Erste Hilfe bei Kolik: So linderst du die Schmerzen deines Pferdes

Erste Hilfe bei Kolik

Schmerzlinderung bei Koliken: Das kannst du tun

Wenn ein Pferd Kolik-Symptome zeigt, schrillen bei jedem Pferdebesitzer die Alarmglocken, das Herz pocht schneller, tausende Gedanken und Horrorszenarien huschen durch den Kopf. Eine unbehandelte Kolik kann schließlich tödlich sein!

Mir ging es letzten Sommer so: Bei jedem Anruf des Stallburschens hatte ich Herzklopfen: Bitte nicht schon wieder eine Kolik bei Cento! Bei der vierten Kolik innerhalb von zwei Monaten war ich dann schon viel ruhiger. Ich wusste, was ich zu tun hatte. Die Stallburschen hatten schon den Tierarzt gerufen, dafür hatten sie die Erlaubnis von mir. Bis der Tierarzt da war, konnte ich eine Liste von Dingen abarbeiten, die Centos Bauchweh mildern konnten und seinen Kreislauf in Schwung hielten. So wurde die Kolik zumindest nicht schlimmer. In einem Fall konnte ich dem Tierarzt wieder abtelefonieren, weil es Cento wieder so gut ging. Ein anderes Mal kam der Tierarzt und fragte mich, was denn los sei. Dem Pferd fehle nichts (mehr).

Wünscht du dir nicht auch, dass du in solchen Situationen ruhig und gelassen bleibst und souverän, weißt, was zu tun ist? Was du konkret tun kannst, um die Schmerzen deines Lieblings zu lindern? Ich bin so froh, dass ich das mittlerweile kann. Ich konnte damit schon vielen Pferden helfen, die Zeit bis zum Tierarzt ruhiger auszuhalten. – Und die Besitzer waren auch deutlich ruhiger … 😉

Hast du den Verdacht, dass ein Pferd eine Kolik hat, brauchst du nicht nägelkauend hysterisch herumzurennen und dir tausend Gedanken zu machen, was wäre wenn … Das hilft deinem Pferd in diesem Moment auch nicht. Deshalb heißt mein erster Tipp ganz einfach: Keine Panik!

Symptome richtig erkennen

  • Beobachte dein Pferd genau: Welche Koliksymptome zeigt es und in welcher Ausprägung? Ist es eher eine mildere Kolik oder hat das Pferd sehr starke Schmerzen? Das sind wichtige Vorabinfos für den Tierarzt für die weitere Behandlung.

Wichtig: Egal wie abgeschwächt oder stark du die folgenden Symptome bei deinem Pferd wahrnimmst, du solltest so schnell wie möglich den Tierarzt anrufen!

  • Das Pferd ist unruhig.
  • Es scharrt mit den Hufen oder schlägt sich mit den Hinterbeinen gegen den Bauch, dreht sich mit dem Kopf mehrmals zum Bauch um.
  • Legt sich mehrmals hin und wälzt sich.
  • Atmet stoßweise und flach.
  • Frisst und trinkt seit längerer Zeit nicht mehr und äpfelt nicht ab.
  • Bei sehr starken Schmerzen ist die Bauchmuskulatur verkrampft, das Pferd macht einen „Katzenbuckel“.
  • Das Pferd schwitzt, ohne sich vorher angestrengt zu haben.

Lerne dein Pferd genau kennen, lerne seine individuellen Gesichtsausdrücke und seine persönliche Körpersprache genau zu lesen. Je besser du dein Pferd verstehst und achtsam bist, desto früher kannst du eine beginnende Kolik erkennen und rasch reagieren!

4 Handgriffe zur Schmerzlinderung, bis der Tierarzt kommt

Die Wartezeit, bis der Tierarzt kommt – auch wenn es nur wenige Minuten sind -, kommen einem besorgten Pferdebesitzer wie Stunden vor.

Um die Wartezeit zu überbrücken und deinem Pferd Erleichterung und Schmerzlinderung zu verschaffen, habe ich dir ein paar hilfreiche Handgriffe zusammengestellt. Alles, was du dafür benötigst, sind deine zwei Hände und ein größeres Handtuch.

Ich liebe diese Handgriffe, während ich auf den Tierarzt warte. So habe ich das Gefühl, etwas Sinnvolles und Hilfreiches für mein Pferd zu tun. Ich muss nicht hilflos rumstehen und mir Sorgen machen, sondern ich kann selbst „Hand anlegen“.

Es stehen dir folgende Möglichkeiten aus der Tellington-TTouch-Methode und Jin Shin Jyutsu (Strömen; Harmonisierung von Körper, Geist und Seele) zur Verfügung. Wird dein Pferd unruhig bei der Anwendung, gib dem Pferd die Möglichkeit, sich zu bewegen. Spazierenführen bei Koliken hält das Herz-Kreislauf-System in Gang.

1. Ohrenarbeit

Kreise die Ohren am Ohransatz sanft und streiche sie dann bis zur Ohrenspitze mit angenehmem Druck aus. Mache das ganze energisch und flott: Aufgrund der vielen Akupressurpunkte im Ohr bringst du damit den Kreislauf deines Pferdes wieder in Schwung.
Aber Achtung: Mach die Ohrenarbeit nicht zu langsam, sonst erreichst du das Gegenteil!

Linda Tellington-Jones (Erfinderin der Tellington-TTouch-Methode) „erfand“ diese tolle Art der helfenden Berührung, als sie instinktiv die Ohren eines völlig erschöpften Distanzpferd auf diese Art massierte und es so vor dem sicheren Tod rettete.

Erste Hilfe bei Kolik

2. Bauchheber

Besorg dir ein langes, großes Badehandtuch. Notfalls kannst du auch eine (nicht elastische) Fleecebandage nehmen, Hauptsache, es ist ein längerer Stoff. Lege das Tuch auf ca. 10 bis 15 cm Breite zusammen. Dann bitte eine Freundin, sich dir gegenüber auf die andere Seite des Pferdes zu stellen. Nun macht ihr Bauchheber: Mithilfe des Handtuchs hebt ihr vorsichtig den Bauch des Pferdes an (minimal!) und zählt dabei bis 5. Dann zählt ihr von 10 auf 0 und lässt in dieser Zeit die aufgebaute Spannung am Handtuch wieder langsam weniger werden. So arbeitet euch den ganzen Bauch entlang: Vorsicht, falls das Pferd starke Schmerzen hat, könnte es nach euch schlagen! Deshalb sehr, sehr vorsichtig dabei arbeiten und das Pferd in seiner Körpersprache genau beobachten. Mehr zum Thema Körpersprache kannst du hier nachlesen.
Der Bauchheber aus der Tellington-Arbeit hilft, die verkrampfte Bauchmuskulatur zu lösen und zu entspannen. Zudem entlastet dieser weitere Tellington TTouch den Rücken, ebenso wie der nächste TTouch:

3. "Lecken der Kuhzunge"

Bei diesem Tellington TTouch spreizt du deine Finger leicht und legst sie an der Bauchlinie an. Dann streichst du – aus deinem Körper heraus – Richtung Rücken. Auf Höhe Mitte Bauch drehst du deine Hand, sodass deine Finger nun nach oben Richtung Wirbelsäule schauen. Dann streichst du weiter bis zum Rücken hoch. Wiederhole diese Sequenz von vorn in der Gurtlage/Widerrist bis nach hinten kurz vor dem Schlauch/Euter.

Dieser TTouch entspannt die gesamte Bauchmuskulatur, die bei einer Kolik stark verkrampft ist, hilft dem Pferd den Rücken anzuheben und beruhigt die Atmung.

Bitte zuerst prüfen, ob das Pferd während einer Kolik am Bauch überhaupt angegriffen werden will!

Ein Video zum „Lecken der Kuhzunge“ findest du auf meinem Youtube-Kanal:

Video „Lecken der Kuhzunge“

Ich freue mich, wenn du auf Youtube ein „Mag ich“ und ein Abo dalässt 😉

4. Den Energiefluss wiederherstellen

Mit Jin Shin Jyutsu (japanische Harmonisierungskunst der Energien in Körper, Geist und Seele, auch Strömen genannt) kannst du und deinem Pferd die Wartezeit verkürzen. Durch Jin Shin Jyutsu hilfst du deinem Pferd, sich selbst zu helfen, du regst die körpereigenen Selbstheilungskräfte an. Bei einer Kolik sind gewisse Energiebahnen im Körper blockiert. Durch das Halten von sogenannten Sicherheitsenergieschlössern bringst du die Energie wieder zum Fließen, der Körper kann sich selbst helfen. Ein rascher „Kolik-Strömgriff“ ist das gleichseitige und gleichzeitige Halten der Sicherheitsenergieschlösser 1 und 2 (siehe Abbildung 1, 2). Halte die 1 und 2 auf beiden Seiten mindestens 10 Minuten. Das bringt Erleichterung, wenn das Pferd starke Bauchschmerzen hat, es bringt alles wieder ins Fließen, in Bewegung.

Erste Hilfe bei Kolik: Strömen
Das Sicherheitsenergieschloss 1 oben am Kreuz-Darm-Gelenk auf der Kruppe
Erste Hilfe bei Kolik: Strömen
Das Sicherheitsenergieschloss 2 liegt innen am Knie.

Mehr zu Jin Shin Jyutsu erfährst du auf der Website des österreichischen Vereins Jin Shin Jyutsu Österreich (www.jsj.at) und auf dessen Facebook-Account („Verein Jin Shin Jyutsu Österreich“). Im September findet in Thaur in Tirol das Symposium „Hands on“ mit tollen Kennenlern-Workshops und wissenschaftlich fundierten Vorträgen statt. Mehr dazu auch auf der Homepage des Vereins.

Teile diesen Beitrag über Facebook und schicke ihn an deine Freundinnen und Freunde im Stall und empfiehl ihnen den Newsletter von Ghostreiter. Damit auch sie im Falle einer Kolik wissen, was sie tun können, und keiner kopflos durch die Gegend rennen muss!

Trotz allen Wissens zur Erste Hilfe bei Kolik ist Vorbeugung die beste Medizin. Dazu mehr in einem weiteren Blogbeitrag.

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