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Gesundheit

  • Pferd mit Gurtzwang: 5 Tipps, um Gurtzwang zu beheben

    Gurtzwang beim Pferd: Was kann ich tun?

    Gurtzwang ist nicht nur für das Pferd sehr unangenehm, sondern auch für den Reiter auf Dauer eine Belastung. Er muss sich beim Satteln und Gurten ständig vor seinem Pferd in Acht nehmen, das im schlimmsten Fall beißt und schlägt. Das Pferd verknüpft Satteln und Gurten und in Folge das Reiten als etwas Unangenehmes.
     
    Doch das muss nicht sein!
     
    In diesem Blogbeitrag zeige ich dir 5 effektive Tipps, was du konkret bei Gurtzwang tun kannst.

    Unterschied zwischen Gurtzwang und Sattelzwang

    Gurtzwang bedeutet, dass das Pferd starke Ablehnung gegen das Gurten zeigt. Das heißt, es reagiert mehr oder weniger abweisend, wenn der Reiter den Sattelgurt um den Bauch des Pferdes schließen möchte.

    Sattelzwang wird oft synonym für Gurtzwang verwendet. Ich persönlich halte aber beide Begriffe klar auseinander. Beim Sattelzwang reagiert das Pferd bereits negativ, wenn sich der Reiter mit dem Sattel nähert und ihn auf den Rücken des Pferdes legt.

    Es gibt Pferde mit Gurtzwang, die noch kein Problem damit haben, dass der Sattel auf den Rücken gelegt wird. Erst das Durchgreifen unter dem Bauch zum Gurt und das Anziehen des Gurts löst Stress aus.

    Deshalb ist es mir wichtig, diese zwei Verhaltensauffälligkeiten klar voneinander zu trennen.

    In diesem Blogbeitrag geht es jetzt aber nur um den Gurtzwang.

    Wie zeigt sich Gurtzwang: Symptome von Gurtzwang

    Jedes Pferd ist individuell und reagiert anders. So können die Symptome für Gurtzwang von kaum sichtbar bis zu richtig heftig variieren. Erst wenn das Pferd wiederkehrend negativ auf das Gurten reagiert, kann man von Gurtzwang sprechen. Das heißt, es hat sich schon ein negatives Verhaltensmuster etabliert. Wenn ein Pferd einmalig auf das Gurten reagiert, muss das noch kein Gurtzwang sein. Es kann auch situationsabhängig gerade im Moment des Gurtens nach vorne mit dem Hinterhuf ausgeschlagen haben: eine Fliege, ein lästiger Boxennachbarn in der Stallgasse. Es heißt also – wie eigentlich immer – sehr achtsam zu sein und das Pferd genau zu beobachten.

    Bei den folgenden öfter auftretenden Symptomen deines Pferdes solltest du aufhorchen, wenn du nach dem Gurt greifst, ihn schließst oder nachgurtest:

    • Verspanntes Maul, hochgezogene Nüstern
    • Atmung verändert sich: Pferd hält Luft an oder atmet schneller
    • Angelegte Ohren
    • Schlagen mit dem Kopf
    • Deutliches Drohen mit Drehen des Kopfes nach hinten zu dir/zum Sattel
    • Im Moment des Gurtens: Schnappen in die Luft oder nach dem Strick, an Metall schlecken, an Holz knabbern
    • Drohen mit dem Hinterbein
    • Mit dem Hinterbein nach vorne treten
    • Dich abdrängen, auf deine Seite springen
    • Nach dir gezielt schnappen und beißen

    Symptome von Gurtzwang beim Reiten

    Ähnlich zeigen sich die Symptome von Gurtzwang auch beim Reiten:

    • Pferd läuft stark verspannt, hält sich fest, braucht sehr lange, bis es losgelassen geht
    • Pferd geht kaum vorwärts
    • Tritt, schnappt oder beißt nach dir, wenn du nachgurten willst
    • Im schlimmsten Fall kann das Pferd auch unkontrolliert losbuckeln oder steigen, um den unangenehmen Druck loszuwerden
    • Pferd wirft sich samt Sattel hin (dann ist aber wirklich Feuer am Dach!)

    Ursachen für Gurtzwang

    Die Ursachen für Gurtzwang sind so vielfältig, wie es Pferde gibt. Jedes Pferd ist anders und verknüpft Erfahrungen mit dem Sattelgurt anders.

    Häufig sind folgende Ursachen für Gurtzwang zu finden:
     
    • Hastiges und achtloses erstes Satteln/Gurten beim jungen, rohen Pferd
    • Unpassende Ausrüstung: Der Sattel kneift, die Schabracke scheuert etc.
    • Der Gurt passt nicht: Gerade anatomisch geschnittene Gurte müssen genau passen, sonst zwicken sie die Haut am Ellbogen ein. Gurt ist zu schmal/zu breit, ungepflegtes Material, kaputtes Leder etc.
    • Zu oft die höflichen Hinweise des Pferdes beim Gurten übergangen: Wenn die Hinweise eines Pferdes (Ohren anlegen, Kopf schlagen) auf falsches Gurten mehrmals ins Leere laufen, wird es immer mehr Abneigung gegen den Gurt aufbauen. Obwohl zum Beispiel vielleicht nur zwei oder drei Mal ein anderer Gurt ausgeliehen wurde, der nicht wirklich gepasst hat …
    • Das Pferd wird nicht auf das Satteln/Gurten vorbereitet: Drüberbürsten, Sattel draufklatschen, gurten und ab ins Viereck … Genau wie achtsames Putzen ist gute Vorbereitung beim Satteln und Gurten schon die halbe Miete beim Reiten.
    • Zu enges Gurten: Sehr oft sehe ich, dass der Sattelgurt zu schnell zu eng verschnallt wird. Stell dir vor, du musst einen Gürtel anziehen: Ohne Vorankündigung schnallt dir deine Freundin, die dir dabi hilft, den Gürtel knalleng zu, sodass dir fast die Luft wegbleibt. Kannst du dann einen Dauerlauf machen?
    • Magen-/Darmprobleme: Pferde mit Magen- und/oder Darmproblemen sind am Bauch sehr empfindlich. Klar, sie haben ja auch Bauchweh! Plötzlich auftretender Gurtzwang kann auch ein Symptom für Magenprobleme oder Darmprobleme sein.
    • Muskelverspannungen/Blockaden im Bereich der Rippen/Brustbein: Hier kann dir dein Tierarzt oder Physiotherapeut/Osteopath deines Vertrauens weiterhelfen.
     
     
    Gurtzwang was tun
    Pferde mit Gurtzwang müssen zuerst die negative, schmerzhafte Erfahrung des Gurtens löschen und eine neue positive Verknüpfung im Gehirn erstellen.

    Pferd mit Gurtzwang: Was kannst du konkret tun?

    Was kannst du jetzt konkret tun, um den Gurtzwang deines Pferdes zu beheben?
     
    Folgende drei Grundsätze gehen allen Übungen, die ich dir gleich zeigen werde, voraus:
     
    1. Analysiere genau, wie schlimm der Gurtzwang ausgeprägt ist.
    Reagiert dein Pferd verspannt, hält es die Luft an und bläßt sich stark auf? Oder tritt es gleich gezielt nach dir und du musst dich regelmäßig vor einem schnappenden Krokodil in Sicherheit bringen?
     
    2.  Kläre gesundheitliche Probleme vorher ab.
    Du kannst noch so oft die von mir unten angeführten Übungen machen – ohne Erfolg, wenn dein Pferd ein organisches Problem hat. Hast du den Verdacht, dass dein Pferd Schmerzen organischen Ursprungs hat (z. B. Kotwasser, wiederkehrende Koliken, Magengeschwüre oder Zysten und Rosseprobleme bei Stuten), kläre dies unbedingt vorher mit deinem Tierarzt ab!
     
    3. Bestrafe dein Pferd nie für Schnappen, Beißen oder Treten beim Gurten!
    Klar, ein Pferd sollte im Umgang mit dem Menschen nicht treten, beißen oder schnappen. Denk aber anders: Warum muss das Pferd das überhaupt tun? Was habe ich überhört/übersehen, dass das Pferd so deutliche Signale setzt? Außerdem lernt das Pferd bei Strafe nur, dass es nicht erwünscht ist, Schmerzen zu zeigen. Es driftet dann in eine erlernte Hilflosigkeit ab und kann sogar depressiv werden, also psychisch krank. Es wird dann zwar nicht mehr beißen oder schnappen, aber das löst nicht das Problem, dass das Pferd etwas Negatives/Schmerzhaftes mit dem Gurten verbindet. Eure Beziehung wird nachhaltig massiv gestört.

    5 Tipps und Übungen: So kannst du Gurtzwang beheben

    1. "Lecken der Kuhzunge"

    Der Tellington TTouch „Lecken der Kuhzunge“ ist meine absolute Lieblingsübung. Ich mache diesen TTouch bei allen Pferden und in fast allen Sitatuionen. Er ist einfach genial!
     

    2. "Pythonheber" mit dem Sattelgurt

    Der „Pythonheber“ ist ebenfalls ein Tellington TTouch. Hier verwende ich den Sattelgurt, um die „Pythonheber“ durchzuführen. Beim „Pythonheber“ hebe ich die Haut langsam an und lasse sie noch langsam wieder los. So kann sich das Nervensystem auf die Berührungen einstellen, die Berührung mit dem Sattelgurt wird als angenehm abgespeichert und das Pferd verliert seine Aggression gegen das Gurten.

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    3. Die Ausrüstung prüfen und optimieren

    Wenn die Ausrüstung, also Sattel, Satteldecke/Schabracke und Sattelgurt nicht optimal passen, kann dein Pferd das Satteln/Gurten mit der Zeit als unangenehm empfinden und sogar mit Schmerzen verbinden.
     
    Hat das Pferd bereits Gurtzwang, ist es enorm wichtig, die Ausrüstung auf ihre Passform zu prüfen:
     
    1. Der Sattel: Wenn schon der Sattel nicht passt, dann nützt auch der beste Gurt, der den Sattel an Ort und Stelle hält, nichts mehr. Bitte löse das Problem eines nicht passenden Sattels nie damit, dass du den Gurt einfach fester zuziehst. Wie oft habe ich zugeschnürte Pferde in der Reitstunde. Auf die Frage, warum der Sattelgurt so eng ist, höre ich sehr oft: „Sonst rutscht der Sattel nach vorn (oder zurück oder nach links/rechts …).“
    Ein Sattel ist wie ein Schuh: Passt der Schuh nicht (ist zu eng/zu groß), kann ich damit auch nicht auf einen Berg steigen oder einen Marathon rennen. Ich werde furchtbare Schmerzen haben. Und das Pferd muss bei mangelnder Passform nicht nur den Sattel ertragen, sondern auch noch das Reitergewicht tragen!
    Deshalb bitte: Prüfe deinen Sattel auf korrekte Passform. Ein guter Sattel liegt auch mit einem angenehm verschnallten Gurt noch richtig und rutscht nicht! Rutscht ein Sattel, passt er nicht!
     
     
    2. Satteldecke/Schabracke: Achte sehr genau darauf, wie die Schabracke/die Satteldecke unter dem Sattel zum Liegen kommt. Es dürfen sich keine Falten oder Knubbel bilden. Schmerzhafter Satteldruck droht! Und egal, was mal wehgetan hat: Dein Pferd merkt sich: „Schabracke scheuert, das tut weh. Sattel liegt genau da, wos wehtut. Gurt fixiert den schmerzhaften Sattel an Ort und Stelle. Also ist auch der Gurt doof!“
    Deshalb bitte: Schabracken regelmäßig waschen, die Fixierklettriemen an der Satteldecke/Schabracke auch verwenden, um ein Verrutschen zu vermeiden und „einkammern“, d. h. die Decke vorne nach oben ziehen, damit die Decke nicht am Widerrist aufliegt und scheuert.
    Bei Pferden mit empfindlicher Haut eventuell Lammfell- oder Kunstfellsatteldecken verwenden, um Scheuerstellen und abgebrochene Haare in der Sattellage zu vermeiden.
     

    3. Gurt: Die Passform des Gurts ist das Um und Auf! Je breiter der Gurt, desto besser verteilt er den Druck. Allerdings kann ich für ein eher schmales, rippiges Pferd keinen breiten Gurt verwenden. Anatomisch geformte Gurte müssen die richtige Länge und Form haben, sonst droht eingezwickte Haut hinter dem Ellbogen und Scheuerstellen oder gar offene Wunden. Auch das Material spielt eine wichtige Rolle: Pferde, die sehr sensibel sind, profitieren von einem Kunstfell-/Lammfellgurt. Ledergurte sind im Sommer angenehmer, weil sie einfacher zu putzen sind. Auch die Hygiene spielt eine Rolle: Ledergurte regelmäßig nach dem Reiten von Schmutz und Schweiß befreien, Fellgurte müssen öfter gewaschen oder zumindest mit Wasser abgespritzt werden.

    Gurtzwang beim Pferd: Was tun?
    Mit der Wahl des passenden Gurts ist ein erster Schritt in der Therapie von Gurtzwang getan.

    4. Korrekt gurten bei Pferden mit Gurtzwang

    Vorab: Korrekt gurten kannst du nur, wenn der Sattel passt.

    Der Gurt liegt korrekt, wenn im Stand noch ca. eine Handbreit zwischen Ellbogen und vorderster Gurtkante Platz hat. So kann das Pferd sein Bein frei bewegen, ohne ständig mit dem Ellbogen am Gurt anzustoßen.

    Hast du dein Pferd mit „Lecken der Kuhzunge“ und „Pythonheber“ auf das Gurten vorbereitet, ziehst du den Gurt nur so fest zu, dass der Sattel nicht verrutscht, wenn sich das Pferd bewegt. So kann sich das Pferd langsam an den Druck des Gurtes gewöhnen und fühlt sich nicht sofort wie eingeschnürt.

    Vor dem Aufsteigen führst du dein Pferd ein oder zwei Runden (am besten sogar einen ganzen Spaziergang lang oder zumindest einen Teil der Schrittphase). Das Pferd lässt dann  Luft aus dem Bauchraum, und du kannst entspannt nachgurten.

    Manchmal hilft es, dem Pferd eine Karotte oder ein Leckerli zu füttern, um es im Moment des (sanften!) ersten Angurtens ein wenig abzulenken.

    Nach dem Aufsteigen ist der Gurt korrekt verschnallt, wenn du ohne Probleme noch deine flache Hand zwischen Gurt und Bauch schieben kannst.

    5. Überprüfe die Haltung und Fütterung deines Pferdes

    Manche Pferde wirken grundsätzlich unzufrieden. „Der ist immer so“, „Der hat halt keinen Bock“, „Die ist einfach zickig“ hört man dann oft.
    Neben Gurtzwang zeigen solche Pferde auch noch andere Verhaltensauffälligkeiten: aggressiv dem Boxennachbarn gegenüber, futterneidig, extrem schreckhaft, sehen überall Gespenster etc.
     
    Hast du grundsätzlich das Gefühl, dass dein Pferd unzufrieden, schlecht gelaunt wirkt?
     
    Dann versuche, die Haltung und Fütterung deines Pferdes so weit wie möglich zu optimieren:
    Jederzeit Zugang zu Raufutter, Herdenhaltung, täglicher Auslauf (am besten in Gruppen sowie Tag und Nacht) sind für das Herden- und Lauftier Pferd nötig, um zufrieden und vor allem gesund zu bleiben.
     
    Ich habe sehr oft erlebt, dass Pferde, die von Boxenhaltung in einen Offenstall oder Paddocktrail mit Herdenhaltung gewechselt sind, sich völlig verändert haben.
    Und Verhaltensauffälligkeiten wie Gurtzwang, Aggression, Schreckhaftigkeit etc. lösten sich nach ein paar Monaten in Luft auf.
     
    Manchmal lohnt es sich, über den Tellerrand hinauszuschauen. Es ist mit den Pferden wie mit der Schulmedizin: Symptome allein zu behandeln, hilft nicht immer!
     
    Hat dein Pferd Gurtzwang? Was machst du, um deinem Pferd das Gurten angenehmer zu machen? Hast du noch weitere Tipps? Schreib mir gerne in die Kommentare.
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  • Erste Hilfe bei Kolik: So linderst du die Schmerzen deines Pferdes

    Schmerzlinderung bei Koliken: Das kannst du tun

    Wenn ein Pferd Kolik-Symptome zeigt, schrillen bei jedem Pferdebesitzer die Alarmglocken, das Herz pocht schneller, tausende Gedanken und Horrorszenarien huschen durch den Kopf. Eine unbehandelte Kolik kann schließlich tödlich sein!

    Mir ging es letzten Sommer so: Bei jedem Anruf des Stallburschens hatte ich Herzklopfen: Bitte nicht schon wieder eine Kolik bei Cento! Bei der vierten Kolik innerhalb von zwei Monaten war ich dann schon viel ruhiger. Ich wusste, was ich zu tun hatte. Die Stallburschen hatten schon den Tierarzt gerufen, dafür hatten sie die Erlaubnis von mir. Bis der Tierarzt da war, konnte ich eine Liste von Dingen abarbeiten, die Centos Bauchweh mildern konnten und seinen Kreislauf in Schwung hielten. So wurde die Kolik zumindest nicht schlimmer. In einem Fall konnte ich dem Tierarzt wieder abtelefonieren, weil es Cento wieder so gut ging. Ein anderes Mal kam der Tierarzt und fragte mich, was denn los sei. Dem Pferd fehle nichts (mehr).

    Wünscht du dir nicht auch, dass du in solchen Situationen ruhig und gelassen bleibst und souverän, weißt, was zu tun ist? Was du konkret tun kannst, um die Schmerzen deines Lieblings zu lindern? Ich bin so froh, dass ich das mittlerweile kann. Ich konnte damit schon vielen Pferden helfen, die Zeit bis zum Tierarzt ruhiger auszuhalten. – Und die Besitzer waren auch deutlich ruhiger … 😉

    Hast du den Verdacht, dass ein Pferd eine Kolik hat, brauchst du nicht nägelkauend hysterisch herumzurennen und dir tausend Gedanken zu machen, was wäre wenn … Das hilft deinem Pferd in diesem Moment auch nicht. Deshalb heißt mein erster Tipp ganz einfach: Keine Panik!

    Symptome richtig erkennen

    • Beobachte dein Pferd genau: Welche Koliksymptome zeigt es und in welcher Ausprägung? Ist es eher eine mildere Kolik oder hat das Pferd sehr starke Schmerzen? Das sind wichtige Vorabinfos für den Tierarzt für die weitere Behandlung.

    Wichtig: Egal wie abgeschwächt oder stark du die folgenden Symptome bei deinem Pferd wahrnimmst, du solltest so schnell wie möglich den Tierarzt anrufen!

    • Das Pferd ist unruhig.
    • Es scharrt mit den Hufen oder schlägt sich mit den Hinterbeinen gegen den Bauch, dreht sich mit dem Kopf mehrmals zum Bauch um.
    • Legt sich mehrmals hin und wälzt sich.
    • Atmet stoßweise und flach.
    • Frisst und trinkt seit längerer Zeit nicht mehr und äpfelt nicht ab.
    • Bei sehr starken Schmerzen ist die Bauchmuskulatur verkrampft, das Pferd macht einen „Katzenbuckel“.
    • Das Pferd schwitzt, ohne sich vorher angestrengt zu haben.

    Lerne dein Pferd genau kennen, lerne seine individuellen Gesichtsausdrücke und seine persönliche Körpersprache genau zu lesen. Je besser du dein Pferd verstehst und achtsam bist, desto früher kannst du eine beginnende Kolik erkennen und rasch reagieren!

    4 Handgriffe zur Schmerzlinderung, bis der Tierarzt kommt

    Die Wartezeit, bis der Tierarzt kommt – auch wenn es nur wenige Minuten sind -, kommen einem besorgten Pferdebesitzer wie Stunden vor.

    Um die Wartezeit zu überbrücken und deinem Pferd Erleichterung und Schmerzlinderung zu verschaffen, habe ich dir ein paar hilfreiche Handgriffe zusammengestellt. Alles, was du dafür benötigst, sind deine zwei Hände und ein größeres Handtuch.

    Ich liebe diese Handgriffe, während ich auf den Tierarzt warte. So habe ich das Gefühl, etwas Sinnvolles und Hilfreiches für mein Pferd zu tun. Ich muss nicht hilflos rumstehen und mir Sorgen machen, sondern ich kann selbst „Hand anlegen“.

    Es stehen dir folgende Möglichkeiten aus der Tellington-TTouch-Methode und Jin Shin Jyutsu (Strömen; Harmonisierung von Körper, Geist und Seele) zur Verfügung. Wird dein Pferd unruhig bei der Anwendung, gib dem Pferd die Möglichkeit, sich zu bewegen. Spazierenführen bei Koliken hält das Herz-Kreislauf-System in Gang.

    1. Ohrenarbeit

    Kreise die Ohren am Ohransatz sanft und streiche sie dann bis zur Ohrenspitze mit angenehmem Druck aus. Mache das ganze energisch und flott: Aufgrund der vielen Akupressurpunkte im Ohr bringst du damit den Kreislauf deines Pferdes wieder in Schwung.
    Aber Achtung: Mach die Ohrenarbeit nicht zu langsam, sonst erreichst du das Gegenteil!

    Linda Tellington-Jones (Erfinderin der Tellington-TTouch-Methode) „erfand“ diese tolle Art der helfenden Berührung, als sie instinktiv die Ohren eines völlig erschöpften Distanzpferd auf diese Art massierte und es so vor dem sicheren Tod rettete.

    Erste Hilfe bei Kolik

    2. Bauchheber

    Besorg dir ein langes, großes Badehandtuch. Notfalls kannst du auch eine (nicht elastische) Fleecebandage nehmen, Hauptsache, es ist ein längerer Stoff. Lege das Tuch auf ca. 10 bis 15 cm Breite zusammen. Dann bitte eine Freundin, sich dir gegenüber auf die andere Seite des Pferdes zu stellen. Nun macht ihr Bauchheber: Mithilfe des Handtuchs hebt ihr vorsichtig den Bauch des Pferdes an (minimal!) und zählt dabei bis 5. Dann zählt ihr von 10 auf 0 und lässt in dieser Zeit die aufgebaute Spannung am Handtuch wieder langsam weniger werden. So arbeitet euch den ganzen Bauch entlang: Vorsicht, falls das Pferd starke Schmerzen hat, könnte es nach euch schlagen! Deshalb sehr, sehr vorsichtig dabei arbeiten und das Pferd in seiner Körpersprache genau beobachten. Mehr zum Thema Körpersprache kannst du hier nachlesen.
    Der Bauchheber aus der Tellington-Arbeit hilft, die verkrampfte Bauchmuskulatur zu lösen und zu entspannen. Zudem entlastet dieser weitere Tellington TTouch den Rücken, ebenso wie der nächste TTouch:

    3. "Lecken der Kuhzunge"

    Bei diesem Tellington TTouch spreizt du deine Finger leicht und legst sie an der Bauchlinie an. Dann streichst du – aus deinem Körper heraus – Richtung Rücken. Auf Höhe Mitte Bauch drehst du deine Hand, sodass deine Finger nun nach oben Richtung Wirbelsäule schauen. Dann streichst du weiter bis zum Rücken hoch. Wiederhole diese Sequenz von vorn in der Gurtlage/Widerrist bis nach hinten kurz vor dem Schlauch/Euter.

    Dieser TTouch entspannt die gesamte Bauchmuskulatur, die bei einer Kolik stark verkrampft ist, hilft dem Pferd den Rücken anzuheben und beruhigt die Atmung.

    Bitte zuerst prüfen, ob das Pferd während einer Kolik am Bauch überhaupt angegriffen werden will!

    Ein Video zum „Lecken der Kuhzunge“ findest du auf meinem Youtube-Kanal:

    Video „Lecken der Kuhzunge“

    Ich freue mich, wenn du auf Youtube ein „Mag ich“ und ein Abo dalässt 😉

    4. Den Energiefluss wiederherstellen

    Mit Jin Shin Jyutsu (japanische Harmonisierungskunst der Energien in Körper, Geist und Seele, auch Strömen genannt) kannst du und deinem Pferd die Wartezeit verkürzen. Durch Jin Shin Jyutsu hilfst du deinem Pferd, sich selbst zu helfen, du regst die körpereigenen Selbstheilungskräfte an. Bei einer Kolik sind gewisse Energiebahnen im Körper blockiert. Durch das Halten von sogenannten Sicherheitsenergieschlössern bringst du die Energie wieder zum Fließen, der Körper kann sich selbst helfen. Ein rascher „Kolik-Strömgriff“ ist das gleichseitige und gleichzeitige Halten der Sicherheitsenergieschlösser 1 und 2 (siehe Abbildung 1, 2). Halte die 1 und 2 auf beiden Seiten mindestens 10 Minuten. Das bringt Erleichterung, wenn das Pferd starke Bauchschmerzen hat, es bringt alles wieder ins Fließen, in Bewegung.

    Erste Hilfe bei Kolik: Strömen
    Das Sicherheitsenergieschloss 1 oben am Kreuz-Darm-Gelenk auf der Kruppe
    Erste Hilfe bei Kolik: Strömen
    Das Sicherheitsenergieschloss 2 liegt innen am Knie.

    Mehr zu Jin Shin Jyutsu erfährst du auf der Website des österreichischen Vereins Jin Shin Jyutsu Österreich (www.jsj.at) und auf dessen Facebook-Account („Verein Jin Shin Jyutsu Österreich“). Im September findet in Thaur in Tirol das Symposium „Hands on“ mit tollen Kennenlern-Workshops und wissenschaftlich fundierten Vorträgen statt. Mehr dazu auch auf der Homepage des Vereins.

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    Trotz allen Wissens zur Erste Hilfe bei Kolik ist Vorbeugung die beste Medizin. Dazu mehr in einem weiteren Blogbeitrag.

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