So profitierst du doppelt von Reitunterricht

Vorbereitung Reitunterricht

Vor- und Nachbereitung von Reitunterricht

Reitunterricht bei guten Trainern ist nicht billig. Viele Reiter müssen sich die Reitstunde beim bekannten Trainer hart ersparen. Nur wenige können sich hochwertigen Unterricht einmal oder gar mehrmals die Woche leisten. Deshalb wäre es doch schön, wenn man das tolle Gefühl von der Reitstunde konservieren könnte und noch möglichst lange davon profitieren könnte. Durch schlaue Vor- und Nachbereitung des Reitunterrichts ist aber schon viel optimiert!

Oft passiert es, dass man nach dem Reitunterricht rasch wieder in alte Muster verfällt. Beim Alleine-Reiten fehlt irgendwie die Motivation, das Pferd macht nicht so mit wie in der Reitstunde, man weiß nicht, was man jetzt tun soll – und schon steigt man frustriert vom Pferd. So achtsam, wie man mit dem Pferd ist, so wenig achtsam und nachsichtig ist man oft mit sich selbst … Wer kennts nicht, dass man rasch ungeduldig wird? Warum hat das in der Reitstunde so gut geklappt und alleine dann plötzlich nicht mehr?

Wie kann man dieses Dilemma zwischen dem ultimativen Erfolgserlebnis in der Reitstunde und dem Alltagstrott alleine ohne Trainer lösen?

Ganz einfach: Hol so viel wie möglich raus! Du bezahlst ja auch schließlich viel Geld für eine Reitstunde! Immer vorausgesetzt: Die Suche nach dem richtigen Reitlehrer war erfolgreich.

Wie holst du aber am meisten aus Reitunterricht vor Ort, aus Auswärtstrainings oder Lehrgängen? Wie profitierst du am meisten? Wie bereitest du dich optimal vor?

Guter Reitunterricht beginnt nicht ab dem Moment, auf dem du auf dem Pferd sitzt, und endet auch nicht, wenn du vom Pferd absteigst.

1. Vorbereitung des Reitunterrichts: Klare Intention

Hab eine ganz klare Intention: Was ist dein aktuell größtes Problem? Woran möchtest du ganz konkret arbeiten?

Sag deinem Reitlehrer, woran du in dieser Einheit arbeiten möchtest. Sag ihm ganz konkret, was aktuell dein größtes Problem ist.

Bitte so: „Mein aktuell größtes Problem ist der Rechtsgalopp, da galoppiert mein Pferd immer wieder falsch an oder fällt mir nach wenigen Sprüngen aus.“

Oft überfallen wir den Reitlehrer mit allen möglichen Themen: „Also der Galopp funktioniert am Viereck irgendwie überhaupt nicht, da macht er sich so steif. Und mein Sitz im Galopp ist auch furchtbar, das wäre toll, wenn wir da ein wenig daran arbeiten könnten. Dann habe ich gestern auch Schenkelweichen probiert, das klappt nicht so ganz. Könntest du da bitte auch mal kurz draufschauen?“

Schwierig wird es auch, wenn der Reitschüler überhaupt kein Ziel hat: „Egal, einfach nur reiten.“

Ein Reitlehrer ist kein Wunderwuzzi! Wir Reittrainer können innerhalb einer Einheit (die meist 45 bis max. 60 Minuten dauert!) keine Wunder bewirken. Wir können aus einem Pferd, das schon auf einem Zirkel im Trab Schwierigkeiten hat, kein Pferd mit schönem Bergaufgalopp zaubern!

DESHALB: Überlege dir eine konkrete Problemstellung, die dir aktuell am meisten am Herzen liegt und die deinen Weg Richtung größten Erfolg behindert. Nimm dir EINE Lektion oder EIN Thema vor.

So verhinderst du, dass du den Reitlehrer mit zu vielen Themen überforderst und dein Pferd und du am Ende mit schwirrendem Kopf in der Reitbahn stehen.

2. Während des Reitunterrichts: Stelle Fragen

Eine Reitstunde ist keine Einbahnstraße! Das heißt, du bist nicht dazu verdammt, schweigend auf dem Pferd zu sitzen und zu erraten, was der Reitlehrer gerne sehen möchte!

Reitunterricht ist Kommunikation zwischen Schüler und Lehrer und dann zwischen Schüler und Pferd. Und das Ergebnis dieser Kommunikation (das Reiten) ist umso erfolgreicher, je mehr sich alle Beteiligten austauschen.

Im besten Fall fragst du bereits beim Vereinbaren des Termins, wie du dein Pferd und dich vorbereiten sollst. Sollst du dein Pferd nur im Schritt warmgeritten haben, oder möchte dein Reittrainer, dass du bereits die Lösungsphase abgeschlossen hast, damit ihr gleich in die intensive Arbeitsphase übergehen könnt? Bei einem ersten Termin schaue ich mir zum Beispiel auch ganz gerne das Pferd ohne Reiter an. So verschaffe ich mir einen ersten Eindruck und kann auch schon gleich die Ausrüstung prüfen und sehe zum Beispiel, ob das Pferd ruhig den Reitplatz betritt, beim Aufsteigen stehenbleibt etc. Daraus kann ich schon erste Rückschlüsse ziehen auf die Art und Weise, wie ich unterrichte.

Ein guter Reitlehrer fragt viel nach: „Hast du jetzt den Unterschied gespürt?“ „Hast du meine Anleitung verstanden?“ usw.

Genauso gehört zu dieser Kommunikation auch dazu, dass du als Lernender Fragen stellen darfst! Also frag nach, wenn du eine Anleitung nicht verstanden hast. Wenn dir nicht klar ist, wie sich eine halbe Parade anfühlt, der Reitlehrer aber ständig davon spricht, dann mach nicht irgendwas, sondern frag nach!

Und so doof und abgedroschen es klingt: Es gibt keine doofen Fragen! Doof sind die, die nicht fragen!

Indem du Fragen stellst, kannst du deinen Lernerfolg im Unterricht enorm erhöhen: Du kannst präzisieren, was du bei deiner konkreten Problemstellung tun kannst. Ein guter Reitlehrer kann dir genau erklären, was euer Problem ist, was die Ursache für euer Problem ist und wie du es lösen kannst.

Stelle Fragen im Reitunterricht
Stelle Fragen, wenn du etwas nicht verstanden hast. So holst du den meisten Nutzen aus dem Reitunterricht.

3. Am Ende des Reitunterrichts: Bitte um Hausaufgaben

Bitte den Reitlehrer um Hausaufgaben: Was kannst du tun, wenn er nicht da ist? Welche weiteren Übungen kannst du nutzen, um weiter an deinem Problem zu arbeiten?

Was sollst du bis zum nächsten Mal erarbeitet haben? Gibt es zusätzliche Übungen vom Boden aus (Handarbeit) oder spezielle Dehnungs- oder Koordinationsübungen für dein Pferd?

Achte darauf, dass du konkrete Handlungsanleitungen erhältst. Bitte auch um Hinweise, wie oft du die gelernten Übungen wiederholen sollst und was du in den Trainingspausen mit deinem Pferd machen sollst (Longieren, Bodenarbeit, lockeres Ausreiten etc.).

Guter Reitunterricht hört nicht nach der Einheit auf!

4. Nachbereitung des Reitunterrichts: Dokumentation

Schreib dir nach der Reitstunde am besten handschriftlich auf, was du gelernt hast: Durch das Schreiben aktivieren wir in unserem Gehirn andere Bereiche unseres Gedächtnisses und helfen ihm dabei, das Gelernte vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis zu übertragen.

Besorg dir ein hübsches Notizbuch, dass du mit in den Stall nimmst. Nimm dir dafür ein paar ruhige Minuten Zeit, nachdem du dein Pferd versorgt hast.

Wichtig ist, dass du dir notierst, was zur Lösung deines Problems beigetragen hat: Welche Lektion, welche Hilfen hast du gegeben, welche vorbereitenden Übungen hast du gemacht?

Der Vorteil davon: Du kannst dir vor jedem Reiten (mit oder ohne Reitlehrer) nachlesen, was du konkret üben kannst. So verhinderst du, dass du alleine planlos durch das Viereck kurvst, ohne am Ende Erfolge erzielt zu haben.

Du kannst dir auch auf deinem Handy ein Sprachmemo aufnehmen, das du dir dann immer wieder anhören kannst, oder in praktischen Apps (z. B. OneNote auf Android) Notizen ablegen.

Außerdem erstellst du dir so ein Erfolgstagebuch: Du siehst genau, wie lange du an dem Problem gearbeitet hast, wann endlich der Knoten geplatzt ist und du erste Erfolge verbuchen konntest! So etwas motiviert ungemein!

 

Reitunterricht dokumentieren

Halte in einem Notizbuch fest, was du in der Reitstunde gelernt hast. Gab es Aha-Erlebnisse? Was lief richtig gut?

Credit: Photo by Hannah Olinger on Unsplash

 

5. Nachbereitung des Reitunterrichts: Dankbarkeitsliste

Erstelle eine Dankbarkeitsliste:

  • Wofür bist du nach dieser Reitstunde dankbar?
  • Welches Aha-Erlebnis gab es?
  • Welchen Erfolg – und sei er noch so klein – konntet ihr verbuchen?

Sei für alles dankbar, was dir einfällt! Sei vor allem auch dankbar für das, was dir du als selbstverständlich annimmst: Braves Stehenbleiben beim Aufsteigen, ruhig bleiben, wenn ein Pferd die Arena verlässt oder betritt, ruhiges Traben im Takt usw.

Schreib unbedingt auf, welche Lektionen/Übungen/Aufgaben in der Vorbereitung/Lösungsphase bereits easy und perfekt klappen und sei dankbar dafür!

Lies diese Dankbarkeitsliste immer wieder mal durch. Du kannst sie dir auch in deinen Kasten im Stall pinnen. So wirfst du täglich einen Blick darauf und wirst daran erinnert, was ihr schon alles erreicht habt. Du wirst unglaublich stolz auf dich und dein Pferd sein! So kannst du deinen Weg hin zu einem rittigen Pferd, dem du blind vertrauen kannst, jederzeit nachlesen! Das ist sehr motivierend und beflügelt dich, bis zur nächsten Reitstunde fleißig weiterzuüben.

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Hinterlass mir gerne einen Kommentar: Wovon profitierst du am meisten? Was hilft dir, am meisten Nutzen aus dem Reitunterricht zu ziehen?

 

Alle Fotos von Cento und mir: Anne Binder

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