Naturschutz im Stall: Pferde mit Kräutern gesund füttern

Hilfreche Kräuter für Pferd und Mensch im Stall

Füttere dein Pferd gesund mit Kräutern, Sträuchern, Hecken: Naturschutz im Stall

Dass (Heil-)Kräuter in der Pferdefütterung sinnvoll sind und vorbeugend, aber auch bei akuten oder sogar chronischen Beschwerden wirken können, weißt du sicher schon längst. In fast jedem Futterzusatz, der zusätzlich zu Müsli, Hafer & Co im Futtertrog unserer Pferdchen landet, sind Kräuter und Heilpflanzen enthalten: Teufelskralle und der entzündungshemmende Ingwer für den Bewegungsapparat, Bitterkräuter für Magen- und Darmschleimhaut, Mönchspfeffer für einen geregelten Hormonhaushalt von Stuten und so weiter und so fort.

Aber in dem riesigen Angebot an Futtermittelherstellern den Überblick zu bewahren, ist schier unmöglich. Geht es dir nicht auch so? Ich weiß, was ich gerne für mein Pferd hätte, finde im Internet aber zig Futtermischungen, und in jeder ist etwas anderes drinnen … Es ist zum Verrücktwerden.

Deshalb verlasse ich mich mittlerweile nur mehr auf einen Futterberater: die Natur selbst!

Pferde fressen instinktiv das, was ihnen guttut: Mein Cento zum Beispiel: Er ist der Grund, warum meine Pferde jetzt im Paddocktrail stehen. Seine Verdauung ist völlig entgleist, dass er wieder gesund wird, dauert lange …  Bis sich ein kaputter Darm vollständig regeneriert hat, vergehen Monate, wenn nicht sogar Jahre. Unlängst musste ich den Zaun ausmähen. Ich musste mit der Heckenschere auch dicke Ranken von Brombeerstauden abzwicken. Ich hab die Ranken samt den Blättern einfach liegen gelassen. Am nächsten Tag sah ich, dass Cento alle Blätter, teilweise sogar die dünnen, zarten Ranken komplett aufgefressen hatte …

Warum ich deshalb nicht in Panik ausgebrochen bin, kannst du weiter unten nachlesen 😉

Kräuter, Sträucher & Co am eigenen Stall: Noch einfacher geht Kräuterfütterung und Naturschutz im Stall nicht!

Indem du bei dir am Stall ein paar heimische Kräuter und Heilpflanzen oder sogar hübsche Sträucher und Hecken anpflanzt, kannst du dein Pferd mit den Kräutern, Blättern und Heilpflanzen direkt am Stall gesund füttern UND du betreibst gelebten Naturschutz im Stall!

Wie geht das?

Egal wie klein dein Stall ist,  in dem dein Pferdchen steht, es gibt immer irgendwo kleine grüne Flächen. Und die sind meist einfach nur: voller Gras. Das ist zwar ganz nett, damit das Pferd zum Angrasen auch gleichzeitig Rasenmäher spielen kann. Aber solche kleinen grünen Flächen lassen sich perfekt nutzen, um gesunde, praktische Kräuter für dein Pferd selbst anzupflanzen.

Viele der heimischen Kräuter wachsen bei uns ganz unkompliziert, benötigen nicht allzu viel Pflege und überdauern auch einen Winter, sodass sie im nächsten Frühling wieder munter drauflos wachsen. Manchmal vermehren sie sich auch ganz fleißig, und plötzlich sind rund um den Stall überall diese hübschen Pflänzchen. So kann man ohne schlechtes Gewissen die Blätter und Blüten ernten!

Zudem sind die hübschen Kräuter im Frühling ein wahrer Hingucker. Ich erfreue mich jedes Mal wieder an meinen Pflänzchen, wenn ich draußen am Paddocktrail meine Pferde beobachte, wie sie zwischen bunten Kräutern, grünen Sträuchern und in allen Farben blühenden Bäumen stehen!

Seien wir uns ehrlich: Das ist zwar unglaublich kitschig, aber es lässt unser Herz springen, und jedes noch so schlechte Handyfoto wird plötzlich zum mega Shooting-Ergebnis!

Gelebter Naturschutz im Stall
Glückliche Pferde morgens auf dem Paddocktrail neben blühenden Birnenbäumen und Holdersträuchern.

Easy Naturschutz direkt am Stall

Wusstest du, dass in den letzten 30 Jahren die Insekten-Population um fast 80 Prozent zurückgegangen ist? Die meisten von euch werden jetzt wohl denken: „Juhu, endlich weniger lästige Fliegen, Mücken, Zecken und Bremsen auf meinem armen Pferd!“

Das stimmt natürlich, aber mit dem Rückgang der Insekten fehlt den heimischen Sing- und Zugvögeln die Nahrungsgrundlage. Mal ganz abgesehen davon, dass Bienen (die zählen ja auch zu den Insekten!) unsere Blüten bestäuben müssen. Und wenn es keine Bienen mehr gibt, dann haben wir bald ein riesiges Problem! Achtsamkeit und Bewusstsein im Umgang mit der Natur, in der wir und unsere geliebten Vierbeiner leben, muss auch uns als Pferdebesitzer angehen!

Falls dich das Thema näher interessiert, gibts hier beim SWR einen tollen Beitrag: Vogelsterben durch Insektenmangel

Und hier kommen unsere Kräuter für die Pferdefütterung ins Spiel: Mit deren Blüten und Blättern bieten wir nicht nur Insekten Nahrung, sondern auch Vögeln Platz zum Nisten und zur Futtersuche!

Wir schlagen also zwei Fliegen (haha!) mit einer Klappe, wenn wir Kräuter, Sträucher und Hecken im Stall anpflanzen:

1. Heilkräuter für die praktische Pferdefütterung direkt zuhause am Stall oder im eigenen Garten daheim

2. Gelebter Naturschutz durch Schaffung von Lebensraum für Insekten und Vögel

3. Wir handeln nachhaltig und tragen unseren Teil zum Klima- und Umweltschutz bei. Mehr zum Thema Nachhaltigkeit im Reitsport findest du in meinem Blogbeitrag „Wie du Nachhaltigkeit im Reitsport umsetzt UND dabei bares Geld sparen kannst“.

Jetzt verrate ich euch aber meine Top 5 der heimischen Kräuter für die Pferdefütterung: Einige davon musst du noch nicht mal anpflanzen, die wachsen womöglich eh schon bei dir am Stall!

Meine Top 5 der heimischen Kräuter für die Pferdefütterung UND für gelebten Naturschutz im Stall

1. Die ach so lästigen Brombeerranken: Perfekter Schutz für die Verdauungsorgane

Welcher Stallbesitzer kennt sie nicht: Diese lästigen Brombeerranken, die überall rauswuchern, nicht kleinzukriegen sind und sich überall verhacken, sobald man ihnen zu nahe kommt.

Hat dein Pferd immer wieder Probleme mit der Verdauung, im schlimmsten Fall sogar Kotwasser oder Koliken? Dann werden ab sofort diese lästigen Brombeerranken deine besten Freunde!

Schneide beim nächsten Mal Zaunausmähen die lästigen Brombeerranken ab und lege sie deinem Pferd zum Fressen vor. Du wirst erstaunt sein, wie vorsichtig es mit seinen Lippen die Blätter von den Dornenranken zupft und sie genüsslich frisst!

Brombeerblätter sind super für die Verdauung und vor allem bei Kotwasser. Brombeere enthält Gerbstoffe, die wiederum dem Körper Wasser entziehen – in der richtigen Dosierung also sehr hilfreich bei Kotwasser, weil es das überschüssige Wasser dem Verdauungsapparat entzieht.

Wenn dein Pferd keine frischen Kräuter kennt oder ein „Staubsauger“ ist, dann lieber die Blätter selbst von der Ranke abzwicken und dann dem Pferd vorlegen – nicht, dass es sich an den Dornen verletzt, wenn es sie doch mitfrisst!

2. Die Unkomplizierte: Melisse oder Zitronenmelisse

Zitronenmelisse

Die Blätter der Melisse oder Zitronenmelisse werden getrocknet von den Pferden gerne gefressen. Melissa officinalis hilft bei Nervosität und zur Beruhigung, sorgt für einen guten Schlaf. Sie regt aber auch die Produktion der Magensäfte an und hilft allgemein der Verdauung.

Melisse ist ein unkompliziertes Gewächs, das winterhart ist – vorausgesetzt es wächst in gutem Boden, sodass die Wurzeln geschützt sind. (Im Topf sind sie das eben genau nicht!)

3. Zwar nur eingeschränkt für Pferde geeignet, dafür aber umso mehr für andere Tiere und uns: Der Holunderstrauch

Holundersträucher werden teilweise so groß wie Bäume – so wie unserer am Paddocktrail. Er spendet fast über einem Drittel des Paddocks Schatten und schützt durch sein dichtes Blätterwerk zudem unsere Heubox am Paddocktrail vor allzu viel Regen von oben.

Pferde fressen diese Bäume nicht an, sie sind also verbisssicher, auch die Blätter und Blüten fressen sie nicht. Der Hollerstrauch enthält Sambunigrin, ein schwaches Gift, das Blausäure freisetzt.

Holler-/Holder-/Holundersträuche sind für mich aber die besten Sträucher für eine Pferdeweide: super Schattenspender, mit ihren riesigen Blüten die perfekten Anziehungspunkte für allerhand Insekten und Vögel und wachsen irgendwie überall. So ein Hollerstrauch ist rasch in der Einfahrt gepflanzt und blüht auch sehr bald!

Was die Pferde nicht mögen, ist aber für uns Menschen umso leckerer: Aus den Holunderblüten lässt sich lecker Sirup herstellen, aus den reifen Beeren auch (zwar sehr saurer, aber seeeeehr gesunder) Holderbeerensaft.

Getrocknete Holunderblüten können im Winter auch als Tee aufgegossen werden – und so auch für Pferde gesund, zum Beispiel in einem warmen Mash:

Tee aus Holunderblüten
2 gehäufte Teelöffel getrocknete Holderblüten je Tasse mit kochendem Wasser übergießen und 5 Minuten ziehen lassen, dann abseihen und genießen.

 

Gelebter Naturschutz im Pferdestall: selbst angepflanzte Kräuter für Pferde
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4. Nicht in die Nesseln setzen: Die Brennessel

Noch so ein unliebsames Kraut, das mehr lästig ist als nutzt! Weit gefehlt! Die Brennessel ist schon seit Jahrhunderten eine wichtige Heilpflanze – und das Tolle daran? Sie wächst wirklich überall, auch da, wo man sie nicht haben will 😉

Im Frühling und Herbst als Kur gefüttert kann die Brennessel zur Stärkung der Haut, der Gelenke und Muskeln sowie der Harnwege gefüttert werden.

Ich schneide beim monatlichen Rundgang um den Paddocktrail alle Brennesseln mit einer kleinen Sichel bodennah ab, lasse sie dann aber einfach liegen. Nach ein paar Tagen sind sie getrocknet und die Pferde verschlingen sie! Noch einfacher kann Kräuterfütterung gar nicht sein.

Für die ganz Mutigen unter euch: Es gibt auch Rezepte für Brennessel-Knödel. Einfach googeln. Die Knödel schmecken wie Spinatknödel, die Brennesseln lassen sich wie Spinat verarbeiten. Super lecker und gesund!

5. Lecker schmecker: Die Erdbeere

Ich liiiiiebe Erdbeeren – und auch meine Pferde. Getrocknet können die Blätter – von der abgeernteten Erdbeerpflanze natürlich! 😉 – immer wieder mal unter ein Mash gerührt werden. Erdbeerblätter eignen sich als Stoffwechsel- und Entgiftungskur über den Winter, vor allem für Hufrehepferde. So ist der Körper für den nahenden Frühling mit dem vielen Gras gut gewappnet.

 

Erdbeerblätter können unterstützend bei Darmstörung und Durchfall eingesetzt werden. Sie wirken leicht stopfend und beruhigend sowie blutreinigend.

 

 

 
 
Gelebter Naturschutz im Pferdestall: selbst angepflanzte Kräuter für Pferde

Wie bei allen Futtermitteln gilt: Die Dosis macht das Gift. Kräuter sollten immer nur kurweise über 4 bis 6 Wochen gefüttert werden. Bei Langzeitgabe lässt die Wirkung der Heilkräuter nach, weil ein Gewöhnungseffekt des Stoffwechsels einsetzt. Bitte alle Kräuter, Heilpflanzen und Äste von Sträuchern etc. immer mit Maß und Ziel verfüttern. Sinnvoll eingesetzt ergänzen sie auf jeden Fall den artgerechten Speiseplan eines jeden Pferdes!

Tipp: Trockne die Blätter (genauso wie auch die von Brennessel, Brombeere etc.) auf einem Zeitungspapier an einem trockenen Ort. Nicht direkt in die Sonne legen, dabei gehen zu viele wertvolle Inhaltsstoffe verloren!

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