „Gottseidank bist du nicht mitgegangen, es war ein total furchtbarer Ausritt, es ist so viel passiert. Dein Pferd hätte durchgedreht …“ usw. und so fort. Und du weißt dann: Es war gut, dass ich auf mein Bauchgefühl gehört habe! 😉
    3. Trau dich, über deine Angst zu sprechen: Sag bei einem Ausritt zum Beispiel ganz klar, dass du dich hier gerade unwohl fühlst und dass du absteigen/umdrehen/anhalten usw. willst! Das zeugt von ehrlicher Selbsteinschätzung und Selbstbewusstsein und hilft dir mehr, als wenn du über dein Gefühl von Unsicherheit oder gar Angst hinwegsiehst und es ignorierst!

    Ich hoffe, ich konnte dir mit diesen Ausführungen Mut zusprechen, zu deinem Gefühl der Angst zu stehen.

    Wenn du dich näher mit diesem Thema auseinandersetzen möchtest und konkrete Tipps und Anregungen für ein entspanntes und vertrauensvolles Zusammensein mit deinem Pferd erhalten möchtest, lade ich dich herzlich zur Relaxed Horse Challenge ein:

    Dort werden wir uns dem Thema Unsicherheit, Angst und Nervosität aus Sicht der Pferde widmen und schauen, wie wir unseren Pferden helfen können, entspannter, zufriedener und motivierter zu sein. So kannst auch du im Umkehrschluss ruhig und entspannt im Sattel sitzen!

    Banner Relaxed-Horse-Challenge
    Die fünftägige Relaxed Horse Challenge ist eine völlig kostenlose Online-Veranstaltung, die von 26. bis 30. April stattfindet. Melde dich jetzt an und sei dabei!

  • Ecken: Die meist vergessene Übung, um dein Pferd effektiv zu gymnastizieren

    Es gibt eine so einfache Übung, um dein Pferd geschmeidig, beweglich und locker unter dem Sattel zu bekommen.
    Sie ist wirklich soooo einfach, doch kaum einer kennt sie. Eigentlich unverständlich, denn wenn man auf einem Reitplatz reitet, kommt man eigentlich nicht um sie herum.
    Sie wartet am Ende jeder langen und kurzen Seite am Hufschlag.

    Und doch wird sie immer vergessen. Unglaublich! Wenn doch nur jeder wüsste, wie effektiv diese eine Übung ist.

    Aber sie hilft nur, wenn man sie präzise reitet …

    Die Ecke: die allerwichtigste Übung, um Pferde zu gymnastizieren!

    Ja, simpel und einfach die Ecke zwischen jeder kurzen und langen Seite auf dem Hufschlag.

    Wie oft unterrichte auf Reitplätzen, wo es gar keine Ecken gibt. Für mich ein Graus. Denn Ecken sind für mich die wichtigsten Hufschlagfiguren! Da habe ich es wie Thomas Ritter, Verfechter der klassischen Dressurlehre nach biomechanischen Prinzipien:

     

    Mithilfe der Ecke kann ich mein Pferd auf einfache und doch so effiziente Art und Weise gymnastizieren:

    Ein korrektes Durchreiten einer Ecke

    • mobilisiert die Schultern des Pferdes.
    • schult den Reiter in der korrekten diagonalen Hilfengebung.
    • hilft dem Pferd, mehr unterzutreten.
    • mobilisiert seine Hüfte.
    • fördert seine Hankenbeugung.
    • bereitet es auf die Versammlung vor.
    • macht es in Vor- und Hinterhand geschmeidig.
    • verbessert die Biegung und die Geraderichtung u. v. m.

    Dies sind nur ein paar wenige „Nebeneffekte“ einer korrekt durchrittenen Ecke – und ich könnte noch mehr aufzählen.

    Aber so viele Reiter verzichten auf diese so unglaubliche Übung.

    Du brauchst keine komplizierte Lektion, die du wieder in mehrere kleinere Unterlektionen zerlegen musst und dafür fünf andere Lektionen reiten, damit das Pferd die Lektion endlich schafft – nein! Du brauchst nur präzise und TIEF durch eine Ecke reiten!

    Und das bedeutet genau Folgendes:

    Hufschlagfigur Ecke

    Rot ist die falsch durchrittene Ecke – so ist es auch keine Ecke, sondern eigentlich zwei runde Linien, die vielleicht in Summe einen großen (halbrunden) Zirkel ergeben würden. Dort sind auch die meisten Hufschläge auf vielen Reitplätzen eingetreteten und festgetrampelt. So ist die effektivste Hufschlagfigur am Reitplatz aber ungenutzt.

    Und die ist nun mal die präzise gerittene Ecke – die grüne Linie.

    Je nach Ausbildungsstand des Pferdes kann man tiefer oder flacher in eine Ecke hineinreiten. Nicht umsonst wird erst in der Klasse S (wie Schwer) in der Dressur die Ecke mit Durchmesser 6 Meter geritten – genauso wie die 6-Meter-Volten, die ein Pferd erst auf diesem hohen Ausbildungsstand in korrekter Biegung und Stellung gehen kann.
    In der Klasse A (wie Anfänger) sind die Ecken mit einem 10 Meter Durchmesser zu durchreiten (genauso groß sind in den Aufgaben dann auch die verlangten Volten), in der Klasse L (wie Leicht) dann erst 8 Meter Durchmesser.
    Du kannst also je nach Ausbildungsstand deines Pferdes die Ecke mal tiefer oder flacher durchreiten.

    Der Verfechter der klassischen Reitlehre nach biomechanischen Grundsätzen, Thomas Ritter, geht in seinem Buch „Klassisches Reiten auf Grundlage der Biomechanik“ sogar noch weiter und erklärt das „Eckenprinzip“:

    Früher ritten die alten Meister eine Volte, also die kleinste korrekte Kreisbogen, in einem Umfang von 12 Tritten – folglich ist eine Viertelvolte mit drei Tritten zu durchreiten. Und jede Ecke ist eine Viertelvolte.

    Ritter präzisiert die Ecke erst dann als korrekt geritten, wenn sie in exakt drei Tritten des inneren Hinterfußes durchritten wurde. So ergibt sich für eine korrekt gerittene Volte eine Trittzahl des inneren Hinterbeines von 12 Tritten – für den Zirkel dann 24 Tritte.

    Auch wenn man es nicht übertrieben genau mit dem Zählen der Tritte des Hinterbeines angehen möchte: Eine gewisse Präzision ist in der Pferdeausbildung vor allem im Sattel immer nötig, da es ansonsten nicht möglich ist, die Schiefe des Pferdes und somit die Geraderichtung, die essenziell für gesunderhaltendes Reiten ist, zu erarbeiten.

    Ritter weiter:

    Es kommt also darauf an, wie tief oder flach du die Ecke durchreitest und wie hoch dadurch der Biegungs- und Stellungsfaktor für dein Pferd ist. Mit egal wie viel Tritten genau du die Ecke durchreitest, sie ist auf jeden Fall DIE Top-Übung für ein geschmeidiges, lockeres und bewegliches Reitpferd, die du nicht ungenutzt lassen solltest!

     

    Ecken: Die präziseste Hufschlagfigur für hohe Gymnastizierung

    In diesem Zusammenhang ist die Ecke immer in Kombination mit Präzision zu sehen! Je präziser wir Hufschlagfiguren reiten – egal welche! -, desto leichter wird das Pferd geschmeidig in der Vor- und Hinterhand und wir können leichter die Vorhand auf die Hinterhand ausrichten und das Pferd so geraderichten!

    Ein weiterer toller Nebeneffekt von korrekt gerittenen Hufschlagfiguren und vor allem der Ecken ist, dass das Pferd weniger schreckhaft wird! Ja, du hast richtig gehört: Das Pferd muss sich bei präzise gerittenen Hufschlagfiguren auf seine Aufgabe und den Reiter konzentrieren. So ist es weniger abgelenkt und bringt das Pferd an die Hilfen. Das Pferd hat keine Zeit, abgelenkt zu werden und zu scheuen.

    Deshalb:

    Konzentriere dich darauf, wie präzise du die Ecken an deinem Reitplatz durchreitest – und in weiterer Folge präzisiere das Reiten aller Hufschlagfiguren!

    Allein die Übung der korrekt gerittenen Ecken wird dein Reiten enorm verbessern und dein Pferd geschmeidiger werden lassen. Jede in weiterer Folge korrekt gerittene Hufschlagfigur ist das Geheimnis, wie du erfolgreich von Klasse zu Klasse höhersteigst und enorme Fortschritte mit deinem Pferd machen wirst.

    NIcht umsonst hatten die Bereiter an der Spanischen Hofreitschule gesagt, dass jemand, der sehr gute Ecken reiten kann, alles reiten kann!

    Ecken ausreiten

    Das Eckenausreiten gilt als die Basis des Reitens im Dressurviereck und wird in Dressurprüfung auch entsprechend gewichtet!

    Wie reitet man nun die Übung "Ecke" korrekt, um Pferde sinnvoll zu gymnastizieren?

    In einer korrekt gerittenen Ecke spuren die Hinterhufe genau in die Abdrücke der Vorderhufe – klingt zuerst mal relativ einfach … ist es aber ganz und gar nicht. Gerade das Ausrichten der Vorhand auf die Hinterhand ist für ein von Natur aus bereits leicht schiefes Pferd enorm schwierig. Denn durch das Gerittenwerden verschlimmert sich diese Schiefe meist noch mehr. Das merken wir dann daran, dass ein Pferd sich auf einer Seite schwerer longieren lässt oder versucht, ständig umzudrehen; beim Drängeln am Zirkel nach außen oder innen, Probleme mit Stellung und Biegung auf einer Seite usw.

    Ecken sind zudem sehr hilfreich, um das Pferd auf die nächste Hufschlagfigur oder Lektion vorzubereiten – zum Beispiel als Vorbereitung für die benötige Stellung und Biegung für Schulterherein an der langen Seite oder um das Pferd auf den Mitteltrab auf der Diagonalen vorzubereiten und zu versammeln.

    Wie wird eine Ecke jetzt genau korrekt geritten, um das Pferd mit dieser Übung gut zu gymnastizieren?

    Eine korrekt gerittene Ecke biegt und stellt das Pferd auf genau dieser Kreislinie, die die Ecke vorgibt. Das heißt, das Pferd ist durch die innere Hand leicht nach innen gestellt (Stellung findet im Genick statt, das bedeutet nicht, dass mit dem inneren Zügel der Hals des Pferdes nach innen gezogen wird!). Dieses Stellen im Genick hat das Pferd im optimalen Fall bereits vom Boden aus grundlegend erlernt.

    Dann führt der innere Zügel in die Ecke hinein, sorgt weiterhin für die Stellung. Der innere Schenkel läßt den inneren Hinterfuß vermehrt Untertreten und in die Abdrücke der Vorderhufe treten. Damit das passiert, müssen der äußere Schenkel und der äußere Zügel genügend verwahren, damit weder die Schulter noch die Kruppe nach außen ausfallen (dann wäre das Pferd auf dieser Hand steifer = steife Seite oder auch Zwangsseite genannt). Dies geschieht, indem der äußere Schenkel eine dezente Handbreit am Gurt nach hinten gelegt wird, der äußere Zügel wird am Hals angelegt (siehe auch die Abbildung unten).

    Übung Ecke reiten
    Beim Reiten der Ecke auf dieser Hand ist das Pferd rechts herum steif. Es tut sich schwer, sich korrekt nach innen zu biegen und mit den Hinterbeinen den Spuren der Vorderbeine zu folgen - die Kruppe schert nach außen.

    In der Ecke selbst gibt der innere Zügel ein wenig nach. Dadurch erlaubst du die Längsbiegung des Pferdes, die nötig ist, damit es korrekt durch die Ecke kommt (das bedeutet, die Hinterbeine folgen genau den Spuren der Vorderbeine). Dafür ist es auch nötig, das Pferd auf das Durchreiten der Ecke vorzubereiten:

    1. Stell dein Pferd ca. drei Meter vor der Ecke bereits vermehrt nach innen.

    2. Achte darauf, dass du die Vorhand nicht mit beiden Zügel in die Ecke schiebst/drückst – dadurch wird dein Pferd unweigerlich schief.

    3. Lege den inneren Schenkel bereits vor der Ecke sanft am Gurt an.

    4. Erst beim Durchreiten der Decke treibst du es dann sanft mit dem inneren Schenkel am Gurt tief in die Ecke hinein.

    5. Nach der Ecke stellst du dein Pferd wieder gerade und reitest geradegerichtet (Hinterhand folgt der Vorhand) aus der Ecke heraus.

    Fällt das Pferd vermehrt mit der Vorhand und/oder der Hinterhand in der Ecke nach innen (das bedeutet, dass diese Seite dann auch gleichzeitig seine hohle Seite ist), muss mit dem inneren Schenkel vermehrt die Biegung abgefragt werden. Die meisten Pferde tendieren dazu, die Ecken abzurunden. Hier muss der Reiter entsprechend mit dem inneren Schenkel gegenwirken.

    Wird die Ecke korrekt geritten, fußen die Hinterbeine exakt den Spuren der Vorderbeine. Du kannst das ganz leicht überprüfen, indem du auf einem frisch abgeschleppten Reitplatz im Sand die Hufspuren deines Pferdes kontrollierst. Diese Spuren verraten dir ganz viel über die Schiefe und den Stand der Geraderichtung deines Pferdes.

     

    Das Nutzen von Ecken als Übung in der Handarbeit

    Auch in der Handarbeit am Kappzaum oder an der Trense können Ecken perfekt genutzt werden. Sie werden genau gleich geführt wie geritten: Der innere Zügel gibt die Stellung vor, die Gerte auf Höhe des Schenkels regt die Biegung an.

    Das Führen in Stellung durch Ecken ist eine perfekte Übung, um das Pferd während des Aufwärmens im Schritt zu gymnastizieren. Ich mache das sehr gerne, fünf bis zehn Minuten bevor ich aufsteige. So ist mein Pferd bereits auf seine anstehende Arbeit unter dem Sattel vorbereitet. Vorbereitende Körperarbeitstechniken am Boden bereits am Putzplatz kannst du hier nachlesen bzw. auf Youtube ansehen:

    Gesunde Pferde durch Tellington TTouch: Mit wenig Aufwand im Alltag Krankheiten und Problemen vorbeugen

    Video-Praxistipp: Lecken der Kuhzunge

    Ganz wichtig: Egal, ob beim Reiten oder in der Handarbeit – die präzise Ecke ist immer die Vorbereitung für alles, was danach folgt:

    • Diagonalwechsel mit Tempounterschieden (Versammelter Trab – Mitteltrab – versammelter Trab)
    • alle Seitengänge (Schulterherein, Travers, Renvers, Traversalen)
    • Schenkelweichen bzw. Viereck verkleinern/vergrößern
    • Übergänge von einer Gangart in die andere

    In der Ecke schiebt das Pferd die Hinterhand vermehrt unter seinen Schwerpunkt und kann so leichter in schwere Lektionen (Schubkraft für Zulegen auf der Diagonale oder der langen Seite oder einen Seitengang) geführt werden. Durch korrektes Durchreiten von Ecken fördert man zudem die steigende Versammlungsbereitschaft des Pferdes.

  • Alexander-Technik für Reiter: Für einen geschmeidigen und lockeren Reitersitz

    Reiten lernen bedeutet vor allem Bewegungslernen. Reiter müssen schließlich nicht nur die Kontrolle und die Einwirkung über ein anderes sich bewegendes Lebewesen haben, sondern auch noch über den eigenen – in gemeinsamer Bewegung mit dem Pferd. Dass viele Menschen sich gar nicht elastisch, beweglich und stabil genug auf dem Pferd bewegen KÖNNEN, wird im normalen Reitunterricht oft völlig übersehen. Gründe können körperliche Einschränkungen, fehlendes Körpergefühl oder einfach nur Unwissenheit sein.

    Ich finde es enorm wichtig, genauso fit und beweglich zu sein, wie ich mir das von meinem Pferd wünsche. Ein Reiter, der starr und ungelenkig auf dem Pferd sitzt und nicht weiß, wie er sich in bestimmten Lektionen (Angaloppieren, Seitengänge etc.) bewegen muss, kann in meinen Augen auch nicht erwarten, dass das Pferd locker flockig auf feinste Hilfen hin schwierige Lektionen ausführt …

    Dabei gibt es so viele tolle Ansätze und zusätzliche Hilfestellungen aus anderen Methoden, die dem Reiter helfen, seinen Körper am Pferd besser unter Kontrolle zu bringen und mehr ins Fühlen zu kommen … Die Alexander-Technik als eine davon hilft Reitern enorm weiter.

    Weitere Möglichkeiten sind Yoga für Reiter oder Feldenkrais. Mehr dazu kannst du in folgenden Blogbeiträgen lesen:

    Ich habe Maleen Schultka, Expertin für Alexander-Technik und Reiten zum Interview gebeten. Nach drei Einheiten bei ihr in der Praxis bemerkte ich enorme Verbesserungen in meinem Sitz (vor allem bezüglich Körperspannung und Leichtigkeit beim Leichttraben). Außerdem habe ich seit Monaten keine Beschwerden mir im ISG-Bereich, was mich die letzten Jahre im Alltag, aber vor allem auch beim Reiten eingeschränkt hat …

    Was aber ist Alexander-Technik für Reiter genau, und wie hilft es uns, zu einem guten Reitersitz zu kommen, sodass unsere Pferde von einer einfühlsamen und achtsamen Einwirkung profitieren?

    Interview mit Maleen Schultka, Expertin für Alexander-Technik für Reiter

    Maleen Schultka ist Alexander-Technik-Trainerin in eigener Praxis in Bad Aibling, Bayern. Sie bietet spezielle Trainings für Reiter an: Alexander-Technik für Pferd und Reiter. Maleen hat mir bereits in nur drei Einheiten derart enorm weitergeholfen, dass ich jedem, der mit seinem Sitz hadert, unter anderem Alexander-Technik ans Herz lege. Die Übungen wirken sehr lange nach, und oft braucht der Körper ein wenig Zeit (bei mir bis zu mehreren Wochen), bis er das neu Gelernte integriert hat.

    Maleen war so freundlich und hat sich bereit erklärt, mir ein paar Interviewfragen zu beantworten.

     

    Liebe Maleen, magst du dich kurz vorstellen? Wer bist du, was machst du?

    Ich bin Expertin für dysfunktionale Bewegungs- und Handlungsgewohnheiten und seit meiner Kindheit den Pferden verbunden.  Meine Vorträge betitle ich so: „Wenn Denken in Bewegung kommt und Bewegung ins Denken.

    Mein Klientel ist breit gefächert und die Aufgaben sehr vielseitig: Menschen suchen mich auf, wenn sie wiederholt auf das selbe Problem stoßen, alles probiert haben, doch nichts nachhaltig geholfen hat, z. B.  Leistungsziele nicht erreichen oder unter Bewegungseinschränkungen leiden bis hin zu chronischen Schmerzen. Meine Aufgabe ist es, die mental-somatischen Ursachen dafür zu erkennen, den Lösungsweg aufzuzeigen und die direkte, konkrete und nachhaltige Umsetzung zu begleiten.

    Maleen Schultka: Alexandertechnik
    Maleen Schultka mit Butterfly. Foto: privat

    Wie war dein persönlicher Weg zur Alexander-Technik?

    Auf die Alexander-Technik wurde ich durch ein Editorial der Reiterzeitschrift St. Georg aufmerksam. Ein  Reitlehrer und zugleich Ausbilder für Alexander-Technik unterrichtete im deutschen Bundesleistungszentrum für Reiterei in Warendorf. Nach der Lektüre war mir sofort klar, dass ich das lernen will. Daraufhin absolvierte ich die dreijährige Ausbildung, die mehr als 1600 Unterrichtsstunden umfasst. Bereits in der ersten Alexander-Technik-Einheit waren meine jahrelangen Schmerzen und ein kraftloser Arm, bedingt durch Bandscheibenvorfälle in der Halswirbelsäule, verschwunden. Meine Aufrichtung war wieder unangestrengt und Bewegungen wieder fließender. Das wirkte sich natürlich sehr positiv beim Reiten aus.

    Kannst du erklären, was die Alexander-Technik ist? Wie würdest du sie einem Laien in wenigen Sätzen erklären (wenn das überhaupt möglich ist)?

     Kurzfassung: Alexander-Technik ist ein mentales  Körpertraining, um die sensorische Eigenwahrnehmung zu rekalibrieren.

    Der Physiologe und Nobelpreisträger Nicolaas Tinbergen nannte es eine wissenschaftliche Methode, die das neuromuskuläre System re-kalibriert. Tatsächlich basiert Alexanders Technik auf der evolutionären Entwicklung von Wirbeltieren:  Die Qualität der Koordination zwischen Kopf und Rumpf korreliert unmittelbar mit der Effizienz der Bewegungen in den Extremitäten.

    Wir Reiter benutzen dafür den Begriff  „durchlässiges Genick“,  meist nur in Bezug aufs Pferd, oder? Jedoch  ist dies für beide die primäre Voraussetzung für eine natürlich leichte und effiziente Koordination, Bewegung und Balance.

    Zunehmend beeinflussen im Laufe des Lebens Gewohnheiten unsere Aufrichtung und bewegliche Durchlässigkeit mehr oder weniger günstig, und allmählich resultieren daraus körperliche Einschränkungen.

    Der passionierte Reiter und Namensgeber Frederick Matthias Alexander erkannte eigene Bewegungsmuster in Alltagssituationen als Ursache für seine körperlichen Probleme. Aus seinen Forschungen entwickelte er ein wissenschaftliches Vorgehen, um diese Gewohnheiten zu  vermeiden. Dieses Vorgehen nennt man heute Alexander-Technik.

    Ihre Wirkung ist im medizinischen und wissenschaftlichen Bereichen respektiert und seit Jahrzehnten im Lehrplan von Schauspielern, Musikern und Artisten integriert.
     
    All you need is less of disturbing your primal coordination.“ (Alles, was du brauchst, ist weniger Störung deiner primären Koordination)

     

    F. M. Alexander

    Wenn wir aufhören, das Falsche zu tun, geschieht das Natürliche wieder von selbst.

    Was unterscheidet die Alexander-Technik von anderen Körperarbeits-Methoden wie Feldenkrais oder Ergotherapie?

    Allen gemeinsam ist, dass die Auswirkungen körperlich spürbar sind. Der Begriff „Technik“ impliziert zudem zweierlei: zum einen ein Verfahren, das die Erkenntnisse der Naturwissenschaften für den Menschen praktisch nutzbar macht. Zum anderen werden auch bestimmte, festgelegte Vorgehensweisen als Techniken bezeichnet.

    Entsprechend MACHE ich nicht Alexander-Technik, sondern ich WENDE Alexanders Technik an. Ganz direkt und konkret WÄHREND ich z. B. eine Unterrichtseinheit in Feldenkrais erhalte, programmiere oder reite. In der Gehaltsverhandlung, beim Singen oder beim Hufeauskratzen. Ich lerne die Alexander-Technik, sodass ich sie in allen Lebenssituationen anwenden kann  bzw. ich WÄHLE, ob und wann ich sie benutze.

     

    Wie bist du dazu gekommen, die Alexander-Technik für Reiter anzuwenden? Und wie dazu, dass du für die Alexander-Technik für den Reiter „brennst“?

    Ich bin in erster Linie dem Wohl der Pferde verbunden und arbeite deshalb gern mit Reitern. Meist wollen sie das Beste für ihr Pferd, doch gerade dadurch, dass sie alles richtig machen wollen, stehen sie ihrem Ziel ungewollt, aber beharrlich im Weg. Aus diesem Dilemma führe ich sie mit Alexanders Technik meist schon in der ersten Einheit heraus. Für diese Momente der Erkenntnis und die feine Reaktion des Pferdes, z. B. das erleichterte Abschnauben, – dafür brenne ich. 

    Alexander-Technik für Reiter: Beobachten von Mustern

    Wie gehst du eine Alexander-Stunde mit einem Klienten mit reiterlichem Hintergrund an? Worauf achtest du?

    Auch Reiter weisen den gleichen physiologischen“Bauplan” auf, also ist zunächst keine andere Herangehensweise nötig 🙂  Der Klient stellt mir sein Anliegen theoretisch und praktisch vor. Ich beobachte, höre zu, frage nach. Wie eine konkrete reiterliche Aktivität wie z. B. das Leichttraben oder eine komplexe Lektion wie fliegende Wechsel geht, erforschen wir so praktisch wie möglich:  Inwieweit sind eigene, alltägliche Bewegungsmuster ursächlich für das reiterliche Problem? Inwieweit beeinträchtigt der Reiter habituell seine Durchlässigkeit im Genick? Wodurch kann er das erkennen und künftig vermeiden?

    Wenn ich Pferd und Reiter gleichzeitig unterrichte, beobachte ich das Zusammenspiel beider, wo beide in ihren Mustern stecken, was Ursache und Wirkung ist. Aus meiner Erfahrung sind die Reiter fast immer zu schnell in ihren Aktionen und Reaktionen. Sie warten nicht ab, wie das Pferd auf EINE Hilfe reagiert. “Denn sie wissen nicht , was sie (alles) tun.” Dieser Filmtitel beschreibt meine Beobachtungen sehr treffend.

     

    Warum ist die Alexander-Technik für Reiter so hilfreich?

    Kurt Albrecht, Oberbereiter und ehemaliger Leiter der Spanischen Hofreitschule in Wien:

    „Die Kriterien für den guten Sitz des Reiters sind dieselben wie für eine gute Haltung im allgemeinen. Eine konstante Aufmerksamkeit darauf, wie man alltäglich geht oder steht, ist ein excellentes Training für den einen geschmeidigen, ausbalancierten Sitz.“

    Mit Alexanders Technik erlangt man diese Aufmerksamkeit wieder, sodass Bewegungen fließender werden, die Aufrichtung natürlich passiert und das Wohlbefinden insgesamt wieder steigt.

     

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    Durch Alexander-Technik für Reiter auch Alltagsprobleme loswerden

    Kannst du ein anschauliches Beispiel für einen schönen „Therapieerfolg“ bei einem Reiter/einer Reiterin geben?

    “Auch wenn es anfangs ein großes Umdenken gab: es macht mir nun große Freude, beim Reiten weniger zu tun und somit mehr zu erreichen. Mein Pferd ist locker und zufrieden und macht mir immer wieder wundervolle Geschenke. Obwohl ich eigentlich nur besser sitzen und reiten wollte, bin ich von meinen Rückenschmerzen befreit – für mich der beste Nebeneffekt des Unterrichts.”

    Kathrin M., Lehrerin,  Rosenheim

     

     

    Was ist deine absolute Lieblings-„Übung“ für Reiter, die du gerne unterrichtest?

    Welches “Mittel” zum Ziel führt, wähle ich  situativ und ist sehr individuell. Schließlich hängt der Erfolg maßgeblich davon ab, dass der Reiter sein “Kopfkino” in den Griff bekommt. Das  nachhaltig selbst zu erreichen, dauert durchschnittlich sechs Einheiten mit einem versierten Alexander-Technik-Ausbilder. Begleitend und zur Unterstützung des Lernprozesses habe ich den Alexander-Technik-Basisplan© entworfen und von meinen Kollegen und Rundfunk-Sprecher, Andreas Dirscherl, vertonen lassen. Die Alexander-Technik-Basisplan©-App ist kostenfrei und für IOS und Android optimiert.

     

     

    Wie kann man die Alexander-Technik in den Alltag integrieren bzw. die Erfolge in den Sitzungen in den Alltag übertragen?

    Vergleiche es mit einer Sprache, die du neu lernst: Lerne die Strukturen, die Vokabeln, die Grammatik und dann spreche … Genau so ist es mit Alexanders Technik: Wende sie an, wann immer und wo auch immer. Besonders einfach beim Toilettengang 🙂 – hinsetzen und aufstehen.

    Probiere Folgendes aus: Prüfe, bevor du dich hinsetzt oder aufstehst, ob du den Kopf in den Nacken ziehst. Falls du es tust, probiere, es nicht mehr zu tun. Was bemerkst du? Achte auf das, was du vermutlich unbewusst tust,  obwohl es für die Zielerreichung – in diesem Beispiel das Hinsetzen/Aufstehen –  überflüssig ist. Allerdings: Nur einer von 100 Menschen bemerkt es überhaupt. Ein Spiegel oder ein Video kann helfen. Wiederhole das Experiment mehrmals, nur dann schält sich das Muster heraus.

    "Ja-Sagen" zur Alexandertechnik für Reiter

    Kannst du eine einfache Übung für Reiter verraten?

    Die Aufgabe des Reiters ist die bewusste Selbstbeobachtung und Aufmerksamkeit auf sein “Tun” während des Reitens. Analog zum erwähnten Toilettengang frage entsprechend: “Was passiert automatisch, also ohne dass ich es bewusst tue bzw. beabsichtige?

    Deshalb: Übe ein winziges Kopfnicken wie beim “Ja“-Sagen und ein winziges Kopfschütteln wie beim Verneinen. Am besten vor einem großen Spiegel. So siehst du, was passiert, und bekommst ein feines Gefühl für ein durchlässiges Genick. Wenn du dein Pferd z. B. im Schritt am langen Zügel aufwärmst, erinnere dich selbst daran, führe eventuell das winzige Kopfnicken aus. Beobachte, wie dein Körper darauf reagiert, wie reagiert das Pferd? Du musst sehr präzise beobachten und dich bemühen, nicht zu interpretieren. Spiegel oder Video sind gute Mittel für eine objektive Beurteilung.

    Welche Erfahrungen hast du schon mit Ausgleichssport für Reiter gemacht? Machst du Yoga, Feldenkrais oder ähnliches? Oder reicht dir deine Reiterei, um fit zu bleiben?

    Kommentiere unter diesem Beitrag und erzähl mir mehr!

  • Yoga für Reiter: 9 Übungen für einen stabilen Oberkörper

    Yoga für Reiter: Übungen für einen geschmeidigen und aufrechten Oberkörper

    Yoga für Reiter ist sehr beliebt. Die achtsamen Bewegungen des Yoga in Kombination mit dem Wissen, etwas für seinen Reitersitz und damit für die feine Einwirkung auf das Pferd zu tun, begeistert. Auch ich bin absoluter Fan davon. Seit ich regelmäßig Yoga mache, habe ich eine viel bessere Körperspannung, spüre schneller, wo ich mich verkrampfe und kann gezielter auf Fehlhaltungen am Pferd reagieren.  Die Kombination der achtsamen Bewegungen in den Asanas und die Konzentration auf die Atmung ist für mich jedes Mal eine Wohltat. Körper UND Geist kommen zur Ruhe. Optimal für alle Schreibtisch-Täter und Büro-Hengste, äh, -Stuten.

    Nachdem das Feedback zu meinem Beitrag Yoga für Reiter: 9 Übungen für den perfekten Reitersitz bereits so phänomenal war, war für mich klar, dass definitiv Nachfrage und Bewusstsein für Sitzübungen und speziell für Yoga für Reiter vorhanden ist.

    In diesem Beitrag geht es speziell um den Oberkörper. Hier lauern ja genauso Fehler im Sitz und Quellen für Störfaktoren.

    Zwar sind nicht alle Übungen zu 100 Prozent Yogaübungen, aber sie lassen sich genauso gut in jedes Workout oder jede Stretching-Einheit integrieren. Teilweise kannst du die Übungen auch direkt am Pferd oder an einem ruhigen Örtchen im Stall machen. Du brauchst keine Yoga-Matte oder spezielle Trainingsklamotten.

    Tolle Übungen und komplette Online-Kurse mit integrierten Yoga-Übungen bietet zum Beispiel auch Weltcup-Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl an: www.fit4dressage.de

    Yoga-Sessions für zuhause mache ich am liebsten mit Adriene Mishler von Yoga with Adriene. Auf ihrem (englischen) Youtube-Kanal gibt es mittlerweile wohl tausende kostenlose Yoga-Session zum Mit- und Nachmachen.

    Warum solltest du den Oberkörper mobilisieren und Yoga für Reiter nutzen?

    Ein Oberkörper, der die Bewegungen des Beckens nicht flüssig und ohne Stocken durch die Wirbelsäule bis in den Kopf hinauf durchlässt, lässt den Reiter ruckeln und zuckeln auf dem Pferd. Reiter, die zwar ein sehr bewegliches Becken haben, aber im Oberkörper steif sind, nicken mit dem Kopf mit und haben unruhige Hände.

    Feinfühlig und sensibel einwirken kannst du nur, wenn der GESAMTE Körper frei und beweglich ist und in allen Bewegungen des Pferdes locker, aber stabil mitschwingen kann.

    Und dazu gehört natürlich auch der Oberkörper! Die Handgelenke müssen locker und entspannt den Zügel halten können, der Kopf sollte frei auf dem Hals ausbalanciert getragen werden, die Unterarme entspannt sein und die Oberarme den Oberkörper weich umschmeicheln, die Ellbogen jederzeit bereit, nach vorne oder nach hinten nachzufedern.

    Die folgenden 9 Übungen helfen dir, deinen Oberkörper und deine Arme während des Putzens, vor dem Reiten, aber auch direkt beim Reiten zu mobilisieren. Zudem mobilisieren die Übungen die Wirbelsäule, was wichtig ist für einen korrekten Drehsitz in den Wendungen.

    1. Übung: Aufwärmen des Schulterbereiches beim Putzen

    Bereits beim Putzen kannst du deinen Oberkörper mit schwungvollen und ausladenden Bewegungen aufwärmen. Am besten stellstu du dich im Ausfallschritt seitlich neben das Pferd und bürstet mit der entgegengesetzten Hand vom Kopf des Pferdes bis zum Schweif bzw. den Hufen. Macht dies mit beiden Händen und auf beiden Seiten des Pferdes.

    So wärmst du bereits beim Putzen deinen Schultergürtel auf und verbessert die Beweglichkeit der Schultern und der gesamten Wirbelsäule.

    2. Übung: Dehnen des Brustkorbs

    Diese Übung kannst du nach dem Putzen und vor dem Satteln deines Pferdes durchführen. Hast du das Putzen wie oben beschrieben gemacht, bist du schon aufgewärmt für die folgende Übung. Diese Übung bitte nie unaufgewärmt machen!

    Stell dich mit dem Rücken nah an dein Pferd und heb die Arme auf Schulterhöhe (im 90-Grad-Winkel), Hände zeigen nach oben (siehe Bild). Nun lehn dich vorsichtig, angelehnt an den Bauch deines Pferdes, nach hinten, bis du ein leichtes Ziehen im Brustbereich spürt. Hals und Kehlkopf kannst du zudem dehnen, wenn du den Kopf vorsichtig nach hinten nimmst. Diese Übung öffnet dein Herz- und Halschakra und lässt dich tief einatmen.

    Bitte aufpassen bei Pferden, die kitzelig sind oder auf Berührungen empfindlich sind.

    3. Übung: Dehnen der Unterarm-Muskulatur

    Stell dich schulterbreit aufrecht hin. Streck deine Arme seitlich von dir (siehe Foto). Nun lass deine Finger nach unten Richtung Boden schauen. So dehnst du deine obere Unterarm-Muskulatur.

    Yoga für Reiter: Unterarme dehnen
    Yoga für Reiter: Unterarme

    Dann die Hände nach oben zeigen lassen – die untere Unterarm-Muskulatur wird gedehnt. Außerdem werden so deine Handgelenke geschmeidig und können sich frei in alle Richtungen bewegen.

    Diese Übung mehrmals wiederholen und in den einzelnen Positionen mind. 5 bis 10 Sekunden bleiben.

    4. Übung: Finger und Handgelenke mobilisieren

    Um deine Handgelenke beweglich und geschmeidig beim Reiten einsetzen zu können, lohnt es sich, diese auch genügend aufzuwärmen. Nur weiche, aufgewärmte Handgelenke und Finger können fein einwirken und der Nickbewegung des Kopfes und Halses des Pferdes folgen.

    Für diese Übung lässt du die Hände in der Grundposition wie auch für die Übung zur Dehnung der Unterarm-Muskulatur. Nun öffnest und schließst du deine Finger abwechselnd. Für diese Bewegung langsam und ohne Anstrengung aus – sonst bekommst du aufgepumpte Unterarme wie beim Klettern. Du willst die Unterarme schließlich fürs spätere Reiten locker haben, nicht verkrampft!

    Yoga für Reiter: Handgelenke mobilisieren

    5. Übung: Schultern, Ellbogen und Handgelenke kreisen

    Bewege deine Handgelenke, Ellbogen und Arme frei in alle Richtungen. Lass die Bewegung frei aus den Handgelenken fließen, macht sanfte Kreise. Dann nimm die Bewegung der Ellbogen dazu, zuletzt die Oberarme und die Schultern. Bewege deine Arme wie eine Krake in alle Richtungen.

    Diese Übung kannst du mit je einem Arm auch auf dem Pferd während des Schrittreitens machen!

    Yoga für Reiter: Arme kreisen
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    6. Übung: Schulter zum Kinn und Kinn zur Schulter

    Diese Übungen lassen sich auch genauso gut auf dem Pferd durchführen.

    So mobilisierst du deine Schultergelenke und dehnst und lockerst den Nacken: Drehe deien Kopf auf eine Seite – nur soweit wie es dir angenehm ist, nicht über einen Schmerzpunkt hinweggehen!

    1. Bring die Schulter zu deinem Kinn. Der Kopf sollte an seiner Stelle bleiben. Verweilt in dieser Position ein paar Sekunden. Dann Wechsel zur anderen Seite.
    Yoga für Reiter: Schulter zum Kinn
    Yoga für Reiter: Kinn zur Schulter
    1. Dann führ das Kinn zur Schulter und bleib ein paar Sekunden in dieser Position. Wechsel auf die andere Seite.

    Wichtig für alle Übungen zu Yoga für Reiter: Oberkörper

    Spür nach jeder Übung kurz nach: Was geht leicht, was hakt? Mach dann eine kurze Pause und führ die Übung nochmals durch: Geht jetzt etwas leichter oder hakt es immer noch an derselben Stelle? Vielleicht hat sich dein Bewegungsspektrum bereits innerhalb weniger Wiederholungen verbessert.

    Gehe achtsam und sorgsam mit dir um. So wie du möchtest, dass dein Pferd auf kleinste Hilfen wie nur möglich reagieren sollte, so solltest auch du auf kleine Veränderungen in deinen Bewegungen achten!

    7. Übung: Kaugummi von den Schultern ziehen

    Bei dieser Übung, die eigentlich aus dem Feldenkrais kommt, stellst du dir vor, es klebe ein Kaugummi auf jeder Schulter. Fass diesen imaginären Kaugummi mit den Fingern und zieh ihn von deinen Schultern (siehe Fotoserie), dann mach die Bewegung wieder zurück.

    Das ist eine super Übung, um den Schulterbereich flexibel und locker zu machen.

    Yoga für Reiter: Kaugummi-Übung
    Yoga für Reiter: Oberkörper
    Yoga für Reiter: Schultergürtel

    8. Übung: In den Himmel wachsen

    Bei dieser ursprünglichen Feldenkrais-Übung öffnest du deinen Schultergürtel nach oben und streckst dich im gesamten Körper.

    Stell dir vor, du seist eine Marionette, und jemand würde dich an den Haaren nach oben in den Himmel ziehen. Dabei bist du aber mit den Füßen fest am Boden verwurzelt.

    Streck dich so nach oben (Achtung: Dabei nicht ins Hohlkreuz fallen!) und führ die Bewegung des Haarsträhne-nach-oben-Ziehens abwechselnd mit einer Hand durch. Um den Effekt zu verstärken, kannst du dich auch an einer tatsächlichen Haarsträhne vorsichtig nach oben ziehen.

    Mit dieser Übung dehnst du super deine gesamte Längsseite.

    Yoga für Reiter: Oberkörper strecken
    Yoga für Reiter: Übung für die Längsseite

    9. Übung: Katze-Kuh am Pferd

    Diese Übung kannst du im Halten, aber auch im Schritt am Pferd im Sattel durchführen. Fortgeschrittene probieren es im Trab und Galopp!

    Geh in den leichten Sitz, Hintern aus dem Sattel, Beine in den Steigbügeln sind gleichmäßig belastet. Während der gesamten Übung sollten die Beine an derselben Position bleiben und nicht nach vorne oder hinten verrutschen.

    Dann wölb deinen Oberkörper übertrieben auf – wie einen Katzenbuckel. Atme ruhig weiter und bleib ein paar Sekunden in dieser Position. So öffnest du die Zwischenräume der Wirbelkörper und dehnst dabei auch noch dein Nackenband. Dann langsam und vorsichtig wieder zurück in den leichten Sitz.

    Dann machst du die Bewegung in die entgegengesetzte Richtung: Aus dem leichten Sitz heraus ins übertriebene Hohlkreuz. Das dehnt die Vorderseite des Oberkörpers, den Brustbereich.

     

    Yoga für Reiter: Katzenbuckel
    Yoga für Reiter: Katze am Pferd
    Yoga für Reiter: Kuh
    Yoga für Reiter: Kuh am Pferd

    Kommentiere diesen Beitrag, welche Übung dir am besten gefallen hat und am meisten Effekt gebracht hat.

    Ich freue mich über jeden Kommentar.

    Vielleicht kennst du sogar noch weitere tolle Übungen?

     

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  • Ausgleichssport zum Reiten als Erfolgsfaktor

    Ausgleichssport zum Reiten: Meine 6 Favoriten

    Die ganze Welt steckt aktuell in einer besonderen Krise. Wir wissen nicht, was uns noch alles bevorstehen wird und inwieweit wir noch eingeschränkt werden. In Zeiten der Corona-Krise heißt es, besonders achtsam zu sein und auf sich zu schauen. Ganz besonders dann, wenn aufgrund von Zugangsbeschränkungen, Ausgangssperren oder sogar Quarantäne die Zeit im Stall auf das minimalste beschnitten ist oder sogar ganz flachfällt.

    Mit Ausgleichssport zum Reiten können wir uns in diesen Zeiten, in denen wir nur ganz kurz oder engeschränkt reiten können, fit halten. Wir können gezielt Muskelgruppen trainieren, die wir fürs Reiten benötigen, können an unserer Ausdauer sowie an der Koordination arbeiten und so nachhaltig bessere Reiter werden (#seiderbestereiterfürdeinpferd).

    Zum Reiten gehört viel mehr als nur das Trainieren von Lektionen gemeinsam mit dem Pferd und genügend Gefühl. Reiten ist – aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet – ein Sport, der höchste Bewegungskoordination zwischen zwei sich völlig unterschiedlich bewegenden Lebewesen ist.

    Hier ein paar Tipps von mir, wie wir unseren Körper optimal – abseits vom Reiten – trainieren können, um der beste Reiter für unser Pferd zu werden:

     

    1. Leichter Ausdauersport zur Stärkung von Kreislauf und Bewegungsapparat

    Nur wer fit ist und seinen Körper in Schuss hält, ist auch fit fürs Reiten – so meine Meinung. Ja, Reiten ist für mich Sport, und der macht nur Spaß, wenn ich fit bin und nicht nach einer Runde im Aussitzen hechelnd am Pferd sitze. Außerdem finde ich, dass ich nicht von meinem Pferd verlangen kann, 20 Minuten im Trab und 10 Minuten im Galopp in der Reitstunde zu schuften, wenn ich selbst nicht mal eine kleine Joggingrunde ohne Herz-Kreislauf-Kollaps überstehe 😉

    Deshalb versuche ich, so oft wie möglich leichten Ausdauersport zu machen. Dazu zählen für mich gemütliche Wanderungen mit dem Hund, leichte Klettertouren oder Klettersteige, Mountainbiken oder Rennradeln (perfekt für die Gelenke in den Beinen) oder im Winter Skifahren und Skitouren.

    Damit halte ich mein Herz-Kreislauf-System in Schwung, baue Ausdauer und Kraft auf und mobilisiere zudem meinen gesamten Bewegungsapparat. Und wo, wenn nicht beim Reiten, ist mein Körper derart schwungvoll in Bewegung wie beim Reiten und wo, wenn nicht beim Reiten, muss ich nicht nur meinen Körper in Bewegung unter Kontrolle halten, sondern zudem noch einen zweiten Körper, nämlich den des Pferdes? Allein, dass ich mein Pferd bestmöglich beim Reiten unterstützen möchte, verlangt von mir, ein genauso guter „Sportkamerad“ zu sein, wie ich es auch von meinem Pferd verlange. Also wieso nicht auch meinen eigenen Körper trainieren und nicht nur den meines Pferdes?

    Hier ein paar Anregungen, wie man tägliche Bewegung in den Alltag einfach und unkompliziert integrieren kann:

    • Mal die Treppe nehmen statt des Aufzugs
    • In der Mittagspause statt Kaffee und Tratsch in der Kantine 20 Minuten draußen an der frischen Luft eine Runde Spazierengehen. Klatsch und Tratsch kann man dabei genauso austauschen 😉
    • Zu Fuß oder mit dem Fahrrad in den Supermarkt oder ins Shoppingcenter
    • Mal eine Haltestelle früher aussteigen und zu Fuß in die Arbeit gehen

    Direkt im Stall beim Pferd:
    • Vor dem Reiten 10 bis 15 Minuten neben dem Pferd im flotten Schritt mitmarschieren statt zu reiten.
    • Bei der Freiarbeit in der Halle oder am Reitplatz mit dem Pferd mitlaufen.
    • Aufwärmübungen in der Stallgasse vor dem Aufsteigen
    • Spazierengehen mit dem Pferd im flotten Schritt statt Ablongieren

     

    2. Yoga - am besten jeden Tag

    Yoga bommt nicht umsonst seit Langem: Es ist eine sanfte, ruhige „Sportart“, um sich emotional, psychisch und körperlich ins Gleichgewicht zu bringen. Yoga reduziert nachgewiesenermaßen Stress, beruhigt die Atmung, erhöht die Flexibilität in den Gelenken, kräftigt und dehnt die Muskulatur und mobilisiert die Wirbelsäule.

    Vor drei Jahren habe ich bei der 30-Day-Yoga-Challenge von Yoga with Adriene Yoga für mich entdeckt. Jetzt schon zum 3. Mal habe ich zum Jahresbeginn mitgemacht und mich jeden Tag motiviert, Yoga zu machen. Die Videos von Adriene sind für Anfänger sowie für Fortgeschrittene geeignet. In ihrer humorvollen Art leitet sie die Übungen wunderbar einfach an. Außerdem ist ihr Hund Benji auf jedem Video mit dabei – alleine wegen ihm muss man mitmachen 😉 (Achtung: Die Videos sind auf Englisch. Aber auch ohne groß Englisch zu verstehen, sind die Übungen einfach über das Video nachzumachen!)

    Natürlich muss auch ich mich manchmal überwinden, die Yogamatte rauszuholen und mich auf die Matte zu stellen, aber es rentiert sich jedes Mal. Nach jeder Session fühle ich mich wohler in meinem Körper, jede Zelle fühlt sich erneuert an, mein ganzer Körper ist wohlig warm durchblutet – und das Beste: Ich weiß, dass ich so am besten flexibel und beweglich sowie stark genug für mein Pferd werde, eben die beste Reiterin für meine Pferde werde (#seiderbestereiterfürdeinpferd).

    Meine 9 Yoga-Lieblingsübungen speziell für Reiter habe in diesem Beitrag zusammengestellt: Yoga für Reiter – 9 Übungen für den perfekten Reitersitz

    3. Feldenkrais

    Zum Beginn des neuen Jahres geht es für mich los: Für meine Ausbildung zur Centered Riding Ausbilderin benötigte ich Feldenkrais-Einheiten. Aber nicht nur deswegen habe ich mich dafür entschieden, regelmäßig Feldenkrais zu machen. Es ist so spannend zu erfahren, mit wie wenig Aufwand und Veränderung in kleinsten Bewegungen man sofort eine Rückmeldung im Sattel von seinem Pferd bekommt. Feldenkrais, also „Bewusstheit durch Bewegung“ ist für mich die ideale Ergänzung zum Reiten.

    Bei Feldenkrais geht es zuerst um die Wahrnehmung, wie bestimmte Bewegungen ausgeführt werden. Im Anschluss werden effektivere Möglichkeiten gesucht, die Bewegung mit weniger Kraft und leichter auszuführen. Und genau das macht Feldenkrais so wertvoll für Reiter: Je leichter und effektiver wir Reiter unsere Bewegungen ausführen können, desto organisierter ist unser Sitz und desto verständlicher können wir einwirken und desto harmonischer können wir uns mit dem Pferd gemeinsam bewegen. Mit Feldenkrais für Reiter kann jeder seinen Sitz und in Folge seine Kommunikation mit seinem Pferd verbessern.

    Hört euch in eurem Bekanntenkreis mal um. Es gibt immer mehr Angebote für Feldenkrais und Reiten. Teilweise gibt es Trainer, die mobilen Unterricht am Pferd mit Feldenkrais-Übungen anbieten, aber auch mehrtägige Lehrgänge, wo Feldenkrais auf der Matte ohne Pferd gemacht wird, um im Anschluss das Erspürte am Pferd umzusetzen.

    4. Alexander-Technik

    Was ist die Alexander-Technik?

    Die Alexander-Technik ist eine pädagogische Methode und beschäftigt sich mit dem Erkennen und Ändern von Gewohnheiten, besonders von körperlichen Fehlhaltungen, die sich durch Verspannungen, Schmerzen oder Funktionseinschränkungen äußern. [Wikipedia]

    Das Erkennen und Veränderung von Fehlhaltungen und unnützen Gewohnheiten im Umgang mit dem eigenen Körper finde ich unglaublich bereichernd für jeden Reiter.

    Es ist so spannend zu bemerken, wie man unnötig Kraft aufwendet und seinen Körper falsch benutzt, nur um zum Beispiel von einem Stuhl aufzustehen. Nur ein Beispiel: Durch die Alexander-Technik habe ich entdeckt, dass ich zu wenig Kraft in den Oberschenkeln habe und mich deshalb immer mit dem Oberkörper nach vorne schmeiße, um von einem Stuhl aufzustehen: Dasselbe mache ich im Sattel: Kein Wunder, dass mir meine sehr sensible Stute immer wieder auf die Vorhand fällt und ihr Heil im Weglaufen sucht …

    Ich arbeite aktuell mit Maleen Schultka aus Bad Aibling (Deutschland). Ich kann sie sehr empfehlen, da sie selbst auch Reiterin ist und in jeder Einheit konkrete Bezüge zum Reiten herstellen kann. Hier geht’s zu ihrer Seite, wer sich mal informieren möchte. Maleen gibt auch Sitzschulungs-Workshops und Seminare: www.sitzexperte.com

    5. Gezielte Kräftigungsübungen

    Durch gezielte Kräftigungsübungen kann ich Schwächen und Dysbalancen gezielt bearbeiten.

    Wer sich zum Beispiel schwertut, federnd leichtzutraben und sanft einzusitzen, sollte seine Oberschenkelmuskulatur stärken sowie seinen Rumpf stabilisieren. Dafür eignen sich entsprechende Yoga-Übungen (vgl. weiter oben) oder passende Übungen, die nur mit dem Körpergewicht arbeiten. Aber keine Angst! Man muss für eine kräftige Muskulatur nicht ein Jahresabo im nächsten Fitnessstudio lösen und sich an den Geräten abrackern.

    Mit einfachen Übungen kann man auch von zuhause aus gute Erfolge erzielen.

    Meine All-time-Favorites sind  Variationen von Yoga-Posen, die man durch dynamische Bewegungen zur Kräftigung der Muskulatur nutzen kann: Sit-ups für die vordere und seitliche Bauchmuskulatur, die Yogaübung „Das Brett“ für eine stabile Mittelpositur sowie „Der Stuhl“ und Kniebeugen für kräftige Oberschenkelmuskeln.

    Ausgleichssport zum Reiten - "Das Boot" oder Sit-ups
    Ausgleichssport zum Reiten - "Das Boot" oder Sit-ups
    Ausgleichssport zum Reiten - "Das Brett" oder Liegestütz
    Ausgleichssport zum Reiten - "Das Brett" oder Liegestütz
    Ausgleichssport zum Reiten - Der Stuhl
    Ausgleichssport zum Reiten - "Der Stuhl" bzw. Kniebeugen

    6. Pilates

    Pilates ist auch bei Reitern ein sehr beliebter Ausgleichssport. Das systematische Ganzkörpertraining kräftigt die Muskulatur, vor allem der von Reitern stark beanspruchten Beckenboden- Rücken- und Bauchmuskulatur.

    Durch Pilates werden vor allem die tiefliegenden kleineren und meist verkümmerten und schwachen Muskelgruppen angesprochen und gekräftigt. Pilates stärkt vor allem eine gesunde Körperhaltung und dadurch eine korrekte Aufrichtung, die uns nicht beim Reiten zugute kommt.

    Bei Pilates wird anhand von Kraftübungen, Stretching und bewusster Atmung trainiert.

    Viele der Übungen haben ihren Ursprung auch in der Philosophie von Moshé Feldenkrais: Mit kleinen Bewegungen viel erreichen.

    Du siehst, es gibt zahlreiche Möglichkeiten für Ausgleichssport zum Reiter und für die allgemeine Fitness von Reitern. Was du schlussendlich machst, ist die überlassen. Nicht jeder mag es ruhig und bewusst wie bei Feldenkrais, manch eine mag es lieber actiongeladen und abwechslungsreich wie beim Krafttraining im Fitnessstudio. Egal, wofür du dich entscheidest: Hauptsache, du bleibst fit, beweglich und gesund: Genau das, was du dir ja auch von deinem Pferd wünscht!

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  • Reiterliche Weiterbildung: Warum sie so immens wichtig ist

    Reiterliche Weiterbildung: Ein Muss für jeden guten Reiter!

    Reiten ist für manche ein Hobby, eine Lebenseinstellung, ein Beruf, eine Kunst oder einfach Zeitvertreib. Wer aber der beste Reiter für sein Pferd sein will, der muss an sich arbeiten, sich ständig entwickeln und reiterlich weiterbilden!

    Nur gute Reiter können ihr Pferd auf Dauer gesunderhaltend reiten, es korrekt gymnastizieren und zur gemeinsamen Harmonie gelangen.

    Wer Reiten ernsthaft betreibt, der muss gewillt sein, an seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu arbeiten. Genauso wie sich Angestellte und Arbeiter im Laufe ihrer Karriere weiterbilden, so muss auch reiterliche Weiterbildung betrachet werden.

    So unangenehm und fordernd das klingen mag: Reiten ist eine Betätigung in einem hochkomplexen Gebiet: Zwei sich unabhängig voneinander sich bewegende Lebewesen müssen eins werden. Dies gelingt nur, wenn der Reiter gewillt ist, tief in die Materie einzutauchen. Denn das Pferd wird von sich aus nicht die menschliche Sprache pauken und uns irgendwann einfach fragen, was wir denn jetzt mit dieser oder jener Hilfe gemeint haben. Das Erlangen von perfekter Kommunikation und das Verständnis für die Sprache des Gegenübers obliegt dem Menschen. Und darin müssen wir Meister werden – zum Wohle des Pferdes. Hier wiederhole ich mich gerne. Denn es scheint vielen Reiter oft nicht bewusst zu sein, welche Wissenslücken sie haben und wie sie durch ihr mangelndes Wissen dem Pferd schaden. Das klingt hart, aber der Spruch „Korrektes Reiten ist gelebter Tierschutz“ hat zu 100 Prozent Gültigkeit!

    Besser reiten durch reiterliche Weiterbildung in der Reitkunst

    Reitkunst ist heutzutage fast schon zu einem verschrobenen, alten Begriff geworden. Dabei bedeutet Reitkunst „reiterliche Präsentation eines Pferdes in dessen individueller Vollkommenheit geistiger und körperlicher Anmut“ (Wikipedia).

    Es sollte das Ziel aller Reiter sein, dass das Pferd auch unter dem Reiter all seine Schönheit und Anmut zeigen kann. Leider sehen wir heutzutage – vor allem unter dem neueren, moderneren Begriff „Reitsport“ getarnt – immer mehr Pferde, die unter dem Sattel alles andere als anmutig wirken: dumpfe, kleine Augen, angespannte Nüstern, Taktfehler, Lustlosigkeit bis hin zur Depressivität, schlurfender Gang – das krasse Gegenteil von natürlicher Schönheit und Eleganz.

    Richtig verstandene Reitkunst bringt das individuelle größtmögliche Potenzial des Pferdes zum Vorschein – immer unter Berücksichtigung der körperlichen und seelisch-geistigen Gesundheit!

    Ich plädiere für diese korrekt verstandene Reitkunst – für unsere Pferde. Wir Reiter müssen bewusster und achtsamer in dieser „Reitkunst“ werden. Nur durch entsprechendes Wissen, vor allem durch die theoretische Grundlage der Ausbildung des Pferdes, kommt ein Denkprozess, ein Um-Denkprozess in Gang. Damit schützen wir die Pferde vor den Folgen von schlechtem Reiten.

    Wir Reiter kommen also nicht umhin, ständig an uns, unserem Wissen über die Reitkunst (in Theorie und Praxis) zu arbeiten, um der beste Reiter zu werden. Ohne uns mit der Theorie der Reitkunst und der Bewegungslehre dahinter auseinanderzusetzen, wird es nur schwer möglich, ein Pferd länger gesunderhaltend zu reiten. Ausnahmen wie geborene reiterliche Talente bestätigen auch hier die Regel 😉

    Der "Denkende Reiter" als Lösung

    Kurt Albrecht brachte es in seiner schörkellosen Sprache auf den Punkt:

    Erst entsprechendes Wissen über die Reitkunst setzt einen Denkprozess in Bewegung und schafft Voraussetzungen für das Reiten in höherem Sinn: der „denkende Reiter“ (vgl. Kurt Albrecht, Ausbildungshilfen für Pferd und Hilfen, S. 7)

    Für gesunderhaltendes, richtiges Reiten, das Freude und Erfüllung für Mensch und Pferd bringt, ist selbstständiges und folgerichtiges Denken wichtig. Das heißt im Klartext: Ohne Theorie und Verstand funktioniert auch in der Reitkunst nichts!  Wer sich nicht mit der Theorie hinter der Reitkunst auseinandersetzt, wird laut Albrecht (was ich zu 100 Prozent unterschreibe!) im Mittelmaß hängenbleiben, keine Fortschritte erzielen und nur halbe Sachen machen. Leidtragender ist und bleibt dabei das Pferd!

    Aber es darf nicht beim stumpfen Pauken von Ausbildungsratgebern in Form von Büchern und DVDs bleiben: Das beste theoretische Wissen nützt nichts, wenn man das Gelernte nicht anwendet. Theorie und Praxis müssen sich die Waage halten. Hier hakt es aber leider oft: Viele Reiter reiten und reiten und reiten und rennen von Unterricht zu Unterricht und von Lehrgang zu Lehrgang, ohne jemals die fundamentalen Basics der Biomechanik des Pferdes verstanden zu haben … Und so treten sie auf der Stelle und kommen nicht weiter …

    Wie nun aber der beste Reiter für sein Pferd werden?

    Reiten als Lebensschule

    Reiten als stetige persönliche Weiterentwicklung

    Für mich ist Reiten und Reitenlernen Lebensschule. Mit und von den Pferden können wir so viel für uns selbst lernen. Wir lernen uns selbst besser kennen und spüren, wie wir nach außen wirken. Nicht umsonst werden Pferde so erfolgreich in der Therapie oder Persönlichkeitsentwicklung eingesetzt.

    Ein guter Reiter muss herausfinden und sich merken, welchen Einfluss er auf das Pferd hat, welche Veränderungen er im Pferd bewirkt. Dies können natürlich auch negative Effekte sein. Hier benötigt es schonungslose Ehrlichkeit und Selbstkritik sich selbst gegenüber. Nicht immer ist alles, was wir mit und auf dem Pferd tun, holde Reitkunst, sonst sehr oft auch schnödes, simples Ausprobieren und langweiliges Üben und Wiederholen.

    Nur wer sich ohne Eitelkeit selbst beobachtet und aus Fehlern entsprechende Schlussfolgerungen zieht, wird sich weiterentwickeln auf dem Weg zum besten Reiter für sein Pferd!

    Es liegt in der Verantwortung eines jeden Reiters, jederzeit die Übung/Lektion, seine Einstellung oder seine Hilfen zu verändern, um das Ergebnis zum Positiven verändern zu können. Wichtig dabei: Es geht nicht um Schuldzuweisung! Es muss egal sein, ob die „Schuld“ an der verpatzten Übung beim Reiter selbst oder beim Pferd liegt! Das Ziel ist der positive Abschluss!

    Auch Thomas Ritter von Artistic Dressage stellt den „Denkenden Reiter“ in den Mittelpunkt:

    Ein guter Reiter muss denken, analysieren und diagnostizieren können. Ganz simpel ausgedrückt: Reiten mit Köpfchen!

    „Nur ein denkender Reiter ist in der Lage, Körper und Geist seines Pferdes bis zu dessen höchstem Potenzial zu entwickeln, ohne ihm psychisch oder physisch Schaden zuzufügen.“ (Thomas Ritter, Klassisches Reiten auf Grundlage der Biomechanik, S. 154).

    Wichtige Fragen, die man sich nach jedem Ritt stellen sollte

    1. Was habe ich an meinem Pferd heute beobachtet? (BEOBACHTUNG)
    2. Welche Schlüsse kann ich daraus ziehen? (ANALYSE)
    3. Welches Urteil fälle ich daraus folgend? (DIAGNOSE)
    4. Welche Lösung/Übung kann ich zur Lösung des Problems anwenden? (AUSFÜHRUNG)
    5. Wie sieht das Ergebnis aus? (BEOBACHTUNG DES ERGEBNISSES

    Die  über allem stehende Frage, die sich jeder gute Reiter stellen muss, lautet:

    Was kann ich tun, um meinem Pferd die Arbeit zu erleichtern, damit es ohne Schaden zu nehmen, voller Energie und Motivation sein Bestes geben kann?

    Das heißt, es geht zuvorderst darum, dass der Mensch an sich arbeitet, um dem Pferd bestmöglich helfen zu können. Denn wir Menschen sind die bewusst denkenden, reflektierenden und analysierenden Lebewesen im Team Pferd-Reiter! Diese Arbeit können wir nicht dem Pferd überlassen!

    Das beginnt damit, dass der beste Reiter für sein Pferd der ist, der emotional ausgeglichen ist.

    Denn nur ein emotional ausgeglichener Reiter schafft es, seine Bewegungen so dem Pferd anzupassen, dass ein harmonisches Bild entsteht. Und so sind wir wieder bei meinem Spruch „Reiten ist Lebensschule“. Durch das Reiten und den Umgang mit dem Pferd lernen wir, mit unseren Emotionen besser umzugehen. Dadurch verbessern wir unser Einfühlungsvermögen in die Pferde und lernen „Bewegungsgefühl“, die Basis für gutes Reiten. Wir müssen lernen, uns körperlich den Bewegungen unseres Pferdes anzupassen, aber eben auch unsere Emotionen und Gefühle im Griff zu haben. So können Pferd und Reiter zur viel gewünschten, aber selten erreichten Harmonie gelangen! Eine gute Möglichkeit, mehr Bewegungsgefühl und Geschmeidigkeit in den Reitersitz sowie eine ausgeglichene Geisteshaltung zu bringen, bietet Yoga. Lies dazu auch hier meinen Beitrag mit 9 Yoga-Übungen für einen besseren Reitersitz.

    Wie dir Ghostreiter dabei helfen kann

    Das Ghostreiter-Jahr 2020 habe ich unter folgendes Motto gesetzt:

    Sei der beste Reiter für dein Pferd

    Deshalb werde ich regelmäßig Blogbeiträge zu folgenden Themen veröffentlichen:

    • Reiterliche Weiterbildung in der Theorie: Grundlagen zu Biomechanik, Hilfengebung etc.
    • Reiterliche Weiterbildung in der Praxis: Wie schule ich meinen Sitz?
    • Ideen für Ausgleichssport zum Reiten
    • Interviews mit Experten zu Feldenkrais, Yoga und Alexander-Technik und zur Integration dieser Methoden in das Reiten
    • und vieles mehr

    Außerdem wird es heuer zum ersten Mal Workshops und Seminare direkt bei mir im Stall in Vorarlberg geben. Ich bin gerade mitten in der Jahresplanung dafür. Die ersten Termine werde ich hier auf Ghostreiter, im Newsletter sowie auf Facebook und Instagram veröffentlichen.

    So viel sei verraten: Es wird Tellington-Kurse speziell für Reitpferde geben, aufgesplittet auf spezielle Übungen für die Vorhand und spezielle Übungen für die Hinterhand. Das Format wird ein kompakter Kurzworkshop an  Nachmittagen am Wochenende sein, sodass auch die Pferdefreunde, die wenig Zeit und Geld haben, sich entsprechend ihren Wünschen und Problemstellungen weiterbilden können.

    Fazit

    Arbeite stetig an dir und deiner persönlichen "Reitkunst" in Theorie und Praxis und werde so zum besten Reiter für dein Pferd!

    Abonniere meine wöchentlichen Inspirationen für eine innigere Beziehung zu deinem Pferd, und ich schenke dir meinen kostenlosen Ratgeber „5 ungewöhnliche Tipps, wie du die Beziehung zu deinem Pferd verbesserst“.

  • Yoga für Reiter: 9 Übungen für den perfekten Reitersitz

    Wie Yoga für Reiter meinen Sitz um Welten verbessert hat

    Yoga boomt. Weil es heilsam für Körper und Geist ist, weil es hilft, unsere innere Mitte zu finden und unseren Körper besser kennenzulernen. Und genau deshalb ist Yoga für Reiter so unglaublich effektiv. 

    Ich mache seit einem Aha-Erlebnis vor vier Jahren unregelmäßig regelmäßig Yoga und ich liebe es. Ich weiß jetzt, wie ich verspannte Muskulatur sanft entspannen kann, wie ich sinnvoll dehnen kann, wie ich mich erden und allgemein die Energie je nach Anforderung runter- oder hochfahren kann. Als Bonus hilft es mir, in stressigen Zeiten wieder Ruhe zu tanken.

    Mein schönstes Aha-Erlebnis mit  Yoga für Reiter war die einmonatige Online-Yoga-Challenge von Yoga with Adriene.  Jeden Tag habe ich Yogasessions gemacht und mich mit dieser ruhigen Art des Hineinspürens in den eigenen Körper auseinandergesetzt. Eines Tages bin ich direkt nach einer Yogasession in den Stall gefahren und bin meinen Cento geritten. Es war faszinierend zu spüren, wie ich plötzlich seinen großen Galopp perfekt sitzen konnte. Wo ich vorher doch gefühlt durch die Luft geflogen bin im Versuch, seinen Galopp auszusitzen. Auch das Leichttraben fühlte sich irgendwie … leichter an. Auf jeden Fall aber anders. Mein Centolinchen lief an diesem Tag auch sensationell und schnaubte permanent zufrieden ab. Es war wie Reiten auf Wolke 7 😉

    Seitdem möchte ich Yoga in meiner täglichen Routine nicht mehr missen. Ich halte mich damit fit, trainiere die richtigen Muskeln und mein Gleichgewicht und verbessere so mein Körpergefühl. Neben weiterem Ausgleichssport zum Reiten fühle ich mich mit Yoga fit am Pferd! In Summe verhilft mir Yoga zu einem enorm besseren Sitzgefühl sowie einem beweglicheren Mitschwingen in der Hüfte sowie einer stabilen und aufrechten Mittelpositur.

    Für eine schöne Yogasession ist auch die Wahl des Ortes wichtig: Wenn das Wetter schön ist, flüchte ich auch mal gerne raus in die Natur. Yogamatte mit in den Stall und ab auf die Pferdekoppel 😉

    Ansonsten tuts auch der Fußboden zuhause im Wohnzimmer oder auf dem Balkon.

    Der richtige Platz für Yoga für Reiter
    Disclaimer

    Ich bin keine Yogalehrerin und zeige dir hier nur vor, wie ich im besten Wissen und Gewissen die Übungen ausführe. Meine Anleitungen ersetzen nicht den Unterricht bei einem Yogalehrer, der dir auch genau zeigen kann, worauf du achten musst, damit dein Körper keinen Schaden nimmt. Solltest du Beschwerden in den Gelenken oder in der Wirbelsäule haben, kontaktiere bitte vorher deinen Arzt. Bei gewissen Diagnosen ist Yoga nämlich kontraindiziert.

    Meine persönliche Erfahrung mit Yoga für Reiter

    Seit meiner Ausbildung zum Tellington-Reitlehrer, die viele Elemente aus dem Connected Riding nach Peggy Cummings und Centered Riding nach Sally Swift enthält, ist mir bewusst geworden, wie wichtig eine stabile Mittelpositur und ein mitschwingendes Becken mit offenen, beweglichen Hüftgelenken für einen guten Reitersitz sind. Meine Betonung liegt auf mitschwingender (nicht mitgehender) Sitz. Denn wie wir in die Bewegung unseres Pferdes finden, sie elastisch abfedern und locker in der Bewegung mitgehen, ist enorm wichtig für das Wohlbefinden des Pferdes unter dem Sattel!

    Dass ich ausbalanciert am Pferd sitze, war für mich irgendwie logisch. Ich fiel nicht runter, wenn mein Pferd mal auf die Seite sprang oder vor Freude buckelte, ich saß überm Sprung auf dem Pferd, im Gelände war über längere Strecken leichter Sitz kein Thema für mich …  na klaro, habe ich einen ausbalancierten Reitersitz!

    Auf einem Kurs für die Ausbildung zum Tellington-Reitlehrer sagte mir dann allerdings eine Ausbilderin: „Melanie, du schaukelst im Schritt nur mit deinem Oberkörper vor und zurück, dein Becken bleibt völlig steif. Deine Hüftgelenke sind blockiert!“

    Und ich so: Wie jetzt? Im Ernst? Dass ich nicht wie Ingrid Klimke am Pferd sitze, war mir klar, aber dass ich derart steif und ungelenkig sein sollte, war mir nicht bewusst und schockierte mich.

    Mit vielen Übungen direkt im Sattel haben wir mein Problem damals schon deutlich verbessert, mein großes Thema blieb es aber immer noch.

    So begann ich, ganz gezielt an meinem Sitz zu arbeiten. Zusätzlich mache ich Ausgleichstraining für Reiter sowie Bewegungsübungen im Sattel, auch wenn ich nur ins Gelände reite. Zudem achte ich darauf, dass ich mir wirklich bewusst bin, was jedes einzelne Körperteil beim Reiten exakt macht. Was sehr schwer ist, das gebe ich zu. Aber ich lerne und lerne und lerne.

    Erst als ich anfing, regelmäßig Yoga für Reiter zu machen, platzte der Knoten, und mein Sitz hat sich um Welten verbessert. Als ich mich damals im Reithallenspiegel kurz beobachtete, sah ich es: Mein Oberkörper schwankte nicht mehr, ich war flexibel in meiner Körpermitte und vor allem beweglich.

    Dieses Reitgefühl damals auf Cento war einfach nur fantastisch. Ich wusste jetzt, was ich tun musste, um es immer wieder hervorrufen zu können: Yoga für Reiter.

    Yoga für Reiter: Die Vorbereitung

    • Bequeme Klamotten: Wenn du eine sehr bequeme Reithose hast, dann kannst du die auch gleich fürs Reiten danach anlassen 😉 wie ich auf den Fotos. Ansonsten zieh dir eine bequeme Jogginghose oder eine enge Leggings an. Es gibt so tolle Kleidung für Yoga – natürlich vegan, nachhaltig, fair produziert. Einfach googeln!
    • Zeit für dich selbst. Nutz die Zeit für Yoga als Auszeit vom Alltags- und manchmal auch vom Stallstress.
    • Ein lauschiges Plätzchen: Mach Yoga dort, wo du dich auch wohlfühlst: Das kann daheim im Wohnzimmer bei Kerzenlicht und schöner Musik sein oder im Grün unter dem Baum direkt neben den Pferdeweiden. Ich liebe die Nähe zu den Pferden und meine Hündin Arwa auch, wie man auf den Fotos sehen kann 😉

    Die unten stehenden Übungen mache ich gerne in genau dieser Reihenfolge. Ich habe mir mein individuelles Übungsprogramm zusammengestellt, das mir gut tut. Doch jeder Körper ist anders und hat andere Wehwehchen, auf die du unbedingt eingehen solltest. Meine Lieblingsübung kann für dich völlig ungeeignet sein. Achte deshab bitte genau auf deinen Körper, während du Yoga für Reiter machst. Bitte hör bei Schmerzen sofort auf bzw. verändere die Position!

    Die einzelnen „Asanas“, wie die Übungen im Yoga bezeichnet werden, hältst du optimalerweise für ein paar Minuten. Ich bin noch weit davon entfernt, alle Asanas in den Vorzeigepositionen aus den Lehrbüchern und Lehrvideos zu schaffen. Mein Körper hat noch immer viele verkürzte, steife und verspannte Stellen.

    Aber beim Yoga für Reiter – und bei Yoga allgemein – geht es nicht darum, die perfekten Posen zu schaffen und wilde Kopfstände zu machen. Es geht viel mehr um das Hineinspüren in den eigenen Körper: Was tut ihm gut, was tut ihm nicht gut?

    Mit viel Geduld und Achtsamkeit schafft es jeder, seinen Körper mit Yoga für Reiter optimal aufs Reiten vorzubereiten. So kann jedes Reiten zum Genuss werden, denn der Körper kann flexibel und frei mit dem des Pferdes mitschwingen und sich in Harmonie gemeinsam bewegen.

    Und was gibt es Schöneres?

    Die wichtigste Essenz bei Yoga für Reiter: Die Atmung

    Genau wie beim Reiten ist auch bei Yoga für Reiter eine ruhige und gleichmäßige, tiefe Atmung wichtig. Zudem unterstützt eine korrekte Atmung maßgeblich deine Gesundheit und wirkt harmonisierend und beruhigend auf Körper und Geist.

    Genauso hat aber auch eine hektische, flache Atmung negative Auswirkungen: Sie kann Nervosität, Stress sowie Verspannungen und Schmerzen verstärken.

    Deshalb sollten gerade im Yoga – und dann im Folgeschluss auch beim Reiten! – alle Asanas langsam und konzentriert durchgeführt werden – ohne falschen Ehrgeiz, der im schlimmsten Fall sogar zu Verletzungen führen könnte.

    Atme beim Yoga ruhig durch die Nase ein und aus. Bevor du jetzt gleich loslegst, setz dich zuerst in aller Ruhe im Schneidersitz auf die Yogamatte, schließe die Augen und konzentriere dich ein paar Minuten im Hier und Jetzt auf deine Atmung.

    Und jetzt: Lass uns loslegen!

    Den Reitersitz verbessern mit Yoga für Reiter:
    Meine 9 Lieblingsübungen

    1. Padangusthasana - Hand-zu-Fuß-Position

    Diese Übung ist der perfekte Start: Du lockerst und dehnst die gesamte Muskulatur und aktivierst zudem deine inneren Organe. Besonders gedehnt werden die bei Reitern oft verspannten Oberschenkelrückseiten. Zudem schulst du dein Gleichgewicht durch die Kopfüber-Haltung. Wichtig dabei: Knie leicht gebeugt halten und durch die Atmung die Dehnung Millimeter für Millimeter steigern.

    2. Paschimottanasana - die Vorwärtsbeuge

    In diesem Asana wird die gesamte Körperrückseite gestreckt und aufgedehnt. Hier steckt vor allem bei Reitern, die tagsüber im Bürostuhl sitzen, die meiste Ver- und Anspannung.

    Du spürst rasch mehr Beweglichkeit in den Muskeln deiner Beine und deiner Achillessehne, die Dehnung arbeitet sich von deinen Zehen bis zu deinem Nacken hoch.

    Zieh dich nicht an den Händen nach vorn, sondern winkle deine Knie sanft an und arbeite bewusst mit deiner Atmung.

    Yoga für Reiter: Paschimottanasana

    3. Bhadrasana - Schmetterling

    Yoga für Reiter: Bhadrasana

    Diese Yoga-Haltung führst du beide Fußsohlen zusammen und ziehst sie sanft zu deinem Becken, die Knie lässt du Richtung Boden fallen. Bhadrasana dehnt die Leistengegend und die Oberschenkelinnenseiten. Sie stärkt deine Oberschenkel, Hüftmuskeln und den Po. Außerdem hält sie dich beweglich.

    Um den Effekt zu verstärken, kann man sich zudem noch nach vorne beugen.

    Achtung bei diesem Asana bei Knieproblemen!

    4. Drehen in Rückenlage

    In dieser Position wird die Wirbelsäule passiv gedreht. Du liegst auf dem Rücken und zieht die Knie zuerst zur Brust, dann lässt du sie beim Ausatmen langsam auf eine Seite fallen. Der Kopf dreht sich in die entgegengesetzte Richtung. Die Arme breitest du weit seitlich aus.

    Diese Übung ist sehr hilfreich bei Rückenbeschwerden und Schmerzen im Iliosakralgelenk, sie entspannt die Muskulatur entlang der Wirbelsäule und fördert die Beweglichkeit der Hüftgelenke.

    Diese Übung auf beide Seiten durchführen.

    Yoga für Reiter: Drehen in Rückenlage

    5. Malasana - tiefe Hocke

    Yoga für Reiter: Malasana

    Perfekte Übung für den gesamten unteren Körper: IDu dehnst dabei die Fußgelenke, die Knie, die Innenseiten der Oberschenkel, die Hüften und den unteren Rücken. Kommen die Füße weiter auseinander, verstärkt sich die Dehnung in den Hüften, sind die Füße enger zusammen, werden die Fußgelenke beweglicher.

    Und wie wir wissen: Lockere Fußgelenke sind für Reiter enorm wichtig!

    6. Ardha Bhujangasana - Sphinx

    Bei dieser leichten Rückbeuge werden vor allem die Brustmuskulatur und die gesamte Körpervorderseite gedehnt. Du stärkst zudem die Schultern, den unteren Rücken und die Pomuskulatur.

    Eine Übung, die auch Reiter, die zum „Kollabieren“ im Oberkörper tendieren, unterstützt, indem sie das Brustbein und die Schultern öffnet.

    Außerdem eine tolle Übung gegen chronische Müdigkeit! 😉

    Yoga für Reiter: Sphinx

    7. Bhujangasana - Kobra

    Yoga für Reiter: Bhujangasana

    In diesem Asana stimulierst du den unteren Rücken und die Faszien um das Iliosakralgelenk. Je nachdem, wie stark die Arme abgewinkelt sind, deine Beine zusammengedrückt oder auseinandergespreizt sind, kannst du die Intensität der Übung variieren.

    Wichtig: Korrekt wäre die Übung dann, wenn ihr die Hände direkt unter den Schultern platziert – nicht so wie ich am Foto zu weit vorne. Sorry, mein Fehler 😉

     

    8. Gomukhasana-Variation - Kuhmaul-Variation

    Die perfekte Übung zum Öffnen der Hüftgelenke!

    Dieses Asana dehnt die Außenseiten der Oberschenkeln und die Gesäßmuskulatur des jeweils oberen Beines. Ich liebe diese Übung, weil sie tief in die Strukturen des Körpers hineinwirkt, die wir im Alltag normalerweise nicht benötigen.

    Lege dafür deine angewinkelten Beine übereinander, wobei die Knie nach vorne zeigen und die Zehen nach außen. Aktiviere deine Zehen, sodass du auch bis in die Zehen hinein eine Dehnung spürst.

    Du kannst bei dieser Übung aufrechtsitzen oder dich nach vorne auf die Beine legen und die Hände seitlich wegstrecken, um die Wirkung zu intensivieren.

    Dann die Beine wechseln.
    Yoga für Reiter: Gomukhasana-Variation

    9. Yin-Yoga: Kleiner Drache

    Yoga für Reiter: Kleiner Drache

    Diese Übung ist dem Yin-Yoga entnommen. Damit dehnst du deine Hüftbeuger so richtig auf.  Du kannst variieren, wie weit du dein Becken zum Boden bringst, um die Dehnung im Hüftbeuger zu vergrößern oder zu verringern. Diese Übung hilft generell auch, Stress zu verringern und zu mehr Wohlbefinden zu gelangen.

    Du kannst mit den Händen links und rechts von deinem Bein bleiben oder wie ich auf dem Bild eine Variation vom kleinen Drachen machen und beide Hände auf eine Seite des Beines bringen.

    Die Übung im Anschluss mit dem anderen Bein wiederholen.

    Der Schluss einer Yoga-für-Reiter-Session: Shavasana

    Am Schluss einer Yogaeinheit legst du dich entspannt auf den Rücken und breitest Arme und Beine seitlich aus (Shavasana – Totenhaltung). Schließe die Augen und fühle in deinen Körper hinein: Spürst du, wie dein gesamter Körper besser durchblutet ist und vielleicht sogar ein wenig Hitze aufgebaut hat, sich dein Puls und deine Atmung verändert haben? Bleib ein paar Minuten so liegen und atme tief ein und aus: War das jetzt nicht unglaublich angenehm?

    Jetzt nimm dieses angenehme Gefühl für deinen Körper, für die Beweglichkeit deiner Gelenke, deiner Mobilität und deines Körpergefühls mit in den Stall und hab einen wundervollen Ritt auf deinem Herzenspferd!

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    Deine Erfahrungen und Erlebnisse sind gefragt!

    Schreib mir gerne unten in den Kommentaren, welche Erfahrungen und Erlebnisse du mit Yoga für Reiter und deinem Reitersitz gemacht hast. Hat es dir etwas gebracht – und wenn ja, was genau?

    Ich bin gespannt auf dein Feedback!

    Deine Melanie

  • So profitierst du doppelt von Reitunterricht

    Vor- und Nachbereitung von Reitunterricht

    Reitunterricht bei guten Trainern ist nicht billig. Viele Reiter müssen sich die Reitstunde beim bekannten Trainer hart ersparen. Nur wenige können sich hochwertigen Unterricht einmal oder gar mehrmals die Woche leisten. Deshalb wäre es doch schön, wenn man das tolle Gefühl von der Reitstunde konservieren könnte und noch möglichst lange davon profitieren könnte. Durch schlaue Vor- und Nachbereitung des Reitunterrichts ist aber schon viel optimiert!

    Oft passiert es, dass man nach dem Reitunterricht rasch wieder in alte Muster verfällt. Beim Alleine-Reiten fehlt irgendwie die Motivation, das Pferd macht nicht so mit wie in der Reitstunde, man weiß nicht, was man jetzt tun soll – und schon steigt man frustriert vom Pferd. So achtsam, wie man mit dem Pferd ist, so wenig achtsam und nachsichtig ist man oft mit sich selbst … Wer kennts nicht, dass man rasch ungeduldig wird? Warum hat das in der Reitstunde so gut geklappt und alleine dann plötzlich nicht mehr?

    Wie kann man dieses Dilemma zwischen dem ultimativen Erfolgserlebnis in der Reitstunde und dem Alltagstrott alleine ohne Trainer lösen?

    Ganz einfach: Hol so viel wie möglich raus! Du bezahlst ja auch schließlich viel Geld für eine Reitstunde! Immer vorausgesetzt: Die Suche nach dem richtigen Reitlehrer war erfolgreich.

    Wie holst du aber am meisten aus Reitunterricht vor Ort, aus Auswärtstrainings oder Lehrgängen? Wie profitierst du am meisten? Wie bereitest du dich optimal vor?

    Guter Reitunterricht beginnt nicht ab dem Moment, auf dem du auf dem Pferd sitzt, und endet auch nicht, wenn du vom Pferd absteigst.

    1. Vorbereitung des Reitunterrichts: Klare Intention

    Hab eine ganz klare Intention: Was ist dein aktuell größtes Problem? Woran möchtest du ganz konkret arbeiten?

    Sag deinem Reitlehrer, woran du in dieser Einheit arbeiten möchtest. Sag ihm ganz konkret, was aktuell dein größtes Problem ist.

    Bitte so: „Mein aktuell größtes Problem ist der Rechtsgalopp, da galoppiert mein Pferd immer wieder falsch an oder fällt mir nach wenigen Sprüngen aus.“

    Oft überfallen wir den Reitlehrer mit allen möglichen Themen: „Also der Galopp funktioniert am Viereck irgendwie überhaupt nicht, da macht er sich so steif. Und mein Sitz im Galopp ist auch furchtbar, das wäre toll, wenn wir da ein wenig daran arbeiten könnten. Dann habe ich gestern auch Schenkelweichen probiert, das klappt nicht so ganz. Könntest du da bitte auch mal kurz draufschauen?“

    Schwierig wird es auch, wenn der Reitschüler überhaupt kein Ziel hat: „Egal, einfach nur reiten.“

    Ein Reitlehrer ist kein Wunderwuzzi! Wir Reittrainer können innerhalb einer Einheit (die meist 45 bis max. 60 Minuten dauert!) keine Wunder bewirken. Wir können aus einem Pferd, das schon auf einem Zirkel im Trab Schwierigkeiten hat, kein Pferd mit schönem Bergaufgalopp zaubern!

    DESHALB: Überlege dir eine konkrete Problemstellung, die dir aktuell am meisten am Herzen liegt und die deinen Weg Richtung größten Erfolg behindert. Nimm dir EINE Lektion oder EIN Thema vor.

    So verhinderst du, dass du den Reitlehrer mit zu vielen Themen überforderst und dein Pferd und du am Ende mit schwirrendem Kopf in der Reitbahn stehen.

    2. Während des Reitunterrichts: Stelle Fragen

    Eine Reitstunde ist keine Einbahnstraße! Das heißt, du bist nicht dazu verdammt, schweigend auf dem Pferd zu sitzen und zu erraten, was der Reitlehrer gerne sehen möchte!

    Reitunterricht ist Kommunikation zwischen Schüler und Lehrer und dann zwischen Schüler und Pferd. Und das Ergebnis dieser Kommunikation (das Reiten) ist umso erfolgreicher, je mehr sich alle Beteiligten austauschen.

    Im besten Fall fragst du bereits beim Vereinbaren des Termins, wie du dein Pferd und dich vorbereiten sollst. Sollst du dein Pferd nur im Schritt warmgeritten haben, oder möchte dein Reittrainer, dass du bereits die Lösungsphase abgeschlossen hast, damit ihr gleich in die intensive Arbeitsphase übergehen könnt? Bei einem ersten Termin schaue ich mir zum Beispiel auch ganz gerne das Pferd ohne Reiter an. So verschaffe ich mir einen ersten Eindruck und kann auch schon gleich die Ausrüstung prüfen und sehe zum Beispiel, ob das Pferd ruhig den Reitplatz betritt, beim Aufsteigen stehenbleibt etc. Daraus kann ich schon erste Rückschlüsse ziehen auf die Art und Weise, wie ich unterrichte.

    Ein guter Reitlehrer fragt viel nach: „Hast du jetzt den Unterschied gespürt?“ „Hast du meine Anleitung verstanden?“ usw.

    Genauso gehört zu dieser Kommunikation auch dazu, dass du als Lernender Fragen stellen darfst! Also frag nach, wenn du eine Anleitung nicht verstanden hast. Wenn dir nicht klar ist, wie sich eine halbe Parade anfühlt, der Reitlehrer aber ständig davon spricht, dann mach nicht irgendwas, sondern frag nach!

    Und so doof und abgedroschen es klingt: Es gibt keine doofen Fragen! Doof sind die, die nicht fragen!

    Indem du Fragen stellst, kannst du deinen Lernerfolg im Unterricht enorm erhöhen: Du kannst präzisieren, was du bei deiner konkreten Problemstellung tun kannst. Ein guter Reitlehrer kann dir genau erklären, was euer Problem ist, was die Ursache für euer Problem ist und wie du es lösen kannst.

    Stelle Fragen im Reitunterricht
    Stelle Fragen, wenn du etwas nicht verstanden hast. So holst du den meisten Nutzen aus dem Reitunterricht.

    3. Am Ende des Reitunterrichts: Bitte um Hausaufgaben

    Bitte den Reitlehrer um Hausaufgaben: Was kannst du tun, wenn er nicht da ist? Welche weiteren Übungen kannst du nutzen, um weiter an deinem Problem zu arbeiten?

    Was sollst du bis zum nächsten Mal erarbeitet haben? Gibt es zusätzliche Übungen vom Boden aus (Handarbeit) oder spezielle Dehnungs- oder Koordinationsübungen für dein Pferd?

    Achte darauf, dass du konkrete Handlungsanleitungen erhältst. Bitte auch um Hinweise, wie oft du die gelernten Übungen wiederholen sollst und was du in den Trainingspausen mit deinem Pferd machen sollst (Longieren, Bodenarbeit, lockeres Ausreiten etc.).

    Guter Reitunterricht hört nicht nach der Einheit auf!

    4. Nachbereitung des Reitunterrichts: Dokumentation

    Schreib dir nach der Reitstunde am besten handschriftlich auf, was du gelernt hast: Durch das Schreiben aktivieren wir in unserem Gehirn andere Bereiche unseres Gedächtnisses und helfen ihm dabei, das Gelernte vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis zu übertragen.

    Besorg dir ein hübsches Notizbuch, dass du mit in den Stall nimmst. Nimm dir dafür ein paar ruhige Minuten Zeit, nachdem du dein Pferd versorgt hast.

    Wichtig ist, dass du dir notierst, was zur Lösung deines Problems beigetragen hat: Welche Lektion, welche Hilfen hast du gegeben, welche vorbereitenden Übungen hast du gemacht?

    Der Vorteil davon: Du kannst dir vor jedem Reiten (mit oder ohne Reitlehrer) nachlesen, was du konkret üben kannst. So verhinderst du, dass du alleine planlos durch das Viereck kurvst, ohne am Ende Erfolge erzielt zu haben.

    Du kannst dir auch auf deinem Handy ein Sprachmemo aufnehmen, das du dir dann immer wieder anhören kannst, oder in praktischen Apps (z. B. OneNote auf Android) Notizen ablegen.

    Außerdem erstellst du dir so ein Erfolgstagebuch: Du siehst genau, wie lange du an dem Problem gearbeitet hast, wann endlich der Knoten geplatzt ist und du erste Erfolge verbuchen konntest! So etwas motiviert ungemein!

     

    Reitunterricht dokumentieren

    Halte in einem Notizbuch fest, was du in der Reitstunde gelernt hast. Gab es Aha-Erlebnisse? Was lief richtig gut?

    Credit: Photo by Hannah Olinger on Unsplash

     

    5. Nachbereitung des Reitunterrichts: Dankbarkeitsliste

    Erstelle eine Dankbarkeitsliste:

    • Wofür bist du nach dieser Reitstunde dankbar?
    • Welches Aha-Erlebnis gab es?
    • Welchen Erfolg – und sei er noch so klein – konntet ihr verbuchen?

    Sei für alles dankbar, was dir einfällt! Sei vor allem auch dankbar für das, was dir du als selbstverständlich annimmst: Braves Stehenbleiben beim Aufsteigen, ruhig bleiben, wenn ein Pferd die Arena verlässt oder betritt, ruhiges Traben im Takt usw.

    Schreib unbedingt auf, welche Lektionen/Übungen/Aufgaben in der Vorbereitung/Lösungsphase bereits easy und perfekt klappen und sei dankbar dafür!

    Lies diese Dankbarkeitsliste immer wieder mal durch. Du kannst sie dir auch in deinen Kasten im Stall pinnen. So wirfst du täglich einen Blick darauf und wirst daran erinnert, was ihr schon alles erreicht habt. Du wirst unglaublich stolz auf dich und dein Pferd sein! So kannst du deinen Weg hin zu einem rittigen Pferd, dem du blind vertrauen kannst, jederzeit nachlesen! Das ist sehr motivierend und beflügelt dich, bis zur nächsten Reitstunde fleißig weiterzuüben.

    Hinterlass mir gerne einen Kommentar: Wovon profitierst du am meisten? Was hilft dir, am meisten Nutzen aus dem Reitunterricht zu ziehen?

     

    Alle Fotos von Cento und mir: Anne Binder

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