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  • Pferd mit Gurtzwang: 5 Tipps, um Gurtzwang zu beheben

    Gurtzwang beim Pferd: Was kann ich tun?

    Gurtzwang ist nicht nur für das Pferd sehr unangenehm, sondern auch für den Reiter auf Dauer eine Belastung. Er muss sich beim Satteln und Gurten ständig vor seinem Pferd in Acht nehmen, das im schlimmsten Fall beißt und schlägt. Das Pferd verknüpft Satteln und Gurten und in Folge das Reiten als etwas Unangenehmes.
     
    Doch das muss nicht sein!
     
    In diesem Blogbeitrag zeige ich dir 5 effektive Tipps, was du konkret bei Gurtzwang tun kannst.

    Unterschied zwischen Gurtzwang und Sattelzwang

    Gurtzwang bedeutet, dass das Pferd starke Ablehnung gegen das Gurten zeigt. Das heißt, es reagiert mehr oder weniger abweisend, wenn der Reiter den Sattelgurt um den Bauch des Pferdes schließen möchte.

    Sattelzwang wird oft synonym für Gurtzwang verwendet. Ich persönlich halte aber beide Begriffe klar auseinander. Beim Sattelzwang reagiert das Pferd bereits negativ, wenn sich der Reiter mit dem Sattel nähert und ihn auf den Rücken des Pferdes legt.

    Es gibt Pferde mit Gurtzwang, die noch kein Problem damit haben, dass der Sattel auf den Rücken gelegt wird. Erst das Durchgreifen unter dem Bauch zum Gurt und das Anziehen des Gurts löst Stress aus.

    Deshalb ist es mir wichtig, diese zwei Verhaltensauffälligkeiten klar voneinander zu trennen.

    In diesem Blogbeitrag geht es jetzt aber nur um den Gurtzwang.

    Wie zeigt sich Gurtzwang: Symptome von Gurtzwang

    Jedes Pferd ist individuell und reagiert anders. So können die Symptome für Gurtzwang von kaum sichtbar bis zu richtig heftig variieren. Erst wenn das Pferd wiederkehrend negativ auf das Gurten reagiert, kann man von Gurtzwang sprechen. Das heißt, es hat sich schon ein negatives Verhaltensmuster etabliert. Wenn ein Pferd einmalig auf das Gurten reagiert, muss das noch kein Gurtzwang sein. Es kann auch situationsabhängig gerade im Moment des Gurtens nach vorne mit dem Hinterhuf ausgeschlagen haben: eine Fliege, ein lästiger Boxennachbarn in der Stallgasse. Es heißt also – wie eigentlich immer – sehr achtsam zu sein und das Pferd genau zu beobachten.

    Bei den folgenden öfter auftretenden Symptomen deines Pferdes solltest du aufhorchen, wenn du nach dem Gurt greifst, ihn schließst oder nachgurtest:

    • Verspanntes Maul, hochgezogene Nüstern
    • Atmung verändert sich: Pferd hält Luft an oder atmet schneller
    • Angelegte Ohren
    • Schlagen mit dem Kopf
    • Deutliches Drohen mit Drehen des Kopfes nach hinten zu dir/zum Sattel
    • Im Moment des Gurtens: Schnappen in die Luft oder nach dem Strick, an Metall schlecken, an Holz knabbern
    • Drohen mit dem Hinterbein
    • Mit dem Hinterbein nach vorne treten
    • Dich abdrängen, auf deine Seite springen
    • Nach dir gezielt schnappen und beißen

    Symptome von Gurtzwang beim Reiten

    Ähnlich zeigen sich die Symptome von Gurtzwang auch beim Reiten:

    • Pferd läuft stark verspannt, hält sich fest, braucht sehr lange, bis es losgelassen geht
    • Pferd geht kaum vorwärts
    • Tritt, schnappt oder beißt nach dir, wenn du nachgurten willst
    • Im schlimmsten Fall kann das Pferd auch unkontrolliert losbuckeln oder steigen, um den unangenehmen Druck loszuwerden
    • Pferd wirft sich samt Sattel hin (dann ist aber wirklich Feuer am Dach!)

    Ursachen für Gurtzwang

    Die Ursachen für Gurtzwang sind so vielfältig, wie es Pferde gibt. Jedes Pferd ist anders und verknüpft Erfahrungen mit dem Sattelgurt anders.

    Häufig sind folgende Ursachen für Gurtzwang zu finden:
     
    • Hastiges und achtloses erstes Satteln/Gurten beim jungen, rohen Pferd
    • Unpassende Ausrüstung: Der Sattel kneift, die Schabracke scheuert etc.
    • Der Gurt passt nicht: Gerade anatomisch geschnittene Gurte müssen genau passen, sonst zwicken sie die Haut am Ellbogen ein. Gurt ist zu schmal/zu breit, ungepflegtes Material, kaputtes Leder etc.
    • Zu oft die höflichen Hinweise des Pferdes beim Gurten übergangen: Wenn die Hinweise eines Pferdes (Ohren anlegen, Kopf schlagen) auf falsches Gurten mehrmals ins Leere laufen, wird es immer mehr Abneigung gegen den Gurt aufbauen. Obwohl zum Beispiel vielleicht nur zwei oder drei Mal ein anderer Gurt ausgeliehen wurde, der nicht wirklich gepasst hat …
    • Das Pferd wird nicht auf das Satteln/Gurten vorbereitet: Drüberbürsten, Sattel draufklatschen, gurten und ab ins Viereck … Genau wie achtsames Putzen ist gute Vorbereitung beim Satteln und Gurten schon die halbe Miete beim Reiten.
    • Zu enges Gurten: Sehr oft sehe ich, dass der Sattelgurt zu schnell zu eng verschnallt wird. Stell dir vor, du musst einen Gürtel anziehen: Ohne Vorankündigung schnallt dir deine Freundin, die dir dabi hilft, den Gürtel knalleng zu, sodass dir fast die Luft wegbleibt. Kannst du dann einen Dauerlauf machen?
    • Magen-/Darmprobleme: Pferde mit Magen- und/oder Darmproblemen sind am Bauch sehr empfindlich. Klar, sie haben ja auch Bauchweh! Plötzlich auftretender Gurtzwang kann auch ein Symptom für Magenprobleme oder Darmprobleme sein.
    • Muskelverspannungen/Blockaden im Bereich der Rippen/Brustbein: Hier kann dir dein Tierarzt oder Physiotherapeut/Osteopath deines Vertrauens weiterhelfen.
     
     
    Gurtzwang was tun
    Pferde mit Gurtzwang müssen zuerst die negative, schmerzhafte Erfahrung des Gurtens löschen und eine neue positive Verknüpfung im Gehirn erstellen.

    Pferd mit Gurtzwang: Was kannst du konkret tun?

    Was kannst du jetzt konkret tun, um den Gurtzwang deines Pferdes zu beheben?
     
    Folgende drei Grundsätze gehen allen Übungen, die ich dir gleich zeigen werde, voraus:
     
    1. Analysiere genau, wie schlimm der Gurtzwang ausgeprägt ist.
    Reagiert dein Pferd verspannt, hält es die Luft an und bläßt sich stark auf? Oder tritt es gleich gezielt nach dir und du musst dich regelmäßig vor einem schnappenden Krokodil in Sicherheit bringen?
     
    2.  Kläre gesundheitliche Probleme vorher ab.
    Du kannst noch so oft die von mir unten angeführten Übungen machen – ohne Erfolg, wenn dein Pferd ein organisches Problem hat. Hast du den Verdacht, dass dein Pferd Schmerzen organischen Ursprungs hat (z. B. Kotwasser, wiederkehrende Koliken, Magengeschwüre oder Zysten und Rosseprobleme bei Stuten), kläre dies unbedingt vorher mit deinem Tierarzt ab!
     
    3. Bestrafe dein Pferd nie für Schnappen, Beißen oder Treten beim Gurten!
    Klar, ein Pferd sollte im Umgang mit dem Menschen nicht treten, beißen oder schnappen. Denk aber anders: Warum muss das Pferd das überhaupt tun? Was habe ich überhört/übersehen, dass das Pferd so deutliche Signale setzt? Außerdem lernt das Pferd bei Strafe nur, dass es nicht erwünscht ist, Schmerzen zu zeigen. Es driftet dann in eine erlernte Hilflosigkeit ab und kann sogar depressiv werden, also psychisch krank. Es wird dann zwar nicht mehr beißen oder schnappen, aber das löst nicht das Problem, dass das Pferd etwas Negatives/Schmerzhaftes mit dem Gurten verbindet. Eure Beziehung wird nachhaltig massiv gestört.

    5 Tipps und Übungen: So kannst du Gurtzwang beheben

    1. "Lecken der Kuhzunge"

    Der Tellington TTouch „Lecken der Kuhzunge“ ist meine absolute Lieblingsübung. Ich mache diesen TTouch bei allen Pferden und in fast allen Sitatuionen. Er ist einfach genial!
     

    2. "Pythonheber" mit dem Sattelgurt

    Der „Pythonheber“ ist ebenfalls ein Tellington TTouch. Hier verwende ich den Sattelgurt, um die „Pythonheber“ durchzuführen. Beim „Pythonheber“ hebe ich die Haut langsam an und lasse sie noch langsam wieder los. So kann sich das Nervensystem auf die Berührungen einstellen, die Berührung mit dem Sattelgurt wird als angenehm abgespeichert und das Pferd verliert seine Aggression gegen das Gurten.

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    3. Die Ausrüstung prüfen und optimieren

    Wenn die Ausrüstung, also Sattel, Satteldecke/Schabracke und Sattelgurt nicht optimal passen, kann dein Pferd das Satteln/Gurten mit der Zeit als unangenehm empfinden und sogar mit Schmerzen verbinden.
     
    Hat das Pferd bereits Gurtzwang, ist es enorm wichtig, die Ausrüstung auf ihre Passform zu prüfen:
     
    1. Der Sattel: Wenn schon der Sattel nicht passt, dann nützt auch der beste Gurt, der den Sattel an Ort und Stelle hält, nichts mehr. Bitte löse das Problem eines nicht passenden Sattels nie damit, dass du den Gurt einfach fester zuziehst. Wie oft habe ich zugeschnürte Pferde in der Reitstunde. Auf die Frage, warum der Sattelgurt so eng ist, höre ich sehr oft: „Sonst rutscht der Sattel nach vorn (oder zurück oder nach links/rechts …).“
    Ein Sattel ist wie ein Schuh: Passt der Schuh nicht (ist zu eng/zu groß), kann ich damit auch nicht auf einen Berg steigen oder einen Marathon rennen. Ich werde furchtbare Schmerzen haben. Und das Pferd muss bei mangelnder Passform nicht nur den Sattel ertragen, sondern auch noch das Reitergewicht tragen!
    Deshalb bitte: Prüfe deinen Sattel auf korrekte Passform. Ein guter Sattel liegt auch mit einem angenehm verschnallten Gurt noch richtig und rutscht nicht! Rutscht ein Sattel, passt er nicht!
     
     
    2. Satteldecke/Schabracke: Achte sehr genau darauf, wie die Schabracke/die Satteldecke unter dem Sattel zum Liegen kommt. Es dürfen sich keine Falten oder Knubbel bilden. Schmerzhafter Satteldruck droht! Und egal, was mal wehgetan hat: Dein Pferd merkt sich: „Schabracke scheuert, das tut weh. Sattel liegt genau da, wos wehtut. Gurt fixiert den schmerzhaften Sattel an Ort und Stelle. Also ist auch der Gurt doof!“
    Deshalb bitte: Schabracken regelmäßig waschen, die Fixierklettriemen an der Satteldecke/Schabracke auch verwenden, um ein Verrutschen zu vermeiden und „einkammern“, d. h. die Decke vorne nach oben ziehen, damit die Decke nicht am Widerrist aufliegt und scheuert.
    Bei Pferden mit empfindlicher Haut eventuell Lammfell- oder Kunstfellsatteldecken verwenden, um Scheuerstellen und abgebrochene Haare in der Sattellage zu vermeiden.
     

    3. Gurt: Die Passform des Gurts ist das Um und Auf! Je breiter der Gurt, desto besser verteilt er den Druck. Allerdings kann ich für ein eher schmales, rippiges Pferd keinen breiten Gurt verwenden. Anatomisch geformte Gurte müssen die richtige Länge und Form haben, sonst droht eingezwickte Haut hinter dem Ellbogen und Scheuerstellen oder gar offene Wunden. Auch das Material spielt eine wichtige Rolle: Pferde, die sehr sensibel sind, profitieren von einem Kunstfell-/Lammfellgurt. Ledergurte sind im Sommer angenehmer, weil sie einfacher zu putzen sind. Auch die Hygiene spielt eine Rolle: Ledergurte regelmäßig nach dem Reiten von Schmutz und Schweiß befreien, Fellgurte müssen öfter gewaschen oder zumindest mit Wasser abgespritzt werden.

    Gurtzwang beim Pferd: Was tun?
    Mit der Wahl des passenden Gurts ist ein erster Schritt in der Therapie von Gurtzwang getan.

    4. Korrekt gurten bei Pferden mit Gurtzwang

    Vorab: Korrekt gurten kannst du nur, wenn der Sattel passt.

    Der Gurt liegt korrekt, wenn im Stand noch ca. eine Handbreit zwischen Ellbogen und vorderster Gurtkante Platz hat. So kann das Pferd sein Bein frei bewegen, ohne ständig mit dem Ellbogen am Gurt anzustoßen.

    Hast du dein Pferd mit „Lecken der Kuhzunge“ und „Pythonheber“ auf das Gurten vorbereitet, ziehst du den Gurt nur so fest zu, dass der Sattel nicht verrutscht, wenn sich das Pferd bewegt. So kann sich das Pferd langsam an den Druck des Gurtes gewöhnen und fühlt sich nicht sofort wie eingeschnürt.

    Vor dem Aufsteigen führst du dein Pferd ein oder zwei Runden (am besten sogar einen ganzen Spaziergang lang oder zumindest einen Teil der Schrittphase). Das Pferd lässt dann  Luft aus dem Bauchraum, und du kannst entspannt nachgurten.

    Manchmal hilft es, dem Pferd eine Karotte oder ein Leckerli zu füttern, um es im Moment des (sanften!) ersten Angurtens ein wenig abzulenken.

    Nach dem Aufsteigen ist der Gurt korrekt verschnallt, wenn du ohne Probleme noch deine flache Hand zwischen Gurt und Bauch schieben kannst.

    5. Überprüfe die Haltung und Fütterung deines Pferdes

    Manche Pferde wirken grundsätzlich unzufrieden. „Der ist immer so“, „Der hat halt keinen Bock“, „Die ist einfach zickig“ hört man dann oft.
    Neben Gurtzwang zeigen solche Pferde auch noch andere Verhaltensauffälligkeiten: aggressiv dem Boxennachbarn gegenüber, futterneidig, extrem schreckhaft, sehen überall Gespenster etc.
     
    Hast du grundsätzlich das Gefühl, dass dein Pferd unzufrieden, schlecht gelaunt wirkt?
     
    Dann versuche, die Haltung und Fütterung deines Pferdes so weit wie möglich zu optimieren:
    Jederzeit Zugang zu Raufutter, Herdenhaltung, täglicher Auslauf (am besten in Gruppen sowie Tag und Nacht) sind für das Herden- und Lauftier Pferd nötig, um zufrieden und vor allem gesund zu bleiben.
     
    Ich habe sehr oft erlebt, dass Pferde, die von Boxenhaltung in einen Offenstall oder Paddocktrail mit Herdenhaltung gewechselt sind, sich völlig verändert haben.
    Und Verhaltensauffälligkeiten wie Gurtzwang, Aggression, Schreckhaftigkeit etc. lösten sich nach ein paar Monaten in Luft auf.
     
    Manchmal lohnt es sich, über den Tellerrand hinauszuschauen. Es ist mit den Pferden wie mit der Schulmedizin: Symptome allein zu behandeln, hilft nicht immer!
     
    Hat dein Pferd Gurtzwang? Was machst du, um deinem Pferd das Gurten angenehmer zu machen? Hast du noch weitere Tipps? Schreib mir gerne in die Kommentare.
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  • Das Geheimrezept für eine intensivere Beziehung zu deinem Pferd

    Interview mit Bibi Degn, Tellington-TTouch®-Instruktorin für Pferde

    Geheimrezepte klingen immer so schreierisch, so übertrieben. Ja, da hast du Recht.  Mit dieser Überschrift wollte ich deine Aufmerksamkeit erregen. Denn das Thema, worum es in diesem Interview geht, ist mir sehr, sehr wichtig und ich will all deine Aufmerksamkeit 😉 Denn dieses Geheimrezept entscheidet meiner Meinung nach darüber, wie intensiv deine Beziehung zu deinem Pferd ist und wie du sie verbessern kannst!

    Bist du bereit, etwas zu investieren, um die Beziehung zu deinem Pferd zu verbessern, sie auf ein neues Level zu heben? Dann ist das folgende Interview über dieses Geheimrezept genau das Richtige für dich. Ich hoffe, es regt dich zum Nachdenken an – und führt dich in Folge zu einer intensiveren, freudvolleren Beziehung zu deinem Pferd!

    Doch wie lautet nun das Geheimrezept?

    Ich will es dir verraten: Es lautet Achtsamkeit. Du hast dieses Wort hier bei Ghostreiter sicher schon öfter gehört.

    Jeden Tag erinnere ich mich daran, Dinge mit mehr Ruhe anzugehen, bewusster zu agieren, die Reaktionen meines Pferdes nicht zu sehr auf die Waagschale zu legen. Mich nicht in meiner Person angegriffen zu fühlen, wenn etwas nicht klappt. Genau hinzuspüren, was mein Pferd mir sagen will, mit mehr Liebe bei der Sache zu sein … für mich bedeutet all das und noch viel mehr der Begriff der Achtsamkeit. Und das beginnt zum Beispiel schon beim Putzen.

    Achtsamkeit hilft dir, die Beziehung zu deinem Pferd zu intensivieren. Weil du bewusster hinschaust, bewusster hinfühlst und dein Pferd noch mehr zu verstehen im Stande bist.

    Und weil die Tellington-TTouch-Methode das perfekte Tool für Achtsamkeit ist, ja vielleicht sogar die „angewandte Achtsamkeitsschule“ ist (vgl. Interview), habe ich Bibi Degn zum Interview gebeten.

    Wer ist Bibi Degn?

    Bibi ist eine der weltweit wenigen Tellington-TTouch-Instruktorinnen, die von Linda Tellington-Jones persönlich anerkannt und zertifiziert sind. Bibi ist somit befugt, nicht nur die Methode anzuwenden und zu unterrichten, sondern auch Tellington-TTouch-Lehrer/-innen auszubilden.

    Ihr Fundus zur Tellington-Methode ist unendlich. Sie ist durch und durch Pädagogin in ihrem Beruf als Tellington-Instruktorin und lebt für und mit den Tieren. Ihre gesamte Arbeit und ihre Herangehensweise an „Problempferde“, Pferde mit Verhaltensauffälligkeiten, an problematische Pferd-Mensch-Beziehung ist von unglaublich viel Liebe zu allen Lebewesen, von hoher Achtsamkeit und Lebensfreude geprägt.

    Im Interview mit mir erklärt sie, was das Konstrukt „Achtsamkeit“ für sie bedeutet, wie es sich konkret  anwenden lässt und wie du mit mehr Achtsamkeit die Beziehung zu deinem Pferd verbessern kannst.

    Die Beziehung zum Pferd verbessern mit ...

    Ghostreiter by Melanie: Achtsamkeit ist heutzutage ja fast schon ein Modewort. Was bedeutet für dich Achtsamkeit – wie definierst du sie für dich selbst?

    Bibi Degn: Achtsamkeit bedeutet für mich, das, was ich tue, mit Liebe zu tun. 

    Wie integrierst du Achtsamkeit in dein tägliches Leben? Haben Tiere da einen großen Anteil?

    Die Tiere sind die großen Lehrmeister für meine Achtsamkeit, denn nichts, was ich an, für und mit meinen Tieren mache, hat, ohne achtsam zu sein, viel Wert. In dem Moment, in dem ich meine Tiere sehe, ihre Seele schaue, stellt sich Achtsamkeit wie von selbst ein. Wir alle – vermute ich – haben Tiere, weil wir unsere Liebe zu ihnen spüren wollen. Ich bemühe mich, dies zu leben, wenn ich mit ihnen in Interaktion bin.

    Dies führt zu einem „angewandten Achtsamkeitstraining“ im Alltag, ein großer Vorteil, den wir „Tiere-Menschen“ haben können. Denn wir lernen Achtsamkeit nicht nur bei Stille im Meditationstempel, sondern in der oft sogar lärmenden Welt, im Handeln mit schreckhaften Pferden, bellenden Hunden und eigenwilligen Katzen.

    Dieses Training, Achtsamkeit im Handeln anzuwenden, führt zu einer Haltung, zu Übung, zu einer Gewohnheit. Kürzlich sagte ein Freund zu mir, ich würde den Blumenkohl mit zärtlichen Händen zerteilen. Das war mir nicht bewusst – danke euch, ihr Tiere, für eure anhaltende Achtsamkeitsschulung!

    Der Kontakt wird tiefer, das Zusammensein wird freudvoller

    Wie kann höhere Achtsamkeit unser Zusammenleben mit Tieren beeinflussen?

    Ich habe erwähnt, dass ich einen Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und dem Sehen der Seele der Tiere sehe. Wer, ob Tier oder Mensch, blüht nicht auf, wenn sein Gegenüber „seine Seele schaut“? Und wer von uns blüht nicht auf, wenn uns das Gegenüber einen Blick auf seine Seele erlaubt? Der Kontakt wird tiefer, das Zusammensein wird freudvoller, das Training wird spielerischer, es geht nicht mehr um Machtpositionen – und die Sucht, mit den Tieren zu sein, wird gewaltig werden 🙂

    Wie hat dich der achtsamere Umgang mit Tieren durch deine Arbeit als Tellington TTouch® Instruktorin als Mensch verändert?

    Wenn ich oben das angewandte Achtsamkeitstraining erwähnt habe, so möchte ich die Tellington TTouch® Methode als die angewandte Achtsamkeitsschule bezeichnen. Eine bodenständige und zielführende Trainingsmethode, die so viele Elemente der Achtsamkeitsschule in sich trägt, macht, dass es einfach passiert, ohne drüber groß zu reden oder sich diesbezüglich zu disziplinieren.

    Achtsamkeit hat ja auch immer mit Bewusstsein zu tun: Ich muss mir bewusst sein, dass mein Handeln, mein Verhalten Auswirkungen auf Mitmenschen, auf andere Lebewesen, auf meine Umwelt hat. Wie kann ich aus deiner Sicht Bewusstsein und Achtsamkeit fördern?

    Die Antwort ist vielleicht überraschend – das kann ich, indem ich gut und ganz bei mir selbst bin, mich selbst wahrnehme, in Kontakt mit meinem Wesen trete und meine Liebe, die ja immer da ist, in mir finde.

    Denkst du, dass mehr Achtsamkeit und Bewusstsein in der heutigen Zeit uns helfen würde, unsere Welt zu einem schöneren Ort für uns und unsere Tiere zu machen?

    Ich glaube, es gibt keinen anderen, keinen besseren Weg und Schlüssel dahin.

    Achtsamkeit in der Ausbildung von jungen Pferden

    Lernen in Abwesenheit von negativem Stress

    Bibi, du bist seit vielen Jahren Instruktorin für Tellington TTouch ® Training für Pferde. Du hast bei Linda Tellington-Jones gelernt, lernst immer noch regelmäßig bei ihr und wurdest von ihr persönlich 2002 zur Instruktorin ernannt. Kannst du uns kurz erklären, was die Tellington TTouch® Methode ist und welchen Bezug Tellington TTouch zur Achtsamkeit hat?

    Für mich ist die Tellington-Methode Trainingsmethode für Tiere, eine Methode, die Beziehung schafft, Verbindung zwischen Mensch und Tier auf einer Ebene, die einen Tick tiefer ist als unser Alltagsbewusstsein. Diese Ebene hat etwas mit „Erkenntnis“ zu tun.
    Daraus ergibt sich all das andere: Lernen kann man nun mal am besten in der Abwesenheit von negativem Stress, Kooperation ergibt sich aus Freundschaft wie von selbst, und der Körper erblüht, sobald Liebe im Spiel ist. So ist all das „esoterische Zeugs“ kein Widerspruch zu einer bodenständig funktionierenden Trainingsmethode, die jeder anwenden kann, sondern der Nährboden für funktionale Beziehungen zwischen Mensch und Tier.

    Tiere als Lehrer für uns

    Linda Tellington-Jones gilt ja als Wegbereiterin für eine der achtsamsten Methoden in der Ausbildung von Tieren. Wie hat Linda das Thema der Achtsamkeit in ihre Philosophie eingebunden?

    Die Philosophie der Tellington-Methode sagt Folgendes: Arbeit mit dieser Methode lässt erfahren, wie wichtig die Tiere in unserem Leben sind, und verwirklicht, dass Tiere Lehrer für uns sind.

    Sie trägt bei zu Freundschaft und Liebe zwischen Mensch und Tier sowie zu Frieden, Freundschaft und achtsamem Umgang von Menschen.

    Es kommt zum Ausdruck, dass jedes einzelne Tier (und jeder Mensch) besonders ist und etwas anderes braucht, um glücklich zu sein, und dass jedes Tier und jeder Mensch auf seine eigene Weise lernt.

    Tiere werden mit Verständnis behandelt, statt über sie zu bestimmen, sie einzuschüchtern oder ihnen körperlich oder seelisch weh zu tun.

    Der Tellington TTouch dient als Sprache, die zwischen Mensch und Tier genutzt werden kann.

    Vielen Dank, Bibi, für dieses Interview!

    Mehr zu Bibi findest auf ihrer Homepage: www.tiereakademie.de

    Bonus für alle Newsletter-Abonnenten

    Bibi hat sich dankenswerterweise die Zeit genommen, um für alle Newsletter-Abonnenten von Ghostreiter einen kleinen Guide zu schreiben: Den Guide „Mit den Händen Antworten erspüren“ erhalten alle Newsletter-Abonnenten kostenlos!

    Mit diesem Guide erhältst du eine Anleitung, wie du mithilfe des Tellington-TTouchs „Noahs Marsch“ in einen augenöffnenden Dialog mit deinem Pferd kommen kannst.

    Melde dich zum Newsletter an und erhalte kostenlos das PDF „Mit den Händen Antworten erspüren“

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  • Schockierende Studie: Die Hälfte aller Pferde hasst Putzen – Pferde richtig putzen

    So sehr hassen Pferde das Putzen ...

    Die Studienergebnisse der französischen Wissenschaftlerin Léa Lansade sind erschreckend. Pferde richtig zu putzen ist gar nicht so einfach! Sie beobachtete 69 Pferdebesitzer und ihre Pferde während ihrer Putzroutine. Das alarmierende Ergebnis:

    Fast die Hälfte der Pferde verhielt sich aggressiv oder zeigte Anzeichen von Schmerzen. Außerdem brachten sich 100 Prozent aller Pferdebesitzer mindestens einmal in eine gefährliche Situation. Nur bei 5 Prozent der Pferde sahen die Wissenschaftler positives Verhalten wie versuchte Fellpflege des Besitzers oder engeren Kontakt.

    Wir putzen unsere Pferde ganz oft mit dem Gedanken, sie zu verwöhnen und ihnen Ersatz für die Fellpflege unter Artgenossen zu bieten. Leider weit gefehlt, wie diese alarmierende Studie bestätigt: Oft putzen wir achtlos, unreflektiert und ohne auf die Bedürfnisse des Pferdes zu achten. Natürlich, ein Pferd gehört nun mal geputzt, wenn man es reiten will. Satteldruck, Gurtdruck, verstopfte Talgdrüsen in der Sattellage, unentdeckte Verletzungen – Ergebnisse von mangelnder Putzhygiene. Putzen ist nun mal nötig.

    Pferde putzen und dann ein lockeres Pferd beim Reiten: NOT!

    Meist wollen wir das Pferd nach dem Putzen reiten. Beim Reiten wünschen wir uns dann ein locker schwingendes, losgelassenes, zufriedenes Pferd, das motiviert mitarbeitet. Berücksichtigt man nun die Studienergebnisse von Dr. Lansade, dann sind die wenigstens Pferde, schon bevor wir sie reiten, weder losgelassen noch zufrieden, sondern verspannt und verärgert. Keine guten Voraussetzungen fürs Reiten, oder?

    Es ist also von immenser Wichtigkeit, dem Putzen einen viel höheren Stellenwert beizumessen als schnell schnell wischiwaschi mal drüberzubürsten. Achtsamkeit beim Putzen muss oberste Priorität haben, wollen wir ein freudig mitarbeitendes Pferd unter dem Sattel.

    Doch wie putze ich ein Pferd nun richtig? Wie geht achtsames Putzen? Ohne mich selbst beim Putzen in Gefahr zu bringen und ohne mein Pferd zusätzlich zu verärgern und zu verspannen?

    Pferde richtig putzen: 6 Übungen für ein glückliches Pferd

    1. Achte genau auf Mimik und Ausdruck deines Pferdes.

    Schlägt es immer wieder mal mit dem Schweif, wenn du den Bauch putzt? Das könnte ein Anzeichen sein, dass es sich dabei unwohl fühlt. Es zieht die Nüstern auf einer Seite hoch und es bilden sich kleine Fältchen um die Augen? Es legt kurz die Ohren an und wendet den Kopf zu dir um? Alles weitere subtile Zeichen für Unwohlsein, manchmal sogar für Schmerzen. Schule deinen Blick für solche Ausdrucksformen für Unwohlsein oder Schmerzen deines Pferdes. Willst du die Signale der Pferdesprache genauer studieren, empfehle ich dir dieses Buch: „Sprachkurs Pferd“ von Sharon Wilsie. Nach über 30 Jahren mit Pferden hatte ich bei der Lektüre noch so einige Aha-Erlebnisse.

    2. Probiere aus, wann dein Pferd Putzen am besten akzeptiert.

     Stand es vorher in der Box oder am Paddock und konnte sich nicht allzu viel bewegen, ist es wahrscheinlich schon von Beginn an verspannt und steif. Putzen kann dann unangenehm sein, wenn wir mit dem Striegel auf kalten, verspannten Muskeln herumschubbern. Probier mal aus, ob dein Pferd entspannter beim Putzen ist, wenn du vorher einen kleinen Spaziergang machst. Wenn du dein Pferd vor dem Reiten eh ablongierst, versuche es mal nur am Kappzaum ohne vorheriges Putzen. Und schau danach, ob es positiver beim Putzen reagiert.

    3. Fang mit einem Putzhandschuh oder einem Handtuch an.

    Wenn das Pferd nicht gerade vor Schmutz steht, reicht auch Drüberwischen mit einem weichen Putzhandschuh aus Stoff oder Lammfell oder ein feuchtes Handtuch. Beginne vorsichtig, das Fell abzustreichen. Beginne am Kopf und arbeite dich langsam auf jeder Seite von ganz vorne bis nach hinten zur Schweifrübe und bis zu jedem Bein bzw. Huf. So kannst du genau lokalisieren, wo dein Pferd empfindlich ist. Beim Putzen mit Kardätsche und Striegel kannst du dann an diesen Stellen extra vorsichtig sein und sie falls nötig auch aussparen.

    4. Probier viele verschiedene Bürsten und Striegel aus.

    Ich habe für meine drei Pferde drei eigene Putzkisten. In jeder Kiste sind andere Bürsten, weil jedes Pferd individuell ist und unterschiedliche Härtegrade von Bürsten und Striegeln mag. Hast du ein sehr sensibles Pferd, rate ich dir zu sehr weichen Naturhaarbürsten und Putzhandschuhen. Lieber mal ein wenig staubigeres Pferd als ein übel gelauntes, verspanntes Pferd unter dem Sattel. Denn so ein Pferd ist auch immer ein Sicherheitsrisiko für den Reiter!

    5. Sei geduldig mit dir selbst und atme immer wieder tief aus.

     Vorallem dann, wenn dein Pferd unleidig reagiert und gar schnappt oder mit dem Bein droht. Dasselbe gilt für das Schließen des Sattelgurts und das Satteln selbst. Mehr zum Thema „Achtsames Satteln und Gurten“ findest du in einem meiner nächsten Blogartikel. Kein Pferd ist unerzogen, außer es wurde von uns dazu gemacht. Meist sind „unerzogene“ Pferde sehr sensible Kandidaten, die sehr deutlich sagen, was für sie unangenehm oder sogar schmerzhaft ist.
    Meine Stute war lange Zeit auf der linken Schulter extrem empfindlich, an manchen Tagen durfte ich sie hier partout nicht putzen. Ich akzeptierte das. Mir war klar, dass ihr diese Schulter wehtat. Warum habe ich erst lange Zeit später erfahren: Ihre große Schwachstelle ist das rechte Hinterbein (durch ein immer wieder blockiertes und schiefes Iliosakralgelenk). Um dieses zu entlasten, muss sie diagonal vorne links mehr abstützen. Die verspannte linke Schulter wurde also durch ihren kaum sichtbaren Schongang hinten rechts ausgelöst. Nicht immer liegt die Lösung an der Stelle, wo das Pferd empfindlich ist. Behalte das immer im Hinterkopf! Pferde dafür zu bestrafen, dass sie nur ausdrücken, was fein ist und was nicht, ist eine Form von Gewalt. Punkt.

    6. Lass dein Pferd während des Putzens an etwas Heu knabbern.

    Nirgendwo gibt es eine Vorschrift, dass ein Pferd während der Putzroutine nicht etwas fressen darf. Fressen beruhigt und fördert eine positive Atmosphäre. Oder biete ihm immer wieder mal ein Leckerli an, wenn es besonders ruhig dasteht. Vorschläge für gesunde Leckerlis findest du in diesem Blogbeitrag: Gesunde Pferdeleckerlis. Du kannst es auch an einem Ast oder gesunden Kräutern knabbern lassen (lies mehr dazu hier nach: Pferde mit Kräutern gesund füttern). Meist sind die Pferde dann gleich schon viel entspannter beim Putzen. Warum nicht alles dafür tun, dass ich ein gut gelauntes Pferd unter dem Sattel habe, das willig mitarbeitet und locker über das Viereck oder die Wiesen schwebt?

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  • Wie du Nachhaltigkeit im Reitsport umsetzt UND dabei bares Geld sparen kannst

    „Wir sind eine echte Reiterfamilie.“

    „Wieso?“

    „Also ich mache einen Dressurkurs, mein Bruder einen Springkurs, meine Mutter einen Fahrkurs, umd mein Vater einen Konkurs.“

    Okay, es gibt bessere Witze, aber es steckt ein ziemlich wahrer Kern in der Geschichte: Pferde selbst zu halten, ein Pferd in einem Pensionsstall einzustellen oder auch schon ein Pflegepferd kann ganz schön ins Geld gehen. Und wenn man da nicht eine Familie hat, die einen tatkräftig unterstützt, ist man schon mal ziemlich pleite … Wer kennt’s nicht?

    Ist ja auch nichts Neues, aber jetzt kommt der Clou dabei: Wer darauf achtet, seine Geldbörse zu schonen, tut nicht nur sich selbst etwas Gutes, sondern tut auch gleichzeitig etwas für die Nachhaltigkeit im Reitsport.

    Nachhaltiger Reitsport - ein Luxusproblem?

    Meist verschwenden Luxusgüter – und Reitsport gehört nun mal dazu – auch enorm Ressourcen. Das fängt an bei den Futtermitteln, geht über die Ausrüstung und reicht bis hin zur Mobilität.

    Denn sind wir uns ehrlich: Unsere Pferde fressen ziemlich viel Heu, das dann den Tieren fehlt, von denen viele von uns Milch und Fleisch essen wollen. Heu zu produzieren ist kein Honiglecken. Wir machen seit Jahren unser Heu selber: Früher alles von Hand und mit dem Pferdehänger, jetzt mit dem Traktor und allen Gerätschaften. Wir verbrauchen also im Gegensatz zu früher auch mehr Treibstoff und produzieren somit Kohlenstoff … 🙁

    Dann – wahrlich ein Luxusgut – wollen wir unser Pferd reiten. Fein wärs, wenn wir das in einer Reithalle machen können. Wetterunabhängig versteht sich – oder zumindest auf einem Reitplatz mit tiptop Boden. Das aber braucht weitere Ressourcen: Schon mal darüber nachgedacht, dass man für mal schnell einen Reitplatz bewässern im Sommer locker und lässig 400 Liter Wasser benötigt? Und meist wird dafür das Wasser aus der normalen Wasserleitung verwendet – logisch! Aber dass das Trinkwasser ist, was da rauskommt, vergessen viele. Klar, es gibt Systeme für Regenwasserspeicherung etc., aber das ist nicht überall so!

    Weiter gehts mit der ganzen Ausrüstung für unsere Pferde und unserer Bekleidung fürs Reiten. Wenige der großen Reitsportmarken machen sich Gedanken über Nachhaltigkeit im Reitsport. Wo denn die Baumwolle für all die schönen Satteldecken herkommen und wo die Teile geschneidert werden. Von Fairtrade, Bio oder gar sozial verträglich keine Spur. Während andere große Kleidungshersteller hier schon viel in diese Richtung getan haben, fehlt mir hier im Reitsport oft noch zumindest der Versuch, etwas in die richtige Richtung zu bewegen. Aber es gibt Ausnahmen wie z.B. Royal Horsemen.

    Ein schönes Zitat habe ich bei a life with horses gefunden:

    Wir kaufen uns Bambus-Becher für den Kaffee, greifen im Supermarkt ins Bio-Regal – doch beim Shopping fürs Pferd setzt der Verstand aus.

    So wahr, oder? Wenn wir uns wirklich mal an der Nase nehmen, wissen wir, dass in diesen Gedanken schon ein Fünkchen (oder ein riesiges Feuer?) an Wahrheit steckt …

    Und für unsere Pferde tun wir ja schließlich alles. Wir fahren täglich in den Stall zu jeder Tages- und Nachtzeit. Meist nicht immer mit Öffis zu vereinbaren. Wir müssen ja flexibel sein, wenn das Pferd zu einer bestimmten Zeit sein Futter braucht oder nur ab 17 Uhr die Halle fürs Freispringen freigegeben ist. Und dann fahren wir mit dem Auto, jeden Tag, viele Kilometer, alleine. Weil die Freundin aus dem selben Stall lieber erst später kommt. Da ist es im Stall ruhiger …

    Ich hoffe, ihr wisst langsam, worauf ich hinaus will …

    Unser liebstes Hobby, unser liebster Reitsport, trägt viel Potenzial in sich, über Nachhaltigkeit, Schonen von Ressourcen und bewussteres Konsumverhalten nachzudenken. Wenn wir ab und zu mehr nachdenken, bevor wir etwas nachmachen, dann können wir sogar Geld sparen. Und das können wir dann wieder andere tolle sinnvolle Sachen für unsere Pferde investieren … 😉

    Deshalb sind meine Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Reitsport auch gleichzeitig Tipps für eine vollere Geldbörse.

     

    Meine Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Reitsport

    Hier also meine Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Reitsport, mit denen du nicht nur der Umwelt, der Natur und schlussendlich deinem Pferd etwas Gutes tust. Außerdem sparst du dabei so manchen Euro, den du dann wieder in dein liebsten Hobbys reinvestieren kannst 😉 Guten Unterricht zum Beispiel!

    Reparieren, ersetzen, verzichten

    1. Fahrgemeinschaften für die Fahrt in den Stall bilden: Das macht vor allem dann Sinn, wenn euer Pferd weiter weg steht und ihr nur mit dem Auto in den Stall kommt.
    2. Mehrere Reiter tun sich zusammen, um einen guten Trainer auf den Hof einzuladen und nehmen gemeinsam bei ihm Unterricht. Teilt man die Anfahrtsspesen für den Trainer auf mehrere Reiter auf, sind die Trainingskosten gleich günstiger. Zudem braucht der Trainer nur einmal zu dir in den Stall zu fahren und nicht an mehreren Tagen die Woche für jeden Reiter einzeln.
    3. Organisiere selbst einen Workshop oder Trainingslehrgang bei dir am Hof. Die meisten Trainer/Lehrer bieten an, dass der Organisator gratis oder zumindest stark vergünstigt mitreiten kann. So musst du nicht mit Pferd und Hänger zu einem Lehrgang extra anreisen.
    4. Du kannst dir die megageniale Massagedecke nicht leisten? Entweder du bildest eine „Einkaufsgemeinschaft“ und du teilst dir die Kosten mit anderen Mädls aus dem Stall, oder du bietest jemandem, der die Decke schon hat, eine Mietgebühr an.
    5. Strecke teure Fliegen- und Mähnensprays mit ein wenig Wasser, meist haben sie dann trotzdem immer noch eine gute Wirkung. Zudem riechen sie nicht mehr so intensiv.
    6. Verwende günstige IKEA-Dosen im praktischen Stapel als Futterdosen statt die teuren Futtertöpfe aus dem Reitsporthandel. Oder vielleicht gleich alternative Dosen aus Bambus. Denn egal ob aus IKEA oder dem Reitsporthandel – Plastik ist es halt immer noch …
    7. Verwende alte Kübel oder Futtertonnen als Hindernismaterial.
    8. Schnapp dir deine Stiefel und ab damit zum Schuster im Dorf, wenn sie dir zu eng oder zu weit sind oder sich die Sohle ablöst. Danach sehen sie wieder aus wie neu. Kampf der Wegwerfgesellschaft 😉
    9. Kauf dir Schuhcreme im Drogeriemarkt. Sie ist super weich und leicht aufzutragen und pflegt die Stiefeletten und Stiefel genauso wie die teure Schuhpflegecreme vom Markenhersteller.
    10. Spar es dir, dein Pferd komplett von oben bis unten zu waschen, sobald das Thermometer über 20 Grad steigt. Tuts eine gute Staubbürste oder ein feuchtes Tuch nicht auch? Für so eine Pferdedusche fließen ziemlich viele Liter Wasser den Abguss runter. Außerdem zerstört zu häufiges Waschen die natürliche Schutzbarriere der Pferdehaut …

    Nachhaltigkeit im Reitsport durch "Upcycling"

    1. Verwende eine günstige Fleecedecke als Abschwitz-Abreitdecke. Die tuts genauso, und in hübschen Farben sieht sie auch toll aus! Oder schau, ob du deine alten Decken nach einer Wäsche und mit Nadel und Faden nicht doch wieder in Schuss bringen kannst. Daheim im Stall ists eigentlich wirklich wurscht, wie die Decke aussieht, oder nicht? Dem Pferd ists sowieso egal! Das interpretiere ich jetzt einfach mal ins Pferd hinein 😉
    2. Färbe alte weiße Turnierschabracken einfach andersfarbig ein und schon hast du eine neue Schabracke in schicker Farbe.
    3. Verwende alte Elastikbandagen als Tellington-Körperbänder und tu damit deinem Pferd durch die Verbesserung seines Körpergefühls etwas Gutes.
    4. Knüpf dir Heuballenschnüre zu einem Balancezügel für die Tellington-Arbeit. Mit alten Heuballenschnüren lässt sich auch so manches im Stall aufhängen (Salzlecksteine, Spielbälle für die Pferde etc.).
    5. Druck dir die Buchstaben fürs Viereck auf Papier aus, foliere sie ein und hänge sie auf, fertig ist das Dressurviereck!
    6. Verwende statt der praktischen Babyputztücher fürs Pferdegesicht und zum Entstauben ein Microfasertuch. Macht definitiv weniger Müll!
    Kräuter in einer Totholzhecke: Nachhaltigkeit im Reitsport
    Kleine Kräuterpfllänzchen in einer Totholzhecke können in Ruhe heranwachsen und dann später den Pferden als gesunde Knaberei dienen.

    Natürliche, gesunde Alternativen verwenden

    1. Schau dich im Katalog deines Lieblings-Reitsportversandshauses nach biologischen Alternativen zu Fliegenspray und Mähnensprays um. Es gibt mittlerweile tolle, genauso wirksame Alternativen zu den ganzen konventionellen Pflegeprodukten. Alternativen müssen nicht immer teurer sein!
    2. Vergleich mal die Preise für konventionelle Futtermittel (wie z.B. für ganzen Hafer) bei deinem lokalen Futterhändler mit dem von Bio-Lieferanten. Heutzutage sind da nur mehr wenige Cent Unterschied. Damit ist jetzt nicht unbedingt Geld gespart, aber man unterstützt ein System, das auf Dauer unserer Umwelt hilft.
    3. Bestelle lieber eine große Futterlieferung und lagere die Säcke ein (Achtung: Mindesthaltbarkeitsdatum!). So sind die Kilopreise deutlich günstiger, als wenn du immer nur einen einzelnen Sack kaufst.
    4. Pflanz rund um den Stall ein paar Bio-Kräuter an. Richtig gepflegt, wachsen sie rasch und liefern wertvolle Knabbereien fürs Pferd (z. B. Kamille, Weißdorn, Brombeer – die muss man meist gar nicht anpflanzen, die wuchern auch so, genauso wie Brennesseln, die getrocknet eine prima Leckerei für Pferde sind). So spart man sich teure Futterzusätze, wenn man den Futterplan des Pferdes mehr an der Natur ausrichtet. Zu gesunder Pferdefütterung mit selbst gepflanzten Kräutern am Stall klicke hier.
    5. Verwende statt industriell hergestellten Pferdeleckerlis natürliche Alternativen wie z. B. Hagebutten, pelletierter Leinkuchen, Kokossticks etc.
    Du siehst, es ist gar nicht so schwer, etwas für unsere Umwelt zu tun, dabei deinem Pferd UND deiner Geldbörse etwas Gutes zu tun. Nachhaltigkeit im Reitsport betrifft uns alle. Mit einfachen Handgriffen und mehr Achtsamkeit und Bewusstsein ist das auch easy umzusetzen!
     
    Also: Lebe bewusst – für dich und dein Pferd!
    Deine Melanie
     
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