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Gesundheit

  • Worauf es bei der Eingewöhnung eines Pferdes beim Stallwechsel ankommt

    So leicht es uns fällt, den Stall zu wechseln, so schwer fällt es dem Pferd.

    Die Eingewöhnung an eine neue Umgebung nach einem Stallwechsel kann für manche Pferde rasch und unkompliziert ablaufen, die meisten Pferde haben damit aber mehr oder weniger größere Probleme.

    Abhängig ist die Eingewöhnungsphase vom Gemüt und Charakter des Pferdes und ob es die Bezugsperson oder Pferdekumpels dabei auch verliert. Ein Stallwechsel zusammen mit dem vertrauten Menschen und womöglich einem weiteren Pferd zusammen, ist für ein Pferd einfacher zu verkraften, als wenn ein Verkaufspferd von einem Verkaufsstall zu einem neuen Besitzer in einen neuen Stall wechselt. Hier ist alles völlig neu: Das Pferd kann sich an nichts und niemandem orientieren, das im die bislang gewohnte Sicherheit und Vertrauen vermittelt. Es muss ich völlig neu orientieren – und das ist Stress pur!!!

    Pferde sind Gewohnheitstiere – täglich gleiche Abläufe geben Sicherheit, sogenannte Situationssicherheit. Da Pferde in der Natur Beutetiere (Fluchttiere) sind, das heißt, von Raubtieren gefressen werden können, sind sie auf ein Maximum an Sicherheit gebunden, um ihr Überleben zu sichern.

    Diese einfachen Strukturen aus der Natur muss ein Mensch immer im Hinterkopf behalten, sobald er mit dem Lebewesen Pferd zu tun hat. Egal in welchen Situationen – es hilft ungemein, sich der Natur des Pferdes (sprich sein Wesen als Herden-, Flucht- und Beutetier) immer wieder bewusst zu werden. Dies hilft, schwerwiegende Missverständnisse in der Kommunikation zu verhindern.

    Das Gewohnheitstier Pferd in einer neuen Umgebung

    In jeder neuen Umgebung oder Situation in freier Wildbahn muss das Pferd in Sekundenschnelle abchecken, ob Gefahren lauern: Könnte sich hinter dem Busch ein Raubtier verstecken? Ist das Wasserloch da vorne frei von Krokodilen? Ist es seicht genug, um darin zu stehen oder ist der Untergrund gefährlich und Fohlen könnten steckenbleiben? Ist die Rundumsicht gewahrt, sodass herannahende Raubtiere früh genug erkannt werden können? Und so weiter …
    Pferde in freier Wildbahn können ihr Überleben nur sichern, indem sie ständig ihre Umgebung scannen. Das Übersehen eines kleinen Signals (das Rascheln in einem Busch) kann verheerend sein: Der Tiger wird zu spät erkannt und kann sich im nächsten Moment das wehrlose Fohlen schnappen.
     
    Auch wenn wir Menschen Pferde über Tausende von Jahren domestiziert haben, seine Instinkte aus ihm herauszuzüchten ist bislang (noch) nicht gelungen. Wir Menschen müssen lernen, mit dem Urinstinkt der Pferde und seinem hohen Bedürfnis nach Sicherheit umzugehen. Der Instinkt nach der Gewährleistung von Sicherheit steht in der Bedürfnispyramide von Pferden sogar an höchster Stelle – noch vor Futter und Wasser!
    Sicherheit bietet auch die Herde: Eine intakte Herdenstruktur mit einem Leithengst und einer Leitstute gibt genauso Sicherheit für die niederrangigen Herdenmitglieder – an ihnen können sie sich orientieren, die anderen Herdenmitglieder bilden im Falle der Flucht vor einer Gefahr einen Schutzschild. Erst wenn ein Pferd vom Raubtier von der Herde separiert wird, ist es mehr oder weniger dem Tod geweiht. In der Herde ist jedes Pferd deutlich sicherer.
    Wissenschaftlich geprüfte Informationen dazu und sogar einen Online-Kurs zum Thema Herdenverbände, ihre Strukturen und Instinkte von Pferden bietet der bekannte Tierfilmer Marc Lubetzki an: https://marc-lubetzki.de/Masterclass
     
    Diese Aspekte – Gewohnheitstier, Fluchttier und Herdentier – können unsere Pferde vor allem beim Verlassen von gewohnter Umgebung ganz schön stressen. Die Aufgabe von uns Menschen ist es, den Stress des Pferdes zu lindern, wenn es die gewohnte Umgebung (den Stall, den Reitplatz etc.) verlassen muss und in eine neue Umgebung kommt. Dabei fehlt dem Pferd die Absicherung durch gewohnte Herdenmitglieder und die sichere Umgebung, die bereits auf mögliche Gefahrenquelle gescannt wurde.
    Die neue Umgebung muss also nun nach neuen Gefahren und möglichen neuen Herdenmitgliedern, die Schutz bieten können, geprüft werden.

    Hier kann der Mensch eingreifen und dem Pferd die Umgebungsänderung, wie es zum Beispiel bei einem Stallwechsel der Fall ist, erleichtern.

    Aus meiner Sicht sind bei einem Stallwechsel eines Pferdes für eine frustrationsfreie Eingewöhnung (auf beiden Seiten!) folgende Phasen wichtig:

    • Phase 1: Die Zeit vor dem Stallwechsel und die Vorbereitung des Pferdes auf einen Stallwechsel – die Vorbereitungsphase
    • Phase 2: Der Stallwechsel selbst – die Akutphase
    • Phase 3: Die Zeit nach dem Stallwechsel – die Eingewöhnungsphase

    In den jeweiligen Phasen kann der Mensch regulierend, vorbereitend, deeskalierend und richtungsweisend vorgehen, sodass das Pferd sich optimal in den neuen Stall und die neue Herde integrieren kann. Je umsichtiger, geduldiger, wohlwollender und verständnisvoller ein Mensch in diesen drei Phasen reagiert, umso entspannter verläuft die Eingewöhnung eines Pferdes bei einem Stallwechsel.

     

    Phase 1: Die Vorbereitungsphase
    Die Zeit vor dem Stallwechsel und die Vorbereitung des Pferdes auf den Stallwechsel

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    Phase 2: Die Akutphase
    Der Stallwechsel selbst

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    Phase 3: Die Eingewöhnungsphase
    Die Zeit nach dem Stallwechsel

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    Wie lange dauert es, bis sich ein Pferd in einem neuen Stall eingewöhnt hat?

    Diese Frage erreicht mich immer wieder.
    Leider haben nur wenige Menschen ein Gefühl dafür, was es aus Sicht eines Pferdes bedeutet, aus einer intakten Herde (und sei es nur aus der intakten Konstellation zweier freundlicher Boxennachbarn und Paddockkumpels) gerissen zu werden.
     
    Der Verlust der Herde (und für viele Pferde bedeutet „Herde“ leider nur das Vorhandensein von ein oder zwei Boxennachbarn) kommt dem Pferd einer Todesszenerie näher: Ohne den sicheren Herdenverband ist es in der freien Natur Raubtieren ungeschützt ausgeliefert. Es ist auf sich allein gestellt und kann sich im Notfall nur mit Flucht oder im Kampf mit allen vier Hufen gegen Raubtiere schützen. Es sind keine weiteren Augenpaare da, die die Umgebung nach Fressfeinden abscannen.
    Ganz wichtig: Ein Pferd weiß nicht, dass es im neuen Stall auch eine neue Herde geben wird.  Es kann nicht in die Zukunft sehen. Es lebt im Hier und Jetzt und weiß aktuell nur eines: Es wird von seiner Herde getrennt! Und das bedeutet Angst, Stress – manchmal sogar Todesangst.
    Das erklärt wohl auch, warum viele Pferde derart panisch werden und hysterisch wiehern oder sich losreißen und zurück zum Stall rennen, wenn sie nicht mit genügend Verständnis an das Verladen und Verlassen des Stalles (das ist auch bei Ausritten der Fall!) herangeführt wurden.
     
    Je nach Gemüt und Charakter eines Pferdes dauert die Eingewöhnungsphase kürzer oder länger. Auf jeden Fall muss aber auch beim friedlichsten, ruhigsten Pferd mit mehreren Monaten gerechnet werden. In dieser Zeit ist es eines immens wichtig: GEDULD, GEDULD, GEDUL vonseiten des Menschen!
     
    Viele Menschen kaufen sich ein neues Pferd, reiten es Probe, es läuft fantastisch. Dann wird es übersiedelt, vielleicht sogar in eine neue völlig andere Unterbringungsart (z.B. im Verkaufsstall von Boxenhaltung hinein in eine gemischte Herde im Offenstall …). Und dann wundert man sich, wenn das Pferd nervös, hibbelig ist, nicht ruhig stehen kann, hysterisch wird, wenn es vom Stall weg in die Reithalle muss – dabei war es beim Probereiten ja so ruhig und folgsam!Und dann wird gezweifelt, ob man das richtige Pferd gekauft hat, man überlegt, ob man das Pferd zurückgeben soll, weil es nicht mehr so brav ist wie beim Probereiten etc.
     
    Ich denke, man hört meine Kritik sehr deutlich heraus: Ein Pferd muss sich in jeder neuen Umgebung zuerst wieder zurechtfinden: Wie läuft es im neuen Stall ab? Wann wird gefüttert, wann die Boxen gemistet? Welche Menschen sind vertrauenswürdig? Was ist mit der neuen Umgebung? Lauern da Gefahren? Mit welchen neuen Herdenmitgliedern kann es gut auskommen, welche kann es partout nicht ausstehen?
    Das sind alles Faktoren, die das Gemüt eines Pferdes stark belasten. Auch das noch so ruhigste Pferd wird bei einem Stallwechsel mindestens ein paar Tage und Wochen, manchmal sogar Monate von der Rolle sein.
    Hier hilft nur die bereits besagte GEDULD und haufenweise VERSTÄNDNIS. Alles andere wäre grob fahrlässig und alles andere als fair gegenüber dem Partner Pferd.
     
    Sensible, hoch im Blut stehende Pferde können schon mal mehrere Monate, ein halbes Jahr bis sogar über ein Jahr brauchen, bis sie sich wirklich eingelebt haben und man merkt, dass sie sich wohlfühlen. In dieser Zeit kann alles, was man zuvor als selbstverständlich erachtet hat, mal schiefgehen. Da kann sogar das Anbinden und Putzen zum Drahtseilakt zwischen Eskalation und Wutausbruch werden. Pferde, die als junge Pferde kaum fremde Umgebungen kennengelernt haben, mit denen selten oder nie auf fremde Reitplätze gefahren wurde, die nie auf Lehrgängen oder Turnieren in fremder Umgebung waren, konnten nicht lernen, dass es nach solchen Erfahrungen wieder zurück in den sicheren Stall geht, dass die Bezugsperson Mensch weiterhin dableibt und aufpasst. Für solche Pferde ist ein Wechsel der Umgebung (egal ob in einen neuen Stall oder „nur“ zu einem Lehrgang) ein einschneidendes Erlebnis. Je umsichtiger und ruhiger solch ein Umgebungswechsel abläuft, desto sicherer wird sich ein Pferd bei jeder Fahrt fühlen und sich rascher akklimatisieren.
    Deshalb bin ich ein großer Fan davon, immer wieder mal mit Pferden mit dem Hänger zu verreisen, neue Umgebungen kennenzulernen – das Pferd ist und bleibt ein Gewohnheitstier und es kann sich genauso gut auch an ungewöhnliche, stressige Situationen gewöhnen. Wenn der Mensch geduldig und verständnisvoll ist!
     
    Ich spreche aus eigener Erfahrung: Bei meinem Sensibelchen Cento dauerte es über ein Jahr, bis ich das Gefühl hatte, dass er angekommen ist und wusste, wie der Hase in unserem Stall läuft. Davor war er immer wieder mal  leicht panisch, wenn seine Freundin Iman weg war,  den Anbindeplatz im Stall fand er gruselig, Ausreiten war sowieso furchtbar …
    Dasselbe mit Indira, die als junges Pferd bereits auf vielen Turnieren und auch in Berittställen war, Stallwechsel also zur Genüge kannte: Der Wechsel von der Boxenhaltung mit Weide hin zur Offenstallhaltung in der Herde verlangte ihr einiges ab. Und so musste sie zuerst Vertrauen in die vielen neuen Menschen fassen, dann mit den Pferden in der Herde zurechtkommen und sich dann noch an die neue Haltung gewöhnen. Nicht mehr über Nacht in einer geschlossenen Box zu sein, kann für viele Pferde bereits Stress bedeuten.  Hier halfen nur viel Geduld, Verständnis (ich forderte im letzten Dreivierteljahr nur ganz wenig von ihr …) und unterstützende Kräuter für eine ausgeglichene Psyche und ein ausgeglichenes Hormonsystem. Mehr zur Fütterung von Kräutern kannst du hier nachlesen: Pferde mit Kräutern gesund füttern
     
    Du siehst also: Ein Stallwechsel ist eine starke Belastung für die Psyche eines Pferdes.  Nimm einen Stallwechsel nie auf die leichte Schulter, sondern wiege genau ab: Was leistet der neue Stall, was der alte nicht mehr bieten kann? Sei ehrlich: Wechselst du den Stall nur, weil es DIR nicht mehr passt oder weil du das Gefühl hast, DEINEM PFERD gefällt es nicht mehr?
    Ein Stallwechsel kann dem Pferd nach einer mehr oder weniger langen Eingewöhnungsphase Gutes tun, kann es aber auch sinnlos stressen und völlig aus der Bahn werfen. Während der Eingewöhnungsphase nach einem Stallwechsel an der Beziehung zu deinem Pferd zu zweifeln, weil es sich seltsam verhält, wäre in diesem Moment völlig falsch und du würdest deinem Pferd Unrecht tun. In der Pferdeausbildung läuft nun mal nicht alles unkompliziert, einfach und schnell. Ganz im Gegenteil: Es dauert, und es benötigt Geduld. Wer die nicht hat, sollte sich gut überlegen, ob er weiter mit Pferden zu tun haben möchte 😉
     
    Nicht umsonst heißt es: „Ist dir langweilig, besorg dir ein Pferd!“
     
  • Gesunde Pferde durch Tellington TTouch: Mit wenig Aufwand im Alltag Krankheiten und Problemen vorbeugen

    Tellington TTouch für gesunde Pferde: Steigerung von Gesundheit und Wohlbefinden bei Pferden

    Gesunde Pferde – das wünschen wir uns alle. Die Gesunderhaltung und die Steigerung des Wohlbefindens von Pferden ist allerdings weder aufwändig noch kostet es viel. Durch einfach zu erlernende und sehr effektive Tellington TTouches ist es möglich, sich täglich an gesunden Pferden zu erfreuen.

    Dass nicht jedes Pferd Putzen als angenehm empfindet, hat eine Studie bereits bestätigt (siehe meinen Beitrag „Schockierende Studie: Die Hälfte aller Pferde hasst Putzen“). Warum nicht das Putzen dem Pferd als etwas Angenehmes vermitteln – und es dabei sogar noch gesunderhalten und sein Wohlbefinden steigern?

    Mit ein paar einfachen Handgriffen aus dem Tellington TTouch ist das möglich – und mit garantiert wenig Aufwand! Die TTouches lassen sich einfach ins Putzen integrieren. Man schlägt also zwei Fliegen mit einer Falle: Erstens muss man das Pferd sowieso vor dem Reiten putzen, zweitens kann man bereits beim Putzen das Pferd optimal auf seine Leistung unter dem Sattel vorbereiten – und so mögliche Probleme im Keim ersticken wie z. B. Verspannungen, weggedrückter Rücken, angespannte Halsmuskeln, Zähneknirschen, fehlende Konzentration etc. Zudem beugt man so Verletzungen, Rittigkeitsproblemen und auf lange Sicht gesehen Krankheiten vor.

    Mit Tellington TTouch bringst du dein Pferd in den Zustand von konzentrierter Entspannung und bereitest es so optimal auf das Reiten vor. Zudem wendest du dich ihm mit hoher Achtsamkeit zu, kannst rasch auf entstehende Verspannungen und Unwohlsein reagieren und so Stress unterm Sattel bereits im Vorfeld im Keim ersticken.

    Tellington TTouch im Alltag

    Tellington TTouch im Alltag: Hufe auskratzen - Beinkreise

    Bereits beim Hufe auskratzen kann etwas für die Gesundheit seines Pferdes tun. Auch hier kann man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

    Nicht nur, dass die Hufe vor Dreck und Steinen gesäubert wird. Man kann das Bein und all seine Gelenke bis nach oben in die Schulter bzw. Hüfte hinauf lockern und mobilieren.

    WOFÜR?

    In der Tellington-Methode sind die Beinkreise ein unglaublich hilfreiches und geniales Instrument. Mit den Beinkreisen werden alle Gelenke vom Hufgelenk über das Karpalgelenk bis nach oben in die Schulter und sogar bis in den Widerrist hinauf durchgelockert und mobilisiert. Da das Pferd dabei auf 3 Beinen stehen muss, übt man gleichzeitig auch noch seine Balance (hilfreich bei jungen, noch unausbalancierten Pferden bzw. bei Problemen mit dem Hufschmied/der Hufbearbeitung).

    WIE?

    Halte das Bein deines Pferdes wie zum Hufeauskratzen auf. Achte auf einen stabilen Stand und stütze eine Hand auf deinem Oberschenkel ab. So schützt du deinen Rücken und kannst die Beinkreise aus dem gesamten Körper herausmachen.

    Stell dir vor, an der Hufspitze ist ein Stift befestigt. Nun malst du mit dem Stift verschieden große Kreise auf den Boden, mal ganz nah am Boden, mal weiter oben in der Luft. Die Kreise solltest du ungefähr an der Stelle machen, wo das Bein am Boden gestanden ist.

    Beobachte, wie sich die kreisenden Bewegungen durch das gesamte Bein bis nach oben in die Schulter und je nach Beweglichkeit des Pferdes bis in den Widerrist und den Rücken fortpflanzt: So ist dein Pferd bereits vor dem Reiten in den Gelenken gut mobilisiert und hat bereits seine Balance geschult, bevor du überhaupt in den Sattel gestiegen bist.

     

    Tellington TTouch im Alltag: Beinkreise
    Nach dem Hufauskratzen helfen Beinkreise, die Gelenke im gesamten Bein zu mobilisieren.

    Tellington TTouch im Alltag: Schweif bürsten - Schweifkreise

    Den Schweif säubere ich entweder durch sanftes Verlesen mit den Fingern oder dem vorsichtigen Verwenden einer Schweifbürste. Da du bereits da den Schweif in der Hand hältst, gleitest du mit beiden Händen zur Schweifrübe nach vor und stützt sie von unten (wie auf dem Bild unten zu sehen) gut ab.

    Nun hebst du sanft den Schweif nach oben. Achtung: Nicht über einen etwaigen Widerstand hinaus. Merkst du, dass dein Pferd bereits ein Problem hat, sich am Schweif angreifen zu lassen, muss dein vorrangiges Ziel sein, dass dein Pferd das Berühren am Schweif akzeptiert und es später dann auch als angenehm empfindet.

    Die Schweifarbeit aus der Tellington-Methode ist eine unglaublich hilfreiche Übung, die man täglich ohne viel Aufwand ins Putzen integrieren kann.

    WOFÜR?

    Die Schweifarbeit ist sehr hilfreich für alle Pferde, die gesundheitliche Themen im Rücken bzw. in der gesamten Wirbelsäule haben. Der Schweif ist die direkte Verlängerung der Wirbelsäule. Indem du die Wirbel der Schweifrübe mobilisierst, wirkst du so auch auf alle anderen Wirbel in der Wirbelsäule. Die Muskulatur wird gelockert und das Pferd bekommt ein besseres Gefühl für seinen gesamten Körper. Gerade Pferde, die sehr schreckhaft sind und Angst haben vor allem, was sich ihnen von hinten nähert, profitieren enorm von der Schweifarbeit. Sie bekommen ein besseres Gefühl für ihren Körper im Raum und werden entspannter.

    Nicht umsonst ist ein locker getragener Schweif unter dem Reiter ein wichtiges Zeichen für die viel gewünschte, aber auch selten erreichte Losgelassenheit!

    WIE?

    Für die Tellington-Schweifarbeit nimmst du den Schweif und stützt ihn mit beiden Händen unterhalb der Schweifrübe ab (siehe Abbildung unten). Dann bewegst du die Schweifrübe vorsichtig in Kreisen um den Schweifansatz. Mache die Kreise langsam und behutsam und gehe über keine Widerstände hinweg. Wenn du achtsam bist, kannst du direkt sehen, wie das Pferd in seinem gesamten Körper bewegt wird und sanft mitschaukelt.

    Tellington TTouch im Alltag: Schweifkreise
    Mit dem Schweifkreisen aus der Tellington-Methode lockert man das Pferd von Kopf bis Schweif.
    Tellington TTouch Workshops

    Tellington TTouch im Alltag: Ohrenarbeit

    Meine Pferde lieben die Ohrenarbeit. Aber sie mussten – wie wahrscheinlich fast jedes Pferd – zuerst lernen, dass es angenehm ist, an den Ohren berührt zu werden. Dies ist für ein Pferd, das wir fürs Reiter „nutzen“ wollen, unabdingbar: Wir müssen über die Ohren das Halfter und das Zaumzeug streifen, wir müssen es am Kopf putzen u. v. m. Durch die Ohrenarbeit lernen die Pferde, wie angenehm es ist, an den Ohren berührt zu werden. Und zusätzlich tun wir ihnen etwas Gutes und fördern Gesundheit, Wohlbefinden und Leistung.

    WOFÜR?

    Die Ohrenarbeit wirkt aufgrund mehrerer Punkte:

    1. Am Ohr sitzen zahlreiche Akupunkturpunkte. Allen voran der Dreifache Erwärmer, der den gesamten Körper versorgt. Er schlängelt sich um die gesamte Ohrmuschel. An der Ohrspitze sitzt ein „Schockpunkt“. Ein Punkt der sehr hilfreich ist, wenn Pferde Kreislaufprobleme haben oder zu Koliken neigen. Mehr zu Tellington TTouch als Erste Hilfe bei Koliken kannst du hier nachlesen: Erste Hilfe bei Kolik

    2. Über das Ohr haben wir direkten Zugang zur Ohrspeicheldrüse. Diese wird durch ein entspanntes Kauen und Schlecken im Maul angeregt und produziert das „weiße Mäulchen“, hat also direkt Einfluss auf die Losgelassenheit des Pferdes.

    3. Über die Ohren erreicht man auch das Genick des Pferdes. Ein weiterer Ort, der für Rittigkeit und Losgelassenheit von enormer Wichigkeit ist.

    Du siehst also, dass man durch ein paar achtsame Berührungen an den Ohren ganz schön viel im Körper auslösen kann.

    WIE?

    Für die Tellington-Ohrenarbeit stabilisierst du mit einer Hand den Kopf deines Pferdes, während du dich schräg seitlich vor den Pferd stellst. Dann nimmt du mit der anderen Hand ein Ohr am Ohransatz in die Hand und streifst es mit sanftem Druck bis zur Ohrspitze aus. An der Spitze der Ohrmuschel kannst du kurz verweilen. Manche Pferde lieben es, ganz sanft und vorsichtig an den Ohren berührt zu werden, wieder andere genießen es, wenn die Ohren mit etwas festem Zug waagrecht langgezogen werden (siehe Foto unten).

    Bei Verdacht auf Kolik und Kreislaufthematik und zum Überbrücken der Zeit, bis der Tierarzt eintrifft, eignet sich Ohrenarbeit perfekt, um den Kreislauf des Pferdes wieder zu stabilisieren. Die Ohrenarbeit aktiviert den Meridian des Dreifachen Erwärmers und versorgt so den gesamten Körper und hilft ihm, sich wieder zu stabilisieren.

    Tellington TTouch im Alltag: Ohrenarbeit

    Tellington TTouch im Alltag: Auftrensen - Maularbeit

    Nicht nur Menschen drücken mit dem Mund zahlreiche Emotionen aus: Zähneknirschen bei Stress, Lachen bei Freude, Zusammengepresste Lippen bei Wut etc. Auch Pferde zeigen mit ihrem Maul viele Emotionen. Ein angespanntes Kinn beim Putzen spricht Bände, geblähte Nüstern genauso.

    Indem wir uns vor dem Auftrensen dem Maul liebevoll und achtsam widmen, beugen wir Verspannungen rund ums Maul und den Kiefer beim Reiten vor.

    Ein sehr intensiver Tellington TTouch ist die Maularbeit.

    WOFÜR?

    Durch sein Maul kann das Pferd zahlreiche Emotionen ausdrücken: Anspannung, Stress, Entspannung, Aggression, Verspieltheit etc. Wenn wir in den Sattel steigen, wollen wir ein entspanntes, freundliches Pferd. Wenn das Pferd bereits mit angespannten Lippen und steinhartem Kinn an der Aufstiegshilfe steht, können wir davon ausgehen, dass es im Sattel nicht besser wird. Ganz im Gegenteil.

    In der Maulregion sitzen sehr viele Nervenenden, die sehr sensibel auf Berührung reagieren. Es gibt sehr viele Pferde die Berührung am Maul nicht dulden und energisch den Kopf wegreißen. Hier sitzen tiefe Emotionen in der Maulregion. In der Tellington-Methode ist die Maularbeit ein effektives Tool um rasch Zugang zu den Emotionen des Pferdes zu erhalten.

    WIE?

    Bei der Maularbeit machst du vorsichtige Kreise mit dem Maul und den Nüstern. Vorsichtig nimmst du den Nüsternrand und kreist ihn sanft. Genauso verfährst du mit der Oberlippe und der Unterlippe, dann kreist du das Kinn sanft im und gegen den Uhrzeigersinn. Es geht weniger darum, dass du ein bestimmtes Muster in einer bestimmten Richtung einhältst. Es geht viel mehr um das achtsame Berühren und Bewegen der Maul- und Nüsternpartie.

    Tellington TTouch im Alltag: Maularbeit
    In der Maulregion liegen viele sensible Nervenenden: Mit dem Maul drücken Pferde zahlreiche Emotionen aus.

    Ich hoffe, du hast einen Einblick darüber bekommen, wie einfach und ohne viel Zeit- und Arbeitsaufwand die so hilfreichen und gesundheitsfördernden Tellington TTouches in den Alltag mit deinem Pferd eingebaut werden können.

    Nach ein paar Wiederholungen wirst du die Kreise an Ohren, Maul, Schweif und Beinen bereits ganz automatisch machen – ohne dich großartig konzentrieren zu müssen. Wichtig ist dabei aber nur, dass du immer mit viel Achtsamkeit und Bewusstheit an deinem Pferd arbeitest. Achte auf jede kleinste Reaktion deines Pferdes. Pferde flüstern ja anstatt „laut“ mit uns zu kommunizieren!

    Abonniere meine wöchentlichen Inspirationen für eine innigere Beziehung zu deinem Pferd, und ich schenke dir meinen kostenlosen Ratgeber „5 ungewöhnliche Tipps, wie du die Beziehung zu deinem Pferd verbesserst“.

  • Pferd mit Gurtzwang: 5 Tipps, um Gurtzwang zu beheben

    Gurtzwang beim Pferd: Was kann ich tun?

    Gurtzwang ist nicht nur für das Pferd sehr unangenehm, sondern auch für den Reiter auf Dauer eine Belastung. Er muss sich beim Satteln und Gurten ständig vor seinem Pferd in Acht nehmen, das im schlimmsten Fall beißt und schlägt. Das Pferd verknüpft Satteln und Gurten und in Folge das Reiten als etwas Unangenehmes.
     
    Doch das muss nicht sein!
     
    In diesem Blogbeitrag zeige ich dir 5 effektive Tipps, was du konkret bei Gurtzwang tun kannst.

    Unterschied zwischen Gurtzwang und Sattelzwang

    Gurtzwang bedeutet, dass das Pferd starke Ablehnung gegen das Gurten zeigt. Das heißt, es reagiert mehr oder weniger abweisend, wenn der Reiter den Sattelgurt um den Bauch des Pferdes schließen möchte.

    Sattelzwang wird oft synonym für Gurtzwang verwendet. Ich persönlich halte aber beide Begriffe klar auseinander. Beim Sattelzwang reagiert das Pferd bereits negativ, wenn sich der Reiter mit dem Sattel nähert und ihn auf den Rücken des Pferdes legt.

    Es gibt Pferde mit Gurtzwang, die noch kein Problem damit haben, dass der Sattel auf den Rücken gelegt wird. Erst das Durchgreifen unter dem Bauch zum Gurt und das Anziehen des Gurts löst Stress aus.

    Deshalb ist es mir wichtig, diese zwei Verhaltensauffälligkeiten klar voneinander zu trennen.

    In diesem Blogbeitrag geht es jetzt aber nur um den Gurtzwang.

    Wie zeigt sich Gurtzwang: Symptome von Gurtzwang

    Jedes Pferd ist individuell und reagiert anders. So können die Symptome für Gurtzwang von kaum sichtbar bis zu richtig heftig variieren. Erst wenn das Pferd wiederkehrend negativ auf das Gurten reagiert, kann man von Gurtzwang sprechen. Das heißt, es hat sich schon ein negatives Verhaltensmuster etabliert. Wenn ein Pferd einmalig auf das Gurten reagiert, muss das noch kein Gurtzwang sein. Es kann auch situationsabhängig gerade im Moment des Gurtens nach vorne mit dem Hinterhuf ausgeschlagen haben: eine Fliege, ein lästiger Boxennachbarn in der Stallgasse. Es heißt also – wie eigentlich immer – sehr achtsam zu sein und das Pferd genau zu beobachten.

    Bei den folgenden öfter auftretenden Symptomen deines Pferdes solltest du aufhorchen, wenn du nach dem Gurt greifst, ihn schließst oder nachgurtest:

    • Verspanntes Maul, hochgezogene Nüstern
    • Atmung verändert sich: Pferd hält Luft an oder atmet schneller
    • Angelegte Ohren
    • Schlagen mit dem Kopf
    • Deutliches Drohen mit Drehen des Kopfes nach hinten zu dir/zum Sattel
    • Im Moment des Gurtens: Schnappen in die Luft oder nach dem Strick, an Metall schlecken, an Holz knabbern
    • Drohen mit dem Hinterbein
    • Mit dem Hinterbein nach vorne treten
    • Dich abdrängen, auf deine Seite springen
    • Nach dir gezielt schnappen und beißen

    Symptome von Gurtzwang beim Reiten

    Ähnlich zeigen sich die Symptome von Gurtzwang auch beim Reiten:

    • Pferd läuft stark verspannt, hält sich fest, braucht sehr lange, bis es losgelassen geht
    • Pferd geht kaum vorwärts
    • Tritt, schnappt oder beißt nach dir, wenn du nachgurten willst
    • Im schlimmsten Fall kann das Pferd auch unkontrolliert losbuckeln oder steigen, um den unangenehmen Druck loszuwerden
    • Pferd wirft sich samt Sattel hin (dann ist aber wirklich Feuer am Dach!)

    Ursachen für Gurtzwang

    Die Ursachen für Gurtzwang sind so vielfältig, wie es Pferde gibt. Jedes Pferd ist anders und verknüpft Erfahrungen mit dem Sattelgurt anders.

    Häufig sind folgende Ursachen für Gurtzwang zu finden:
     
    • Hastiges und achtloses erstes Satteln/Gurten beim jungen, rohen Pferd
    • Unpassende Ausrüstung: Der Sattel kneift, die Schabracke scheuert etc.
    • Der Gurt passt nicht: Gerade anatomisch geschnittene Gurte müssen genau passen, sonst zwicken sie die Haut am Ellbogen ein. Gurt ist zu schmal/zu breit, ungepflegtes Material, kaputtes Leder etc.
    • Zu oft die höflichen Hinweise des Pferdes beim Gurten übergangen: Wenn die Hinweise eines Pferdes (Ohren anlegen, Kopf schlagen) auf falsches Gurten mehrmals ins Leere laufen, wird es immer mehr Abneigung gegen den Gurt aufbauen. Obwohl zum Beispiel vielleicht nur zwei oder drei Mal ein anderer Gurt ausgeliehen wurde, der nicht wirklich gepasst hat …
    • Das Pferd wird nicht auf das Satteln/Gurten vorbereitet: Drüberbürsten, Sattel draufklatschen, gurten und ab ins Viereck … Genau wie achtsames Putzen ist gute Vorbereitung beim Satteln und Gurten schon die halbe Miete beim Reiten.
    • Zu enges Gurten: Sehr oft sehe ich, dass der Sattelgurt zu schnell zu eng verschnallt wird. Stell dir vor, du musst einen Gürtel anziehen: Ohne Vorankündigung schnallt dir deine Freundin, die dir dabi hilft, den Gürtel knalleng zu, sodass dir fast die Luft wegbleibt. Kannst du dann einen Dauerlauf machen?
    • Magen-/Darmprobleme: Pferde mit Magen- und/oder Darmproblemen sind am Bauch sehr empfindlich. Klar, sie haben ja auch Bauchweh! Plötzlich auftretender Gurtzwang kann auch ein Symptom für Magenprobleme oder Darmprobleme sein.
    • Muskelverspannungen/Blockaden im Bereich der Rippen/Brustbein: Hier kann dir dein Tierarzt oder Physiotherapeut/Osteopath deines Vertrauens weiterhelfen.
     
     
    Gurtzwang was tun
    Pferde mit Gurtzwang müssen zuerst die negative, schmerzhafte Erfahrung des Gurtens löschen und eine neue positive Verknüpfung im Gehirn erstellen.

    Pferd mit Gurtzwang: Was kannst du konkret tun?

    Was kannst du jetzt konkret tun, um den Gurtzwang deines Pferdes zu beheben?
     
    Folgende drei Grundsätze gehen allen Übungen, die ich dir gleich zeigen werde, voraus:
     
    1. Analysiere genau, wie schlimm der Gurtzwang ausgeprägt ist.
    Reagiert dein Pferd verspannt, hält es die Luft an und bläßt sich stark auf? Oder tritt es gleich gezielt nach dir und du musst dich regelmäßig vor einem schnappenden Krokodil in Sicherheit bringen?
     
    2.  Kläre gesundheitliche Probleme vorher ab.
    Du kannst noch so oft die von mir unten angeführten Übungen machen – ohne Erfolg, wenn dein Pferd ein organisches Problem hat. Hast du den Verdacht, dass dein Pferd Schmerzen organischen Ursprungs hat (z. B. Kotwasser, wiederkehrende Koliken, Magengeschwüre oder Zysten und Rosseprobleme bei Stuten), kläre dies unbedingt vorher mit deinem Tierarzt ab!
     
    3. Bestrafe dein Pferd nie für Schnappen, Beißen oder Treten beim Gurten!
    Klar, ein Pferd sollte im Umgang mit dem Menschen nicht treten, beißen oder schnappen. Denk aber anders: Warum muss das Pferd das überhaupt tun? Was habe ich überhört/übersehen, dass das Pferd so deutliche Signale setzt? Außerdem lernt das Pferd bei Strafe nur, dass es nicht erwünscht ist, Schmerzen zu zeigen. Es driftet dann in eine erlernte Hilflosigkeit ab und kann sogar depressiv werden, also psychisch krank. Es wird dann zwar nicht mehr beißen oder schnappen, aber das löst nicht das Problem, dass das Pferd etwas Negatives/Schmerzhaftes mit dem Gurten verbindet. Eure Beziehung wird nachhaltig massiv gestört.

    5 Tipps und Übungen: So kannst du Gurtzwang beheben

    1. "Lecken der Kuhzunge"

    Der Tellington TTouch „Lecken der Kuhzunge“ ist meine absolute Lieblingsübung. Ich mache diesen TTouch bei allen Pferden und in fast allen Sitatuionen. Er ist einfach genial!
     

    2. "Pythonheber" mit dem Sattelgurt

    Der „Pythonheber“ ist ebenfalls ein Tellington TTouch. Hier verwende ich den Sattelgurt, um die „Pythonheber“ durchzuführen. Beim „Pythonheber“ hebe ich die Haut langsam an und lasse sie noch langsam wieder los. So kann sich das Nervensystem auf die Berührungen einstellen, die Berührung mit dem Sattelgurt wird als angenehm abgespeichert und das Pferd verliert seine Aggression gegen das Gurten.

    Abonniere meine wöchentlichen Inspirationen für eine innigere Beziehung zu deinem Pferd, und ich schenke dir mein kostenloses E-Book „5 ungewöhnliche Tipps, wie du die Beziehung zu deinem Pferd verbesserst“.

    3. Die Ausrüstung prüfen und optimieren

    Wenn die Ausrüstung, also Sattel, Satteldecke/Schabracke und Sattelgurt nicht optimal passen, kann dein Pferd das Satteln/Gurten mit der Zeit als unangenehm empfinden und sogar mit Schmerzen verbinden.
     
    Hat das Pferd bereits Gurtzwang, ist es enorm wichtig, die Ausrüstung auf ihre Passform zu prüfen:
     
    1. Der Sattel: Wenn schon der Sattel nicht passt, dann nützt auch der beste Gurt, der den Sattel an Ort und Stelle hält, nichts mehr. Bitte löse das Problem eines nicht passenden Sattels nie damit, dass du den Gurt einfach fester zuziehst. Wie oft habe ich zugeschnürte Pferde in der Reitstunde. Auf die Frage, warum der Sattelgurt so eng ist, höre ich sehr oft: „Sonst rutscht der Sattel nach vorn (oder zurück oder nach links/rechts …).“
    Ein Sattel ist wie ein Schuh: Passt der Schuh nicht (ist zu eng/zu groß), kann ich damit auch nicht auf einen Berg steigen oder einen Marathon rennen. Ich werde furchtbare Schmerzen haben. Und das Pferd muss bei mangelnder Passform nicht nur den Sattel ertragen, sondern auch noch das Reitergewicht tragen!
    Deshalb bitte: Prüfe deinen Sattel auf korrekte Passform. Ein guter Sattel liegt auch mit einem angenehm verschnallten Gurt noch richtig und rutscht nicht! Rutscht ein Sattel, passt er nicht!
     
     
    2. Satteldecke/Schabracke: Achte sehr genau darauf, wie die Schabracke/die Satteldecke unter dem Sattel zum Liegen kommt. Es dürfen sich keine Falten oder Knubbel bilden. Schmerzhafter Satteldruck droht! Und egal, was mal wehgetan hat: Dein Pferd merkt sich: „Schabracke scheuert, das tut weh. Sattel liegt genau da, wos wehtut. Gurt fixiert den schmerzhaften Sattel an Ort und Stelle. Also ist auch der Gurt doof!“
    Deshalb bitte: Schabracken regelmäßig waschen, die Fixierklettriemen an der Satteldecke/Schabracke auch verwenden, um ein Verrutschen zu vermeiden und „einkammern“, d. h. die Decke vorne nach oben ziehen, damit die Decke nicht am Widerrist aufliegt und scheuert.
    Bei Pferden mit empfindlicher Haut eventuell Lammfell- oder Kunstfellsatteldecken verwenden, um Scheuerstellen und abgebrochene Haare in der Sattellage zu vermeiden.
     

    3. Gurt: Die Passform des Gurts ist das Um und Auf! Je breiter der Gurt, desto besser verteilt er den Druck. Allerdings kann ich für ein eher schmales, rippiges Pferd keinen breiten Gurt verwenden. Anatomisch geformte Gurte müssen die richtige Länge und Form haben, sonst droht eingezwickte Haut hinter dem Ellbogen und Scheuerstellen oder gar offene Wunden. Auch das Material spielt eine wichtige Rolle: Pferde, die sehr sensibel sind, profitieren von einem Kunstfell-/Lammfellgurt. Ledergurte sind im Sommer angenehmer, weil sie einfacher zu putzen sind. Auch die Hygiene spielt eine Rolle: Ledergurte regelmäßig nach dem Reiten von Schmutz und Schweiß befreien, Fellgurte müssen öfter gewaschen oder zumindest mit Wasser abgespritzt werden.

    Gurtzwang beim Pferd: Was tun?
    Mit der Wahl des passenden Gurts ist ein erster Schritt in der Therapie von Gurtzwang getan.

    4. Korrekt gurten bei Pferden mit Gurtzwang

    Vorab: Korrekt gurten kannst du nur, wenn der Sattel passt.

    Der Gurt liegt korrekt, wenn im Stand noch ca. eine Handbreit zwischen Ellbogen und vorderster Gurtkante Platz hat. So kann das Pferd sein Bein frei bewegen, ohne ständig mit dem Ellbogen am Gurt anzustoßen.

    Hast du dein Pferd mit „Lecken der Kuhzunge“ und „Pythonheber“ auf das Gurten vorbereitet, ziehst du den Gurt nur so fest zu, dass der Sattel nicht verrutscht, wenn sich das Pferd bewegt. So kann sich das Pferd langsam an den Druck des Gurtes gewöhnen und fühlt sich nicht sofort wie eingeschnürt.

    Vor dem Aufsteigen führst du dein Pferd ein oder zwei Runden (am besten sogar einen ganzen Spaziergang lang oder zumindest einen Teil der Schrittphase). Das Pferd lässt dann  Luft aus dem Bauchraum, und du kannst entspannt nachgurten.

    Manchmal hilft es, dem Pferd eine Karotte oder ein Leckerli zu füttern, um es im Moment des (sanften!) ersten Angurtens ein wenig abzulenken.

    Nach dem Aufsteigen ist der Gurt korrekt verschnallt, wenn du ohne Probleme noch deine flache Hand zwischen Gurt und Bauch schieben kannst.

    5. Überprüfe die Haltung und Fütterung deines Pferdes

    Manche Pferde wirken grundsätzlich unzufrieden. „Der ist immer so“, „Der hat halt keinen Bock“, „Die ist einfach zickig“ hört man dann oft.
    Neben Gurtzwang zeigen solche Pferde auch noch andere Verhaltensauffälligkeiten: aggressiv dem Boxennachbarn gegenüber, futterneidig, extrem schreckhaft, sehen überall Gespenster etc.
     
    Hast du grundsätzlich das Gefühl, dass dein Pferd unzufrieden, schlecht gelaunt wirkt?
     
    Dann versuche, die Haltung und Fütterung deines Pferdes so weit wie möglich zu optimieren:
    Jederzeit Zugang zu Raufutter, Herdenhaltung, täglicher Auslauf (am besten in Gruppen sowie Tag und Nacht) sind für das Herden- und Lauftier Pferd nötig, um zufrieden und vor allem gesund zu bleiben.
     
    Ich habe sehr oft erlebt, dass Pferde, die von Boxenhaltung in einen Offenstall oder Paddocktrail mit Herdenhaltung gewechselt sind, sich völlig verändert haben.
    Und Verhaltensauffälligkeiten wie Gurtzwang, Aggression, Schreckhaftigkeit etc. lösten sich nach ein paar Monaten in Luft auf.
     
    Manchmal lohnt es sich, über den Tellerrand hinauszuschauen. Es ist mit den Pferden wie mit der Schulmedizin: Symptome allein zu behandeln, hilft nicht immer!
     
    Hat dein Pferd Gurtzwang? Was machst du, um deinem Pferd das Gurten angenehmer zu machen? Hast du noch weitere Tipps? Schreib mir gerne in die Kommentare.
  • Erste Hilfe bei Kolik: So linderst du die Schmerzen deines Pferdes

    Schmerzlinderung bei Koliken: Das kannst du tun

    Wenn ein Pferd Kolik-Symptome zeigt, schrillen bei jedem Pferdebesitzer die Alarmglocken, das Herz pocht schneller, tausende Gedanken und Horrorszenarien huschen durch den Kopf. Eine unbehandelte Kolik kann schließlich tödlich sein!

    Mir ging es letzten Sommer so: Bei jedem Anruf des Stallburschens hatte ich Herzklopfen: Bitte nicht schon wieder eine Kolik bei Cento! Bei der vierten Kolik innerhalb von zwei Monaten war ich dann schon viel ruhiger. Ich wusste, was ich zu tun hatte. Die Stallburschen hatten schon den Tierarzt gerufen, dafür hatten sie die Erlaubnis von mir. Bis der Tierarzt da war, konnte ich eine Liste von Dingen abarbeiten, die Centos Bauchweh mildern konnten und seinen Kreislauf in Schwung hielten. So wurde die Kolik zumindest nicht schlimmer. In einem Fall konnte ich dem Tierarzt wieder abtelefonieren, weil es Cento wieder so gut ging. Ein anderes Mal kam der Tierarzt und fragte mich, was denn los sei. Dem Pferd fehle nichts (mehr).

    Wünscht du dir nicht auch, dass du in solchen Situationen ruhig und gelassen bleibst und souverän, weißt, was zu tun ist? Was du konkret tun kannst, um die Schmerzen deines Lieblings zu lindern? Ich bin so froh, dass ich das mittlerweile kann. Ich konnte damit schon vielen Pferden helfen, die Zeit bis zum Tierarzt ruhiger auszuhalten. – Und die Besitzer waren auch deutlich ruhiger … 😉

    Hast du den Verdacht, dass ein Pferd eine Kolik hat, brauchst du nicht nägelkauend hysterisch herumzurennen und dir tausend Gedanken zu machen, was wäre wenn … Das hilft deinem Pferd in diesem Moment auch nicht. Deshalb heißt mein erster Tipp ganz einfach: Keine Panik!

    Symptome richtig erkennen

    • Beobachte dein Pferd genau: Welche Koliksymptome zeigt es und in welcher Ausprägung? Ist es eher eine mildere Kolik oder hat das Pferd sehr starke Schmerzen? Das sind wichtige Vorabinfos für den Tierarzt für die weitere Behandlung.

    Wichtig: Egal wie abgeschwächt oder stark du die folgenden Symptome bei deinem Pferd wahrnimmst, du solltest so schnell wie möglich den Tierarzt anrufen!

    • Das Pferd ist unruhig.
    • Es scharrt mit den Hufen oder schlägt sich mit den Hinterbeinen gegen den Bauch, dreht sich mit dem Kopf mehrmals zum Bauch um.
    • Legt sich mehrmals hin und wälzt sich.
    • Atmet stoßweise und flach.
    • Frisst und trinkt seit längerer Zeit nicht mehr und äpfelt nicht ab.
    • Bei sehr starken Schmerzen ist die Bauchmuskulatur verkrampft, das Pferd macht einen „Katzenbuckel“.
    • Das Pferd schwitzt, ohne sich vorher angestrengt zu haben.

    Lerne dein Pferd genau kennen, lerne seine individuellen Gesichtsausdrücke und seine persönliche Körpersprache genau zu lesen. Je besser du dein Pferd verstehst und achtsam bist, desto früher kannst du eine beginnende Kolik erkennen und rasch reagieren!

    4 Handgriffe zur Schmerzlinderung, bis der Tierarzt kommt

    Die Wartezeit, bis der Tierarzt kommt – auch wenn es nur wenige Minuten sind -, kommen einem besorgten Pferdebesitzer wie Stunden vor.

    Um die Wartezeit zu überbrücken und deinem Pferd Erleichterung und Schmerzlinderung zu verschaffen, habe ich dir ein paar hilfreiche Handgriffe zusammengestellt. Alles, was du dafür benötigst, sind deine zwei Hände und ein größeres Handtuch.

    Ich liebe diese Handgriffe, während ich auf den Tierarzt warte. So habe ich das Gefühl, etwas Sinnvolles und Hilfreiches für mein Pferd zu tun. Ich muss nicht hilflos rumstehen und mir Sorgen machen, sondern ich kann selbst „Hand anlegen“.

    Es stehen dir folgende Möglichkeiten aus der Tellington-TTouch-Methode und Jin Shin Jyutsu (Strömen; Harmonisierung von Körper, Geist und Seele) zur Verfügung. Wird dein Pferd unruhig bei der Anwendung, gib dem Pferd die Möglichkeit, sich zu bewegen. Spazierenführen bei Koliken hält das Herz-Kreislauf-System in Gang.

    1. Ohrenarbeit

    Kreise die Ohren am Ohransatz sanft und streiche sie dann bis zur Ohrenspitze mit angenehmem Druck aus. Mache das ganze energisch und flott: Aufgrund der vielen Akupressurpunkte im Ohr bringst du damit den Kreislauf deines Pferdes wieder in Schwung.
    Aber Achtung: Mach die Ohrenarbeit nicht zu langsam, sonst erreichst du das Gegenteil!

    Linda Tellington-Jones (Erfinderin der Tellington-TTouch-Methode) „erfand“ diese tolle Art der helfenden Berührung, als sie instinktiv die Ohren eines völlig erschöpften Distanzpferd auf diese Art massierte und es so vor dem sicheren Tod rettete.

    Erste Hilfe bei Kolik

    2. Bauchheber

    Besorg dir ein langes, großes Badehandtuch. Notfalls kannst du auch eine (nicht elastische) Fleecebandage nehmen, Hauptsache, es ist ein längerer Stoff. Lege das Tuch auf ca. 10 bis 15 cm Breite zusammen. Dann bitte eine Freundin, sich dir gegenüber auf die andere Seite des Pferdes zu stellen. Nun macht ihr Bauchheber: Mithilfe des Handtuchs hebt ihr vorsichtig den Bauch des Pferdes an (minimal!) und zählt dabei bis 5. Dann zählt ihr von 10 auf 0 und lässt in dieser Zeit die aufgebaute Spannung am Handtuch wieder langsam weniger werden. So arbeitet euch den ganzen Bauch entlang: Vorsicht, falls das Pferd starke Schmerzen hat, könnte es nach euch schlagen! Deshalb sehr, sehr vorsichtig dabei arbeiten und das Pferd in seiner Körpersprache genau beobachten. Mehr zum Thema Körpersprache kannst du hier nachlesen.
    Der Bauchheber aus der Tellington-Arbeit hilft, die verkrampfte Bauchmuskulatur zu lösen und zu entspannen. Zudem entlastet dieser weitere Tellington TTouch den Rücken, ebenso wie der nächste TTouch:

    3. "Lecken der Kuhzunge"

    Bei diesem Tellington TTouch spreizt du deine Finger leicht und legst sie an der Bauchlinie an. Dann streichst du – aus deinem Körper heraus – Richtung Rücken. Auf Höhe Mitte Bauch drehst du deine Hand, sodass deine Finger nun nach oben Richtung Wirbelsäule schauen. Dann streichst du weiter bis zum Rücken hoch. Wiederhole diese Sequenz von vorn in der Gurtlage/Widerrist bis nach hinten kurz vor dem Schlauch/Euter.

    Dieser TTouch entspannt die gesamte Bauchmuskulatur, die bei einer Kolik stark verkrampft ist, hilft dem Pferd den Rücken anzuheben und beruhigt die Atmung.

    Bitte zuerst prüfen, ob das Pferd während einer Kolik am Bauch überhaupt angegriffen werden will!

    Ein Video zum „Lecken der Kuhzunge“ findest du auf meinem Youtube-Kanal:

    Video „Lecken der Kuhzunge“

    Ich freue mich, wenn du auf Youtube ein „Mag ich“ und ein Abo dalässt 😉

    4. Den Energiefluss wiederherstellen

    Mit Jin Shin Jyutsu (japanische Harmonisierungskunst der Energien in Körper, Geist und Seele, auch Strömen genannt) kannst du und deinem Pferd die Wartezeit verkürzen. Durch Jin Shin Jyutsu hilfst du deinem Pferd, sich selbst zu helfen, du regst die körpereigenen Selbstheilungskräfte an. Bei einer Kolik sind gewisse Energiebahnen im Körper blockiert. Durch das Halten von sogenannten Sicherheitsenergieschlössern bringst du die Energie wieder zum Fließen, der Körper kann sich selbst helfen. Ein rascher „Kolik-Strömgriff“ ist das gleichseitige und gleichzeitige Halten der Sicherheitsenergieschlösser 1 und 2 (siehe Abbildung 1, 2). Halte die 1 und 2 auf beiden Seiten mindestens 10 Minuten. Das bringt Erleichterung, wenn das Pferd starke Bauchschmerzen hat, es bringt alles wieder ins Fließen, in Bewegung.

    Erste Hilfe bei Kolik: Strömen
    Das Sicherheitsenergieschloss 1 oben am Kreuz-Darm-Gelenk auf der Kruppe
    Erste Hilfe bei Kolik: Strömen
    Das Sicherheitsenergieschloss 2 liegt innen am Knie.

    Mehr zu Jin Shin Jyutsu erfährst du auf der Website des österreichischen Vereins Jin Shin Jyutsu Österreich (www.jsj.at) und auf dessen Facebook-Account („Verein Jin Shin Jyutsu Österreich“). Im September findet in Thaur in Tirol das Symposium „Hands on“ mit tollen Kennenlern-Workshops und wissenschaftlich fundierten Vorträgen statt. Mehr dazu auch auf der Homepage des Vereins.

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